Nr. 15
Seite 167
Internationale Sammler-Zeitung
im Nebenberuf betreiben wollen, finden in der Schule Auf
nahme. Die Lehrfächer sind Schnitzen in Holz, Elfenbein,
Bernstein, Meersch ium, M-dellieren für Groß- und Klein
plastik, Freihandzeichnen, Darstellung -Übungen, Ausführung
von Werkstattzeichnen, Gießen und Formen in Gips. Im all
gemeinen ist eine drei- bis fünfjährige Studienzeit zur Aus
bildung nötig. Man hofft, daß die Schule das ihre dazu bei
trag m wi.d, die Holzschnitzerei in dir Rhön wi.dn in die
Höhe zu bringen.
(Die ersten Theaterzettel.) Ankündigungen von
Theatervorstellungen gab es in Gestalt von Wandbildern oder
Mauerplakaten schon in den ältesten Zeiten, aber erst im Jahre
1789 geschah es zum erstenmal, daß die C ime'lic Franfäise
von der R gierurg g zwurgen wu.de, dem Publikum jeden
Tag die Namen d er Schauspieler bekanntzugeben, die bei den
Aufführungen mit wirkten. Vergebens versuchten die Theater
direktoren, sich diesem Gesetz zu entziehen, in dem sie eine
schwere Schädigung ihrer Interessen sehen zu müssen glaubten,
denn wenn das Publikum vorher die Besetzung erfahre, so
könne es Vorkommen, daß einer cd r der andere vom Theater
besuch absehen werde, weil ihm die auftretenden Künstler
nicht gefielen. Schließlich triumphierten aber das Publikum
ur.d das Gesetz über die Direktoren, und di; C >medie und die
anderen Theater mußten sich d ;r Anoid iung fügen. Der erste
dieser Theaterzettel mit den Namen der Schauspieler ver-
zeichnete die Vorstellung von „Mahomet I.“, der berühmten
Tragödie, die Voltaire Papst Bjnedikt XIV. gewidmet hatte.
Der Zettel verzeichnete auch die Stunde des Tneateranfangs,
den Preis der Plätze und enthielt am Fuß die Bemerkung, daß
Domestiken von dem Besuch der Vorstellung ausgeschlossen
seien. Jedes Tneater hatte für seine Zettel eine besondere
Farbe, die des „Hotel'de Berargogne“ war rot, die des „Hotel
Mazarin“ grün und dis der Oper gelb. Die Maße der Zsttel
betrugen 30;50 cm.
(Zum Dante-Tage.) Das schönste Denkmal von der
Dante in.piuertar bildenden Kunst, die Zeichnungen Botti
celli s zu • G ie: ich en K ) n > li ein B er .in er K lpierstichkabinett,
wl d ;iie Dinte-Au;iteiiung zeigen, die die Berliner Museen
zun G :li;h: liitage les Dichters vorbereitan. Eine interessante
vv;en ich if Liehe Beurteilung der herrlichen Zeichnungen
b i lg: du geoße B itticelii-Werk Emil Schäffers, das eben
bei Ja im Bard in B er in erscheint. Einön hohen Rang in den
.£> r lte-Ve "öffentlichengen dieses Jahres dürfte die Übertragung
von Dvites „Vita Nmva“ einnehmen, dis Karl Federn, der
feine Dante-Kenner, wird erscheinen lassen.
(Der älteste bekannte Uhrmacher) war ein Ägypter
namens Amenemhet, der um 1550 vor Chr. lebte und in einer
ausführlichen Inschrift in seinem Grabe von seinem Leben
und von seiner E-findung berichtet hat. Leider ist der Text
nur unvollständig erhalten, aber wir können ihm doch ent
nehmen, daß Amenemhet nach eindringenden literarischen
Seudien zu der Überzeugung gelangte, daß die Winternacht
14 Stunden lang sei, die Sommernacht aber nur 12, oder —■
da ja die Tages- und die Nachtzeit ohne Rücksicht auf ihre
tatsächliche Länge in je 12, unter sich also wechselnd lange
Stunden geteilt wurden —- richtiger ausgedrückt, daß die Länge
der W nternacht zur Länge der Sommernacht sich wie 14; 12
verhielt, dieL'iageder betreffenden Stunden also entsprechend.
Von dieser Erkenntnis machte er nun bei der Herstellung einer
Wasseruhr Gebrauch, von der er erzählt. „Ich machte eine
Mrayt (das heißt einen Zeitmesser), berechnet auf das Jahr.
Sie war für den ^seligen König von Ober- und Unterägypten
Amenophis I, schöner als alles andere. Sie war richtig zu
jeder Jahreszeit. Nie wurde eine wie sie seit der Vorzeit gemacht.
Ich fertigte dieses großartige Mißgefäß in der Gunst des
seligen Königs von Ober- und Uaterägypten Amenophis I,
geteilt in Halb und Drittel. Es war richtig beim Eintreten in
die Erntejahreszeit, in die Winterjahreszeit, beim Zusammen
treffen des Mmdes zu seinen Zeiten. Jede Stunde zu ihrer
Zeit. Das Wasser fließt nur durch einen Auslauf ab.“
Da die erhaltenen jüngeren Wasseruhren Ägyptens,
Gefäße, welche die Zeit durch die Menge des jeweils ausge
flossenen Wassers zu messen erlaubten, nach diesen Grund
sätzen Am enemhets konstruiert sind, darf man ihm tatsächlich
den Fortschritt, der auf der Beobachtung der wechselnden
Länge der Nacht beruhte, zuschreiben. Es war ein schwieriges
Problem, aas er zu lösen versuchte. Uns, die wir gewohnt sind,
den konstanten Zeitabschnitt von Tag und Nacht zusammen
in je 24 Stunden zu teilen, die sich nicht mehr ändern, kann
das wie vergebene Liebesmüh erscheinen. Aber der Weg der
Wahrheit geht eben oft durch Krümmen.
Diese interessante Einzelheit zur Geschichte menschlichen
Fortschritts entnehmen wir dem eben erschienenen ersten
Teil eines monumentalen Werkes von allergrößter Bedeutung.
,Die Geschichte der Zeitmessung und der Uhren“, herausge
geben von E. v. Bassermann-Jordan. Die altägyptische
Zeitmessung hat darin L. Borchardt behandelt, auch für
andere Spezialgebiete sind die besten Kenner gewonnen. Das
große Gebiet der Räderuhren wird der Herausgeber selbst be
arbeiten, der hierin zü Hause ist, wie kaum ein anderer. .
MUSEEN.
(Gemäldemuseum in Rudolstadt.) Der im Vorjahre
töi.ich verunglückte Düsseldorfer Akademieprofessor Adolf
Mtennchen hat seiner Vaterstadt Rudolstadt i. Th. zahl
reiche Gemäde hinterlassen. Werke von ihm befinden sich
im Leipeiger Miseum, in der Berliner Nationalgalerie und im
Darm;täd:er Maecum. Das Vermächtnis Maennchens wird
den Geundjtock das neiien Ge mälde müse u ms bilden, das
Stadiedt im Rudolstädter Schloß gegründet hat.
(Leihgaben in Münchener Museen.) Die Münchener
Seaatsgalerie zeigt zwei wundervolle Leibi als Leihgabe aus
dem B sitz eines Hamburger Sammlers: ein Bauernmädchen
mit weißem und ein Bauernmädchen mit schwarzem Kopf
tuch. — In der Neuen P.nakothek ist aus gleichem Besitz
eine Landschaft Waldmüllcrs ausgestellt.
(Ein Meisterwerk Brueghels im New Yorker Mu
seum.) Im M etropolitanmuseum zu New York ist soeben
eins vor einigen Jahren schon gemachte Neuerwerbung zur
Aufstellung gelangt; des älteren Brueghels „Erntearbeiter“.
Dieses großzügige, erstaunlich modern wirkende Werk ist
unzweifelhaft eines der fünf Gemälde des Meisters, die laut
einem Inventar vom Jahre 1659 damals dem Erzherzog Leopold
Wilhelm, Regenten der Niederlande, gehörten und Darstellun
gen der Menate enthielten. Das Bild war stark nachgedunkelt
und auch sonst übel behandelt worden. Bei der erfolgreichen
Reinigung kam dann Brueghels Signatur zum Vorschein.
VOM KUNSTMARKT.
. (Kunstaukcion in Amsterdam.) Die Versteigerung
Rodriguez ln Amsterdam ging vor sich unter Beteiligung
von Museumsdirektoien aus ganz Europa und Piivatsammlern,
besonders aus Deutschland und England. Die Meisterzeichnun
gen Dürers, des alten Holbein, der großen Niederländer
erreichten Preise, die bei keinem bedeutenderen Blatte unter
1000 Gulden blieben und bei den schönsten Werken über
4000 Gulden, wenn nicht höher hinaufkletterten. Geheimrat
Max J. Friedländer erwarb für Berlin den einen Dürer, das
Abendmahl, ein Jugendwerk des Meisteis, und eine große
Zeichnung des Hans Baidung von 1505, das Martyrium der
heiligen Barbara, eine der schönsten Federzeichnungen, die der
Meister überhaupt geschaffen hat. Während für sie S500, be
ziehungsweise 2200 Gulden gezahlt wurden, erreichte eine
Maiienzeichnung eines altniederläjidischen Meisters im Kreise
des Goes und Memling sogar einen Preis von über 4000 Gul
den. Ein weiteres Dürerblatt, eine wäppenhaltehde nackte
Frau, erzielte 3800 Gulden, ein Blatt des Tobias Stimmer
2100 Gulden, ein Porträt Heinrich IV. von Frankreich von
Lagneau 2200 Gulden. Auch die hervorragendsten Miniaturen
der Sammlung brachten zum Teil mehr als 2000 Gulden, eine