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MAK

Full text : Jahrgang 13 (1921) (16)

Internationale
$amm\er-ZeitmQ
Zentralblatt  für  Sammler,  Liebhaber  und  Kunstfreunde.
Herausgeber:  Norbert  Ehrlich.
13.  Jahrgang.  Wien,  1.  September  1921.  Nr.  16.

Die  Wiener  Messe

Der  Antiquitätenhandel  wird  —  wir  verzeichnen
es  mit  lebhafter  Genugtuung  —  nicht  ganz  von  der
ersten  Wiener  Messe  ausgeschaltet  sein.  Im  Rahmen
der  Theater-,  Konzert-  und  Kinomesse  wird  eine
Ausstellung  von  Altkunstgegenständen  stattfinden, ­
  der  sich  eventuell  auch  eine  Auktion  anschließen ­
  wird.
Den  Bemühungen  des  Leiters  der  Theater-,  Konzcrtund
  Kinomesse,  Geheimen  Hofrates  Professors  Rainer
Simons,  ist  es  noch  in  letzter  Stunde  gelungen,  eine
Anzahl  von  Antiquitätenhändlern  für  seinen  Plan  zu
gewinnen,  der  Theatermesse  auch  eine  Ausstellung
von  Alt  kunstgegenständen  aller  Art  anzugliedern.
Wenn  die  Aktion  schon  infolge  der  knappen,  zur
Verfügung  gestandenen  Zeit  nur  ein  schwaches  Bild
von  dem  hohen  Niveau  geben  kann,  auf  dem  der  Wiener
Antiquitätenhandel  steht,  so  ist  doch  damit  ein  verheißungsvoller ­
  Anfang  gemacht  worden,  eine  Basis
geschaffen,  auf  der  bei.  künftigen  Messen  gedeihlich
weitergebaut  werden  kann.  Denn  das  erscheint  uns
zweifellos:  es  wird  nicht  nur  von  Vorteil  für  den  Antiquitätenhandel ­
  sein,  wenn  ihm  der  gebührende  Platz
auf  den  Messen  eingeräumt  wird,  sondern  auch,  ja
vielleicht  in  noch  höherem  Grade,  für  die  Institution
der  Messe  selbst,  die  dadurch  eine  nicht  zu  unterschätzende ­
  Attraktion  erhält.  Eine  Antiquitätenausstellung ­
  wird  einen  Zauber  auch  auf  jene  Fremden
ausüben,  die  an  Mustermessen  kein  oder  nur  ein
entferntes  Interesse  haben.
Der  Schauplatz  für  die  Ausstellung  der  Altkunstgegenstände ­
  wird  der  herrliche  Altdeutsche  Saal  des
Künstlerhauses  (Eingang,  Akademiestraße  1)  sein,
der  der  Galerie  Sanct  Lucas  seit  einiger  Zeit  als  Raum
für  ihre  Ausstellungen  und  Auktionen  dient.  Die
Galerie  Sanct  Lucas  hat  keinen  Augenblick  gezögert,
die  Ausstellung  durch  Überlassung  dieses  Saales  zu
ermöglichen.  Sie  tat  es  in  selbstlosester  Weise,  ohne
irgendein  Entgelt  hierfür  zu  verlangen  oder  auch  nur
für  sich  einen  größeren  Raum  in  Anspruch  zu  nehmen,
als  er  jedem  anderen  Aussteller  zur  Verfügung  gestellt
werden  kann.  Auch  hat  sie  für  die  würdige  Aufmachung
gesorgt.  Die  Innendekoration  ist  von  einem  der  Leiter
der  Sanct-Lucas-Galerie,/  dem  akademischen  Maler
Carlo  Graupa-Tuskeny,  in  einer  solch  vornehmen
Weise  durchgeführt  worden,  daß  man  mehr  den  Eindruck ­
  eines  Museums  als  den  einer  Verkaufsausstellung
empfängt.  Der  Saal  ist  mit  olivengrünen  Tapeten
überkleidet,  deren  Muster  einer  alten  Barockseide  entnommen ­
  ist.  Die  Wände  der  Kojen  sind  den  Saalwänden ­
  angepaßt.  Untereinander  sind  sie  durch  eine

Draperie  aus  grünem  Samt  verbunden.  Die  dadurch
erzielte  Wirkung  der  Einheitlichkeit  wird  noch  durch
Plastiken  gehoben,  die  sich  vor  jeder  Kojenwand  auf
einbjn  Sockel  befinden.
Im  ganzen  konnten  nur  fünfzehn  solcher  Kojen
hergestellt  werden.  Die  Messeleitung  hatte  darum  die
schmerzliche  Pflicht,  eine  engere  Auswahl  unter  den
Angemeldeten  zu  treffen,  deren  Zahl  hingereicht  hätte,
auch  einen  zweiten  großen  Saal  zu  füllen.  Leider  war
dieser  Saal  in  der  Schnelligkeit  nicht  mehr  zu  beschaffen.
Die  Ausstellung  wird  gleichzeitig  mit  der  Theater-,
Konzert-  und  Kinomesse  am  4.  September  eröffnet
und.  auch  mit  der  Theatermesse  am  25.  September
geschlossen  werden.  An  den  zwei  letzten  Tagen,  24.  und
25.  September,  soll  eventuell  eine  Auktion  der  unverkauft ­
  gebliebenen  Gegenstände  der  Ausstellung
abgehalten  werden.
*  #
*
Das  Dorotheum  veranstaltet  vom  7.  bis  9.  September, ­
  eine  Bücherauktion,  die  Liebhaberbände
und  Seltenheiten  aus  der  Sammlung  eines  Wiener
Bücherfreundes  und  aus  anderem  Besitze  umfaßt..
Wir  finden  da  Friedensausgaben  der  bedeutendsten
deutschen  Verleger  (Eugen  Diederichs,  S.  Fischer,
Georg  Müller,  Insel,  Tempel  usw.),  ferner  Kunstzeitschriften, ­
  Klassiker,  Romane,  Geschichtsbücher,
Reisewerke  und  seltene  Antiquarien.  Ein  großer  Teil
der  Werke  ist  in  Ganz-  und  Halbleder,  Pergament  und
Seide  gebunden.
Daran  schließen  sich  eine  Spezial-  und  eine  Briefmarkenauktion ­
  an,  während  die  Kunstabteilung  in
einer  Schaustellung  mit  besonders  prunkvoller  Aufmachung ­
  ihre  Gesamtschätze  vereinigen  wird,  um  dem
messebesuchenden  Publikum  Gelegenheit  zu  geben,
diese  Objekte  zu  besichtigen  und  dem  Dorotheum  für
die  den  Messetagen  folgende  Kunstauktion  entsprechende
Kaufaufträge  zu  erteilen.
Die  Spezialauktion,  die  für  die  Tage  vom  12.
bis  16.  September  in  Aussicht  genommen  ist,  betrifft
den  siebenten  Teil  des  Nachlasses  des  Erzherzogs
Ludwig  Victor  aus  Schloß  Kleßheim  und  enthält
Kunst-  und  Stilmobilar,  ältere  und  moderne  Gemälde,
Stiche,  Lithographien,  Radierungen,  Textilien,  prunkvolle ­
  Arbeiten  in  Bronze  und  Marmor,  Speise-  und
Glasservice,  Dosen,  Vitrineiiobjekte,  Keramik  und
Japonika.
Die  ßriefrnarkenauktion,  die  drei  Tage  in
Anspruch  nehmen  wird,  bringt  am  ersten  Tage  (15.  September) ­
  die  Auflösung  einer  Spezialsammlung  von
Bosnien,  Drgava,  Kraljestvo  und  dem  südslawischen
            
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