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Intefnati o n a 1 e Sa m m 1 e r - Z e i t u n g 
Kr. 17 
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Schelle-A usstellung. 
Es war eine gute Idee des Kunstauktionshauses 
Schelle, während der Messe seine reichen Bestände 
an Bildern und Kunstgegenständen zur Schau zu 
stellen. Dadurch erhält der Messebesucher, der sich in 
Wien auch nach interessanten Sammelobjekten Um 
sehen wird, Gelegenheit, wertvolle Stücke freihändig 
zu erwerben, die er sonst nur in aufregender Auktion 
und jedenfalls zu bedeutend höheren Preisen erstehen 
könnte. 
In erster Linie werden die Bilder alter Meister 
das Augenmerk des Liebhabers auf sich lenken, der 
die mit allem Geschmack ausgestatteten Räume des 
Kunsthauses Schelle im Michaeler Durchhaus in der 
Inneren Stadt (nächst dem Haupteingang zur alten 
Burg) aufsuchen wird. Da ist eines der Hauptwerke 
Romersvalles, „Die Geldwechsler", dem Professor 
Suida mit Recht „künstlerische Feinheit und unmittel 
bare Frische" nachrühmt. In dem ausführlichen Gut 
achten, das der Grazer Kunstgelehrte über dies Ge 
mälde erstattet hat, weist er darauf hin, daß als Vor 
bild der Komposition das Exemplar in Windsor Castle 
gilt, das Waagen (Treasures of Art in Great Britain II, 
432) für ein Original des Quentin Massys hielt, neuere 
Forscher, wie Cohen und Jean de Boschere, aber 
nicht als solches anerkennen. Varianten dieses Bildes 
finden sich in der Pinakothek in München (Nr. 136), 
dann angeblich das Original des Quentin in der Galerie 
Zambecari in Bologna, bei Viscount Cobham in London, 
in der Eremitage in St. Petersburg, im Rathaus zu 
Löwen, im Palazzo Doria in Rom, in Leipzig, Neapel 
■usw. Ein Exemplar war auch in der inzwischen auf 
gelösten Sammlung Oppenheim in Köln. 
Ein vorzügliches Original des Balthasar Denner 
ist das Porträt eines englischen Offiziers in Allonge 
perücke mit hellrotem Rock und blankem Brust 
harnisch. Das Bild ist signiert und 1740 datiert. 
Die Niederländer, eine besonders kultivierte Spe 
zialität des Kunsthauses Schelle, sind, wie zu erwarten 
war, besonders gut vertreten. Jan Steens Pinsel ver 
rät „Die Versuchung", ein eindrucksvolles Bild, das 
ehedem in der Galerie Chapuis in Paris seinen Platz 
hatte. Vom älteren Teniers stammt eine reich staffierte 
Landschaft. Huysum bietet uns eines seiner pracht 
vollen Blumenstücke. Der Flame Peter Snayers ist 
durch eines seiner Schlachtenbilder repräsentiert, die 
seinen Ruhm begründeten. 
Auf den Spuren Murillos wandelt eine „Heilige 
Familie“, während die „Peinigung der heiligen Apol 
lonia“ nach Frimmels motivierter Ansicht in die Nähe 
Caravaggios zu stellen wäre. Von bedeutenden 
Italienern möchten wir noch einen Leandro Bassano 
hervorheben, der die „Einkleidung einer Nonne“ zum 
Vorwurf genommen hat. 
Den Bildern zunächst rangiert ein Madonnen 
relief von Desiderio da Settignano. Maria in Halb 
figur auf einem Polsterstuhl nach rechts sitzend, hält 
mit beiden Armen das Kind im Schoße. Sie ist mit 
faltenreichem, gegürtetem Obergewand, das am Brust 
ausschnitt Schmuckbesatz trägt, bekleidet. Vom Haupte 
fällt ein langer Kopfschleier bis zu den Armstützen 
des Sessels. Das Kind blickt nach links und hält mit 
beiden Händen das ihm von der rechten Schulter 
herabgeglittene Hemdchen. 
Groß ist die Auswahl an herrlichen Bronzen des 
Quatro- und Cinquencento. Auf den „Trunkenen 
Bacchant" sowie die beiden Standbronzen „Herkules" 
und „Diana“ sei speziell hingewiesen. 
Unter den Musikinstrumenten ist ein echter Amati 
zu erwähnen, ein Werk des berühmten Mitgliedes der 
Cremonaer Geigenbauerfamilie, des Nicolaus Amati, 
mit der vollen Signatur: „Nicolaus Amati Cremonem 
Hieronimi filii Antonii nepos fecit Anno 16.“ Ein 
Cello trägt die Marke Storionos, ein anderes das 
Rugieris, der, wie Amati, ebenfalls einer berühmten 
Cremonenser Geigenbauerfamilie entstammt. 
In diesem Zusammenhänge sei darauf hingewiesen, 
daß alte Geigen immer seltener werden. Der hervor 
ragende Geigensachverständige Harry Dyzes berich 
tet, daß, wenn er früher eine Annonce aufgab, in der 
er alte Violinen suchte, er so viele Angebote erhielt, 
daß er sich gar nicht retten konnte In neuester Zeit 
laufen nur sehr wenig Antworten ein. Früher, sagt er 
weiters, konnte man auf Auktionen gut erhaltene italie 
nische Instrumente kaufen, die ein paar hundert Mark 
kosteten. Heute muß man, wenn man Glück hat, viele 
Tausender bezahlen und kann sie für das Doppelte 
und Dreifache Weiterverkäufen. 
Die Bedeutung der Messe für die Philatelie. 
Von Dr. Ernst 
Der Zusammenbruch, dessen Folgen ganz Mittel 
europa durchwühlt haben, hat gerade für die Brief 
markensammler Wirkungen gezeitigt, wie sie niemals 
geahnt worden sind. Das Streben der neuen Staaten, 
ihrer Hoheit nach außenhin rasch und wirksam Aus 
druck zu geben, führte dazu, daß unmittelbar nach 
dem offiziellen Kriegsende eine Hochflut neuer Brief 
marken erschienen ist, deren Zahl in die Tausende 
geht. Es zeigte sich, daß der Sammeltrieb im Vereine 
mit der fortschreitenden Geldentwertung der Philatelie 
gewaltige Scharen von neuen Jüngern in die Arme 
führte, daß bald Umsätze in Briefmarken erzielt 
wurden, wie sie vordem so mancher Finanzminister 
einer Großmacht nicht für sein Ressort erträumt, hätte. 
Welche große Bedeutung gerade Wien in dieser neuen 
Bewegung einnahm, soll hier kurz skizziert werden. 
Von der Mündung der Oder bis zum Schwarzen 
Meere zog sich im Jahre 1920 eine scharf geführte 
Grenze, die ein unbekanntes Land vom europäischen 
Westen schied. Wien bildete, allen Leiden und Ent 
behrungen zum Trotz, den letzten großen Handels- 
Otto Schwager. 
und Verkehrsmittelpunkt nach jenen dunklen Gegenden 
hin. Hier traf in den Tagen, als Mitteleuropa zusammen- 
stürzte, der große Strom ein, der aus dem unwirtlichen 
Osten der europäischen Kultur zustrebte, hier war der 
erste Ruhepunkt für all die Unzähligen, die sich nach 
jahrelangen Entbehrungen wieder nach geordneten 
Verhältnissen sehnten. Dies galt auch für die Philate 
listen. Die Straße nach Deutschland führte über Wien , 
und wenn auch Einfuhrverbote die deutschen Grenzen 
für Briefmarken streng absperrten oder gerade des 
wegen, so diktierte die gewaltige Nachfrage der 
deutschen, aber auch der österreichischen Philatelisten 
das Tempo des Wiener Marktes Der Tiefstand der 
östlichen Valuten, die noch schlechter waren sls die 
unserigen, beeinflußte die lokale Richtung der Brief 
markenbewegung, und so ist es Tatsache, daß zum 
Beispiel esthnische, lettische, litauische und russische 
Marken aller Art zuerst in Wien auftauchten und 
reißenden Absatz fanden. Aber auch die philatelisti- 
schen Erzeugnisse der Länder mit stärkerer Währung 
mußten über Wien abgefertigt werden — ein neuer
	        
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