Nr. 17
Seite 183
Internationale Sammler-Zeitung
Das Dorotheum.
Der offizielle Titel ist „Versatz-, Verwahrungs- und
Versteigerungsamt“/ aber er findet heute höchstens
noch in Amtsstücken Verwendung; im Volke hat sich
längst der Name „Dorotheum" eingelebt, nach dem
ehemaligen Stifte St. Dorothea, auf dessen Gründen
es 1707 erstand. Von Kaiser Josef I. in der edlen
Absicht ins Leben gerufen, den Armen die billige
Kreditbeschaffung gegen Verpfändung von Schmuck-
und Gebrauchsgegenständen zu ermöglichen, hat das
Dorotheum seinen Charakter als Pfandleihanstalt mehr
als eineinhalb Jahrhunderte bewahrt. „Feilbietungen"
kamen wohl in Menge vor, da sie sich aber nur auf die
verfallenen Gegenstände beschränkten, hatten sie über
einen engen Kreis hinaus keine Bedeutung.
Der Umschwung trat erst im Jahre 1901 ein, wo
das Amt sozusagen an Haupt und Gliedern reformiert
wurde. Der damalige Statthalter von Niederösterreich
Graf Erich Kielmansegg hatte den Ehrgeiz, auch für
Wien ein Institut von dem Range des Hotels Drouot
in Paris zu schaffen, und in der Tat wurde ihm die Ge
nugtuung zuteil, das Dorotheum bald als Sammel
punkt der kunstliebenden Kreise der Residenz zu sehen.
Hatten sich früher nur die Bedürftigen scheu ins
Dorotheum geschlichen, um irgendeinen Gegenstand
aus dem Haushalt zu belehnen, so gingen jetzt die
Vornehmsten ganz offen in das Haus, um Ausstel
lungen von Kunstgegenständen zu besichtigen oder an
deren Versteigerung teilzunehmen.
Die erste Auktion, die das Interesse weitester
Kreise auf das Dorotheum lenkte, war der Nachlaß
des Grafen Falkenhayn. Und diese Versteigerung
zeugte ein nun schon fast unübersehbares Geschlecht
von Auktionen. Es folgten, um nur die wichtigsten zu
nennen, die Auktion der Gemäldegalerie des Grafen
Brunswick, des Nachlasses der berühmten Schau
spielerin Marie Geistinger, der Sammlung des
Grafen Napoleon Csaky, des Aufsehen erregenden
Nachlasses der serbischen Könige Milan und Alex
ander, der Gräfin Marie Kinsky, der Fürstin
Melanie Metternich, des Grafen Pettenegg, des
Herrn von Walcher, des Großindustriellen Lob-
ineyr usw. usw. Mit der Durchführung der Auktion
des Nachlasses des Erzherzogs Ludwig Victor aus
Schloß Kleßheim bei Salzburg hat das Dorotheum
einen weithin sichtbaren Höhepunkt erreicht, und
man darf erwarten, daß es sich auch in Zukunft auf
dem Niveau halten werde, das es heute einnimmt.
Die erste Wiener Messe findet das Dorotheum
wohl gerüstet. Es wird den Besuchern in einer Reihe
von Auktionen Gelegenheit bieten, seine Einrichtungen
kennen zu lernen und die mannigfachsten Gegenstände
zu erwerben.
Zu diesem Zwecke findet — von der zu Ende
gehenden Bücherauktion abgesehen — zunächst in der
Zeit vom 12. bis 16. September im Franz Josefs-Saale
des Instituts eine Spezialauktion für Kunst- und
Stilmobiliar, Textilien, Gemälde, Stiche und Zeich
nungen sowie Kunstarbeiten in Bronze und Marmor,
Keramik und Japonika aus dem Nachlasse des Erz
herzogs Ludwig Victor statt. Am 15. September er
folgt im Franz-Saale eine Versteigerung von inter
essanten Musikinstrumenten, am 16. September
im gleichen Saale eine Auktion von Waffen. Für
Liebhaber der Philatelie sorgt eine Briefmarken
auktion, die am 15. September im Rößler-Saale be
ginnt und am 17. September endet. Es gelangen dabei
mehrere aufgelöste Spezialsammlungen, Ganzsachen-
sammlungen und Aufdruckmarken unter den Hammer.
Besondere Beachtung verdienen die Spezial-
auktion, die im Anschluß an die Kunst- und Mode
revue im Kurhause zu Baden am Abend des 14. Sep
tember (Beginn 9 Uhr) stattfindet, welche erstklassige
Modellkleider und Luxuswäsche, Perserteppichc, Tafel
geräte, Schmuck und Gemälde enthält, und die vom
19. bis 23. September im Hochsaale der Anstalt in
Wien vor sich gehende Versteigerung des zweiten
Teiles der Bibliothek Ludwig Victor. Neben diesen
Kunst- und Gebrauchsobjekte umfassenden Auktionen
werden täglich ab 3 Uhr nachmittags im Kolowrat-
Saale Auktionen von Edclmetallgegenständen ab
gehalten werden, darunter am 13. und 20. September
Silberauktionen, am 14. und 21. September Auk
tionen von Brillanten und anderen kostbaren Juwelen.
Die jeweils zur Auktion kommenden Gegenstände sind
mehrere Tage vor der Auktion zur Schau gestellt:
Kataloge werden bei der Zentraldirektion des Doro-
theums sowie in den Auktionssälen selbst ausgegeben.
Unabhängig von diesen Auktionen wird das Doro
theum während der Messe vom 11. bis 16. September
eine Schaustellung von Kunstgegenständen ar
rangieren, die in einem späteren Zeitpunkte zur Ver
steigerung gelangen. Diese Schaustellung wird in der
Hauptsache die ungemein wertvolle Fayencen
sammlung des Erzherzogs Ludwig Victor umfassen,
in der fast alle deutschen Manufakturen, ferner die
Schweiz und die österreichischen Alpenländer, Böhmen,
eine Anzahl von ungarisch-slowakischen Fayencen,
Italien (durch Candiano und Savo'na), Frankreich
(durch Moustiers), Spanien sowie Delft vertreten sind.
Dazu kommt noch aus anderen Sammlungen eine
Reihe hochwertiger Tapisserien, Möbel und anderer
kunstgewerblicher Gegenstände, darunter kostbare
Bronzeuhren, eine italienische Bronzeplastik (aus der
Nähe des Giovanni di Bologna), Porzellan und Waffen.
Die Vereinigung der Antiquitätenhändler Wiens.
Die Vereinigung der Antiquitätenhändler Wiens, die auf
Initiative einiger führender Antiquitätenhändler 1918 ins
Leben getreten ist, umfaßt fast alle Antiquitätenhändler
und einen Teil der Kunsthändler Wien . An der Spitze stehen
gegenwärtig Herr Samuel Pollak als Obmann und die Herren
Samuel Glückselig und Max Schafranek als Obmann
stellvertreter. Ihnen ist ein zehngliedriger Ausschuß beige
geben, der sich aus folgenden Herren zusammensetzt; Rudolf
Berger, Ernst Blumka, Heinrich Ephron, Albert Kende,
Richard Leitner, Anton Penizek, Ignaz Pick, F. Terzer-
Tersera, Konrad Schneider und Fritz Szamek.
Ordentliche Mitglieder:
Arnot Hugo, I., Kärntnerstraße 53 — 55,
Berger Josef, VI., Mollardgasse 10,
Berger Rudolf,. VI., Mollardgasse 10,
Bettelheim Siegmund, II/3, Krafftgasse 6,
Biel Hugo (Orient. Kunstgewerbehaus), I., Kärntner-
straße 23,
Blumka Ernst, I., Himmelpfortgasse 17,
Blumka Hugo, I., Himmelpfortgasse 16,
Bortstiber Olga, I., Wollzeile 20,
Brick Yvonne, I., Habsburgerstraße 3,
Brill S., I., Johannesgasse 17,
Cihlar Leopold, II., Große Mohrengasse 20,
Dolkowski Emil, IV., Floragasse 1,
Dull Oskar, IX., Währinger Straße 24,
Egger Armin L., I., Opernring 7,
Engel Hugo., II., Große Mohrengasse 14,