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MAK

Full text : Jahrgang 13 (1921) (17)

Seite  188

Internationale  Sam  mler-Zeit  u  ng

Nr.  1

sich  kaum  der  Fachmann,  geschweige  denn  der  Laie
eine  Vorstellung  machen.  Der  antike  ägyptische  und
griechische  Papyrus,  die  Bücher  des  antiken  Orients,
die  mit  den  sublimenten  malerischen  Mitteln  eines
vertieften  religiösen  Gefühles  geschmückten  Schriften
des  byzantinischen  Mittelalters  und  der  geistlichen
Renaissance  bis  zu  der  zu  höchster  technischen  Vollkommenheit ­
  gediehenen  Luxusedition  unserer  Tage
bildet  eine  Sammlung  von  überwältigender  Vielfalt
und  Größe.  Die  Redaktion  des  Museion  geht  nun
daran,  unter  der  Ägide  des  Strache-Verlages  einiges
aus  diesem  überquellenden  Reichtum  in  Gestalt  von
Neudrucken,  Studien  und  kleineren  Abhandlungen  der
internationalen  Öffentlichkeit  zu  unterbreiten.  Guillaurne
  de  Lovris:  „Der  Roman  von  Rose“,  in  H.  Fahrmanns ­
  Übersetzung,  neu  bearbeitet  von  Joseph  Gregor.
Mit  einer  Einleitung  von  Emil  Winkler  und  acht
farbigen  Lichtdrucktafeln,  nach  den  Miniaturen  der
Handschrift  Cod,  2592  des  14.  Jahrhunderts,  Quart,
und  Joseph  von  Kurz’  ..Teutsche  Arien“,  herausgegeben ­

  nach  der  Handschrift  Cod.  12.706-9  von
Max  Pirker  (zum  Subskriptionspreise  von  Mk.  500,
respektive  Mk.  600),  sind  die  ersten  erlesenen  Früchte
des  Unternehmens.  Ein  soziologisch  höchst  originelles
Werk  des  Museions  ist  Robert  Lachs’  mit  reizenden
Lichtdrucktafeln  gezierte  „Geschichte  des  Gesellschaftstanzes ­
  im  18,  Jahrhundert“.
Einige  entzückende  Mappenwerke  mit  köstlichen
Originalradierungen  von  Eggeier  (Illustrationen  zu
Schnitzlers  „Reigen“),  Heinrich  Revy  usw.  stellt  der
Verlag  Frisch  &  Co.  zur  Schau.
Mit  einer  Fülle  interessanter  und  buchtechmsch
glänzender  Neuerscheinungen  präsentierten  sich  die
„Wila",  der  Tal-,  Rikola-  sowie  der  Rhombus-Verlag.
Daß  die  Verleger  aus  dem  Reiche  gleichfalls  mit  den
glänzendsten  Editionen  vertreten  sind,  ist  bei  dem
hohen  Niveau  des  deutschen  Büchermarktes  eine
Selbstverständlichkeit.  Der  Wiener  Büchermesse  mag
es  zum  höchsten  Lobe  gereichen,  daß  sie  neben  der
deutschen  Konkurrenz  in  allen  Ehren  bestehen  kann,

Unsere  Uhrensammlungen.
Von  Alexander  Grosz.

„Vieles  Sammeln  ist  nicht  schwer,  schönes  Sammeln
desto  mehr  “  Wohl  jeder  Sammler  wird  diesen  Ausspruch ­
  bestätigen  können,  besonders  aber  der  Uhrensammler. ­
  Hier  kommt  es  nicht  allein  auf  die  Beurteilung
der  äußeren  Gestaltung,  der  Dekoration,  den  jedem
verständigen  Auge  sonst  erkennbaren  künstlerischen
äußerlichen  Wert  des  Gegenstandes  an.  Die  Beurteilung
der  Uhr  nur  von  dieser  allgemeinen  Seite  aus  nähme
der  Sammlung  den  Namen,  den  man  ihr  gibt.  Eine
Uhr  ist  doch  ein  Zeitmesser  und  besteht  nicht  nur  aus
einem  Gehäuse,  sondern  auch  aus  einem  in  diesem
Gehäuse“  eingeschlossenen  kleinen,  kunstvoll  ausgeführten ­
  Mechanismus,  der  ebenso  wie  das  Gehäuse
selbst  all  den  verschiedenen  Zeitaltern  entsprechenden
Veränderungen,  Verschlechterungen  oder  Verbesserungen ­
  unterworfen  war  und  die  Merkmale  seiner  Entstehungszeit ­
  in  sich  birgt.
Diese  Merkmale  nun  verstehen,  beurteilen  und
schätzen  zu  können,  ist  eine  Wissenschaft  für  sich,
die  nur  durch  liebevolles,  jahrelanges,  praktisches
Studium  der  Geschichte  der  Zeitmeßkunst  erworben
werden  känn.  Das  Studium  dieser  Wissenschaft  erschließt ­
  die  Kulturgeschichte  der  Völker  aller  Zeiten,
es  offenbart  so  schöne,  so  herrliche  Momente  mensch
liehen  Wissens  und  Schaffens,  daß  die  Kenntnis  derselben ­
  schon  an  und  für  sich  für  all  die  aufgewendefe
Mühe  reich  lohnt.
Ein  unvollkommenes,  sehr  schlecht  ergänztes,  oder
ein  Werk,  das  einer  ganz  anderen  Epoche  entspricht
als  das  zum  Gehäuse  gehörige,  wird  beim  Uhrenkenner
und  -liebhaber  einen  Zwiespalt  hervorrufen,  der  ihm
den  Gegenstand,  sei  er  sonst  noch  so  kostbar,  zum
Teil  entwertet.
Der  Anblick  einer  schönen  antiken  Uhr  sollte  eben
derart  auf  die  Phantasie  des  denkenden  Sammlers  einwirken, ­
  daß  er  sich  auch  ganz  in  das  Zeitalter  der  Uhr
zurückversetzt  fühlt,  die  Vorgänge,  die  sich  bei  der
Herstellung  derselben  abspielten,  nieder  miterlebt.  Um
diesen  Eindruck  hervorzurufen,  ist  es  nötig,  daß  Werk
und  Gehäuse  einheitlich  sind,  derselben  Zeit  entstammen
und  im  großen  und  ganzen  ihr  altes  Gepräge  erhalten
haben,  auch  wenn  einzelnes  zum  Teil  restauriert  werden
mußte.
.Wie  alle  größeren  Städte,  hat  auch  Wien  eine  ganz
stattliche  Anzahl  Privatsammlungen,  die  teils  den  Aufbau ­

  der  Uhr  im  allgemeinen  zeigen,  teils  sich  auf  eine
bestimmte  Art  oder  eine  bestimmte  Zeit  der  einzelnen
Stücke  der  Sammlung  beschränken.  Diese  Sammlungen
sind  natürlich  nur  schwer  und  nicht  immer  zugänglich.
Ich  selbst  besitze  auch  eine  Sammlung  interessanter,
hübscher  Uhren  aller  Epochen,  die  ich,  soweit  es  meine
Zeit  erlaubt,  ganz  gerne  bereit  bin,  den  sich  dafür
interessierenden  Messebesuchern  zu  zeigen  und  zu
erklären.
In  unseren  Museen  besitzen  wir  ganz  hervorragende ­
  Uhrensammlungen,  die  Stücke  von  unschätzbarem ­
  Werte  aufweisen.  An  erster  Stelle  wäre  wohl  da
das  Kunsthistorische  Staats-  (früher  Hof-)Museum
am  Burgring,  das  uns  im  Hochparterre,  Saal  XVIII,
das  Schönste  des  Schönen  bietet.  Eine  Anzahl  auserlesenster ­
  Stücke  der  Renaissance,  des  XVI.  bis  XVIlL
Jahrhunderts,  kleine  Turmuhren  in  feuervergoldeter
Bronze,  darunter  die  berühmte  sogenannte  Schatzkammeruhr ­
  des  Jeremias  Metzker,  Augsburg  1560,
Automatenuhreu,  astronomische  Uhren,  Sonnenuhren,
Astrolabien,  Horoskope,  Taschenuhren  in  jedweder
Form  der  Renaissance  bis  zum  18.  Jahrhundert,  eine
kleine  Totenkopfuhr,  herrliche  emaillierte  und  mit
Steinen  belegte  Uhren  des  17.  Jahrhunderts,  alles  in
einer  künstlerischen  Ausführung  und  prachtvollen  Erhaltung, ­
  die  das  Entzücken  jedes  Kenners  und  auch
Laien  bilden.  Der  größte  Teil  stammt  aus  dem  Familienbesitze ­
  der  jeweiligen  Regenten,  wurde  nur  wenig  berührt ­
  und  restauriert,  daher  auch  seine  einzig  gute
Erhaltung.  Nur  schwer  trennen  wir  uns  von  diesem
Saale  des  Museums,  das  auch  in  den  nebenanliegenden
Räumen  das  Schönste  vom  Schönen  der.  Gold-  und
Silberschmiede  und  Edelsteinschleifkunst  zeigen  kann.
Versäumen  wir  auch  nicht,  die  jetzt  zugänglichen
Wohn-,  Empfangs-  und  Zeremoniensäle  der  ehemaligen
Hofburg  zu  besichtigen  und  die  dort  befindlichen  Uhren
anzusehen,  von  welchen  die  älteren  Datums  kostbare
und  interessante  Stücke  aufweisen.  Unter  diesen  nimmt
die  große  Uhr  Maria  Theresias  einen  hervorragenden
Rang  ein.  Dieses  Wunderwerk  der  Uhrmacherkunst
wurde  von  Ludwig  Knaus  irr  Darmstadt  1761  angefertigt ­
  und  war  ein  Geschenk  des  Herzogs  von  Hessen-Darmstadt
  an  Maria  Theresia  zu  ihrer  silbernen  Hochzeitsfeier.

Eine  große  Sehenswürdigkeit  ist  das  erst  vor  kurzem
eröffnete  Uhrenmuseum  der  Stadt  Wien,  das  iji
            
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