Internationale
^ammler-^eifunfl
Zentralblatt für Sammler, Liebhaber und Kunstfreunde.
Herausgeber: Norbert Ehrlich.
13. Jahrgang. Wien, 20. September 1921. Nr. 18.
Wien als Autographenmarkt.
Von Antiquar Dr. Ignaz Schwarz.
In einer früheren Nummer, im Jahrgang 1909,
dieser Blätter, konnte ich feststellei, daß die erste auf
deutschem Boden ' veranstaltete Versteigerung von
Autographen in Wien stattgefunden hat. Der Firma
Artaria & Co., diesem bedeutenden Faktor im Kunstleben
Wiens, war es zu danken, daß sie im Jahre 1838
einen Teil der Sammlung des bekannten Wiener Chronisten
und Antiquars Franz Gräffer (1785 bis 1852),
de: .schon früher mit den meisten ausländischen Autographensammlern
in Verbindung stand, zur Versteigerung
brachte. Der für diese Auktion — wahrscheinlich
von Gräffer selbst — verfaßte Katalog ist ein bescheidenes
Heftchen von 34 Seiten, im Geschmacke
der Zeit in französischer Sprache, mit knappen oberflächlichen
Daten in tabellarischer Form, ohne irgendwelche
Anzeige aus den sicher interessanten Stücken,
so daß die Verwertung der Katalogangaben für eventuelle
Vergleichswerke zumeist unbrauchbar ist. Nichtsdestoweniger
läßt sich an der Hand des von einem
Auktionsteilnehmer (Ritter v. Tirnoni) mit Preisen
und Käufernamen versehenen Kataloges feststellen,
daß es sich hier um eine der hervorragendsten Sammlungen
gehandelt hat, eine Sammlung, die wohl heutzutage
in der ganzen Welt Aufsehen erregen würde.
Wir finden in ihr Namen wie Abraham a Santa Clara,
Beethoven (Briefe und Musikhandschiiften), Napoleon,
Tycho Brahe, Konrad C eit es, Albrecht Dürer,
Erasmus von Rotterdam, Benjamin Franklin,
Goethe, Händel (Gedicht und Musikhandschrift),
Haydn, Kant, Kleist, Leibnitz, Lessing, Linne,
Luther, Mozart, Rousseau, Schiller, Franz Schubert,
Swedenborg, Voltaire u. a. Von den 927
Stücken des Kataloges wurden 477 verkauft; das Gesamtergebnis
belief s’ch auf fl. 1194-39 (Konventionsmünze
f 1.1 • — = K 2-10). Den Beschluß der Auktion
bildete nach einer Aufzeichnung Timonis der Verkauf
von Dubletten aus der Sammlung eines Herrn H.
(Baron Hardenberg?), von denen Tirnoni ein Musikmanuskript
und eine Notiz Beethovens (8 und 7 Seiten
Folio) für den Betrag von fl. 3’08 erstanden hat.
Ein Jahr später, am 28 Jänner 1839, versteigerten
Artaria & Co eine zweite Partie der Gräfferschen
Sammlung. Der Katalog verzeichnet 122 Nummern,
von denen 113 für zusammen fl 422-82 verkauft wurden
Es erzielten unter anderen ein eigenhändiger Brief von
Beethoven aus dem Jahre 1818 fl 1-10, das Origim 1-manuskript
seines Opus 134, 40 Blatt in Querfolio
fl 15 - —, Dürer (8 Worte, 41 Buchstaben, auf einer
kolorierten Zeichnung in Folio, Karls des Großen
Handschuh vorstehend") fl. 7- — , Leibnitz (eigenhändiger
Brief, Hannover 1716, 2 Seiten, Oktav)
fl. 1025, Robespierre (kriegsrätlicher Erlaß mitzahlreichen
Korrekturen) fl. 13 03 usw.
Die dritte Auktion aus der Sammlung Gräffer,
veranstaltet am 8. Jänner 1840 durch den Buchhändler
Jakob Bader, Wollzeile Nr. 864, umfaßte 100 Nummern,
die ein Gesamtresultat von fl. 423-14 ergaben. Auch
dieser Teil der Sammlung bot eine Reihe von sehr bedeutenden
Stücken, darunter Beethoven (Philosophischer
Aufsatz aus seiner frühen Zeit) fl 1—, Franklin
(an Herschel, Philadelphia 1787) fl. 20-30, Haydn
(vier Lieder von Lessing) fl. 10-10, Leop. Mozart
(Musikmanuskript, 3 Seiten) fl. — -40, W. A. Mozart
(Musikmanuskript) fl. 12 01, Torquato Tasso (Randbemerkungen
auf 38 Blättern eines Buches) fl. 43 —,
Georges Washington (Brief, Virginia 1760, 18 Zeilen)
fl. 46 06 usw.
Zwischen der zweiten und dritten Gräfferschen
Auktion brachte der Antiquar Bader, am 17. Jänner
1839, „am Schlüsse der gräflich Fuchsschen Bücherlizitation“
— nebstbei bemerkt, eine der schönsten
Alt-Wiener Büchersammlungen — eine Anzahl von
Autographen zur Versteigerung. Der Katalog verzeichnet
276 einzelne Stücke, eine Anzahl von Signaturen
und zwei Stammbücher aus dem 18. Jahrhundert,
darunter zwei Briefe und ein Musikstück Beethovens,
die zwei ersten für zusammen fl. 8- — , das letztere für
fl. 10 — verkauft, Goethe mit einem Brief, datiert
Karlsbad, 10 Mai, 79 Zeilen, fl. 11- —, ferner eine große
Anzahl mehr oder minder bedeutender Stücke, flüchtig
katalogisiert und zumeist zu Spottpreisen abgegeben.
Interessant sind die im Anhang ausgebotenen Stammbücher;
das eine, das des Leipziger Theologen Karl
Friedrich Meischner, mit einer großen Anzahl von
Eintragungen und Silhouetten berühmter Persönlichkeiten
aus der Zeit 1779 bis 1783 (verkauft für fl. 25-—),
das andere G. F. Lorenz gehörige, mit Widmungen
von Goethe (Weimar 1776), Lenz, Eckhof, Lessing,
Jacobi u. a. wurde für fl. 25-— an den Mann gebracht.
Graf fers vierte Autographenauktion fand am 7. und
8. Jänner 1841 im Bürgerspital-Auktionsinstitute statt.
Nach dem Handexemplar des Auktionskataloges aus
dem Besitze Timonis ergab die aus 400 Nummern bestehende
Sammlung ein Gesamtresultat von fl. 479-15,
darunter für Abraham a Santa Clara (Schriftstück,
1696) fl. 2 06, einen eigenhändigen Brief von Beethoven,
3 Seiten, fl. 2-30, Daffinger (signierte Miniatur
aus dem Jahre 1838) fl. 8, eine Sammlung von „Notatilitäten
der Leopoldstädter Volksbühne“, 16 Stückdarunter
ein Brief von Raimund, Wien, 1834, 2 Seiten,
für zusammen fl. L66, Lessing (Wolfenbüttel, 1772)’
2 1 / 2 Seiter, fl. 20’—, Mozart (eigenhändiger Brief,