MAK
Internationale 
^ammler-^ßifung 
Zentralblatt für Sammler, Liebhaber und Kunstfreunde. 
Herausgeber: Norbert Ehrlich. 
13. Jahrgang. Wien, 15. Oktober 1921. Nr. 20. 
Die Sammlung Jakob Schröffl. 
Philipp Loew hat in diesen Blättern den Sammler 
Jakob Schröffl geschildert, den im April dieses Jahres, 
inmitten seiner Sammlung, der lod ereilte. Letzt- 
willig hatte Schröffl, der den größten und wertvollsten 
Teil seiner Schätze auf Auktionen erworben hatte, 
angeordnet, daß seine Sammlung öffentlich versteigert 
w’erde, und so wird sie den in den Tagen vom 17. bis 
19. Oktober in Leo Schidlofs Kunstauktionshaus 
in Wien zur Auflösung gelangen. 
Schidlof hat der Sammlung einen reizend aus 
gestatteten Katalog gewidmet, den das Bildnis Schröffls 
ziert. Im Vorwort gibt Regierungsrat Ludwig Baldaß 
in kurzen, kräftigen Strichen ein Bild von dem Menschen 
und Sammler und würdigt auch die Gemälde der 
Sammlung, die er expertisiert hat, nach ihrem W T erte. 
Baldaß schreibt: „Unter den Bildern der Sammlung 
Schröffl ist das älteste das Fragment eines altdeutschen 
Tafelbildes von der W T ende des fünfzehnten zum sech 
zehnten Jahrhundert, das nach Österreich, und zwar 
aller Wahrscheinlichkeit nach Steiermark zu lokalisiren 
ist und das, von ausgezeichneter Erhaltung, durch 
seine naive Farbenfreudigkeit besonders anspricht. 
Die hauptsächlichste Sammeltätigkeit Schröffls aber 
galt den niederländischen Schulen des siebzehnten 
Jahrhunderts. Einige Werke vom Ende des sechzehnten 
Jahrhunderts leiten ein, ein tüchtiges niederländisches 
Männerporträt, ein reizendes kleines Bildchen, 1581 
datiert, mit einem Affen, ein künstlerisch hochinter 
essantes Biid von Gillis Mostaert und ein Blumen 
stilleben des seltenen Ambrosius Boschaert. Dann 
folgt eine ansehnliche Reihe von Holländern des 
siebzehnten Jahrhunderts. Nur eine religiöse Dar 
stellung ist darunter, ein Christus am Ölberg, von 
Leonhard Bram er, ein Bild, das bereits den Einfluß 
des jungen Rernbrandt erkennen läßt. Unter den 
Landschaften gehört eine ganze Gruppe dem Harlcmer 
Kreis des Jakob van Ruisdael an, so zwei vorzügliche, 
importante Allard van Everdingen, zwei Jan Wij- 
nants, darunter ein Hauptwerk des Malers, ein Cornelis 
Decker, ein Roelof van .Vries und ein Bildchen von 
dem seltenen Gerrit von Hees. Ganz ausgezeichnet 
sind die holländischen Italienfahrer durch drei vor 
zügliche Landschaften von Claes Pieter Bei; ehern, 
Johannes Lingelbach und Gerrit Berckheyde (dem 
Sujet nach eine Seltenheit) vertreten. Es folgen ein 
Philip Wo u wer mann, ein kleiner Saftleven und 
als Hauptstück der Sammlung ein sehr schöner Markt 
platz von dem sehr gesuchten Jan van der Heyde. 
Das Seestück ist durch eine Markte von Willem.van 
Diest, das Architekturstück crarch ein Kirchen 
interieur des Vlämen Pieter Neeffs d. J. und die Innen 
ansicht der neuen Kirche von Delft des Holländers 
Gerard Houckgeest vertreten. Von den Genrebildern 
ist vor allem ein Kabinettstück von Gerrit Lundens, 
eine Bauernhochzeit darstellend, und eine gute Bauern 
schule von Pieter Vereist zu nennen. Auch ein Schlach- 
’tenbild bewahrte die Sammlung; es stammt von Pala- 
medes Palamedesz. 
Es folgen einige gute Stilleben, ein Fischstilleben 
von Abraham van Beyeren, zwei ganz ausgezeichnete 
Pieter Claesz und drei kleinere Bilder dieser Art 
von dem als Stillebenmaler seltenen Quirin Brekelen- 
kam, von Elias Vonck und von Jakob Gillig. Unter 
den Porträts ragen vor allem die beiden hochimportanten 
Bildnisse von Wybrand Simonsz de Geest hervor, 
daneben kommen aber auch das Bild eines kleinen 
Mädchens in der Art des Michael Miere Veit und ein 
vorzügliches Männerporträt von Caspar Net sch er 
zur Geltung. Das Bildnis eines Malers von seinem 
Sohne Constantin Netscher leitet schon zur zierlichen 
Kunst des achtzehnten Jahrhunderts über. Von den 
Bildern der Hämischen Schule verdienen eine Madonna 
aus der Schule des van Dyck, eine schöne, von 
Teniers staffierte Landschaft von Lucas van Uden, 
eine Marine von Bona Ventura Peeters, ein Sitten 
bild von Gerard Thomas und eine kleine staffierte 
Landschaft von Boudewijns und Bout Erwähnung. 
Schwächer sind die italienischen Schulen vertreten. 
Zwei schöne, aller Wahrscheinlichkeit nach von 
einem Neapolitaner gemalte Stilleben ragen hervor; 
daneben finden wir noch eine hübsche römische Ruinen 
landschaft und eine venetianische Vedute in der Art 
des Guardi. Unter den deutschen und österreichischen 
Bildern des achtzehnten Jahrhunderts sind vor allem 
einer schöner Kremserschmidt weltlichen Gegen 
standes und eine interessante Grisailleskizze vonMaul- 
pertsch zu nennen. Auch einige Bilder des neunzehnten 
Jahrhunderts bewahrte die Sammlung von Öster 
reichern und Franzosen und ein Genrebild des ge 
suchten Belgiers Ferdinand de Braekeler." 
Neben Gemälden kultivierte Schröffl besonders 
Handzeichnungen alter Meister. Er brächte denn 
auch eine erkleckliche Anzahl zusammen, die Doktor 
Josef Meder zum größten Teil bestimmen konnte. 
Eine feine Federzeichnung von Bartolözzi zeigt 
Apollo auf einer Wolke sitzend und auf einer Lyra 
spielend; Caravaggio ist mit einer Pinselzeichnung 
in Bister vertreten, die Moses mit den beiden Gesetzes 
tafeln darstellt. Eine importante farbige Ölski'zze 
in der charakteristischen' Eigenart Giovanni Benedetto
	        
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