Nr. 20
Internationale Sa m mler-Zei t ung
Seite 219
Stellagen und Tischchen und in hübschen Vitrinen
angebracht. Alte Wiener Arbeit mit Alabastersäulen
und Papierblümchen, Spieluhren, Automatenuhren,
Bilderuhren, französische Uhren und viele eigentümliche
Ausführungen von Werken. Dann kommen Uhren
mit Röllchengang, zum Beispiel die kleinen Zappler,
die Nachtuhren mit ihren durchscheinenden Ziffern
scheiben oder Milchglaskugeln.
In einem nächsten Ausstellungsraum befinden sich
die Uhren mit der ruhenden Hemmung von Graham,
welche bei den meisten jetzt gebräuchlichen Wiener
Pendeluhren angewendet wurde. Auch die Zylinder
taschenuhr ist in diesem Zimmer in mannigfachen,
technisch und künstlerisch vollendeten Raritäten vor
handen.
Eine besondere Abteilung bilden die nun folgenden
Uhren mit freier Hemmung: die Taschenuhren mit
Ankergang und die Chronometer.
Für die verschiedenen Systeme von elektrischen
Uhren ist derzeit ein ziemlich kleiner Platz zur Ver
fügung. Zu den vorzüglichsten Uhren dieser Gruppe
gehört die Uhr von Direktor Irk aus Karlstein, ein
elektrischer Pendelantrieb (Quarzpendel) von Ingenieur
Satori, eine elektrische Uhr von Krumm, eine Uhr
von Hipp, System Morawetz und andere.
Der größte Raum des Uhrenmuseums ist für die
Fachliteratur als Bibliothek eingerichtet. An jedem
Dienstag können Uhrmacher von halb 6 bis 8 Uhr
abends Einblick in die zahlreichen geschichtlichen
oder fachtechnischen Werke dieser Bibliothek nehmen.
Verdienste um die Bereicherung des Bücherstandes
haben namentlich die Leitung der Wiener Uhrmacher
genossenschaft und die Herren Gustav Flamm,
Gustav Krumm, Anton Rapf und Aulich.
Das Uhrenmuseum der Stadt Wien ist schon heute
ein von zahlreichen Einheimischen und Fremden
besuchte Sehenswürdigkeit in Wien und wird jedem,
welcher dort die Entwicklungsgeschichte der Räderuhr
und „die Uhr und ihre Geheimnisse“ studiert hat,
unvergeßlich bleiben.
Alt-Wien und Alt-Österreich.
Die vorangestellten zwei Schlagworte kennzeichnen den
Inhalt der Auktion, die die Kunsthandlung Gilhofer &
Kanschburg in Wien am 21. und 22. Oktober in ihren
Auktionsräumen, I., Bognergasse Nr. 2, veranstaltet.
Was zunächst Alt-Wien betrifft, so verzeichnet der mit
großer Sorgfalt bearbeitete und mit vielen Illustrationen ge
schmückte Katalog, 84 Nummern, die Aquarelle, Kupferstiche
und Lithographien umfassen. Übersichtlich, nach den einzelnen
Bezirken geordnet, findet da der Viennensiasammler die herr
lichen Blätter von Schütz, Janscha, Ziegler, Josef und
Eduard Gurk, Sandmann, Zutz usw. in brillanten Ab
drücken, zum großen Teil im ersten Zustande. Hervorheben
möchten wir insbesondere eine Ansicht des „Kohlmarktes“
von Schütz, die im ersten Zustande zu den allergrößten Selten
heiten der Folge gehört. Von den Gurksclien Ansichten ist
ein vollständiges Exemplar (61 Blätter), in tadelloser Er
haltung vorhanden, desgleichen von der äußerst seltenen Folge
der „Collection de Vues, Monuments, Costumes de Vienne et
de ses Environs“ (Wien, Artaria 1820). Unter den „Plänen
und Gesamtansichten“ ist ein Rarissimum, eine komplette
Folge der malerischen Ansichten, gezeichnet von Rudolf
A lt, Lithographien von X. Sandmann, Wien.L.T. Neumann
O. J. (c. 1856), ferner ein schönes Exemplar der geschätzten
Folge von Ansichten und Plänen der Stadt Wien und ihrer
Vorstädte, vom Grafen Vasqez (um 1820).
An Wien reihen sich Ansichten aus der weiteren Umgebung
der Hauptstadt, darunter ein vorzüglicher Abdruck eines der
seltesten Blätter von Janscha und Ziegler, nämlich eine „An
sicht des k. k. Lustschlosses Laxenburg unweit Wien“ mit
reicher Kavalkade von Generalen, Reitern und Gardisten,
an der Tete Kaiser Joseph, im Vordergründe Spaziergänger,
Herren und Damen, Equipagen usw., Ansichten von Baden,
Brunn am Gebirge, Greifenstein, Hadersdorf, Klosterneuburg,
Liesing, Mödling,' Vöslau, Weidling usw. Ein Abschnitt faßt
„Ansichten aus Deutschösterreich“ zusammen. Die
Wahl unter den vielen prachtvollen Blättern wird nicht leicht
Tallen. Ein äußerst seltenes, reich staffiertes Blatt vor der
Schrift von Blasius Höf el stellt „Die Errichtung des Kreuzes
am Erzberge“ dar. Auf der Spitze des Erzberges in Steiermark
ist ein Kruzifix aus Stein errichtet, vor dem ein Priester an
einem Altar den Segen erteilt. Zahlreiche,Andächtige, die Berg
knappen mit ihren Fahnen und Landvolk, umgeben das Kruzi
fix. Gastein, Gmunden, Innsbruck, Linz, Melk, Salzburg,
Schönau sind durch reizend kolorierte Ansichten repräsentiert.
Im Abschnitt „Böhmen“ sind nächst Prag besonders
die Kurorte Bilin, Franzensbad, Karlsbad und Teplitz vertreten.
Raritäten sind die Karlsbader Ansicht von Ludwig Graf Bu-
quoy und die Gesamtansicht von Prag von F. X. Sandmann.
Die Abteilung „Adelsporträts“ enthält fast das ganze
We^k von Ferdinand von Lütgendorf (1795 bis 1858),
üt er dessen Tätigkeit Professor Lütgendorf (der Enkel desselben)
in seinem, 1906 erschienenen Buche ausführlich berichtet.
Unter den „Theaterdichter- und Musikerporträts“ begegnen
wir Lithographien Beethovens, Grillparzers (von Kriehuber),
der Therese Krones, Josef Lanners, Nestroys, Raimunds,
Scholz, Johann Strauß’ Vater (Kriehuber) usw. Die „Aqua
relle und Handzeichnungen“, schließlich vereinigen Ar
beiten von Bayros (Stubenmädchen), Thomas Ender, Alois
Gabi, Alois Greil (BetenderMönch, Geßlers Zug), Kininger,
H. Makart (Weibliche Genien an einer Meeresküste) Opitz
Camille Rogier, Moriz von Schwind (Un Galant hummes,
Karikatur eines Stutzers), Gottfried Seelos, Otto Seitz,
Stoeltzel usw.
Alt-Wien und Alt-Österreich folgt am zweiten Auktions
tage eine kleine, aber erlesene Sammlung von Aquarellen und
Zeichnungen der Brüder Alt. Rudolf von Alt dominiert mit
21 seiner besten Arbeiten, darunter mit der aus dem Altwerke
von Ludwig Hevesi bekannten Darstellung des Platzes „Am
Hof“ mit dem' bürgerlichen Zeughaus der alten Kirche in
Eisenerz, einer Ansicht von Marbach an der Donau, dem Ca
pitol in Rom, dem Braustüberl in Salzburg, dem Diokletian
palast in Spalato, Totalansichten von Stein an der Donau, Triest
usw. So viele prächtige Rudolf von Alt werden wohl nicht bald
wieder auf dem Kunstmarkte auftauchen. Von den anderen
Alts erscheint Jacob mit sechs Aquarellen aus seiner reifsten
Zeit (Ansicht von Admont, Felsentor im Urtelstein im Helenen
tal, Berchtesgaden, Grundlsee, Preßburg und Salon der Fürstin
Esterhazy), Franz Alt mit einem, auch historisch interessanteil
Aquarell, dem alten Karlskettensteg über den Donaukanal
(signiert und datiert 1843).
Die Ausstellung der Sammlung beginnt am 16. und endet
am 20. Oktober.