MAK
Nr. 20 
Internationale Sa m mler-Zei t ung 
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Stellagen und Tischchen und in hübschen Vitrinen 
angebracht. Alte Wiener Arbeit mit Alabastersäulen 
und Papierblümchen, Spieluhren, Automatenuhren, 
Bilderuhren, französische Uhren und viele eigentümliche 
Ausführungen von Werken. Dann kommen Uhren 
mit Röllchengang, zum Beispiel die kleinen Zappler, 
die Nachtuhren mit ihren durchscheinenden Ziffern 
scheiben oder Milchglaskugeln. 
In einem nächsten Ausstellungsraum befinden sich 
die Uhren mit der ruhenden Hemmung von Graham, 
welche bei den meisten jetzt gebräuchlichen Wiener 
Pendeluhren angewendet wurde. Auch die Zylinder 
taschenuhr ist in diesem Zimmer in mannigfachen, 
technisch und künstlerisch vollendeten Raritäten vor 
handen. 
Eine besondere Abteilung bilden die nun folgenden 
Uhren mit freier Hemmung: die Taschenuhren mit 
Ankergang und die Chronometer. 
Für die verschiedenen Systeme von elektrischen 
Uhren ist derzeit ein ziemlich kleiner Platz zur Ver 
fügung. Zu den vorzüglichsten Uhren dieser Gruppe 
gehört die Uhr von Direktor Irk aus Karlstein, ein 
elektrischer Pendelantrieb (Quarzpendel) von Ingenieur 
Satori, eine elektrische Uhr von Krumm, eine Uhr 
von Hipp, System Morawetz und andere. 
Der größte Raum des Uhrenmuseums ist für die 
Fachliteratur als Bibliothek eingerichtet. An jedem 
Dienstag können Uhrmacher von halb 6 bis 8 Uhr 
abends Einblick in die zahlreichen geschichtlichen 
oder fachtechnischen Werke dieser Bibliothek nehmen. 
Verdienste um die Bereicherung des Bücherstandes 
haben namentlich die Leitung der Wiener Uhrmacher 
genossenschaft und die Herren Gustav Flamm, 
Gustav Krumm, Anton Rapf und Aulich. 
Das Uhrenmuseum der Stadt Wien ist schon heute 
ein von zahlreichen Einheimischen und Fremden 
besuchte Sehenswürdigkeit in Wien und wird jedem, 
welcher dort die Entwicklungsgeschichte der Räderuhr 
und „die Uhr und ihre Geheimnisse“ studiert hat, 
unvergeßlich bleiben. 
Alt-Wien und Alt-Österreich. 
Die vorangestellten zwei Schlagworte kennzeichnen den 
Inhalt der Auktion, die die Kunsthandlung Gilhofer & 
Kanschburg in Wien am 21. und 22. Oktober in ihren 
Auktionsräumen, I., Bognergasse Nr. 2, veranstaltet. 
Was zunächst Alt-Wien betrifft, so verzeichnet der mit 
großer Sorgfalt bearbeitete und mit vielen Illustrationen ge 
schmückte Katalog, 84 Nummern, die Aquarelle, Kupferstiche 
und Lithographien umfassen. Übersichtlich, nach den einzelnen 
Bezirken geordnet, findet da der Viennensiasammler die herr 
lichen Blätter von Schütz, Janscha, Ziegler, Josef und 
Eduard Gurk, Sandmann, Zutz usw. in brillanten Ab 
drücken, zum großen Teil im ersten Zustande. Hervorheben 
möchten wir insbesondere eine Ansicht des „Kohlmarktes“ 
von Schütz, die im ersten Zustande zu den allergrößten Selten 
heiten der Folge gehört. Von den Gurksclien Ansichten ist 
ein vollständiges Exemplar (61 Blätter), in tadelloser Er 
haltung vorhanden, desgleichen von der äußerst seltenen Folge 
der „Collection de Vues, Monuments, Costumes de Vienne et 
de ses Environs“ (Wien, Artaria 1820). Unter den „Plänen 
und Gesamtansichten“ ist ein Rarissimum, eine komplette 
Folge der malerischen Ansichten, gezeichnet von Rudolf 
A lt, Lithographien von X. Sandmann, Wien.L.T. Neumann 
O. J. (c. 1856), ferner ein schönes Exemplar der geschätzten 
Folge von Ansichten und Plänen der Stadt Wien und ihrer 
Vorstädte, vom Grafen Vasqez (um 1820). 
An Wien reihen sich Ansichten aus der weiteren Umgebung 
der Hauptstadt, darunter ein vorzüglicher Abdruck eines der 
seltesten Blätter von Janscha und Ziegler, nämlich eine „An 
sicht des k. k. Lustschlosses Laxenburg unweit Wien“ mit 
reicher Kavalkade von Generalen, Reitern und Gardisten, 
an der Tete Kaiser Joseph, im Vordergründe Spaziergänger, 
Herren und Damen, Equipagen usw., Ansichten von Baden, 
Brunn am Gebirge, Greifenstein, Hadersdorf, Klosterneuburg, 
Liesing, Mödling,' Vöslau, Weidling usw. Ein Abschnitt faßt 
„Ansichten aus Deutschösterreich“ zusammen. Die 
Wahl unter den vielen prachtvollen Blättern wird nicht leicht 
Tallen. Ein äußerst seltenes, reich staffiertes Blatt vor der 
Schrift von Blasius Höf el stellt „Die Errichtung des Kreuzes 
am Erzberge“ dar. Auf der Spitze des Erzberges in Steiermark 
ist ein Kruzifix aus Stein errichtet, vor dem ein Priester an 
einem Altar den Segen erteilt. Zahlreiche,Andächtige, die Berg 
knappen mit ihren Fahnen und Landvolk, umgeben das Kruzi 
fix. Gastein, Gmunden, Innsbruck, Linz, Melk, Salzburg, 
Schönau sind durch reizend kolorierte Ansichten repräsentiert. 
Im Abschnitt „Böhmen“ sind nächst Prag besonders 
die Kurorte Bilin, Franzensbad, Karlsbad und Teplitz vertreten. 
Raritäten sind die Karlsbader Ansicht von Ludwig Graf Bu- 
quoy und die Gesamtansicht von Prag von F. X. Sandmann. 
Die Abteilung „Adelsporträts“ enthält fast das ganze 
We^k von Ferdinand von Lütgendorf (1795 bis 1858), 
üt er dessen Tätigkeit Professor Lütgendorf (der Enkel desselben) 
in seinem, 1906 erschienenen Buche ausführlich berichtet. 
Unter den „Theaterdichter- und Musikerporträts“ begegnen 
wir Lithographien Beethovens, Grillparzers (von Kriehuber), 
der Therese Krones, Josef Lanners, Nestroys, Raimunds, 
Scholz, Johann Strauß’ Vater (Kriehuber) usw. Die „Aqua 
relle und Handzeichnungen“, schließlich vereinigen Ar 
beiten von Bayros (Stubenmädchen), Thomas Ender, Alois 
Gabi, Alois Greil (BetenderMönch, Geßlers Zug), Kininger, 
H. Makart (Weibliche Genien an einer Meeresküste) Opitz 
Camille Rogier, Moriz von Schwind (Un Galant hummes, 
Karikatur eines Stutzers), Gottfried Seelos, Otto Seitz, 
Stoeltzel usw. 
Alt-Wien und Alt-Österreich folgt am zweiten Auktions 
tage eine kleine, aber erlesene Sammlung von Aquarellen und 
Zeichnungen der Brüder Alt. Rudolf von Alt dominiert mit 
21 seiner besten Arbeiten, darunter mit der aus dem Altwerke 
von Ludwig Hevesi bekannten Darstellung des Platzes „Am 
Hof“ mit dem' bürgerlichen Zeughaus der alten Kirche in 
Eisenerz, einer Ansicht von Marbach an der Donau, dem Ca 
pitol in Rom, dem Braustüberl in Salzburg, dem Diokletian 
palast in Spalato, Totalansichten von Stein an der Donau, Triest 
usw. So viele prächtige Rudolf von Alt werden wohl nicht bald 
wieder auf dem Kunstmarkte auftauchen. Von den anderen 
Alts erscheint Jacob mit sechs Aquarellen aus seiner reifsten 
Zeit (Ansicht von Admont, Felsentor im Urtelstein im Helenen 
tal, Berchtesgaden, Grundlsee, Preßburg und Salon der Fürstin 
Esterhazy), Franz Alt mit einem, auch historisch interessanteil 
Aquarell, dem alten Karlskettensteg über den Donaukanal 
(signiert und datiert 1843). 
Die Ausstellung der Sammlung beginnt am 16. und endet 
am 20. Oktober.
	        
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