Nr. 20
Internationale Sämmler-Zeitun
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und Gefahr und unter Zollverschluß in eines der Niederlägs-
häuser der Zollverwaltung in Zürich, Basel oder Genf leite
und sie dort dem vom Departement des Innern bezeichneten
Sachverständigen zur Verfügung halte. Wird hierauf die Ein
fuhr nicht bewilligt, so hat der Gesuchsteller die Kunstgegen
stände wiederum auf seine eigene Rechnung und Gefahr ins
Ausland zurückzuschaffen.
Art. 5. Die für die Einfuhrbewilligungen zu erhebende
Gebühr beträgt 2% vom Wert der Ware, mindestens aber
2 Frs. pro Bewilligung. Für Werke alter Kunst, neuere Kunst
werke von im Auslande lebenden Schweizer Künstlern sowie
für Kunstwerke, die erwiesenermaßen für Ausstellungen, Re
staurationen, Expertisen usw. nur vorübergehend ins Land
kommen, kann von der Erhebung vorstehender Gebühr ganz
oder zum Teil Umgang genommen werden. Verursacht die
Begutachtung der Gesuche durch die vom Departement des
Innern bestellten Sachverständigen das übliche Maß über
steigende Kosten, so werden dieselben dem Gesuchsteller
gesondert berechnet.
Die neuen
Zoll-
nummer:
Zollsätze stellen sich demnach für:
,, ... pro 100 kg
Gegenstände: Brutto
328 Gemälde, nicht eingerahmt Frs. 50.—
329 Gemälde, eingerahmt . ,, 130.—
599 Statuenkörper, vorgearbeitet 10.—
600 andere Bildhauerarbeiten . „ 20.—
701a Glasmalereien 180.
839b Bronzewaren 100. -
1163b Statuen aus Metall 100. -
Für die Einfuhrbewilligung tritt hierzu noch ein Zuschlag
von 2% vom Wert.
Chronik.
AUTOGRAPHEN.
(Die Sammlung des Dr. Kilian v. Steiner),
die Karl Ernst Henrici in Berlin zur Versteigerung bringt,
enthält Autographen von Fürsten, Feldherren und Politikern,
ferner von Musikern, bildenden und darstellenden Künstlern
und Dichtern. Besonders stark sind Goethe, Schiller und
der Weimarer Kreis vertreten. Von Goethe finden wir neben
einem aus seiner Knabenzeit (1758) stammenden Blatt aus
einem Exerzitienheft das „Biographische Schema“ zu „Wahr
heit und Dichtung“, das durch die große Anzahl chronologischer,
die Jahre 1782 tis 1805 umfassender Notizen einen tiefen Ein
blick in die Vorarbeiten Goethes zu „Wahrheit und Dichtung“
gewährt. In klarer Übersichtlichkeit werden die bemerkens
wertesten Ereignisse jenes Zeitraumes durch packende Stich
worte hervorgehoben und dann und wann auch daran bereits
Betrachtungen psychologischer und moralischer Richtung ge
knüpft, die bei der späteren Ausführung der Selbstbiographie
ihre Verwertung gefunden haben. Das kostbare Manuskript
schenkte Goethe Eckermann, dieser wieder schenkte es dem
Advokaten und späteren Reichsminister Detmold, dessen
Witwe es nach seinem Tode an den Verlagsbuchhändler Hoff-
mann in Stuttgart verkaufte. Von ihm ging es durch Schen
kung auf Steiner über. Aus der Abteilung „Musiker“ heben
wir einen ungedruckten Brief Beethovens an S. A. Steiner
und Comp, in Wien hervor.
BIBLIOPHILIE.
(Buch und Bild.) Eine Buchwoche wollen die Organisa
tionen des Berliner Buchhandels im November veranstalten.
Sie wird unter dem Namen „Buch und Bild“, Berliner Herbst
schau 1921, im Kunstgewerbemuseum stattfinden. Der ge
samte deutsche Buch-, Kunst- und Musikalienhandel wird zur
Beteiligung eingeladen. Die Ausstellung soll dem kaufenden
Publikum ein Berater, dem Handel ein Werbemittel für den
Absatz seinier Erzeugnisse sein. Gleichzeitig soll ein Film vor
geführt werden, der die Herstellung des Buches zeigt. Ein
Schaufensterwettbewerb der Buch-, Kunst- und Musikalien
handlungen soll mit gleichzeitigen Vorträgen das Interesse
des Publikums wecken. Die Ausstellung wird am 12. November
eröffnet.
(Ein neues Werk Gerhart Hauptmanns) erscheint
demnächst. Es ist ein ländliches Liebesgedicht in 23 Gesängen,
im klassischen Versmaß der Hexameter gedichtet und offenbar
durch ein Jugenderlebnis angeregt. Das Werk wird bei
S. Fischer (Berlin) verlegt.
(Die Frankfurter Buchmesse.) Von der ersten
Frankfurter Buchmesse darf man, wie unser Korrespondent
meldet, mit Befriedigung feststellen, daß sie sehr gut beschickt
ist. Besonders stark ist neben Frankfurt auch die Berliner
Verlegerschäft vertreten. D^e Aussteller sind zufrieden. Der
Verkauf ist flott und die Nachfrage groß gewesen, obwohl die
Ausländer weniger Interesse als bei der letzten Leipziger Messe
zeigten. Das ausgestellte Buch ist durchaus in seiner Aus
stattung wieder Friedensware geworden. Zu beklagen bleibt
nur, daß das billige Buch mit wenigen Ausnahmen in den
Hintergrund gedrängt ist.
BILDER.
(Giottos Dante-Bildnis nicht authentisch?) Als
das älteste Bildnis Dantes, ja als das einzige von einem Zeit
genossen geschaffene, gilt die Gestalt in Giottos Paradieses
Freske im Bargello in Florenz, jener junge Mann im Profil
mit der eigentümlichen Kappe, der schon in der zweiten Hälfte
des 14. Jahrhunderts für ein Porträt des Dichters angesehen
wurde. Nun kommt Dr. Oskar Wulff, außerordentlicher Pro
fessor der Kunstgeschichte an der Berliner Universität, in Dar
legungen über den Ursprung und die Entfaltung des Dante-
Bildnisses in der Seemannschen „Kunstchronik“ zu dem Schlüsse,
daß es sich dort um gar kein Bildnis Dantes handeln kann.
Wulff stützt sich bei diesem Nachweise auf eine ganze Reihe
äußerer und innerer Gründe. Der Kopf, der 1840 bei seiner
Aufdeckung unter der späteren Tünche durch Herausreißen
eines im Auge steckenden Nagels schwer beschädig! und dann
in weichlichen Formen übermalt wurde, weicht von allen
späteren Dante-Bildnissen durch seine Zartheit und mit einer
Ausnahme auch durch den steilen Umriß beträchtlich ab. So
mag man sich wohl, sagt W T ulff, den Dichter des,.Neuen Lebens“,
dieses Wertherromans des 13. Jahrhunderts, aber nicht den der
„Hölle“ vorstellen. Aber nach den geschichtlichen Tatsachen
wurde die Kapelle erst 1334 bis 37 ausgemalt, also nach dem
Tode des Dichters. Daß Giotto aber damals Dante, sei es aus
der Erinnerung oder nach einem früheren eigenhändigeil Bild
nis im frischen Mannesalter dargestellt und unter die Aus
erwählten des Paradieses versetzt haben sollte, obgleich erst
1342 die Verfügung zur Einziehung seiner Güter aufgehoben
wurde, ist mehr als unwahrscheinlich. In diesen und in anderen
Werken Giottos und seiner Schule erkennt Wulff nur einen
typischen Charakterkopf der Malerei des 14. Jahrhunderts.
Dieser freien Schöpfung der Kunst hat erst die Einbildungs
kraft des nachlebenden Geschlechts unter Anregung von Dantes
Dichtung ihre höhere Sonderbedeutung verliehen. Ein authen
tisches Bildnis Dantes aus dem 14. Jahrhundert erkennt der
Berliner Gelehrte in dem Weltgerichtsbilde in der Capella
Strozzi von Sta. Maria Novella in Florenz, die Nardo di Cione
um 1355 zusammen mit seinem berühmteren Bruder Andrea
Orcagna ausgemalt hat. Es ist ein beseelter Greisenkopf, der
den Geist,der Sehnsucht nach dem Paradiese atmet. Mit seinen
charakteristischen Zügen, der mächtigen Adlernase, dem starkeu
Unterkiefer, dem Vorragen der oberen Lippe über die untere
scheint dieses Bildnis die Grundlage für die Beschreibung ge
geben zu haben, die Boccaccio in seinem „Leben Dantes“
bietet.