MAK
Nr. 20 
Internationale Sämmler-Zeitun 
Seite 221 
und Gefahr und unter Zollverschluß in eines der Niederlägs- 
häuser der Zollverwaltung in Zürich, Basel oder Genf leite 
und sie dort dem vom Departement des Innern bezeichneten 
Sachverständigen zur Verfügung halte. Wird hierauf die Ein 
fuhr nicht bewilligt, so hat der Gesuchsteller die Kunstgegen 
stände wiederum auf seine eigene Rechnung und Gefahr ins 
Ausland zurückzuschaffen. 
Art. 5. Die für die Einfuhrbewilligungen zu erhebende 
Gebühr beträgt 2% vom Wert der Ware, mindestens aber 
2 Frs. pro Bewilligung. Für Werke alter Kunst, neuere Kunst 
werke von im Auslande lebenden Schweizer Künstlern sowie 
für Kunstwerke, die erwiesenermaßen für Ausstellungen, Re 
staurationen, Expertisen usw. nur vorübergehend ins Land 
kommen, kann von der Erhebung vorstehender Gebühr ganz 
oder zum Teil Umgang genommen werden. Verursacht die 
Begutachtung der Gesuche durch die vom Departement des 
Innern bestellten Sachverständigen das übliche Maß über 
steigende Kosten, so werden dieselben dem Gesuchsteller 
gesondert berechnet. 
Die neuen 
Zoll- 
nummer: 
Zollsätze stellen sich demnach für: 
,, ... pro 100 kg 
Gegenstände: Brutto 
328 Gemälde, nicht eingerahmt Frs. 50.— 
329 Gemälde, eingerahmt . ,, 130.— 
599 Statuenkörper, vorgearbeitet 10.— 
600 andere Bildhauerarbeiten . „ 20.— 
701a Glasmalereien 180. 
839b Bronzewaren 100. - 
1163b Statuen aus Metall 100. - 
Für die Einfuhrbewilligung tritt hierzu noch ein Zuschlag 
von 2% vom Wert. 
Chronik. 
AUTOGRAPHEN. 
(Die Sammlung des Dr. Kilian v. Steiner), 
die Karl Ernst Henrici in Berlin zur Versteigerung bringt, 
enthält Autographen von Fürsten, Feldherren und Politikern, 
ferner von Musikern, bildenden und darstellenden Künstlern 
und Dichtern. Besonders stark sind Goethe, Schiller und 
der Weimarer Kreis vertreten. Von Goethe finden wir neben 
einem aus seiner Knabenzeit (1758) stammenden Blatt aus 
einem Exerzitienheft das „Biographische Schema“ zu „Wahr 
heit und Dichtung“, das durch die große Anzahl chronologischer, 
die Jahre 1782 tis 1805 umfassender Notizen einen tiefen Ein 
blick in die Vorarbeiten Goethes zu „Wahrheit und Dichtung“ 
gewährt. In klarer Übersichtlichkeit werden die bemerkens 
wertesten Ereignisse jenes Zeitraumes durch packende Stich 
worte hervorgehoben und dann und wann auch daran bereits 
Betrachtungen psychologischer und moralischer Richtung ge 
knüpft, die bei der späteren Ausführung der Selbstbiographie 
ihre Verwertung gefunden haben. Das kostbare Manuskript 
schenkte Goethe Eckermann, dieser wieder schenkte es dem 
Advokaten und späteren Reichsminister Detmold, dessen 
Witwe es nach seinem Tode an den Verlagsbuchhändler Hoff- 
mann in Stuttgart verkaufte. Von ihm ging es durch Schen 
kung auf Steiner über. Aus der Abteilung „Musiker“ heben 
wir einen ungedruckten Brief Beethovens an S. A. Steiner 
und Comp, in Wien hervor. 
BIBLIOPHILIE. 
(Buch und Bild.) Eine Buchwoche wollen die Organisa 
tionen des Berliner Buchhandels im November veranstalten. 
Sie wird unter dem Namen „Buch und Bild“, Berliner Herbst 
schau 1921, im Kunstgewerbemuseum stattfinden. Der ge 
samte deutsche Buch-, Kunst- und Musikalienhandel wird zur 
Beteiligung eingeladen. Die Ausstellung soll dem kaufenden 
Publikum ein Berater, dem Handel ein Werbemittel für den 
Absatz seinier Erzeugnisse sein. Gleichzeitig soll ein Film vor 
geführt werden, der die Herstellung des Buches zeigt. Ein 
Schaufensterwettbewerb der Buch-, Kunst- und Musikalien 
handlungen soll mit gleichzeitigen Vorträgen das Interesse 
des Publikums wecken. Die Ausstellung wird am 12. November 
eröffnet. 
(Ein neues Werk Gerhart Hauptmanns) erscheint 
demnächst. Es ist ein ländliches Liebesgedicht in 23 Gesängen, 
im klassischen Versmaß der Hexameter gedichtet und offenbar 
durch ein Jugenderlebnis angeregt. Das Werk wird bei 
S. Fischer (Berlin) verlegt. 
(Die Frankfurter Buchmesse.) Von der ersten 
Frankfurter Buchmesse darf man, wie unser Korrespondent 
meldet, mit Befriedigung feststellen, daß sie sehr gut beschickt 
ist. Besonders stark ist neben Frankfurt auch die Berliner 
Verlegerschäft vertreten. D^e Aussteller sind zufrieden. Der 
Verkauf ist flott und die Nachfrage groß gewesen, obwohl die 
Ausländer weniger Interesse als bei der letzten Leipziger Messe 
zeigten. Das ausgestellte Buch ist durchaus in seiner Aus 
stattung wieder Friedensware geworden. Zu beklagen bleibt 
nur, daß das billige Buch mit wenigen Ausnahmen in den 
Hintergrund gedrängt ist. 
BILDER. 
(Giottos Dante-Bildnis nicht authentisch?) Als 
das älteste Bildnis Dantes, ja als das einzige von einem Zeit 
genossen geschaffene, gilt die Gestalt in Giottos Paradieses 
Freske im Bargello in Florenz, jener junge Mann im Profil 
mit der eigentümlichen Kappe, der schon in der zweiten Hälfte 
des 14. Jahrhunderts für ein Porträt des Dichters angesehen 
wurde. Nun kommt Dr. Oskar Wulff, außerordentlicher Pro 
fessor der Kunstgeschichte an der Berliner Universität, in Dar 
legungen über den Ursprung und die Entfaltung des Dante- 
Bildnisses in der Seemannschen „Kunstchronik“ zu dem Schlüsse, 
daß es sich dort um gar kein Bildnis Dantes handeln kann. 
Wulff stützt sich bei diesem Nachweise auf eine ganze Reihe 
äußerer und innerer Gründe. Der Kopf, der 1840 bei seiner 
Aufdeckung unter der späteren Tünche durch Herausreißen 
eines im Auge steckenden Nagels schwer beschädig! und dann 
in weichlichen Formen übermalt wurde, weicht von allen 
späteren Dante-Bildnissen durch seine Zartheit und mit einer 
Ausnahme auch durch den steilen Umriß beträchtlich ab. So 
mag man sich wohl, sagt W T ulff, den Dichter des,.Neuen Lebens“, 
dieses Wertherromans des 13. Jahrhunderts, aber nicht den der 
„Hölle“ vorstellen. Aber nach den geschichtlichen Tatsachen 
wurde die Kapelle erst 1334 bis 37 ausgemalt, also nach dem 
Tode des Dichters. Daß Giotto aber damals Dante, sei es aus 
der Erinnerung oder nach einem früheren eigenhändigeil Bild 
nis im frischen Mannesalter dargestellt und unter die Aus 
erwählten des Paradieses versetzt haben sollte, obgleich erst 
1342 die Verfügung zur Einziehung seiner Güter aufgehoben 
wurde, ist mehr als unwahrscheinlich. In diesen und in anderen 
Werken Giottos und seiner Schule erkennt Wulff nur einen 
typischen Charakterkopf der Malerei des 14. Jahrhunderts. 
Dieser freien Schöpfung der Kunst hat erst die Einbildungs 
kraft des nachlebenden Geschlechts unter Anregung von Dantes 
Dichtung ihre höhere Sonderbedeutung verliehen. Ein authen 
tisches Bildnis Dantes aus dem 14. Jahrhundert erkennt der 
Berliner Gelehrte in dem Weltgerichtsbilde in der Capella 
Strozzi von Sta. Maria Novella in Florenz, die Nardo di Cione 
um 1355 zusammen mit seinem berühmteren Bruder Andrea 
Orcagna ausgemalt hat. Es ist ein beseelter Greisenkopf, der 
den Geist,der Sehnsucht nach dem Paradiese atmet. Mit seinen 
charakteristischen Zügen, der mächtigen Adlernase, dem starkeu 
Unterkiefer, dem Vorragen der oberen Lippe über die untere 
scheint dieses Bildnis die Grundlage für die Beschreibung ge 
geben zu haben, die Boccaccio in seinem „Leben Dantes“ 
bietet.
	        
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