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MAK

Full text : Jahrgang 13 (1921) (21)

Internationale
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Zentralbiatt  für  Sammler,  Liebhaber  und  Kunstfreunde.
Herausgeber:  Norbert  Ehrlich.
13.  Jahrgang.  Wien,  1.  November  1921.  Nr.  21.

Monogramme  und  Inschriften.
Von  R.  Massinger  (München).

Nirgends  im  Altertume  finden  wir  Ähnliches  wie
die  Monogramme,  die  Verschlingung  zweier  Buchstaben, ­
  meist  dem  Anfänge  eines  Vor-  und  Zunamens,
zu  einem  Namenszug;  nie  ist  aber  auch  das  Inschriftliche ­
  ornamental  behandelt,  denn  immer  wirken  die
großen,  prächtigen  Lettern  der  römischen  Antiqua
ruhig  in  vornehmer  Einfachheit.  So  wurde  der  Hauptzweck., ­
  den  Inhalt  einer  Inschrift  klar  und  deutlich
zu  verkünden,  in  erster  Linie  erreicht.  Durch  Korruption ­
  dieser  herrlichen  Antiqualettern  entstand  die
gotische  Majuskel-  und  Minuskelschrift,  und  mit  Mühe
müssen  wir  uns  die  alten  ebenmäßigen  Charaktere  für
unsere  heutige  Druckschrift  zurückerobern.
Es  hat.  eine  Zeit  gegeben,  und  leider  ist  diese  noch
immer  nicht  ganz  entschwunden,  wo  man  für  die
mittelalterlichen  Initialen  schwärmte,  obwohl  sie  oft
sinnlos  verschnörkelt  und  unverständlich  sind.  Ein
Blick  auf  die  Alphabete  unserer  modernen  Druckereien
und  lithographischen  Anstalten  belehrt  sofort  von  der
Leichtigkeit  des  Gesagten,  denn  nur  höchst  selten  wird
man  etwas  anderes  als  die  Anwendung  solcher  Initialen
finden  und  oft  genug  in  Verbindung  selbst  mit  Antiqualettern ­
  zum  haarsträubenden  Ärgernis  verkuppelt.  Das
Verdienst  dieser  geradezu  bösartigen  Verballhornung
der  gotischen  Lettern  müssen  wir  in  hervorragender
Weise  den  Malern,  und  unter  diesen  den  Romantikern
zuwenden,  die,  ohne  vorhergegangenes  Studium  der
.Formensprache  des  Mittelalters,  Ornament,  und  Schrift
in  mißverstandener  W T eise  reproduzieren  oder  nachzukomponieren ­
  suchten.
Die  Renaissance  folgt  darin  gewöhnlich  dem  Beispiele ­
  der  Antike,  daß  auch  sic  bemüht  ist,  die  Buchstaben ­
  deutlich  herauszuheben.  Die  Inschriften  auf
Grabmälern  und  Altären  zeugen  hiervon.  Die  Ausnahmen ­
  von  dieser  Regel  sind  äußerst  selten.
Im  allgemeinen  erscheint  ein  Buchstabe  im  Monogramm ­
  meist  unverändert,  etwa  mit  Ornament  umgeben. ­
  Die  alten  Druckwerke  des  15.  und  16.  Jahrhunderts, ­
  welche  eine  Fülle  solcher  Initialen  enthalten,
zeigen  den  Buchstaben  meist  ganz  unverziert  in  linearen
Konturen  inmitten  eines  quadratischen  Feldes,  welches
erst  durch  schönes  Ornament,  gewöhnlich  auf  schwarzem ­
  Gründe,  verziert  wird.
Monogramme  im  modernen  Sinne,  das  heißt  bis
zur  Unkenntlichkeit  ornamentierte  Buchstaben,  finden
wir  in  der  ganzen  klassischen  Renaissance  nicht  vor.
Als  mustergültig  für  die  Art  der  Anbringung  des
Zierates  mag  der  Namenszug  der  Isabella  Este  im
Palazzo  Ducale  zu  Mantua  in  das  Gedächtnis  zurückgerufen ­

  werden,  wo  der  eine  Buchstabe  schön  mit
Lorbeer  durchflochten  ist.
Berühmt  ist  das  in  der  Kunst  eine  so'  große  Rolle
spielende  Monogramm  der  Diana  von  Poitiers  und
Heinrichs  II.,  das  II  und  D,  welches  unter  anderm
auch  auf  einer  herrlichen  Schale,  einem  Meisterwerke
der  Goldschmiedekunst,  in  den  Uffizien  zu  Florenz
zu  finden  ist.  Hier  treffen  wir  bereits  auf  eine  Verbindung ­
  zweier  Buchstaben,  wenn  auch  deren  Verschlingung ­
  eine  ganz  bescheidene  bleibt.
Die  Monogramme  Franz  I.  mit.  dem  Salamander,
wie  sie  am  Schloß  von  Bloi  Vorkommen,  zeigen  schon
die  ornamentale  Behandlung  des  Buchstabens  selbst,
jedoch  mit  Zugrundelegung  des  antiken  Schrifttypus.
Die  Monogramme  der-  deutschen  Künstler,  namentlich ­
  jene  der  Radierer  des  16.  Jahrhunderts,  waren
durchweg  einfach,  geben  uns  aber  einige  vortreffliche
Anhaltspunkte  für  die  Kombination  zweier  Buchstaben ­
  und  Motive  für  neue  Ausführungen.  So  hat  uns
Holbein  in  seinen  Ha.ndzeic.hnungen  eine  Reihe  sehr
schöner,  ornamentaler  Monogramme  hinterlassen.
Heute  findet  das  Monogramm  die  häufigste  Anwendung ­
  auf  kunstgewerblichen  Gegenständen,  auf
denen  man  den  Namenszug  des  Bestellers  oder  Besitzers ­
  mit  Vorliebe  anbringt.  Dieser  Gebrauch,  an
sich  ganz  löblich,  findet  sich  nicht  in  den  älteren
Kunstperioden.  Damals  ersetzte  das  Wappen  das
Monogramm.  Jetzt,  wo  der  Adel  aufhört,  in  der  Hauptsache ­
  der  Unterstützer  der  Kunst  zu  sein  oder  der
gut  bürgerliche  Besteller  wenigstens  der  gewöhnlichere
ist,  hat  neben  dem  Wappen,  das  natürlich  ein  wesentliches ­
  Zeichen  blieb,  auch  das  Monogramm  seine  Stelle
eingenommen.  Oft  ist  es  sichtlich  cler  letzte  Notnagel
bei  mancher  ornamentalen  Komposition,  wo  es  sich
um  ein  Mittelstück,  ein  Zentrum  handelt,  um  das  sich
das  Ornament  gruppiert.
An  sich  genommen,  ist  der  Gebrauch  gewiß  nicht
verwerflich.  Es  ist  zudem  für  den  Besitzer  meist  angenehm, ­
  schon  um  Verwechslungen  vorzubeugen,  seinen
Namenszug  auf  den  ihm  eigenen  Gegenständen  zu
sehen,  es  ist  aber  auch  aristokratisch,  auf  seinem  Tischzeug ­
  die  Initialen  seines  Namens  eingewebt,  in  die
Glasgefäße,  welche  die  Tafel  schmücken,  graviert  zu
finden.
Schon  damit,  und  ganz  besonders  dann,  wenn  die
Buchstaben  in  engste  Verbindung  mit  dem  Ornament
gebracht  werden,  ist  die  Wiederholung  ein-  und  des
selben  Gegenstandes  für  einen  zweiten  Besteller  dem
Fabrikanten  wesentlich  erschwert.  Darum  enthalten
            
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