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MAK

Full text : Jahrgang 13 (1921) (22)

Seite  240

Internationale  Sammler-Zeitung

Nr.  22

Eine  neue  Schidlof-Auktion

Der  Auktion  Schröffl  läßt  Leo  Schidlof  vom
21.  bis  24.  November  eine  Kunstversteigerung  folgen,
die  jener  an  Bedeutung  keineswegs  nachsteht.  Hier
wie  dort  eine  Anzahl  erstklassiger  Gemälde,  wozu
diesmal  noch  eine  ganz  erlesene  Sammlung  von  Miniaturen, ­
  Antiquitäten  von  hoher  Qualität  und  der  zweite
Teil  der  Glassammlung  Herzfelder  kommen.
Die  Abteilung  „Gemäl  de"  umfaßt  siebzig  Nummern
und  erstreckt  sich  auf  Schöpfungen  alter  und  moderner
Meister.  Unter  den  Gemälden  der  alten  Meister,  die
Regierungsrat  Baldaß  expertisiert  hat,  .dominieren
die  Niederländer,  fast  durchgehends  Prachtstücke,  die
zudem  noch  größtenteils  den  Vorzug  haben,  signiert
zu  sein.  Verkolje  erscheint  mit  einem  Hauptwerk,
dem  „Konzert",  das  durch  die  Reproduktionen  weitesten ­
  Kreisen  bekanntgeworden  ist.  Von  Adam  Frans
van  der  Meulen  finden  wir  das  ausgezeichnete  Bild
„Die  Fähre“;  Lai  resse  kommt  biblisch  mit  der
„Auffindung  Moses’“.  Die  Landschaft  ist  durch  Hceremans
  glänzend  vertreten.  Das  Genrebild  hat  in  Josef
Ryckaert  und  Jost  van  Vincke  seine  vortrefflichen
Repräsentanten.  Das  Motiv,  das  Vincke  hier  behandelt,
kehrt  auf  einem  Bilde  wieder,  das  sich  im  Nationalmuscum
  befindet.  Im  „Aufbruch  zur  Jagd“  werden
viele  Sammler  einen  guten  Bekannten  begrüßen:  das
Gemälde  ist  nämlich  vor  nicht  langer  Zeit  auf  dem
Wiener  Kunstmark  e  einmal  aufgetaucht.  Der  damalige
Ersteher  nutzt  die  günstige  Konjunktur  aus,  um  es
mit  großem  Gewinn  wieder  abzugeben,  eine  Spekulation, ­
  die  gewiß  nicht  fehlschlagen.wird.  Ein  reizender
Molenaer  ist  das  Bild  „Tanzende  Bauern“.  Ein
großes,  effektvolles  Gemälde,  das  „Brügge  nach  der
Beschießung“  zeigt,  ist  signiert  P.  Petter,  Gevena  1654.
Von  Italienern  ist  ein  Giordano  zu  nennen  (Der
Philosoph).  Der  bayerisch-österreichischen  Schule  um
1450  ist  eine  „Madonna  im  Ährenkleide“  zuzuweisen,
die  sich  vom  Goldton  des  Hintergrundes  wirkungsvoll
abhebt.
Gute  Porträts  von  Meytens,  Lampi  dem  Älteren
und  Grassi  leiten  zu  den  modernen  Gemälden
über,  deren  Expertise  Herr  Schidlof  selbst  durchgeführt ­
  hat.  Hier  wären  in  erster  Linie  zwei  Waldmüller ­
  aus  der  besten  Zeit  des  Künstlers  hervorzuheben, ­
  „Das  Ehepaar“  und  das  „Veilchenmädchen“.
Aparte  Blumenstücke  stellen  Petter  und  Fiedler  bei.
Von  Pettenkofen  ist  ein  männliches  Porträt,  von
Eybl  das  Bildnis  eines  Offiziers  vorhanden.  Isidor
Kaufmann  ist  mit  einem  Hauptwerk,  dem  „Talmudunterricht“, ­
  vertreten,  das  durch  die  glänzend  charakterisierten ­

  Typen  fesselt.  Den  Wienern  schließen  sich
der  in  Deutschland  sehr  geschätzte  Hermann  Kaufmann ­
  mit  der  „Poststation“  und  der  der  Münchener
Schule  ungehörige  Gabriel  v.  Max  mit  einem  idealen
Frauenporträt  an.  Von  Engländern  sind  Harlow  und
Bradley  mit  feinen  Porträts  zu  finden.  Das  Aquarell
ist  durch  die  Engländerin  Sharpe,  durch  Goebel  und
Th.  v.  Hörmann,  das  Genrebild  durch  Meyerheim,
Strobel  und  Sallentin  sehr  gut  repräsentiert.
Die  Abteilung  „Miniaturen"  (Expertise  Leo  Schidlof) ­
  ist  imposant  bestritten.  Die  besten  N:'men  marschieren ­
  da  auf.  Von  Engländern  Barber,  Samuel
Collins,  Georges  Cosway,  Engleheart,  Grimaldi
(Bildnis  der  Herzogin  von  Bedford),  Thomas  Hargreaves,
  Sam.  Lover,  der  Isabcysehüler  Mansion
(Bildnis  eines  Grafen  Esterhazy  und  seiner  Gemahlin),
Sir  William  Ross  (Lady  Byng)  und  William  Wood,
von  Franzosen  Aubry  (Damenporträt,  abgebildet  in
Schidlofs  Werk  „Die  Miniatur  in  Frankreich“),  Augustin ­
  (Gruppenbild),  Daubigny,  Olivier  Deh  arme
(die  Pariser  Schauspielerin  Mars).  Vom  Hofmaler
Napoleons  III.  Passot  stammt  das  seltene  Bild  des
im  Kriege  gegen  die  Zulukaffefn  gefallenen  Prinzen
Lulu.
Engländern  und  Franzosen  reihen  sich  ebenbürtig
die  Wiener  Miniaturmaler  an:  Daffinger  (Herrenporträt), ­
  Lorenz  Herr  (Bildnis  der  Erzherzogin  Clementine ­
  von  Österreich),  Emanuel  Peter  (Kaiserin
Marianne  von  Österreich,  die  Gemahlin  Ferdinands  I.)
und  andere.  Es  verdient  ausdrücklich  vermerkt  zu
werden,  daß  fast  alle  Miniaturen  signiert  sind.
Es  folgen  die  Abteilungen  Antiquitäten,  Porzellane,
Fayencen  und  Vitrinenobjekte,  aus  denen  ein  prachtvoller ­
  Tafelaufsatz  vom  Ende  des  18.  Jahrhunderts
sowie  die  kostbaren  Dosen  hervörgehoben  seien.  Auch
unter  den  Teppichen  sind  viele  alte,  sehr  wertvolle
Stücke.
Zum  Schlüsse  gelangt  der  zweite  Teil  der  Glassammlung' ­
  Herzfelder  zur  Versteigerung,  die  zahlreiche ­
  reizende  Gläser  des  17.  und  18.  Jahrhunderts,
viele  Empiregläser,  Arbeiten  von  Kothgasser  und
Mohn  sowie  eine  reiche  Auswahl  an  den  jetzt  so  beliebten ­
  Hyalith-  und  Biedermeiergläsern  enthält.  Vo
dem  Umfang  der  Glassam  .  lung  wird  man  sich  eine
Vorstellung  machen,  wenn  man  hört,  daß  für  sie  allein
zwei  Tage  in  Aussicht  genommen  sind.
Die  Versteigerungsobjekte  sind  vom  15.  bis  20.  November ­
  im  Auktionshause  Schidlof,  I.,  Tuchlauben  8,
zur  freien  Besichtigung  ausgestellt.

Chronik.

AUTOGRAPHEN.
(Die  Sammlung  der  Grafen  Prokesch-Osten.)
Für  Mitte  Dezember  kündigt  Karl  Emst  Henrici  in  Berlin
die  Versteigerung  einer  hervorragenden  Autographensammlung
an,  die  besonders  für  Österreich  von  Interesse  ist.  Es  handelt
sich  um  die  Sammlung  der  Grafen  Prokesch-Osten  (Vater
und  Sohn)  in  Gmunden.  Der  jüngere  Prokesch  war  mit  Friederike ­
  Goßmann,  der  den  Wienern  unvergeßlichen  „Grille“,
verheiratet.
(Auktion  bei  Leo  Liepmannssohn.)  Das  Schwergewicht ­
  der  Autographenauktion,  die  am  2.  und  3.  Dezember
dieses  Jahres  bei  Leo  Liepmannssohn  in  Berlin  stattfindet,
liegt  in  den  musikalischen  Kostbarkeiten,  die  unter  den.
Hammer  kommen.  Besonders  hervprzuheben  wäre  die  fünfzehnseitige
  Handschrift  von  Mozarts  „Sonata  III“,  bekanntlich ­
  eine  der  herrlichsten  Violinsonaten  des  Meisters.  Von

Mozart  ist  auch  das  Adagio  für  Klavier  (in  H-Moll)  Kochel
Waldersee  Nr.  540  vorhanden.  Ein  wahrer  Schatz  ist  eine
aus  dem  Nachlaß  Paganinis  stammende  Sammlung,  die  über
200,  teils  von  ihm  selbst  herrührende,  teils  auf  ihn  bezügliche
Stücke  aufweist.  Schumann  ist  mit  einer  Handschrift  „Aus
dem  Album  der  Jugend“  (34  Seiten),  Richard  Wagner  mit
einem  zwei  Seiten  vollen  Manuskript  vertreten,  das  umfangreiche ­
  Skizzen  zu  „Siegfrieds  Tod“,  der  späteren  „Götterdämmerung“, ­
  enthält.  Weiters  finden  wir  Namen,  wie  Abt,
Brahms  (mehrere  Briefe),  Hans  v.  Bülow,  Cherubini,  Chopin,
Goldmark,  Josef  Haydn,  Kreutzer,  Leoncavallo,  Liszt,  Karl
Loewe  (fast  vollständiges  Autograph  seiner  dreiaktigen  Oper
,jRudolf,  der  deutsche  Herr“  (1824/25)  in  Partitur),  Mendelssohn-Bartholdy ­
  (eine  ungedruckte  Klaviersonate  in  D-Dur
sowie  Autographen  seiner  bekanntesten  Chorlieder),  Offenbach,
Pfitzner,  Max  Reger,  Rossini,  Arnold  Schönberg,  Richard
Strauß,  Carl  Maria  v.  Weber,  Felix  Weingartner  und  andere.
            
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