Nr. 22
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Internationale Sammler-Zeitung
Eine Abteilung umfaßt alte, kostbare Textbücher von Opern
und Oratorien. Die Abteilungen „Bildende Künstler und
Schauspieler“ sowie Schriftsteller sind ebenfalls sehr gut bestritten.
Wir greifen aus d,er Fülle heraus: Grillparzer, Heine,
Lenau, Rückert, Scheffel, Müsset, Schelling, Storm, Freiligrath,
Fichte, Alex. Dumas,- d'Annunzio, Böcklin, Chodowiecki,
Bassermaun, Iffland, Kaulbach usw. Den Beschluß" macht
eine kleine Serie von Stammbüchern aus dem 16., 17. und
18. Jahrhundert mit interessanten Eintragungen und Zeichnungen.
(Die Versteigerung der Sammlung Steiner.)
Über die Versteigerung der Sammlung Dr. Kilian v. Steiner
durch Henrici wird uns aus Berlin noch geschrieben: Mit
der Goethe-Serie hing noch ein amüsantes - Stück zusammen,
ein Schiller-Autograph, und zwar eine Rechnung vom
27. Mai 1797, die auch den Quittungs vermerk Goethes (,,G“)
trägt. Diese interessante Schiller-Handschrift (eine Seite)
ist mit Mk. 9500 bezahlt worden. Eine eigenhändige Quittung
von Schillers Vater („Obervvachtmstr. Schiller“) ging für
Mk. 700 fort, den gleichen Preis erreichte auch ein zwei Seiten
langer Brief von Schillers Schwiegervater, Landjägermeister
Karl Christian von Lengefeld. Ein drei Seiten langes Manuskript
von Heine, eine Satire („Erklärung“) auf Ludwig
Wihl, Carl Gutzkow und den „Telegraphen“ — \diese „Erklärung“
des Dichters war im „Eleganten“ 1839, No. 102,
gedruckt worden — erzielte Mk. 6100, ein französisch und
deutsch geschriebener Brief Wielands (6% Seiten) Mk. 1100,
ein Gedicht Raimunds zur Verherrlichung des „geschätzten
Sängers Herrn Gerstel“ (München, 31. Oktober 1835) Mk. 1170.
An Gerstel hatte übrigens auch Carl Spitzweg eine Widmung
gesandt, und zwar ein mit der Porträtsilhouette des
Malers geschmücktes Stamrnbucliblatt. Dieses schöne Stück
kam für Mk. 660 in den Besitz der Dokumentensammlung
Darmstaedter der Preußischen Staatsbibliothek. Eine halbe
Seite Lessing, ein eigenhändiges lateinisches Stammbuchblatt
(Lipsiae, 8, Sept. 1757), auf dessen Rückseite eine Eintragung
von Ewald v. Kleist steht, erreichte Mk. 2900, ein Stammbuchblatt
Wilhelm Hauffs für seinen Freund cand. Goeriz mit
acht Federzeichnungen des Dichters Mk. 3300. Sehr interessierten
schließlich auch die Autographen der Gruppe „Fürsten,
Feldherren, Politiker“: ein Brief Egmonts an Wilhelm von
Oranien kostete Mk. 4800, ein Brief der Elisabeth Stuart,
Tochter Jakobs I.von England, Mk.3400, ein Brief des Großen
Kurfürsten Friedrich Wilhelm (Potsdam, 29. Mai 1671)
Mk. 1900, ein Billett Friedrichs des Großen (27. Dez. 1777)
Mk. 1750, ein Autograph Napoleons I. Mk. 1550. Für dreizehn
Briefe des Turnvaters Jahn gab man Mk. 5000, für ein
Schreiben des Generalfeldmarschalls Moltke an einen Archivrat
Mk. 950, für einen Brief Lassalles Mk. 410, für ein Billett
von Karl Marx Mk. 290, für einen Brief Wilhelm Liebknechts
Mk. 200.
(Deutsche Autographen in England.) Der verstorbene
englische Journalist Henry G. Bohn hatte eine
wertvolle Sammlung von Handschriften und Briefen zusammengebracht,
die jetzt in London zum Verkauf kommen
soll. Unter den Stücken der Sammlung wird Handschriftliches
von Schiller, Schubert, Friedrich dem Großen und
anderen deutschen Persönlichkeiten erwähnt. Ferner befinden
sich darunter wichtige Schriftstücke von Burns, Autogramme
englischer Könige bis zurück zu Heinrich VII. und eine Reihe
alter italienischer Briefe, die mit einem "Schreiben Eleonora
d’Estes von 1493 ihren Anfang nimmt.
BIBLIOPHILIE.
(Eine Bücherabteilung im Dorotheum.) Dem
sprunghaft steigenden Umsätze von Büchern, Musikalien,
Autographen und Kunstblättern Rechnung tragend, hat das
Dorotheum eine eigene „Versteigerungsabteilung IV für
Bücher“ errichtet, welche einschlägige Sammlungen und Einzelobjekte,
besonders Klassiker, Gesamtausgaben, Prachtwerke,
illustrierte Bücher, Luxusdrucke, Inkunabeln, Erstausgaben,
Lexika, kunstgeschichtliche Werke, fremdsprachige Literatur,
Belletristik, Musikalien, Zeitschriften usw. sowie ganze Biblio-Handzeichnangen
u. Graphik
vorwiegend XIX. Jahrhundert
Auktion am 28. u. 29. Nov. in München
Sammlung A . . . . Paris
Enthaltend einen Teil der
Sammlung ROGER MARX
HANDZEICHNUNGEN und anderes: Botlini, Boudin,
Carpeaux, Decamps, Dord, Gauguin, Gericault, Jaque,
Ibels, Millet, Th. Rousseau, D und G. Tiepolo, Troyon,
Willette.
GRAPHIK und anderes: Bejot, Besnard, Bloos, Bönington,
Bonnard, Bottini, Brangwyn, Carpeaux, Carriere,
Cezanne, Daubigny, Daumier (zirka 50 Blatt), Delacroix,
Denis, Fantin-Latour (27 Blatt), Gavarni, Gericault
(zirka 30 Blatt), Goya (zirka 200 Blatt, da unter solche
der ersten Ausgaben, von Caprichos und Desastres),
Haden, Jaque, Kemplen, Laing, Mc. Laughlan, Legrand,
Legros, Meryon, Millet, Munch (15 Blatt), Redon,
Renoir, Rodin, Rops (70 Blatt), Slevogt (Unikadsdruck),
Toulouse-Lautrec (33 Blatt), Willette.
600 Nummern
Ein reich illustrierter Katalog kostet Mk. 10'—
HANS GOLTZ
Kunsthandlung
MÜNCHEN, BRIENNERSTRASSE Nr. 8.
theken zur freiwilligen Versteigerung, Schätzung oder Belehnung
übernimmt. Infolge dieser Neuerung kann den Wünschen
der zahlreichen im Dorotheum verkehrenden Bücherfreunde
endlich entsprochen werden. Permanente Schaustellungen
und vermehrte Auktionen sollen nunmehr das
wertvolle Material, das in letzter Zeit besonders ergiebig dem
Dorotheum zuströmte, den Sammlerkreisen zugänglich machen.
BILDER.
(Roqueplans Landschaft), die bei der Schröffl-Auktion
Iv 950.000 erzielte, stammt aus der Sammlung Leo R. von
H rtberg. Das Gemälde wurje bei der Versteigerung dieser
Sammlung durch C. J. Wawra am 15. November 1911 von
Jakob Schroff] um — K 3900 erstanden.
(Ein „Defregger“ gestohlen.) Aus der Goethestube
im Gasthofe zum „Goldenen Adler“ in Innsbruck ist am
1. November ein Defregger gestohlen worden, eine Bleistiftzeichnung,
darstellend ein Tiroler Dirndl. Das Bild ist 30 cm
hoch, 25 cm breit und trägt die Jahrzahl 1907 oder 1911.
NUMISMATIK.
(Minister vom Stein als Münzbild.) Die Provinz
Westfalen hat Notgeldmünzen ausgegeben mit dem Bildnis
des Ministers vom Stein, des Schöpfers der preußischen
Selbstverwaltung. Minister vom Stein war Landtagsmarschall
in Westfalen und hat auf seinem Gute Kappenberg in Westfalen
bis zu seinem Tode im Jahre 1831 gelebt. — Es werden
Stücke zu 50 Pf. aus Aluminium und solche zu Mk. 5 - — und
Mk. 10'— aus Bronze ausgegeben.
PHILATELIE.
(Neuheiten.) Die angekündigten Danziger Wohltätigkeitsmarken
für die Tuberkulosenwoche sind erschienen.
Die Werte zu 30 ( + 30) Pf. grün-braungclb und 60 (+ 60) Pf.
karmin-braungelb gezähnt 14 haben gewöhnliches Format.