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MAK

Full text : Jahrgang 13 (1921) (4)

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Zentralblatt  für  Sammler,  Liebhaber  und  Kunstfreunde.
Herausgeber:  Norbert  Ehrlich.
13.  Jahrgang.  Wien,  15.  Februar  1921.  Nr.  4.

Wanderung  durch  ein
Einer  Einladung  des  Wiener  Dorotheums  Folge
leistend,  haben  in  den  letzten  Tagen  zahlreiche  Sammler ­
  und  Kunstfreunde  einen  Ausflug  nach  Baden
gemacht,  um  dort  im  Patrizierhause  des  Herrn  Adolf
Grimus  von  Grimburg  die  Kunstschätze  zu  besichtigen, ­
  die  demnächst  im  Dorotheum  zur  Versteigerung ­
  gebracht  werden.
Der'  Rundgang  begann  in  der  anheimelnden  Vorhalle, ­
  deren  Wölbungen  mit  Malereien  bedeckt  sind,
die  denen  des  Schlosses  Arnstein  in  Salzburg  nachgebildet ­
  sind.  Einen  weiteren  Schmuck  des  Raumes
bildet  das  ehrwürdige  Mobiliar,  unter  dem  ein  Salzburger ­
  Waschkasten  aus  dem  17.  Jahrhundert  mit
Majolikafüllung  besonders  auffällt.  An  den  Wänden
hängen  sieben  Tierstücke  in  Öltechnik,  gleichfalls  aus
dem  17.  Jahrhundert,  und  schönes  Rokokozinn  deutscher ­
  und  böhmischer  Herkunft.
Eine  Flügeltür  führt  von  der  Vorhalle  in  ein
großes  Wohnzimmer,  welches  mit  erlesenem  Geschmack ­
  im  Stil  der  Zeit  Maria  Theresias  ausgestattet
.  ist.  Die  Decke  wurde  nach  einem  Vorbilde  im  Salzburger ­
  Rupertinum  hergestellt,  während  die  schöne
Mittelrosette  ein  Augsburger  Originalwerk  ist.  Die  Vertäfelung ­
  der  unteren  Partie  der  Wände  aus  dem
Jahre  1730  stammt  aus  der  Lorcher  Kirche  bei  Enns,
und  zur  Verkleidung  der  Eingangstür  wurden  Beichtstühle ­
  aus  derselben  Kirche  benützt.  Ebenso  interessant ­
  sind  die  alten  Möbel,  die  einst  in  den  stillen
Räumen  des  Klosters  Raitenhaslach  standen.  Besonders ­
  bemerkenswert  ist  aber  der  mächtige  Ofen,
das  Werk  eines  zur  Zeit  der  Kaiserin  Maria  Theresia
lebenden  Hafners.  Der  Mann  hatte  seine  Öfen  nicht
etwa  dutzendweise  nach  der  S.chablone  verfertigt,  er
formierte  vielmehr  jeden  derselben  aus  freier  Hand
und  erwarb  sich  dadurch  einen  weitverbreiteten  Ruf,
so  daß  seine  Erzeugnisse  in  vielen  herrschaftlichen
Schlössern  Eingang  gefunden  haben.  Bei  dem  hier  zu
sehenden  Exemplar  zeigt  namentlich  die  Kuppel  mit
der  von  ihr  eingeschlossenen  Vase  den  künstlerischen
Sinn  des  Erzeugers.  Zwei  Genrebilder  von  A.  van  der
Velde  ziehen  clurch  ihre  feine  Farbenbehandlung  an,
die  an  einer  Frauengestalt  besonders  effektvoll  zur
Geltung  gelangt.  Auch  ein  schöner,  englischer  Kupferstich ­
  (Mrs.  Tickeil)  und  zw T ei  liebliche  Blumenstöcke
seien  erwähnt.
Das  Speisezimmer  erscheint  als  ein  stattlicher
Museumssaal.  Bei  dem  mächtigen  Majolikaofen,  der
im  17.  Jahrhundert  in  Südtirol  gebaut  wurde,  fällt
der  eigenartige  metallische  Glanz  auf,  wie  er  an  rö-Badener

  Patrizier  haus,
mischen  Schüsseln  zu  bemerken  ist.  Noch  um  ein
Jahrhundert  älter  sind  die  dunklen,  gotischen  Gobelins. ­
  Der  Brunnen,  der  den  Raum  mit  Wasser  versorgt, ­
  ist  eine  schöne  Steinmetzarbeit'  aus  dem  Jahre
1653.  Eine  aus  Holz  geschnitzte  gotische  Madonna  mit
alter  Bemalung  stammt  aus  Linz.  Frühe  Zinnschüsseln
mit  breitem  Rande,  Hochzeitskrüge,  italienische  Majoliken ­
  und  ehrwürdige  Silbergefäße  sind  an  den  Wänden
und  in  stilvollen  Schränken  untergebracht.  Zwei  große
Bilder  sind  von  dem  Venezianer  Bassano  gemalt,  der
sich  mit  Vorliebe  mit  figurenreichen  biblischen  Darstellungen ­
  befaßte.  Eines  davon  zeigt  den  Bau  der
Arche,  das  andere  die  hereingebrochene  Sintflut.  In
der  Mitte  des  Zimmers  steht  ein  auffallend  großer
Tisch  aus  dem  17.  Jahrhundert,  der  viereckig  und  rund
gemacht  werden  kann.  „Die  letztere  Form  hat  den
Vorteil,“  meinte  scherzend  die  Hausfrau,  „daß  es
kein  oben  und  kein  unten  gibt.“
Die  Wohnung  des  Herrn  von  Grimburg  verlassend,
gelangt  man  vom  Hausflur  durch  eine  Gittertür,  eine
prächtige  polychrome  Schmiedearbeit  aus  der  Ree
naissancezeit,  und  dann  über  eine  mit  alten  Waffen
und  Beleuchtungskörpern  dekorierte  Stiege  zu  den
Räumen  des  Freiherrn  Oskar  von  Lasser.  Schon  im
Vorzimmer  sieht  man  die  Sammelfreude  des  Eigner
tümers.  An  den  Wänden  hängen  Jagdbilder  mit  kernigen ­
  oft  humoristischen  Sprüchen  und  in  Gestellen,
ist  eine  Stocksammlung  untergebracht,  welche  vom
derben  Knüttel  bis  zu  den  Gewehr-  und  Degenstöcken
die  mannigfaltigsten  Formen  auf  weist.
Die  Besichtigung  der  inneren  Räumlichkeiten  beginnt ­
  mit  dem  Spielzimmer.  Dieses  ist  mit  Originalmöbeln ­
  aus  der  Renaissancezeit  und  auch  sonst  im
gleichen  Stile  ausgestattet.  Ein  Museumsobjekt  ist  die
kunstvoll  gearbeitete  sienesische  Truhe,  die  als  Sitz
dient  und  mit  einem  stillvollen  Behang  geschmückt  ist.
Ein  schönes  Gitter  aus  Schmiedeeisen  trennt  Zimmer
und  Erker.  Auf  einem  massiven  Bücherschrank  mit
altschlesischem  Wappen  stehen  Chroniken,  deren  Alter
nach  Jahrhunderten  zählt.  Die  Schedlsche  aus  dem
Jahre  1496  sei  besonders  hervorgehoben.  Auch  das
erste  Werk  über  Chemie  und  andere  Unica  fallen  auf.
Die  Hauptwand  ziert  ein  größeres,  nicht  signiertes
Bild  des  Spaniers  Pietro  da  Moya.  Ein  als  Page  gekleidetes ­
  Edelfräulein  steht  in  einer  Zigeunergruppe
und  läßt  sich  wahrsagen,  während  sie  von  einem  Zigeuner ­
  listig  besitohlen  wird.  Die  einzelnen  Gestalten
sind  sehr  gut  herausgearbeitet.  Von  Bildern  sehen  wir
weiters  eine  sehr  gute  Kopie  einer  Madonna  von  Dürer,
            
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