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Zentralblatt für Sammler, Liebhaber und Kunstfreunde. 
Herausgeber: Norbert Ehrlich. 
13. Jahrgang. Wien, 1. März 1921. Nr. 5. 
Der Nachlaß des Grafen Janos Palffy. 
Mit dem Nachlaß des Grafen Janos Palffy gelangt 
eine berühmte Wiener Privatsammlung zur Auflösung. 
Die herrlichen Empiremöbel, die schon während des 
Wiener Kongresses von den illustren Gästen des 
Palffy-Palais bewundert wurden, kommen unter den 
Hammer: in ihrer Gesamtheit eine Kollektion von einer 
Reichhaltigkeit und Qualität, wie sie bisher noch 
niemals auf den Markt gebracht wurde. Auf den meisten 
dieser Obj ekt'c ruht der Abglanz historischen Ge 
schehens; Napoleon und seine Josefine, Marschall 
Berthier und andere Große des Empire werden bei 
ihrem Anblicke wieder lebendig, man glaubt einen 
Hauch der Persönlichkeiten zu verspüren, die mit 
ihnen einst in Berührung gewesen. 
Das hervorragendste Stück des Mobiliars, nicht 
allein in kunsthistorischer Hinsicht, sondern auch in 
künstlerischer, materialtechnischer, ist der aus dem 
Schlosse Malmaison stammende Schreibtisch Na 
poleons I.: ein Gipfelpunkt der Empirekunst, die 
dem neugebackenen Kaisertum die nötige Folie lieh. 
Der Katalog gibt von diesem Prunkstücke, das auf 
vier Millionen Kronen geschätzt ist, aber wohl das 
Dreifache dieser Summe erreichen wird, folgende Be 
schreibung: „Mahagoni, poliriert. Auf einem Posta 
ment, das an den Seiten Stufen trägt und in der Mitte 
eine Ausnehmung für die Füße hat, sind zwölf Säulen 
in Reihen zu je drei hintereinander angeordnet, auf 
denen der Kasten ruht. Die Säulen sind kanneliert, 
haben Bronzepostamente und Bronzekapitäle und in 
den Kannelierungen zarte Blattornamente aus Bronze. 
Der Körper besteht aus dem rechteckigen Teile, der 
vorne durch einen Rollverschluß abgeschlossen und 
durch das Herausziehen einer mit goldgepreßtem 
Leder überzogenen Platte geöffnet wird. Unterhalb 
dieses Verschlusses drei Laden. Oben ein Aufbau, der 
links und rechts je eine Lade, in der erhöhten Mitte 
ein Spielwerk und innen zahlreiche Laden, die durch 
Drucker in Bewegung gesetzt werden, trägt. Im Innern 
des Kastens eine Bogenarchitektur mit dorischen, zu 
zweit angeordneten Säulen aus Bronze und Triglyphen 
am Gesimse, ebenfalls aus Bronze; dahintei eine 
Stufenanlage und zahlreiche geheime Laden aus 
Eschenholz. Am Postament Bronzebeschläge mit 
Sphinxen, Palmetten, Ranken- und Blattwerk. An 
den Seiten im Innern Bronzeleisten und Bronzevasen. 
Das Äußere des Schreibtisches ist reich mit Bronzen 
verziert. Außer an den Säulen finden sich an den 
unteren Laden ornamentales Blattwerk und natura 
listische Zweige sowie Metallstreifen mit Perlen 
schnüren. Am Rollverschlusse selbst glatte und mit 
Blattornamenten verzierte Metallstreifen sowie Perlen 
schnüre. An den Seiten des Rollverschlusses Früchten- 
und Blumengirlanden, die von Löwenköpfen gehalten 
werden, und kleine Bronzevasen. Oberhalb des Roll 
verschlusses, an Knöpfen durch Maschen festgehalten, 
Blumengirlanden. Die oberen Laden sind mit Ranken, 
Pflanzenornamenten und Perlenstäben verziert. Der 
Mittelteil, der das Musikwerk enthält, trägt ein Bronze- 
r.tlief mit sieben Kindern, die sich mit Erdkunde, 
Malerei, Plastik und dem Lesen eines großen Buches 
beschäftigen: in der Mitte ein Altar mit Büchern und 
einer Wage, die Jurisprudenz versinnbildlichend. 
Als Abschluß nach oben sind Bronzegalerien ange 
bracht, an deren Enden je eine kleine Bronzevase 
steht. An den Seiten des Schreibtisches Bronzeleisten 
und Perlenstäbe als Verzierung. Alle Bronzen ver 
goldet." 
Diesem Stück am nächsten steht unter den Möbeln 
das Bett des Marschalls Berthier, das den vollen 
deten Typus eines französischen Empirebettes mit 
Draperie zur Anschauung bringt. Die Beschläge, Schwert, 
Lanze und die beiden Trinkhörner weisen auf den 
Charakter des Vorbesitzers hin, für den es ein Meister 
der Epoche, aller Wahrscheinlichkeit nach Percier, 
ausgeführt hat, unter dessen Entwürfen sich ein ähn 
liches Bett mit fast gleichem Bronzedekor gefunden hat. 
Es würde zu weit führen, alle Prunkstücke dieser 
Abteilung aufzuzählen. Hier seien noch herausgegriffen: 
eine Kanmrie mit Empireornamenten, Amoretten, 
Silhouetten und schnäbelnden Tauben, ein Mahagoni- 
sofa mit überaus kunstvoller Holzschnitzerei und ein 
Ofenschirm mit weißer Atlasbespannung, der ringsum 
von einer dunkeln, mit gelben Rankenmotiven ge 
stickten Bordüre umgeben ist. Zwei Stühle vom Ende 
des 18. Jahrhunderts mit mächtigen bronzenen Widder 
köpfen als Handstützen an den Armlehnen fallen durch 
die reizende figurengeschmückte Goldbespannung auf, 
wie denn überhaupt die großartigen Überzüge von beson 
derer Anziehungskraft sind. 
Ein Saal ist mit Möbeln im Sheratonstil geschmückt. 
Es ist dies bekanntlich der englische Möbelstil, der 
der Louis XVI.-Periode in Frankreich parallel lief. 
Hier ragen besonders sechs künstlerisch und technisch 
ausgezeichnete Fauteuils hervor, die aus der Werk 
statt des genialen Robert Adam herrühren dürften. 
Von den italienischen Möbeln, die den Schmuck einiger
	        
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