MAK
Nr. 5 
Internationale Sammler-Zeitung 
Seite 51 
Stephajiskirche, die Ansicht von Venedig oder die 
nicht näher gekennzeichnete eines anderen italienischen 
Ortes. Aparten Reiz hat eine „Ziegenherde unter 
einem Baume“, die eine gemeinsame Arbeit von zwei 
Meistern ist, wie Alexander Calame und Eugen 
Verboekhoven. Talent vom Talente seines Vaters 
zeigt das „Waldinnere“ von Artur Calame, der, 
da er meist A. Calame signiert, mit Alexander ver 
wechselt zu werden pflegt. Eine Kompagniearbeit 
bester Art ist auch eine „Winterlandschaft" von Georg 
Gillis und Remi van Haanen. 
Größter Beachtung sicher sind die zwei Bilder 
von Marko dem Alteren: „Küstenlandschaft mit 
Ino und Melicertes“ und „Venus und Amor“. Dan 
hauser ist durch ein Porträt repräsentiert, das seinen 
Sohn darstellt; das Bildnis eines unbekannten Mannes 
weist die Signatur Eduard Enders auf. Ein echter 
Stuck ist der „Mörder“, wie man in der „Entsagung“ 
auf den ersten Blick Gabriel von Max erkennen würde, 
auch wenn das Bild, nicht signiert wäre. Ein vorzüg 
liches Damenporträt ist von Amerling. Von Josef 
Lauer sind zwei hübsche Alpenblumen-Stilleben vor 
handen, von Eugen Isabey eine Hafenansicht. Vla- 
stimil Hof mann finden wir mit einer „Heiligen Fa 
milie“, die anspricht, obwohl sie von der üblichen 
Auffassung abweicht. Von Modernen seien schließlich 
noch genannt Charles Hoguet (Landschaft), Jan 
Baptist Lodewyk Maes (Bildnis eines jungen Mäd 
chens), Carl v. Saar (Damenporträt), Carl Schindler 
(Tiroler Bauer), Rosa Schweninger (Beim Vogel 
händler), Leopold Heinrich Vöscher (Landschaft) usw. 
Unter den Gemälden' alter Meister, die 
Ludwig Baldaß expertisiert hat — die modernen 
hat Leo Schidlof selbst begutachtet — dominieren die 
Niederländer. Neben einer Anzahl von guten Bildern, 
die nicht signiert sind, stoßen wir auf einen Claesz 
Molenaer, auf einen Van der Neer (Lesende Dame), 
auf Bilder von Jan Reynier de Vries (Waldlandschaft), 
Thomas Wijck (Ruhe auf der Flucht), Pieter de Bloot 
(Holländische Familienszene), Richard Brakenburgh 
(Kartenspieler), Thomas van Apshoven (Zwei hol 
ländische Bauern) und andere gleich hoher Qualität. 
Unter den Antwerpener Meistern ragt Hendrik van 
Baien hervor, der mit seinem „Linsengericht“ ver 
treten ist. Von einer Darstellung von „Adam und Eva“ 
sagt der Direktor der staatlichen Gemäldegalerie 
Dr. Gustav Glück: „Das Gemälde ist ohne Zweifel 
eine südniederländische Arbeit aus der Zeit 1530 bis 
1540 und stammt aus dem Kreise von Künstlern, 
die wie Jan Gossaert, den Mabuse, die Nachahmung 
italienischer Kunst weise in den Niederlanden einge 
führt haben. Nach stilistischen Indizien zu schließen, 
handelt es sich hier wohl um eine späte Arbeit des 
bekannten Glasmalers und Kupferstechers Dirck Vel- 
lert (tätig 1511 bis 1544 in Antwerpen, früher irr 
tümlich „Dirck van Staren“ genannt), von dessen Hand 
Ölgemälde nur sehr selten Vorkommen.“ 
Von deutschen Meistern nennen wir Philipp Roos, 
den italienisierenden Johann Franz Ermels (Herde 
in Ruinenlandschaft), von Italienei'n Andrea Locatelli 
(Hafenansicht mit Ruinen). Ein Damenporträt läßt 
auf Reaburn schließen, das Bild „Vor dem Stalle“ 
scheint Morland nahe zu stehen. Aus der sienesischen 
Schule um 1400 rührt ein „Erzengel Gabriel" her. 
Die Besichtigung der Gemälde kann vom 27. Februar 
bis 4. März täglich von 10 Uhr vormittags bis 5 Uhr 
nachmittags erfolgen. 
Die Schidlof-Auktion 
Die Schidlof-Auktion, über deren ei-sten Tag 
wir in der vorigen Nummer bereits berichten konnten; 
hatte ein über alle Erwartungen gehendes Ergebnis. 
Sie brachte K 17,200.000, beziehungsweise mit dem 
Aufgeld K 19,375.000. Unter deix alten Bildnern er 
reichte ein Franz Francken (Katalog Nr. 222) 
K 92.000 bei einer Bewertung von K 70.000, ein kleiner 
van der Neer (Nr. 263), der mit K 80.000 bewertet war, 
K 100.000, eiixe von Blumen umgebene Madonna von 
Seghers (Nr. 182) genau die Schätzung von K 120.000, 
ein Abendmahl aus dem 18. Jahrhundert (Nr. 192), 
das mit K 40.000 bewertet war, K 92.000. 
Sehr hohe Beträge brachten die Miniaturen, 
unter welchen sich zahlreiche erstrangige Stücke be 
fanden. Die junge Dame von William Ross (Nr, 531), 
mit K 200.000 bewertet, verdoppelte nahezu den 
Schätzungspreis und ging mit K 380.000 in den Be 
sitz eines Wiener Sammlers über. Das Knabenbildnis 
von Deranton (Nr. 415), ebenfalls mit K 200.000 
bewertet, wanderte für K 330.000 nach Deutschland. 
Derselbe Käufer erwarb auch Nr. 536, eine Schildpatt 
dose mit einem Herrenbildnis von M. Rouvier, für 
K 310.000, die gleichfalls mit K 200.000 eingeschätzt 
war. Eine kleine Miniatur von Smart vorzüglichster 
Qualität (Katalog Nr. 545), wurde mit K 300.000, 
genau dem Einundeinhalbfachen der Schätzung von 
einem großen Wiener Sammler erstanden. 
Überraschend hoch waren die Preise für Glas und 
Porzellan; viele Stücke dieser Abteilung erreichten 
das Zehn- bis Zwölf fache ihrer Schätzung, wogegen 
Kupferstiche und Skulpturen vielfach unter der Be 
wertung blieben. Einige Goldemaildosen brachten Preise 
von K 100.000 bis K 250.000. Auch das Kunstmobiliar 
fand großen Anklang und erreichte Preise, welche oft 
ein Mehrfaches der Schätzung ausmachten. 
Im folgenden setzen wir die Veröffentlichung der 
Preise fort: * 
Zweiter Tag, 
Gemälde alter Meister. 
Nr. 191, D'Arthois, Landschaft, K 50.000: Nr. 192, 
Art des J. Ch. Brandt, Landschaften, K 10.500; Nr. 193, 
van Bredaei d. Ä., Zechende Bauern, K 13.000; Nr. 194, Art 
des F. Casanova, Schlachtenszcne,- und Nr. 195, Desgl., 
K 37.000; Nr. 196, P. Claesz, Stilleben, K 57.000; Nr. 197, 
Art des Yost van Craesbeck, Bauernstube, K 17.000; Nr. 198, 
Deutsche Schule, 16. Jh., Kreuzigung, 5500; Nr. 199, Desgl., 
17. Jh., Landschaft, K 7500; Nr. 200, Desgl., Diana und 
Aktäon, K 21.000; Nr. 201, Desgl., 18. Jh., Damenporträt, 
K 20.000; Nr. 202, Desgl., Porträt, K 5500; Nr. 203, Desgl., 
Zwei Hafenansichten, K 13.000; Nr. 204, Desgl., Damenporträt, 
K 1300; Nr. 205, Desgl., Anbetung, K 3000; Nr. 206, Desgl., 
Blumenstilleben, und Nr. 207, Desgl., K 29.000; Nr. 208, 
Desgl., Dame, K 7000; Nr. 209, Desgl., Mann, K 4600; Nr. 210, 
Desgl., Zwei Landschaften, I\ 17.000; ,Nr. 211, Desgl., Dame, 
K 6500; Nr. 212, Desgl., Reiterschlacht, K 10.500; Nr. 213, 
Desgl., Mühle, und Nr. 214, Desgl., Landschaft, K 13.000; 
Nr. 215, Desgl., K 6000; Nr. 216, Desgl., um 1800, Landschaft, 
K 6500; Nr. 216a, Desgl., 17. Jh., Maria Verkündigung, K 7000; 
Nr. 217, Art des C. W. Dietrich, Mann,. K 1900; Nr. 218, 
V. Fischer, Raub der Sabinerinnen, K, 16.000; Nr. 219, 
Ders., Versöhnung der Römer und Sabiner, K 18.000; Nr. 220, 
Ders., Ansicht von Rom, K 15.000; Nr. 221, Schule des Füger,
	        
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