MAK
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Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. 5 
Die erste St. Lucas-Versteigerung. 
Die von uns angekündigte eiste Versteigerung der Galerie 
Sanct Lucas in Wien ist um einen Tag zurückveriegt worden. 
Sie beginnt nicht erst am 4., sondern schon am 3. März und 
endet am 4. März. Die Ausstellung wird ’nfolgedessen schon 
am 2. März geschlossen. 
Kunstliebhaber und Sammler, welche die Ausstellung ge 
sehen haben, sind voll des Lobes über das gelungene Arrange 
ment, das die Objekte zur vollsten Geltung kommen läßt. 
Viel trägt dazu natürlich auch der prächtige Rahmen bei, 
den der Altdeutsche Saal des Künstlerhauses abgibt. 
Rings an den Wänden in einer Anordnung, die das Künst 
lerauge verrät, die trefflichen Gemälde alter und moderner 
Meister, die d’e Galerie Sanct Lucas für ihr Debüt auf dem 
Kunstmarkt zusammengebracht hat, die Madonna mit dem 
Kinde im Stil der Antwerpener Malerei vom Anfänge des 
sechzehnten Jahrhunderts, „Das geschlachtete Schwein" von 
Isack van Ostade, „Cristus als Gärtner" von Garofalo, 
die „Dorfstraße mit spielenden Bauern“ von Klaes Molenaer, 
die „Waldlandschaft “von Jan Lievens, das „Porträt des 
Kurfürsten Johann des Beständigen“ von Lucas Cianach 
dem Älteren, der „Krämerladen“ von Vautier, das „Reiter 
scharmützel" von Vrancx, die herrlichen Schöpfungen eines 
Waldmüller, Makart, Altomontes, Gonzales Coqites, 
Fi ammingos, Francesco Casanovas usw.; im Saale selbst, 
entsprechend auf Tischen und Postamenten wie in Vitrinen 
verteilt, die hervorragenden Bildwerke in Holz und Ton, die 
Bronzen und anderen Metallarbeiten, die Keramiken und das 
Mobilar. Man kann hier wahrnehmen, welch Unterschied 
zwischen Original und —- auch der besten — Abbildung ist. 
Wie anders wirkt zum Beispiel hier die Empireahr, die die 
Stadt Lyon dem ersten Napoleon anläßlich der Ge'burt seines 
Sohnes, des nachmaligen Herzogs von Reichstadt, zum Ge 
schenke gemacht hat, wie anders die französisch gedeckelte 
Prunkvase. mit dem tiefblauen Kupferemail und der feuer 
vergoldeten, ziselierten Bronzemontierung oder der Geschirr 
schrank der deutschen Hochrenaissance, der von Säulen ge 
tragen wird. 
Man versteht, wenn man die Gegenstände so in natuia 
vor sich hat, die hohe Bewertung, die sie gefunden, und ist 
ganz davon überzeugt, daß es Herrn August Johannes Schelle, 
dessen bewährten Händen die Leitung der Sanct Lucas- 
Versteigerungen anvertraut ist, ein Leichtes sein werde, die 
Schätzungspreise zu erreichen, wenn nicht gai bedeutend zu 
überflügeln. 
Chronik. 
BIBLIOPHILIE. 
(Versteigerung der Bibliothek Ida Schoeller.) 
Im Anschluß an die Sammlung Busch (Mainz) wird die Firma 
Joseph Baer & Co. am 6. und 7. Mai d. J. Bücher aus dem 
Nachlasse der bekannten Bibliophilin Frau Ida Schoeller 
(Düren) versteigern. Die erste Abteilung dieser Sammlung 
gibt einen guten Überblick über die Bücherillustration des 
18. und 19. Jahrhunderts, ferner enthält die Sammlung Erst 
ausgaben der deutschen Literatur, bibliographische und kunst 
historische Werke, Privat- und Luxusdrucke, schöne Ein 
bände, Pergamentminiaturen und Graphik. Ein illustrierter 
Katalog ist in Vorbereitung. 
(Der älteste Griseldis-Druck.) Der Abteilung der 
Wiegendrucke in der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin 
ist, wie jetzt entdeckt wurde, eine besonders kostbare Inku 
nabel gestohlen worden, der älteste Druck von Petrarcas 
,, Griseldis", die 1472 von dem Augsburger Drucker Johannes 
Bämler gedruckt worden ist. Der Druck, der von dem Dieb 
aus dem stehengebliebenen Deckel herausgeschnitten wurde, 
ist anscheinend das einzige von dieser Inkunabel überhaupt 
erhalten gebliebene Exemplar, und darum trotz seines gerin 
gen Umfanges von nur 10 Blatt sehr wertvoll. Es stammt, 
wie aus dem in dem Deckel erhaltenen Exlibris hervorgeht, 
aus der berühmten Bibliothek des Frankfurter Arztes Dr. Georg 
Kloß, der in der napoleonischen Zeit die frühesten deutschen 
Drucke sammelte und sie dann in London versteigern ließ. 
(Seltene Bücher.) Von den. am 10. und 11. März bei 
Sotheby in London zur Versteigerung gelangenden Büchern 
aus der wie es scheint unerschöpflichen Britwell-Bibli o- 
thek verdienen zwei um ihrer Bedeutung und Seltenheit 
willen besonders hervorgehoben zu werden. Das eine der 
Bücher ist außer dem Exemplar im Britischen Museum das 
einzige Exemplar von „Everyman", der in Hofniannsthals 
Bearbeitung uns näher gebrachten Moralität aus dem 15. Jahr 
hundert (entstanden vor 1490, gedruckt von John Skot, 
St. Pauls Churchyard um 1530). Das Britwell-Exemplar 
gehörte einem Fruchthändler, Thomas Jolley. Das andere ist 
„Rosalynd, das goldene Vermächtnis des Euphues“, eine 
Prosaerzählung von Thomas Lodge, auf einer Reise nach 
den Kanarischen Inseln geschrieben und 1590 zum ersten Male 
gedruckt. Das ausgebotene Exemplar ist offenbar die 4. Auf 
lage aus dem Jahre 1604. Besonders wichtig ist „Rosalynd“ 
als Vorlage für Shakespeares „Wie es euch gefällt". Ein Ver 
gleich beider läßt Übereinstimmung in vielen Teilen, aber auch 
wesentliche Unterschiede feststellen. Von Shakespeare hinzu 
erfunden sind die Gestalten des Jaques, Käthchens und Prob 
steins. So bleibt der Name des Verfassers von „Rosalynd“ 
mit dem seines berühmteren Zeitgenossen unzertrennlich 
verknüpft, 
(Diebstahl des Jenaer „Theuerdank“.) Aus Jena 
wird uns gemeldet, daß ein Exemplar des „Theuerdank“ 
aus dem kunsthistorischen Seminar der dortigen Universität 
entwendet worden ist. Der „Theuerdank“ ist bekanntlich eine 
Dichtung in deutscher Sprache, die auf Veranlassung des 
Kaisers Maximilian verfaßt und von Dürer und seinem 
Kreis mit 118 Textbildern in Holzschnitt ausgestattet worden 
ist. Es ist ein Foliodruck aus dem Jahre 1517. Der Einband des 
Jenaer Exemplars aus grauer Pappe mit schwarzem Rücken 
schild stammt aus dem 19. Jahrhundert. 
BILDER. 
(Fälschung von Gemälden.) Aus Budapest wird 
uns geschrieben: In der letzten Zeit ist es wiederholt vorge 
kommen, daß Gemälde, die mit dem Signum hervorragender 
Maler verkauft wurden, nachträglich als Falsifikate erkannt 
wurden. So wurde ein Bild des Barons Mednyänßky und 
eines des Malers Udvari als gefälscht bezeichnet, und erst 
vor wenigen Tagen kam es bei der Auktion im Zentralver 
satzamte vor, daß drei Bdder des Malers Anton Berkes vom 
Meister selbst als Fälschungen bezeichnet wurden. Die Ge 
schädigten wendeten sich nun an die Polizei, die in dieser 
Sache Erhebungen einleiten ließ. Es stellte sich heraus, daß 
diese Bilder ohne Namenszug des Malers in Verkehr gesetzt 
worden und an mehreren Orten als Kopien von bekannten 
Meistern für billiges Geld zu erhalten waren. Diese Bilder wurden 
dann von Spekulanten aufgekauft und zur Auktion gebracht, 
wo sie aber schon mit dem gefälschten Signum figurieren. 
Es ist daher offenkundig, daß es eine Werkstätte geben muß, 
wo diese Bilder mit dem gut nachgeahmten Namenszug der 
Maler versehen werden. Die Polizei ist den Tätern auf der Spur 
und hofft sie bald unschädlich gemacht zu haben.
	        
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