MAK
Seite 66 
Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. 6 
(Notgeldausstellung in Linz.) Manschreibt uns aus 
Linz: In den Räumen des Kunstvereines ist gegenwärtig eine 
reichhaltige Notgeldausstellung zu sehen, die hauptsächlich 
arrangiert wurde, um das sehr gesunkene Interesse für das 
Notgeld etwas zu heben. Die Ausstellung beschränkt sich einst 
weilen auf das oberösterreichische Notgeld, doch soll nach 
und nach das Notgeld (der übrigen Bundesländer einbezogen 
werden. Eine Abteilung- „Spezialitäten“ vereinigt Notgeld 
auf Spielkarten, Lebensmittelkarten, Leder usw. 
PHILATELIE. 
(Die Hochwassermarken.) Die österreichischen Hoch 
wassermarken bilden eine Quelle des Ärgers für die Sammler. 
Denn während man in allen Briefmarkenhandlungen einzelne 
Werte, wie ganze Serien, natürlich zu bedeutend erhöhten 
Preisen, bekommt, muß man von sehr guten Eltern abstam 
men, um im, Hauptpostamte der einzigen Verkaufsstelle — 
einen Satz zum Originalpreise zu erlangen. Es kam denn auch 
schon wiederholt zu tumultuösen Szenen, die nur die eine Wir 
kung hatten, daß der Schalter gesperrt wurde und die zunächst 
Stehenden Anweisungen auf einen späteren Ausgabetag er 
hielten. Natürlich müßte es nicht so sein, denn es sind, wie wir 
hören, von den Werten zu 5, 10, 15, 20 und 25 Heller je 540.000, 
von den Werten zu 30, 40, 50, 60 und 80 Heller je 480.000, von 
den Werten zu 1, 1 Krone 50 Heller und 2 Kronen je 530.000, 
von den Werten zu 2 Kronen 50 Heller, 3 und 4 Kronen je 
480.000, vom 5 Kronen-Werte 530.000 und von den Werten 
zu 7 Kronen 50 Heller, 10 und 20 Kronen je 480.000 Stücke 
hergestellt worden und nichts hindert die Postverwaltung daran, 
weitere Marken zu drucken. In zahlreichen Zuschriften, die an 
uns gelangten, wird dem Verdachte Ausdruck gegeben, daß 
die Postverwaltung den Verkauf „drosselt", weil sie die Marken 
nach ihrer Außerkurssetzung am 31. März zu einem höheren 
Preis verkaufen will. Wir denken von unserer Postverwaltung 
viel zu gut, um sie einer solchen Handlungsweise für fähig zu 
halten, wie wir auch nicht glauben können, was vielfach er 
zählt wird, daß große Mengen der Hochwassermarken von der 
Presse weg in die Läden gewisser Briefmarkenhändler gewandert 
sind. 
(Neue Marken der Ukrainischen, Volksrepublik.) 
Der Ukrainische Pressedienst meldet aus Tarnov: Die bisher 
in Gebrauch gewesenen Übergangsmarken der Ukrainischen 
Volksrepublik (alte russische Marken mit dem Überdruck der 
Ukrainischen Volksrepublik) sind außer Kraft gesetzt worden. 
Gleichzeitig wurde auch die Ausgabe aus dem Jahre 1918 
(sogenannte Schahi-Werte) vom ukrainischen Ministerium für 
Post- und Telegraphenwesen annulliert und jeine neue Serie, 
enthaltend 14 Werte, herausgegeben. Diese Marken wurden 
durch eine vom ukrainischen Ministerium für Post- und Tele 
graphenwesen eingesetzte Kommission, an deren Spitze der 
Ministerialdirektor des ukrainischen Post- und Telegraphen 
ministeriums, Herr Peter Soroko, steht, zur Ausführung dem 
militärgeographischen Institute in Wien übergeben. Die ver 
wendeten Bilder stammen aus der Hand des ukrainischen 
akademischen Malers, Prof. Mikolaj Iwassiuk, und sind 
künstlerisch und technisch vollendet ausgeführt. Die neuen 
Marken umfassen folgende Werte: 1, 2, 3, 5, 10, 15, 20, 30, 
40, 50, 60, 80, 100 und 200 Hrywni. Der niedrigste Wert zeigt 
das ukrainische. Hoheitszeichen, hierauf folgen Bilder aus 
dem ukrainischen nationalen, kulturellen und staatlichen 
Leben, so: ein Bauernmädchen mit Fahne, Kosak mit Bandura, • 
Landschafts- und Ortsbilder, historische Bilder, zum Beispiel 
Chmelnickyj, Mazeppa, Schewtschenko und Polubotok. Die 
Marke zu 40 Hrywni enthält das Bild des gegenwärtigen 
Staatschefs der Ukraine, Oberatamans Petlj ura. Diese Marken 
wurden sofort nach Befreiung des Territoriums der Ukraini 
schen Volksrepublik von der bolschewistischen Invasion i n 
Verkehr gesetzt werden. 
(Gestohle ne Briefmarken.) Dem Briefmarkensammler 
Samuel Weiß in Wien wurden zahlreiche Briefmarken, 
darunter die 1 Kreuzer Baden 1851, gelblich, die 1 Kreuzer 
österreichische Tokayer-Ausgabe, gelb, die 45 Centimes Amerika 
1851, Fehldruck, die L / s Groschen Mecklenburg, zusammen 
60.000 Kronen wert, gestohlen. 
VERSCHIEDENES. 
(Eine Wiener Bücherstube.) Der Verlag „Neue 
Graphik“ in Wien hat in der dortigen „Sezession" eine Bücher 
stube eröffnet, in der in steter Aufeinanderfolge Ausstellungen 
einen Überblick über die Produktion und den gegenwärtigen 
Stand der Verlagsanstalten gewähren sollen, die sich mit 
Literatur und Kunst befassen. Es wird als Grundsatz betrachtet 
— wozu auch die nicht allzugroße Räumlichkeit verpflichtet — 
nur qualitativ hervorragende Werke aufzulegen. Die erste 
Ausstellung — „Der deutsche Buchverlag" — führt, haupt 
sächlich Erzeugnisse des Tempelkonzerns vor, dem die ersten 
reichsdeutschen Häuser angehören: die beiden Cassirer, 
Diederichs, S. Fischer, Kurt Wolff und andere. 
(Unbekannter Frühdruck von Klinger.) Der 
Berliner Antiquar Martin Breslauer ist in den Besitz eines 
bisher unbekannten Frühdrucks, von Max Klinger aus 
dem Jahre 1883 gelangt. Es handelt sich um eine Glück 
wunschadresse für einen hohen juristischen Beamten, die aus 
zwei Deckfarbengemälden auf Pergament besteht. 
(Ein unentdeckter Kopf vom Parthenon.) Ge 
heimrat Studniczka veröffentlicht zur Winkelmannsfeier 
des Archäologischen Seminars der Leipziger Universität einen 
von ihm festgestellten Kopf von dem Hauptwerk der griechi 
schen klassischen Plastik, dem Parthenon. Es ist ein Jünglings 
kopf aus pantelischem Marmor, der beim Varvakion in Athen 
gefunden wurde. Er gehört zu dem Körper des jungen, mit 
einem Kentauren kämpfenden Lapithen einer Südmetope 
des Parthenon, die jetzt im Britischen Museum ist, und paßt 
dort genau auf die Bruchstelle. 
MUSEEN. 
(Das Weimarer Schloß als Museum.) Ein neues 
historisch wertvolles Museum wird in Weimar im alten Bau 
des ehemaligen Residenzschlosses errichtet werden. Neben den 
Dichternzimmern, die unverändert erhalten bleiben, sind vor 
nehmlich die Repräsentationsräume des Schlosses als Museums 
räume ausersehen. Die Stilisierung der Zimmer soll die vor 
etwa hundert Jahren werden. Die alte Kunst aus Weimars 
großer Zeit soll hier an klassischer Stelle vereinigt werden und 
einen Überblick über die Zeit „Karl Augusts" geben. Museums 
direktor Köhler hat die Einrichtung des Museums über 
nommen. 
aufe Brillanten 
speziell 
ir 
ferner Perlenschnüre, Smaragde, 
Saphire und antiken Schmuck 
jeder Art, Porzellan etc. 
KARL POLITZER 
Wien, I., Lobkowitzplaftz 1. 
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