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Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 6
(Notgeldausstellung in Linz.) Manschreibt uns aus
Linz: In den Räumen des Kunstvereines ist gegenwärtig eine
reichhaltige Notgeldausstellung zu sehen, die hauptsächlich
arrangiert wurde, um das sehr gesunkene Interesse für das
Notgeld etwas zu heben. Die Ausstellung beschränkt sich einst
weilen auf das oberösterreichische Notgeld, doch soll nach
und nach das Notgeld (der übrigen Bundesländer einbezogen
werden. Eine Abteilung- „Spezialitäten“ vereinigt Notgeld
auf Spielkarten, Lebensmittelkarten, Leder usw.
PHILATELIE.
(Die Hochwassermarken.) Die österreichischen Hoch
wassermarken bilden eine Quelle des Ärgers für die Sammler.
Denn während man in allen Briefmarkenhandlungen einzelne
Werte, wie ganze Serien, natürlich zu bedeutend erhöhten
Preisen, bekommt, muß man von sehr guten Eltern abstam
men, um im, Hauptpostamte der einzigen Verkaufsstelle —
einen Satz zum Originalpreise zu erlangen. Es kam denn auch
schon wiederholt zu tumultuösen Szenen, die nur die eine Wir
kung hatten, daß der Schalter gesperrt wurde und die zunächst
Stehenden Anweisungen auf einen späteren Ausgabetag er
hielten. Natürlich müßte es nicht so sein, denn es sind, wie wir
hören, von den Werten zu 5, 10, 15, 20 und 25 Heller je 540.000,
von den Werten zu 30, 40, 50, 60 und 80 Heller je 480.000, von
den Werten zu 1, 1 Krone 50 Heller und 2 Kronen je 530.000,
von den Werten zu 2 Kronen 50 Heller, 3 und 4 Kronen je
480.000, vom 5 Kronen-Werte 530.000 und von den Werten
zu 7 Kronen 50 Heller, 10 und 20 Kronen je 480.000 Stücke
hergestellt worden und nichts hindert die Postverwaltung daran,
weitere Marken zu drucken. In zahlreichen Zuschriften, die an
uns gelangten, wird dem Verdachte Ausdruck gegeben, daß
die Postverwaltung den Verkauf „drosselt", weil sie die Marken
nach ihrer Außerkurssetzung am 31. März zu einem höheren
Preis verkaufen will. Wir denken von unserer Postverwaltung
viel zu gut, um sie einer solchen Handlungsweise für fähig zu
halten, wie wir auch nicht glauben können, was vielfach er
zählt wird, daß große Mengen der Hochwassermarken von der
Presse weg in die Läden gewisser Briefmarkenhändler gewandert
sind.
(Neue Marken der Ukrainischen, Volksrepublik.)
Der Ukrainische Pressedienst meldet aus Tarnov: Die bisher
in Gebrauch gewesenen Übergangsmarken der Ukrainischen
Volksrepublik (alte russische Marken mit dem Überdruck der
Ukrainischen Volksrepublik) sind außer Kraft gesetzt worden.
Gleichzeitig wurde auch die Ausgabe aus dem Jahre 1918
(sogenannte Schahi-Werte) vom ukrainischen Ministerium für
Post- und Telegraphenwesen annulliert und jeine neue Serie,
enthaltend 14 Werte, herausgegeben. Diese Marken wurden
durch eine vom ukrainischen Ministerium für Post- und Tele
graphenwesen eingesetzte Kommission, an deren Spitze der
Ministerialdirektor des ukrainischen Post- und Telegraphen
ministeriums, Herr Peter Soroko, steht, zur Ausführung dem
militärgeographischen Institute in Wien übergeben. Die ver
wendeten Bilder stammen aus der Hand des ukrainischen
akademischen Malers, Prof. Mikolaj Iwassiuk, und sind
künstlerisch und technisch vollendet ausgeführt. Die neuen
Marken umfassen folgende Werte: 1, 2, 3, 5, 10, 15, 20, 30,
40, 50, 60, 80, 100 und 200 Hrywni. Der niedrigste Wert zeigt
das ukrainische. Hoheitszeichen, hierauf folgen Bilder aus
dem ukrainischen nationalen, kulturellen und staatlichen
Leben, so: ein Bauernmädchen mit Fahne, Kosak mit Bandura, •
Landschafts- und Ortsbilder, historische Bilder, zum Beispiel
Chmelnickyj, Mazeppa, Schewtschenko und Polubotok. Die
Marke zu 40 Hrywni enthält das Bild des gegenwärtigen
Staatschefs der Ukraine, Oberatamans Petlj ura. Diese Marken
wurden sofort nach Befreiung des Territoriums der Ukraini
schen Volksrepublik von der bolschewistischen Invasion i n
Verkehr gesetzt werden.
(Gestohle ne Briefmarken.) Dem Briefmarkensammler
Samuel Weiß in Wien wurden zahlreiche Briefmarken,
darunter die 1 Kreuzer Baden 1851, gelblich, die 1 Kreuzer
österreichische Tokayer-Ausgabe, gelb, die 45 Centimes Amerika
1851, Fehldruck, die L / s Groschen Mecklenburg, zusammen
60.000 Kronen wert, gestohlen.
VERSCHIEDENES.
(Eine Wiener Bücherstube.) Der Verlag „Neue
Graphik“ in Wien hat in der dortigen „Sezession" eine Bücher
stube eröffnet, in der in steter Aufeinanderfolge Ausstellungen
einen Überblick über die Produktion und den gegenwärtigen
Stand der Verlagsanstalten gewähren sollen, die sich mit
Literatur und Kunst befassen. Es wird als Grundsatz betrachtet
— wozu auch die nicht allzugroße Räumlichkeit verpflichtet —
nur qualitativ hervorragende Werke aufzulegen. Die erste
Ausstellung — „Der deutsche Buchverlag" — führt, haupt
sächlich Erzeugnisse des Tempelkonzerns vor, dem die ersten
reichsdeutschen Häuser angehören: die beiden Cassirer,
Diederichs, S. Fischer, Kurt Wolff und andere.
(Unbekannter Frühdruck von Klinger.) Der
Berliner Antiquar Martin Breslauer ist in den Besitz eines
bisher unbekannten Frühdrucks, von Max Klinger aus
dem Jahre 1883 gelangt. Es handelt sich um eine Glück
wunschadresse für einen hohen juristischen Beamten, die aus
zwei Deckfarbengemälden auf Pergament besteht.
(Ein unentdeckter Kopf vom Parthenon.) Ge
heimrat Studniczka veröffentlicht zur Winkelmannsfeier
des Archäologischen Seminars der Leipziger Universität einen
von ihm festgestellten Kopf von dem Hauptwerk der griechi
schen klassischen Plastik, dem Parthenon. Es ist ein Jünglings
kopf aus pantelischem Marmor, der beim Varvakion in Athen
gefunden wurde. Er gehört zu dem Körper des jungen, mit
einem Kentauren kämpfenden Lapithen einer Südmetope
des Parthenon, die jetzt im Britischen Museum ist, und paßt
dort genau auf die Bruchstelle.
MUSEEN.
(Das Weimarer Schloß als Museum.) Ein neues
historisch wertvolles Museum wird in Weimar im alten Bau
des ehemaligen Residenzschlosses errichtet werden. Neben den
Dichternzimmern, die unverändert erhalten bleiben, sind vor
nehmlich die Repräsentationsräume des Schlosses als Museums
räume ausersehen. Die Stilisierung der Zimmer soll die vor
etwa hundert Jahren werden. Die alte Kunst aus Weimars
großer Zeit soll hier an klassischer Stelle vereinigt werden und
einen Überblick über die Zeit „Karl Augusts" geben. Museums
direktor Köhler hat die Einrichtung des Museums über
nommen.
aufe Brillanten
speziell
ir
ferner Perlenschnüre, Smaragde,
Saphire und antiken Schmuck
jeder Art, Porzellan etc.
KARL POLITZER
Wien, I., Lobkowitzplaftz 1.
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