MAK
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Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. 8 
Spruch Grillparzers gemahnt, welcher gelegentlich die 
„menschliche Beimischung“ ihres „sonst eigentlich 
himmlischen Gesichtes“ erwähnt. 
Zu den bedeutendsten Leistungen Daffingerscher 
Porträtkunst, die einem starken und inneren Erleben 
ihre unmittelbare Entstehung verdanken, zählen zu 
letzt die Bildnisse seiner Tochter Mathilde. Es gibt 
deren mehr als ein halbes Dutzend. Das früheste zeigt 
uns ein kleines, vielleicht ein- oder zweijähriges Baby, 
das in einem weißen Spitzenhäubchen, weißem Röck- 
chen und gestreiftem Jäckchen vor einem roten Vor 
hang am Boden niederhockt und von hier aus vielleicht 
zum erstenmal jenen etwas starren und ernstlich ver 
sonnenen Blick in die Welt hinaussendet, der ihm in 
der Folge häufig zu eigen ist. Ein liebevoll charak 
terisiertes Kinderporträt ist ferner das Konterfei der 
vierjährigen Mathilde, welche fast mit der kühlen Ge 
lassenheit ihrer Mutter im Lehnstuhl sitzt und mit 
sanftem und zugleich altklugem Blick der Dinge harrt, 
die ihr nahen mögen. Ergreifend in ihrer schlichten 
Innerlichkeit ist die Bleistiftzeichnung, die das vier 
jährige Mädchen schlafend darstellt. Wir glauben fast 
jeden seiner Atmezüge zu vernehmen, und blicken wir 
zum Polster hin, auf dem sein müdes Köpfchen ruht, 
so geben die Konturen des ersteren die scharf profi 
lierten Züge Daffingers wieder, welcher gerade den 
schlafenden Liebling mit dem Ausdruck zärtlicher 
Andacht zu küssen sich anschickt. Ein Kunstwerk von 
besonderer Qualität ist schließlich die kleine Ölstudie, 
in welcher der fünfzehnjährige, ein wenig kränklich 
vor sich hinblickende Blondkopf, in treuer Gemein 
schaft mit seinem geliebten Spielkameraden, einem 
winzigen grünen Papagei, abgebildet erscheint. 
Neben diesen in sich abgeschlossenen Bildnis 
werken, die sich auf den Jvünstler selbst und seinen/ 
engsten Familienkreis beziehen, enthält der Nachlaß 
Daffingers noch eine Anzahl wertvoller, aus unter 
schiedlichen Zeitläuften stammender Porträts und 
genreartiger Kompositionen, von denen einzelne noch 
den Einschlag seiner Studienzeit enthalten, andere 
bereits aus jenen Jahren stammen, in welchen La 
wrence und Wil kie auf sein gesamtes Schaffen einen 
entscheidenden Einfluß üben. 
Zu den „Seltenheiten" des Daffingerschen Nach 
lasses gehören ferner jene reichgefüllten Mappen, 
denen die Figurinen des Künstlers einverleibt wurden, 
die für das alte Burgtheater und für die Wiener Oper 
bestimmt waren. Es finden sich in ihnen nicht nur 
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Zwei Wiener 
Die Versteigerung der hervorragenden Wiener 
Sammlungen S. R. v. M. (Metaxa) und E. H. (Herzfeld), 
die Leo Schidlof in Wien vom 5. bis 9. April durch 
führte, rechtfertigte vollauf die Erwartungen, die an 
sie geknüpft wurden. Der Erfolg drückt sich in dem 
Ergebnis aus, das ohne das fünfzehnprozentige Aufgeld 
13,338.900 Kronen beträgt. Mit dem Aufgeld erhöht 
es sich auf 15,338.735 Kronen. 
Wie bei den früheren Schidiof-Auktionen blieben 
anch bei dieser die Schätzungspreise weit hinter den 
erzielten zurück. So hat zum Beispiel die herr 
liche Miniatur der Malibran von Daffinger, die auf 
K 300.000 taxiert war, K 420.000, das Herrenporträt 
desselben Künstlers, mit 200.000 K bewertet. K 300.000 
und die beiden anderen Daffinger, „Knaben- und 
Damenpcrträt“, K 150.000, beziehungsweise K 80.000 
gegenüber den Schätzungspreisen von K 80.000, be 
ziehungsweise K 70.000 ergeben. Englehearts „Bild 
geschickte Hilfen für kostümliche und dekorative 
Zwecke, sondern auch treffliche Charakterstudien 
bedeutender Schauspieler und Schauspielerinnen, Rol 
lenbilder und szenische Momentaufnahmen, solche, 
die auch heute noch ihren wirklichen und vorbild 
lichen Wert besitzen. Zu den Einzelblättern, die unser 
lebhaftestes Interesse erwecken, zählen wir eine bunte 
Folge von Entwürfen, die sich auf die Inszenierung 
und Rollenbesetzung Grillparzerscher Dramen be 
ziehen, auch Erinnerungsblätter an das Schiller- 
Repertoire der Wiener Hof bühne, Figurinen zur 
Zauberflöte und Kostümstudien zu Stücken von 
Shakespeare und Moliere, feine, oft nur leicht lavierte 
Bleistiftskizzen, Federzeichnungen und nicht selten 
voll ausgeführte und warmgetönte Aquarelle, die uns 
den differenzierten Geschmack und das Temperament 
Daffingers immer wieder aufs neue schätzen lehren. 
Den Freunden Alt-Wiener Theaterkultur werden unter 
anderem die Blätter, welche Anschütz in der .Rolle 
des Ottokar (1825), Heurteur als Rudolph von Habs 
burg, Eßlair als Macbeth und Hans Marr als Mephisto 
darstellen, besonders lieb und wert erscheinen. 
Einen wehmütig ergreifenden Ausklang des Daf 
fingerschen Lebens und Schaffens vermittelt uns zuletzt 
eine Anzahl von, Blumenstücken, Aquarellen, Bleistift- 
und Federzeichnungen, mit denen sich unser Künstler 
nach dem Tode seiner Tochter fast ausschließlich be 
schäftigt hatte. Wir blicken in einen wahren orbis 
pictus der einheimischen Flora, welchem die Exaktheit 
des gelehrten Botanikers und der starke und reich 
differenzierte Farbensinn des geborenen Porträtmalers 
einen gar eigenen Reiz verleiht. 
Neben diesen „Originalen“ enthält der Nachlaß 
des Künstlers eine ebenso seltene als umfangreiche 
Kollektion von graphischen Kunstwerken, Porträts, 
Genrebilder, Kostümblätter, englische und französische 
Stiche und seltene Lithographien. 
Der Schwerpunkt dieser von Daffinger mit größtem 
Eifer zusammengetragenen Sammlung liegt in den 
kostbaren Schabkunstblättern und Punktier 
stichen, die nach den berühmtesten Gemälden von 
Lawrence, Reynolds, Owen, Robertson, Wilkie und 
anderen hergestellt wurden. Unter diesen Blättern, 
die von tadellosester Erhaltung sind, befinden sich 
Arbeiten von Bartolozzi, Lewis, Doo, Henry Meyer, 
Watson, vor allem aber jene wundervoll getönten 
Meisterwerke der Schabkunst, die von Turner, Cousihs 
und William Reynolds stammen. 
Sammlungen. 
nis eines Offiziers" überstieg den Schätzungswert 
von K 150,000 um K 110.000, Hargreaves Damen 
porträt den Schätzwert von K 80.000 um K 40.000. 
Noch mehr als bei den Miniaturen gingen, die Preise 
bei den Gläsern in die Höhe, was wohl in der Tatsache 
seine Erklärung findet, daß so prächtige Stücke äußerst 
selten auf den Markt kommen. Einen Rekordpreis 
erreichte das Mildnerglas (Kat. Nr. 450), das mit 
K 50.000 geschätzt, auf K 185.000 hinauflizitiert 
wurde. Von den Koihgassern-Gläsern brachte eines 
K 100.000, von den Mohngläsern eines K 60.000. 
Der Schätzwert war im ersten Falle K 30.000, im 
anderen K 25.000. 
Soweit sich dies aus der Zusammensetzung des 
Publikums schließen läßt, bleiben die meisten Gegen 
stände diesmal in Wien. Einiges geht in die National 
staaten, besonders nach Jugoslawien, das durch eine 
Reihe bekannter Sammler vertreten war.
	        
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