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Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. lü 
17.100. Nr. 23 Eine vierzeilige Bescheinigung von Bach, M. 8000. 
Nr. 282 Eine Quittung Haydns, M. 4500. Für Brahms Kom 
position „Am Strande“ (Nr. 79) wurde M. 13.100 angelegt. Unter 
den Schauspieler-Autographen kam ein Brief von Schillers Freund 
Heinrich Beck, dem ersten „Kosinsky“ in den „Räubern“ 
(Nr. 30) auf M. 370, ein Rollenbuch von Joh. Michal Bo eck in 
Mannheim, dem ersten „Fiesco“ (Nr. 70) auf M. 1200. Achtund 
zwanzig Briefe der Friederike Eimen reich (Nr. 184) gingen 
für M. 500, vier Seiten Tagebuchaufzeichnungen von G. W. F. 
Großmann, dem bekannten Schauspieldircktor und Freund von 
Goethes Mutter (Nr. 267) für M. 410 fort. Von den Malerbriefen 
erzielte ein römischer Brief der Angelica Kaufmann (Nr. 331) 
M. 1100, ein englisch geschriebener Brief der Künstlerin über 
ihr Bildnis der Lady Hamilton (Nr. 332) M. 1950, ein Brief von 
Thomas La vre nee (Nr. 378) M. 550, ein Brief Anton Graffs 
an Bause (Nr. 253) M. 540. Ein Brief Lenbachs über seinen 
Madrider Aufenthalt (Nr. 381) wurde mit M. 200 und Nr. 388 
ein Billet Max Liebermanns, worin er als seine Devise be 
zeichnet: „Kunst und Natur sei in dem Bilde eines nur“ M. 120 
bezahlt. 
BIBLIOPHILIE. 
(Die Mannheimer Schloßbücherci.) Im großen Bib“ 
liotheksaale des Mannheimerschlosses ist eine völlige neue Ord 
nung und Katalogisierung eines Geistesschatzes, der an die 
70.000 Bücher enthält, vorgenommen worden. Mit der Umge 
staltung ist eine Ausstellung von seltenen Schillerdrucken 
verbunden, die erste Ausgaben der „Räuber“, die seltenen 
Schriften Schillers in den ältesten Einzelausgaben aufweist. Be 
sonders erwähnenswert ist das erste Heft der von Schiller selbst 
gegründeten „Rheinischen Thalia“, aus der nach den Forschun 
gen Prof. Max Oesers hervorgeht, daß Schiller bereits in 
Mannheim am Don Carlos gearbeitet und gedichtet hat. Eine 
zweite Sonderausstellung ist Goethe gewidmet. Hier sind 
außerordentliche Seltenheiten zusammengetragen, so erste Aus 
gaben vom Faust II, vom Götz, vom Westöstlichen Divan, Eg- 
mont, Tasso und von der Iphigenie. Eine Rarität ist die präch 
tig ausgestattete und mit Kupfern geschmückte, jedoch nicht 
privilegierte Ausgabe von Goethes Werken (1801). Eine dritte 
Sonderausstellung umfaßt schöne Drucke der Mannheimer 
Musikzeit des 18. Jahrhunderts. Insbesondere werden die 
Schriften von Georg Josef Vogler, dessen Kompositionen jetzt 
während der Mannheimer Mai-Festtage aufgeführt werden, ge 
zeigt. Eine vierte Sonderausstellung umfaßt Werke des pfälzischen 
Malers und Dichters Müller. Bemerkenswert ist unter diesen 
unerschöpflichen Bücherbeständen noch die sogenannte Mam- 
melsdorfsche Bücherei, die die seltensten Drucke der ver 
schiedensten Nationen und Zeiten enthält. Die neue Ordnung 
dieses großen Bücherbestandes ist das verdienstvolle Werk des 
Leiters dieser Bibliothek, Prof. Max Oesers. 
EXLIBRIS. 
(Vom 15. bis 19. J a h r h u n d e r t.) Exlibris-Sammler 
werden dem Antiquariat G i 1 h o f e r und Ranschburg in 
Wien wohl Dank wissen, daß es seine reichen Bestände in 
Exlibris katalogisiert hat. Es hat 667 Nummern zusammenge 
bracht, wobei die letzten dreizehn recht umfangreiche Kon 
volute umfassen, so Nr. 667 eine Sammlung von 751 modernen 
Exlibris. Unter den Exlibris des 15. bis 19. Jahrhunderts finden 
wir zahlreiche Rarissima, wie das Buchzeichen der Bibliotheca 
Palatina, die nach der Einnahme Heidelbergs durch die legistische 
Armee unter Tilly im Jahre 1622 nach Rom kam, das Exlibris 
des Bartholomäus Mätzler, Pfarrer in Kur und Constantz, das 
Buchzeichen des Paul Hektar Mail-, Historikers und Stadt 
schreibers in Augsburg, des Bischofs Theodor Fürstenberg von 
Paderborn, des Jagdmalers Ridingcr etc. 
PHILATELIE. 
(Neuheiten.) Von den avisierten neuen österreichischen 
Marken ist bisher nur die 75 Kronen-Marke erschienen. Sie 
gleicht bis auf die geänderte Wertbezeichnung auf ein Haar der 
bisherigen 2 Kronen-Marke, die nun überflüssig ist. Die An 
kündigung, dass die bisherigen 20 Kronen-Marken durch neue 
ersetzt werden, hat eine Hausse in diesen Werten erzeugt, die 
schon mit beträchtlichem Agio verkauft werden. Natürlich sind 
diese Marken aus dem Postverkehr bereits verschwunden, wie 
denn auch die neuen Eilmarken selten da zu finden sind. Die 
früheren Eilmarken mit 50er Aufdrucke, die bekanntlich mit 
Umgehung der Postämter sofort in die Briefmarkenhandlungen 
gelangt sind, notieren bereits K. 150. 
VERSCHIEDENES. 
(D i e Sa m m 1 u n g L i g- H u n g-Ts a n gs.) Aus Kopen- ' 
h a g e n wird berichtet: „Nya Daglis“ bringt eine Meldung, nach 
der die bedeutende chinesische Kunstsammlung Li-Hung- 
Tsangs, die für eine grosse Summe nach Schweden ange 
kauft wurde, zum grossen Teile aus unechten Gegen 
ständen besteht. Der Ankauf geschah durch eine Kommission, 
welcher der schwedische Kronprinz angehört. Das Konsortium 
hatte dem schwedischen Nationalmuseum das Recht eingeräumt, 
ein Zehntel der Sammlung auszuwählen. Die Gegenstände! 
welche die Kommission gewählt hat, sind echt, während die an 
deren neun Zehntel der Sammlung, die das Konsortium erhalten 
soll, zum grossen Teile aus wertlosen Nachahmungen bestehen. 
Der Kauf wurde durch den schwedischen Professor Mist rot 
besorgt, der eine ausserordentliche Provision in der Höhe von 
200.000 Kronen erhalten hat. Das Konsortium wird den Professor 
unter Anklage stellen, da die Blätter mitteilen, dass Mistrot die 
echten Gegenstände unterschlagen und durch Fälschungen ersetzt 
hat. Die Angelegenheit erregt großes Aufsehen in Schweden. 
(Der Nachlaß der Baronin Salomon Rot 
schild.) Die kürzlich in Paris verstorbene Baronin Salomon 
R o t s c h i 1 d hat eine Reihe öffentlicher Widmungen gemacht. 
Ihr Palast an der Rue Berryer mit dem größten Teil des Mobi 
liars sowie einer Jahresrente von 100.000 Francs wurde dem 
Ministerium für öffentlichen Unterricht und Schöne Künste ver 
macht. Das Louvre-Museum erhält die wertvollen Sammlungen 
von antiken Terrakotten, Vasen, Glaswaren, Waffen, Porzellan, 
Miniaturen und Dosen aus dem 18. Jahrhundert. Die gewerbliche 
Abteilung der Staatsmuseen wurde mit einem sehr kostbaren 
Salonmobilar aus dem ehemaligen Besitz der Gräfin Du Barry 
sowie mit einer Gobelinsammlung von hohem Werte bedacht. 
Die Elfenbein-, Kupfer- und Bronzesamtnlung der Baronin geht 
in das Eigentum des Musee Cluny, die Bibliothek in das 
der Nationalbibliothek über. Der Wert dieser Spenden über 
steigt viele Millionen Franks. 
(Der M u s i k a 1 i e n s c h a t z auf der Insel Veglia.) 
Die Stadt Veglia oder Krk, Hauptort der gleichnamigen Insel im 
kroatischen Teil der Adria, birgt einen Musikalienschatz von 
seltenem Werte. Es ist dies eine Sammlung von Instrumenten 
und anderen Musikalien, die ein Priester namens Nikolaus Udina 
seiner Vaterstadt Veglia hinterlassen hat. Ueber diese Sammlung, 
von der man bisher auch in engeren Kreisen fast gar nichts 
wusste, entnehmen wir der vom Agranter Kanonikus Barle 
redigieiten Zeitschrift für Kirchenmusik „Sveta Cecilija“ (Heilige 
Cäcilie) nachstehende interessante Daten: „Nikolaus Udina, in 
der italienischen Literatur unter dem Schriftstellernamen Alga- 
rotti bekannt, Sohn einer armen Bauernfamilie, war auf Veglia 
1791 geboren. Nach Beendigung seiner Studien wurde der Jüng 
ling zum Priester geweiht und erhielt bald die Berufung zum 
Professor der italienischen Philologie an der Universität in Salz 
burg. Von da aus übersiedelte er nach Wien und wurde zum 
Rektor der französischen Kirche ernannt. In Wien starb er am 
6. Juli 1838. Udina ist Verfasser mehrerer literarischer Werke 
in italienischer Sprache, er befasste sich auch, viel mit Musik. 
Seiner Geburtsstadt hinterliess er nebst einer Bibliothek von 
mehr als 6000 Bänden eine reichhaltige Sammlung unterschied 
licher Musikalien, über die noch kein Verzeichnis vorliegt. Hier 
sei nur die Sammlung von Instrumenten erwähnt. Sie besteht 
aus vierzehn Geigen. Drei davon tragen die Inschriften: „Jacobus 
Steiner in Absom prope Oenipontem (Autrich)“ aus den Jahren 
1654, 1665 und 1667. Die übrigen tragen nachstehende Inschrjften: 
„Cappa fecit Saluzze l’anno 1707“, „Vincentius Vinseccia“ (soll 
wohl heissen Vinoccio). . . Napoli.“ „Joa Bapt. Guadagnini Cre- 
monensis fecit Parmae C. S. R. 1705* „Pietro Guarueri fecit in 
Cremona i. A. 1727“. „Joa Joseph Stadelmann Wien 1707“. „Fran 
cesco Rugeri fecit in Cremona 1653“. „Andrea Guarnerio fecit 
Cremonac 1740“. „Antonio Stradivari fecit in Cremona 1. A. 1724“. 
„Carlo Bcrgonzi Cremona 1704“. „Albani Matteo . . . 1702“. 
„Antonius Amati fecit Cremonae 1619“. Weiter enthält die Samm 
lung Violen mit den Inschriften: „Jacobus Pauli me fecit Lincii 
1787; fecit Simon de Forli 15 1563“. „Reparativ F. Stöhr 1830; 
Paolo Parantoi Neapoli 1705“. Celli mit den Inschriften: „Ja 
cobus Steiner, Absom prope Oenipontem 165 . . .“, „Jacobus 
Steiner 1667“. Eine Mandoline von Antonio Monzini, Milano. 
Endlich einige alte Klarinetten und Flöten. Musikalien und Bib 
liothek sind jetzt Eigentum der bischöflichen Kirche auf Veglia. 
(D r. A. Bredius), der berühmte holländische Kunst 
gelehrte, verläßt infolge der Steuerlast den Haag, um an die 
Riviera überzusiedeln. Sein Haus an der Prinzengracht ist von 
der Stadt erworben worden und soll als besonderes Museum 
allgemein zugänglich gemacht werden. Bredius hat sich ver 
pflichtet,. seinen ganzen z. Zt. darin befindlichen Besitz an 
Gemälden, Zeichnungen, Möbeln,Erzeugnissen des Kunstgewerbes 
usw. als dauernde Leihgabe zurückzulassen.
	        
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