Nr. 15
Internationale Sammler-Zeitung.
Seite 119
■" ALTE "BIEDER"
I ALTE UNO MODERNE GRAPHIK 1
| KAUFT UND VERKAUFT |
| KUNSTHANDLUNG WÜRTHLE & SOHN NACHF., WIEN 1.1
§H WEIHBURGGASSE 9. g
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das Bild, so wie es sich zeigte, als erfreulich gelten.
Die in geschlossener Reihe zunächst folgenden glanz
vollen deutschen Bilder mit sehr stattlichen Preisen
waren alle auch von der letztjährigen Züricher Aus
stellung bekannt: Johann Koerbecke (47) 62.000 Fr.,
Meister von Meßkirch (48) 34.000 Fr., Bernhard Strigel
(77) 30.000 Fr., das Männerbildnis von Jörg P e n c z
(72) 25.000 Fr., die Heilige Familie eines frühen böhmi
schen Meisters (61) 15.500 Fr., die Nürnberger Madonna
mit dem Christkind und der hl. Katharina (66) 37.000 Fr.
Gegenüber dieser Gruppe blieben einige süddeutsche
Tafeln (49, 50, 53, 54) wie auch die Spinnerinnen des
Jörg Pencz (73) mit Beträgen zwischen 3000 und 7000
Fr. in zweiter Linie. Das im Katalog nicht abgebildete
rote Frauenbildnis von Schäufelein (74) erreichte
10.500 Fr., die Kreuztragung (62) 8100 Fr. Am Schluß
dieser deutschen Gruppe standen die als elsässisch be-
zeichnete große Madonna im Garten (58) : 31.500 Fr.,
und die seinerzeit in Zürich vielbeachtete österreichische
Tafel mit Darstellungen zur Legende der Quatuor Coro-
nati (59); diese ging mit 10.000 Fr. überraschend billig
an die Firma Fred Müller in Amsterdam.
ln einer Vereinzelung, der augenscheinlich ihre
•bestimmte Bedeutung und Wirkung zugedacht war,
hatten die Auktionsleiter zwischen die hochgewerteten
Deutschen und die Hauptstücke nicht nur der holländi
schen Gruppe, sondern der ganzen Sammlung die vier
sienesischen Doppeltafeln mit Szenen aus
dem Leben eines heiligen Mönches eingeschoben (105
a—d); die Veranstalter . der Versteigerung schienen für
sie sehr hohe Erwartungen zu hegen. Sie gingen von
30.000 bis auf 48.000 Fr.
Ueber. die Halbfigur der Magdalena des Jacob
C o r n e 1 i s z von Amsterdam (25), das kleine Genre
bild von Gabriel Metsu (32), die beiden Bildnisse
des Jan von Scorel (36, 35) und die kleine Land
schaft von Hobbema (28) führten die immer höheren
Preise von 17.000, 23.000, 20.000, 58.000, 74.000 Fr.
zu den beiden Frauenbildnissen von Rembrandt
(34 und 34a); das erste, signiert und 1635 datiert, mit
einwandfreiem Stammbaum, als Bildnis der Schwester
des Künstlers nachgewiesen, ging rasch von 100.000
auf 138.000 Fr.; der als Studie noch unmittelbarer und
freier wirkende, aber für eine Sammlung vielleicht etwas
weniger gewichtige Mädchenkopf blieb bei 71.000 Fr.
Die Hauptmasse der italienischen Bilder, die mit
über 30 Nummern sich nun anschloß, konnte eine
ähnliche Höhe der Preise nicht mehr aufbringen. Zu
den klangvollen Namen Paris B o r d o n e (78), Sandro
Botticelli (79), C i m a da Conegliano (80) standen
die zunächst erreichten Summen von 3000, 21.000 und
8000 Fr. doch kaum in sehr gutem Verhältnis. Durchaus
verblüffend war aber der Preis von 110.000 Fr. für den
Francesco Cossa bezeichneten Arion (81). Ueber-
raschend auch noch die 20.500 Fr. des Lorenzo di Credi
(82), die 24.500 Fr. des Bastiano Mainardi (91,
Rundbild), die 10.000 Fr. für die kleine florentinische
Bewegung an der goldenen Pforte (100), die 12.000
und 11.000 Fr. für die kleinen Luca Signorelli (111).
Von sonst noch stärker hervortretenden Bildern wurde
der im Katalog nicht abgebildete Bernardino F u n g a i
(86) mit 12.500 Fr. von Fred Müller erstanden, die
norditalienische Kreuzigung (96) ging auf 19.500, eine
lombardische Anbetung (102) und ein Figurenbild Sankt
Anna mit Madonna, Christkind und Heiligen (103) auf
10.500, die strenge Madonna mit Heiligen, „toskanisch
um 1420“ (107) auf 19500 Fr. (Fred Müller). Auf die
übrigen Frühitaliener wurde bis zu einigen tausend
Franken durchweg ebenfalls lebhaft geboten. Im all
gemeinen trafen die höheren Preise die Werke, die
durch die Zeit am wenigsten gelitten haben.
Auch im letzten Abschnitt der Auktion war ein
Nachlassen des Interesses nicht zu spüren. Die Auf
einanderfolge der Werke war so ausgedacht, daß Er
müdung durch Gleichartigkeit ebenso vermieden wurde,
wie regellose Buntheit. Nach Antonio Canale (113,
12.000 Fr.) und einem spanischen Primitiven (114,
7100 Fr.) erschienen nun erst die Bilder, die im Katalog
an der Spitze standen: Ambrosius B e n s o n (1, 13.000
Fr.), Aelbrecht B ou t s (2, 16.000 Fr.), Joos van Cleve
(3, 500 Fr.) und der mit großer Spannung erwartete
Adriaen Isenbrant (4); die Gebote setzten für
dieses Bild mit 20.000 Fr. ein, zugeschlagen wurde bei
37.510 Fr. Gleich die nächste Nummer, das Männer
bildnis des Meisters von FISmalle (6), brachte
noch einmal eine Sensation; es wurde von 50.000 auf
81.000 Fr. gesteigert und fiel an den Kunsthändler
Steinmeyer, wie auch die Madonna des Isenbrant.
Nach der Heiligen Familie des Meisters vom hl. Blute
(13), die noch 10.600 Fr. erreichte, dem Hochzeitszug
(14, 6400 Fr.) und dem Blumenstrauß (15, 5500 Fr.)
der beiden B r e u g h e 1 sanken die Preise entsprechend
den nun nicht mehr so anspruchsvoll ausgewählten und
zusammengestellten niederländischen, deutschen und
'italienischen Gemälden unter die Grenze von 10.000
und 5000 Fr.
Ein EKuriosum.
Die Studienbibliothek in Salzburg bewahrt, wie wir
den vom Museumsdirektor Julius L e i s c h i n g trefflich
redigierten „Salzburger Museumsblättern“ entnehmen, ein
ganz unscheinbares Büchlein des Petrus Pomponatius
aus Mantua Traktat über die Unsterblichkeit der Seele,
in lateinischer Sprache verfaßt 1516, laut Titelblatt 1534
gedruckt (144 Seiten in Oktav). Wer dieses Büchlein
in die Hand nimmt und darin blättert, gewahrt zunächst
Spuren von Beschädigungen durch Feuer auf den ersten
Blättern. Ferner findet er auf dem Vorsatzblatt eine
Eintragung, datiert vom Jahre 178. (an Stelle der vierten
Ziffer ist ein Punkt), welche lautet: P. Pomponatil über
deimmortalitate animae combustus ob nimiam proclivitatem
ad atheismum. Est rarissimus, cum a principe Eugenio