Nr. 16
internationale Sammler-Zeitung
Seite 127
J{oFie SRufograpfien-SPreise.
Die am 19. September bei Karl Ernst Henrici
in Berlin abgehaltene Autographen-Auktion stand
schon im Zeichen der großen Markentwertung. Die
Preise sind denn auch höher ausgefallen, als erwartet
wurde. So erzielte Nr. 1, ein Brief der Prinzessin Amalie
von Preußen, der jüngsten Schwester Friedrichs des
Großen M 3500, Nr. 7 ein Brief Blüchers, vier Seiten
stark M 7000, der sehr seltene französische Brief der
Königin Christine von Schweden (Nr. 12) M 12.000,
ein von der D u b a r r y ausgestellter Wechsel (Nr. 20)
M 6300 und Nr. 32 das Tagebuch Kaiser Friedrichs
aus dem Österreich. Feldzuge 1866 mit der Widmung
„Für mein liebes Frauchen Friedrich Wilhelm Kronprinz“
M 4000. Nr. 52 ein Schreiben der Marquise de Mon
te s p a n aus einem Frauenkloster kam auf M 9500,
Nr. 56 ein von Napoleon 1. unterschriebener Gnaden
erlaß für einen Deserteur auf M 5400, Nr. 58 und 59,
zwei Schriftstücke des großen schwedischen Kanzlers
Axel Graf Oxenstjerna aus den Jahren 1623 und
1633 auf M 1800, bezw. M 4200 zu stehen. Für Nr. 63
einen Passierschein mit der Unterschrift des Generals
von Tilly wurden M 3100 und für einen Brief des
schwedischen Heerführers Grafen Torstenson an
den Fürsten Ludwig von Anhalt-Dessau (Nr. 66) wurden
M 1800 gezahlt.
Unter den dann folgenden Musikerhandschriften
brachte Nr. 78, das Notenmanuskript Beethovens
„Kleinigkeiten“ vom 1. Januar 1821, dem Kapellmeister
Friedrich Starke in Wien gewidmet, M 101.000 und
Nr. 79, der Brief des Künstlers in Bleistiftschrift an
Tobias Haßlinger in Wien M 55.000. ln der Schätzungs
liste war das Notentnanuskript mit nur M 75.000 und
der Brief mit weniger als der Hälfte, mit M 25.000
bewertet. Nr. 80, ein Brief von Hector B e r 1 i o z mit
Berichten von seinen Konzerten in Weimar, Gotha
und anderen deutschen Städten wurde mit M 4200,
Nr. 106, ein musikalisches Alburnblatt von Kreutzer
mit M 1350 und Nr. 81 elf Briefe Bülows an den
Musikgelehrten Karl Friedrich W e i t z m a n n mit
M 1500 bezahlt. Briefe von Richard Wagner (Nr 185
und 186) gingen für M 8000, bezw. M 10.000 fort und
für eine Haarlocke Liszts (Nr. 122) gab ein Lieb
haber M 27.000.
Den höchsten Preis erreichte Nr. 306, der unter
dem Titel „Eigentum“ in die Gesamtausgabe aufge
nommene Sechszeiler Goethes:
„Ich weiß, daß mir nichts angehört
Als der Gedanke, der ungestört
Aus meiner Seele will fließen;
Und jeder günstige Augenblick
Den mich ein liebendes Geschick
Von Grund aus läßt genießen“,
für den M 176.000 erlegt wurden. Dieses Stück war
auf M 43.000 geschätzt und sein Ausrufspreis betrug
M 45.000. Für Nr. 304, den Goethe-Brief an Friederike
Bethmann-Unzelmann wurden M 22.100, für Nr. 306
den an Lappenberg M 10.100 gezahlt. Nr. 378. Schillers
Rekrutenlied aus „Wallensteins Lager“ kostete M 74.000,
Nr. 377 ein Brief Schillers an Gottfried Körner über
seinen Arbeitsstoff und seine Pläne M 72.000. Für eine
Seite Heine (Nr. 320) zahlte man M 6550, für acht
Zeilen aus dem Gedichte „Deutschland, ein Winter
märchen“ M 6880. Das Albumblatt von Hebbel
(Nr. 318) brachte M 6110, das Albumblatt Grill
parzers (Nr. 311) M 11.700, das Albumblatt Nestroys
(Nr. 351) M 2600. Scheffels Gedicht „Räthischer
Alpenpaß“ (Nr. 373) ging für M 13.500 nach der Schweiz
und ein Brief Walter Scotts an Lappenberg (Nr. 387)
für M 1500 gleichfalls ans valutastärkere Ausland,
SParaoenfmacfier.
Der Ringwerfer ist ein bekannter Verbrechertypus,
ein Betrüger, der den Anschein erwecken will, als ob
er einen angeblich sehr wertvollen Ring, der aber mit
einem falschen Stein besetzt ist, eben gefunden hätte,
und der ihn dann einem Leichtgläubigen „billig“ ver
kauft. Er arbeitet gewöhnlich mit einem Mitschuldigen,
der im gegebenen Augenblick hinzutritt, sich für einen
Fachmann erklärt, der den Ring begutachtet und dann
erklärt, daß er für das verlangte Geld geradezu herge
schenkt,sei, da er einen viel höheren Wert besitze.
Diese gemeinsame Operation, des Ringwerfers und
seines Mitschuldigen beeinflussen sehr häufig das Opfer,
den wertlosen Ring für teures Geld zu erstehen.
Eine neue Abart dieses alten Tricks scheint sich
nun im Kunsthandel einbürgen zu wollen. Es wurde
nämlich in der letzten Zeit häufig der Versuch gemacht,
gefälschte Kunstobjekte in der Weise an
den Mann, zu bringen, wie der Ringwerfer seine wert
losen Ringe veräußert. Unter den Kunsthändlern ist
diese neue Betrugsart schon ziemlich bekannt, und sie
haben auch schon eine Bezeichnung für den „Ring
werfer“ im Kunsthandel gefunden, indem sie ihn allge
mein als den „Paraventmacher“ bezeichnen.
Dieser Tage sollte auch der bekannte, in der Maria-
hilferstraße in Wien etablierte Kunsthändler Max
Hevesi das Opfer eines solchen „Paraventmachers“
werden, doch scheiterte der Versuch an der Vorsicht
des Kunsthändlers. Während in seinem Geschäft der
in der Porzellangasse Nr. 43 wohnhafte Antiquitäten
händler Emil K 1 e i n b e rg anwesend war, um eine
gotische Holzskulptur zu besichtigen, die er angeblich
kaufen wollte, kam ein zweiter, ärmlich gekleideter
Mann ins Geschäft und bot Hevesi ein gotisches Relief
aus dem 15. Jahrhundert und eine Terrakottafigur zum
Kauf an. Der Geschäftsmann, der mit dem Antiquitäten
händler beschäftigt war, ersuchte den Ueberbringer der
Gegenstände, sie dort zu lassen und zu einem späteren
Zeitpunkt wieder zu kommen. Aber kaum daß der
Antiquitätenhändler das Relief und die Terrakottafigur
gesehen hatte, erklärte er diese beiden unvergleichlichen
Kunstwerke um jeden Preis kaufen zu wollen, und
anscheinend nur ungern ließ er sich für den nächsten
Tag bescheiden, nachdem Herr Hevesi ihm erklärt hatte,
daß er die Sachen ja selbst noch nicht gekauft habe
und daher noch nicht weiter verkaufen könne.
Kurz nachdem Kleinberg das Geschäft verlassen
hatte, kam aber der Ueberbringer des Reliefs und der
Terrakottafigur wieder zurück, und auf Grund des Wert
urteils, das der früher im Geschäft anwesend gewesene
Antiquitätenhändler abgegeben hatte, bewilligte Hevesi
die verlangte Kaufsumme von viereinhalb Millionen
Kronen, leistete eine Anzahlung von einer halben
Million und verlangte von dem Verkäufer Name und
Adresse, um sich nach der rechtlichen Herkunft der
Kunstgegenstände erkundigen zu können. Dabei fiel
ihm das Verhalten des Verkäufers derart auf, daß er
den Verdacht faßte, daß die Gegenstände von einem
Einbruch herrühren könnten. Deshalb setzte Herr Hevesi
das Sicherheitsbureau von dem Vorfall in Kenntnis
und ersuchte um die Entsendung eines Kriminalbeamten,