MAK
Nr. 16 
Internationale Sammler-Zeitung. 
BILDER. 
(Raffaels Giulian o-P o r t r ä t.) Es wird gemeldet, 
daß das berühmte Raffaelbildnis des Giuliano de Medici der 
Sammlung H u 1 d s c h i n s k y in Berlin nach Amerika verkauft 
werden soll. Da die Berliner Autoritäten das Bild für einen 
eigenhändigen Raffael halten — man kann auch anderer Meinung 
sein —, so steht es natürlich auf der Liste der „national wert 
vollen Kunstwerke“ und kann nur mit Zustimmung der Kunst 
instanzen und unter kniffligen Bedingungen — die Deutsche 
Reichsbank erhält das ausländische Guthaben — ausgeführt 
werden. 
(Ein unbekanntes Goethe-Bildnis.) ln einer 
alten Sammelmappe der Habsburg-Lot'nringischen Familien- 
Fideikommiß-Bibliothek in W i e n hat Dr. Rudolf Payer- 
Thurn ein mit Oelfarben gemaltes Miniaturbildnis entdeckt, 
das sich auf den ersten Blick als ein bisher unbekanntes 
G o e t h e - P o r t r ä t darstellt. Das Bild zeigt das Profil, den 
Hals und den Brustansatz des Dichters in klassizistischer Stili 
sierung. Unter dem freien Hals sieht man den Rand des gelben 
Unterkleides, und um die Schulter legt sich in zwei gewölbten 
Falten der rote Mantel; das glatt zurückgestrichene Haar wallt 
lockig bis auf die Schulter. Nach Payer-Thurn gehört das Bild, 
wie der übrige Inhalt der Mappe, zu einem Teil der L a v a t er 
sehe n Physiognomiensammlung, der nach Lavaters Tode in 
die genannte Bibliothek gelangte. Er ordnet das Bild in die 
Folge der Versuche Lavaters ein, ein Idealbild Goethes her- 
stellen zu lassen. Als die dem Bilde zugrundeliegenden Auf 
nahmen nach dem Leben zählt er außer Klauers bekannter Por 
trätbüste (1778/79) J. D. Bagers Oelminiatur (1773) und die 
Tuschzeichnung von ]. H. Lips (1779) auf und sieht den Schöpfer 
des Bildes in J. H. W. Tischbein. Tischbein kam im Früh 
jahr 1781 auf der Rückreise von seinem ersten Aufenthalt in 
Italien nach Zürich und trat damals in engen Verkehr mit Lavater, 
worüber dieser in seinen Briefen, Tischbein in seiner Selbst 
biographie, berichtet. Der junge Maler hatte damals Goethe von 
Angesicht zu Angesicht noch nicht gesehen; aber sein eigenes 
physiognomischcs Interesse berührte sich mit dem Lavaters, und 
so mag er dessen Wunsch, ein Idealbild Goethes zu schaffen, 
gern erfüllt haben. Ob diese Hypothese recht hat, werden die 
Kenner der Geschichte des Goethe-Porträts nachzuprüfen haben. 
NUMISMATIK. 
(Einbruch im Museum zu Hallstatt.) In der 
Nacht auf den 5. Oktober wurde das Museum in Hallstatt 
erbrochen. Gestohlen wurden 162 silberne Münzen aus allen 
europäischen Staaten, aus China und Amerika im Werte von 
4 bis 5 Millionen Kronen. 
PHILATELIE. 
(Neuheiten.) Eine hübsche kleine Freimarkenserie hat 
uns Monaco beschert: Ende Juni starb der regierende Landes 
herr, Albert I., der sich insbesondere als Tiefseeforscher einen 
Namen gemacht hat. Zu seinem Gedächtnis erschien nun in den 
Werten 25 und 50 Rappen und 5 Franken eine geschmackvolle 
Bilderserie; der niedrigste Wert zeigt den Fürsten im Brustbild 
mit Seglermütze, auf dem zweiten ist das von ihm begründete 
Ozeanographische Museum, eine wissenschaftliche Sehenswür 
digkeit des Miniaturstaates, dargestellt, während der höchste 
sein Palais aufweist. — Ein neues Markenland ist in der bri 
tischen Antilleninsel Barbuda erstanden, die eine eigene Frei 
markenreihe erhielt; diese hat vorerst provisorischen Charakter, 
indem die Werte 1 / ? , 1, 2, 2Vs, 3 und 6 Pence und 1 Shilling 
der kursierenden Reihe der britischen Leewärtsinseln, mit dem 
wagrechten Aufdruck „BARBUDA“ versehen, verwendet werden, 
bis die endgültige Serie hergestellt ist. — Zur Erinnerung anjdie 
Einführung des Kaffeebaues vor hundert Jahren und wohl auch 
zur Reklame für diesen wichtigen Industriezweig des Landes 
überdruckte die zentralamerikanische Republik Costarjca sechs 
Werte der kursierenden Freimarkenreihe mit einem Kaffeesack, 
der die Aufschrift „CAFE DE COSTARICA“ trägt. — Als Ergän 
zungswerte der in Gebrauch befindlichen Freimarkenreihen er 
schienen im Deutschen Reich die 75 Pfennig-Marke im 
Zahlenmuster und in Luxemburg ein weiterer Wert (80Rappen) 
mit dem Bildnis der Großherzogin Charlotte. — 11 a 1 i e n hat 
die Mazzini-Gedächtnismarken ausgegeben. Es erschienen drei 
Werte. Die hellbraune 25 Centesimi-Marke zeigt eine symbolische 
Darstellung: ein Schwert als Sinnbild des Rechtes, das in der 
Flamme der Liebe geglüht wird. Die rote 40 Centesimi-Marke 
bringt das Bild des Patrioten, und die blaue Marke zu 80 Cen- 
tesimi zeigt das Mazzinidenkmal auf dem Kirchhof von Staglieno 
bei Genua. Die Marken werden ausschliesslich in Rom, Genua 
und Bologna verkauft und, bleiben nur bis zum 31. Oktober im 
Umlauf. 
(Verschwundene Marken.) Der Briefmarkenhändler 
B u r b a c h aus Honnef am Rhein übergab am 29. August der 
Aufbewahrungsstelle eines Berliner Bahnhofes einen Koffer, der 
Seite 129 
ANTIKE 
TAPISSERIEN 
GOBELINS 
VERDUREN 
MUSEALE 
TEPPICHE 
Öffentliche Bibliothek Frankl 
geöffnet von 9 bis 6 Uhr. Wien I., Kohlmarkt 4. 
eine kostbare Markensammlung enthielt, deren Katalogwert 
mindestens 50 Millionen Kronen beträgt. Als er am nächsten 
Tag den Koffer beheben wollte, stellte sich heraus, daß das 
Gepäcksstück irrtümlicherweise einer anderen Partei ausgefolgt 
worden war, die eine ähnliche Depotnummer gehabt hatte. Der 
Mann, der den Koffer erhalten hatte, telegraphierte einige Tage 
später unter dem Namen „Ede Schwartz“, man möge ihm seinen 
Koffer nach München nachsenden, worauf er den anderen Koffer 
zurückstellen werde, doch meldete sich Schwartz nicht mehr. 
Man nimmt an, daß Schwartz ein Budapester ist, da man in 
seinem Koffer eine Budapester ungarische Zeitung fand. 
UHREN. 
(Verkauf antiker Uhren.) Die Firma O e ster- 
reicher, Uhrmacher, Wien, bringt in den neuerbauten Ver 
kaufshallen Wien, 4. Bezirk, Karlsplatz, in Koje 31, ihr reich 
haltiges Lager antiker Uhren, darunter eine interessante 
Uhr mit Glockenspiel, zum Verkaufe. 
(Versteigerung Kretschmar.) Die Auktion der 
Uhrensammlung C. R. Kretschmar (Berlin) ist von der 
Firma Rud. Bangel in Frankfurt a. M. auf den 28. No 
vember anberaumt worden. 
VERS CHI ED EN ES. 
(O. R. S c h a t z.) Ein junger Wiener Künstler, Otto Rudolf 
Schatz, beginnt jetzt von sich reden zu machen. In Sammler 
kreisen schon sehr bekannt, tritt er allmählich auch mehr in 
die breitere Oeffentlichkeit. Seine Hauptstärke liegt im Holz 
schnitte und im Aquarell. In der letzten Zeit kamen im Avalun- 
Verlag Luxusbücher heraus, deren illustrativen Teil er besorgt 
hat; im Kunsthandel sind es besonders die Firmen Hevesi, 
Lanyi und Würthle, wo der Sammler eine Uebersicht über das 
Schaffen des sich verheißungsvoll entwickelnden, sehr begabten 
Künstlers gewinnen kann. Bei Würthle dürfte im Jänner eine 
Ausstellung Schatzischer Graphik, Zeichnungen und Aquarelle 
erfolgen. 
VOM KUNSTMARKT. 
(Wertsteigerung der Gemälde Hodlers.) Für 
die Wertsteigerung von Gemälden ist der Preis bezeichnend, 
den ein Landschaftsbiid des schweizerischen Malers Hodler 
kürzlich bei einer Gemäldeversteigerung in Genf erzielte. 
Dieses Werk war von dem Künstler im Jahre 1880 für 300 Franken 
verkauft worden. Beim Wiederverkauf im Jahre 1919 erzielte 
der Besitzer 200.000 Franken. Bei der eben erwähnten Ver 
steigerung in Genf betrug die Kaufsumme 300.000 Franken. 
(Kölner Auktionen.) Math. Lempertz in Köln 
kündigt für die dritte Novemberwoche zwei unmittelbar auf 
einanderfolgende Auktionen an. Die erste (vom 14.—16. Nov.) 
enthält in der Hauptsache den nachgelassenen Kunstbesitz des 
Herrn Max Arndts (Köln), sowie den kunstgewerblichen 
Teil der Sammlung Clemens Mantell, (Coblenz). Der quali 
tative Schwerpunkt liegt hier bei der stattlichen Reihe der 
europäischen Porzellane des 18. Jahrhunderts, unter denen als 
Glanzstücke ersten Rangens die beiden großen Fuldaer Figuren 
(musizierender Kavalier und Dame) besonders auffallen. Diese 
beiden Figuren gehören wohl zu den besten Stücken, die Fulda 
je geschaffen hat. Des weiteren nennen wir das Ludwigsburger 
Figurenpaar Fischer und Fischerin, sowie die Ludwigsburger 
Schokolade-Trinkerin, ferner drei Musikantenfiguren aus der 
Kändlerzeit Meissens, einen Straßurger Dudelsackpfeifer des 
Paul Hannong, mehrere sehr gute Melchiorfiguren von Höchst, 
etwa ein Dutzend Höchst-Dammer-Figuren nach Melchiormodellen, 
ein Berliner Spielmannspaar um 1780, Figuren und Gruppen
	        
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