Nr. 2
Internationale Sammler-Zeitung.
Seite 15
(Ausgrabung einer altbabyionischen Stadt.)
Die Ruinen einer babylonischen Kolonie, die bis auf etwa
2400 v. Chr. zurückgehl, sind durch französische Grabungen bei
Koisa Nyek in Kleinasien entdeckt worden. Die Funde zeigen,
daß in dieser Stadt, die den Namen Burus führte, bereits eine
hohe militärische und wirtschaftliche Entwicklung bestanden hat.
Aufzeichnungen in Keilschrift lassen erkennen, daß die Stadt von
einem Fürsten und e'inem Präfekten regiert wurde, eenen eine
Fürstin und ein weiblicher Präfekt mit ganz gleichen Rechten zur
Seite standen. Die Stadt scheint also eine der frühesten Kultur
stätten gewesen zu sein, in denen die Gleichberechtigung der
Frau durchgeführt war. Es bestand hier audr schon ein regel
mässiger Postdienst, wobei die Briefe auf kreisrunde Tonziegel
geschrieben Wurden. Sodann fand man Angaben über eine
frühe Form des Scheckverkehrs; eine Anweisung enthielt die
Mitteilung an den Adressaten, der in den Scheck namentlidr
aufgeführten Person eine bestimmte Summe auszuzahlen.
(Vorgeschichtliche Funde auf Alse n.) Aus
Hamburg wird uns berichtet: Der größte vorgeschichtliche
Fund, der in Schleswig-Holstein seit der berühtnten Nydamer
Ausgrabung von 1863 gemacht worden ist, wurde jetzt in einem
kleinen Moor von Hirschsprung-Keppel auf Alsen zutage geför
dert. Zu Hunderten lagen hier Speerstangen aus der Völker
wanderungszeit. Ferner wurden eine größere Anzahl eiserner
Speerspitzen gehoben, ebenso Spitzen aus Knochen und ver
schiedene Hoizgeräte. Die Funde werden desto reicher und wert
voller, je weiter man gräbt. So kamen weiterhin mehrere Holz
schilde zum Vorschein, sowie Teile eines größeren Bootes, dessen
Bauart mit der des Bootes aus dem Nydamer Fund verwandt ist,
(Eine Bibliographie der Kriegsliteratur in Atne-
•rika.) Ziffernmäßig genaue Angaben über die Zahl der Bücher,
denen der Weltkrieg zum Leben verholfen hat, werden wohl
überhaupt nicht zu erlangen sein, aber ein Teilergebnis liegt
wenigstens in der K ontrolliste der Bücher und Dokumente über
den europäischen Krieg vor, die die Kongreßbibliothek in Was
hington im Jahre 1918 herausgegeben hat. Es sind hier die Titel
von über 20.0„’u Büchern aufgeführt. Ein Jahr später hatte sich
diese Zahl bereits verdoppelt, und man schätzt, daß gegenwärtig
in der Kriegssammlung der Washingtoner Kongreßbibliothek
wenigstens 75.oui Druckschriften enthalten sind.
(D e r W i s s e n s c h a f t.l e r hinter dem Ladentisch.)
Ein kleiner Kaufmann in einem Dorf und zugleich ein berühmter
. Geologe und Prähistoriker ist Benjamin Herrison gewesen,
der dieser Tage im Alter von 84 Jahren zu Jghtham (England)
starb. Er erbte die kleine; Kolonialwarenhandlung, die er sein
ganzes Leben lang betrieben hat, und widmete sich in Muße
stunden der Sammlung und Untersuchung von Feuersteinen und
Fossilien, die er in den Kalkhügeln von Kent fand. Seine Samm
lung von Feuersteinwerkzeugen umfaßte schließlich 60 0 Stück,
und der berühmte englische Geologe Avebury hat behauptet,
daß Harrisons Sammlung die ältesten aller Feuerstein-Werkzeuge,
die wenigstens 20,1.000 Jahre zurückreichen, enthalte. Sein Name
wurde allmählich so berülrmt, daß Geologen aus aller Welt zu
ihm kamen, um ihn zu fragen.
MUSEEN.
(A4 u s'e um de r Bildenden Künste in L e i p z i g.)
Die Marmorbüste'„der Frau von H erzogenberg von Adolf
Hildebrandt wurde von] dem Leipziger Museum der Bil
denden Künste aus einer’-Vergfeigerung bei Prestl in Frankfurt
a M. erworben. Sie befand sich zuletzt in Leipziger ;Privat-
besitz. Aus der Bezeichnung auf der Rückseite geht hervor, dass
das Werk im Jahre 1894 entstanden ist, also in einer Zeit, als
Hildebrandt an seinem Hauptwerk, dem Wittelsbacher Brunnen
in München,"arbeitete. Die Büste stellt^die Gattin Heinrich von
Herzogenbergs'dar, des bekannten Komponisten und Freundes
von Johannes Brahms und Josef J o a c<h i m.
(Die National Gallery of British Art in London),
die unter dem Natnen Tate-Galerie bekannter ist, wurde in
diesen Tagen dem Publikum wieder zugänglich gemacht, nach
dem sie sieben. Jahre lang für Kriegszwecke benutzt worden
war. Die größte Sehenswürdigkeit der neueröffneten Sammlung
ist Turners berühmtes Studienbuch.
ANTIKE
TAPISSERIEN
GOBELIN
VERDUREN
MUSEALE
TEPPICHE
Öffentliche Bibliothek Frankl
geöffnet von 9 bis 6 Uhr. Wien I., Kohlmarkt 4.
VOM KUNSTMARKT.
(Neue Schidlof-Auktionie n.) Das Kunstauktions
haus Leo Schidlof in Wien führt sogenannte Quartals-Auk
tionen ein, die sich regelmässig jedes Vierteljahr wiederholen
sollen und das Wertvollste aus den Beständen der,Firma vor
führen werden. Die erste dieser Quartalsauktionen, die wahr
scheinlich am 25. Jänner beginnen und auf mehrere Tage sich
erstrecken wird, bringt Gemälde, Miniaturen, Porzellan, Glas,
sowie alte und moderne Kunstgegenstände, Die nächste grosse
Kunstauktion dieser Firma ist für M i t't e Februar in Aus
sicht genommen und wird bedeutende Gemälde, darunter eine
Kollektion von Antoin. P e s n e, Miniaturen und unterschiedliche
Antiquitäten umfassen.
(Der Nachlaß des Hofmalers J. H. Beck.) Vorn 23. bis
25. Jänner versteigert die Firma Hollstein & Puppel in
Berlin die Kupferstichsammlung des verstorbenen Hofmalers
Johann Heinrich Beck (Dessau), die sich iin sechs Abteilungen
gliedert. Der erste Teil umfaßt Kupferstiche, Radierungen und
Handzeichnungen vorwiegend deutscher Künstler des 18. und
19. Jahrhunderts, darunter eine große Anzahl von Radierungen
Chodowieckis,|die jetzt selten auf dem Markte erscheinen,
ln dieser Abteilung sind noch zu erwähnen prächtige Arbeiten
von Krüger, Kiigelgen, Menzel, Mind, Preller, Rethel, Richter,
Ridinger, G. F. Schmidt u. a. Der zweite Teil bringt prächtige
Lithographien, größtenteils in Farben, von Daumier und Ga-
varni. Daran schließen sich moderne Graphika, illustrierte Bücher
und Kunsthandbücher. Unter den letztgenannten wäre besonders
das prächtige Werk von Lavater „Physiognomische Fragmente
zur Beförderung der Menschenkenntnis“ in einem der zehn
Exemplare hervorzuheben, die Lavater, als er sich in Geldnot
befand, an Goethe sandte. Die letzte Abteilung weist ungefähr
350 Schweizer Ansichten und Kostümbilder, zum größten Teil
in Farben, von bekannten Schweizer Künstlern, wie Aberli, Bie
dermann, Birmann, Lory, Lafon, Hegi, Freudeberger, Schmid,
Linck, Hürlimanh, Marian u. a., die sich durch hohe Qualität
auszeichnen. Der Katalog mit 2831 Nummern und 50 Abbildungen
ist von der Firma Hollstein & Puppel in Berlin zu beziehen.
(Münchener Auktion.) [Am 9. Februar und den fol
genden Tagen findet in der Galerie H e 1 b i n g in München eine
bedeutende Kupferstich-Auktion statt. Zur Versteigerung ge
langen aus ausländischem Privatbesitz eine Sammlung von zirka
190 Blättern deutscher Kleinmeister,*’und zwar meist in vorzüg
lichen, teils in brillanten Abdrücken. Dabei ist am zahlreichsten
vertreten Hans Sebald Beham, Aldegrever, Binck, Meiste: JB
und andere Monogranimisten, G. Pencz und sonstige zeitgenös
sische Stecher. Dieser Sammlung reihen sich aus verschiedenem
Besitz eine große Anzahl prachtvoller farbiger Ansichten sowohl
deutscher wie ausländischer Städte und Landschaften an. Außer
dem enthält der Katalog eine Abteilung kostbarer Porträts des
17. und 18. Jahrhunderts, eine Sammlung von Ridiger-Stichcn
und eine größere Anzahl von Prachtwerken des 17. und 18. Jahr
hunderts mit Kupfern, darunter auch eine Reihe mit farbigen
Stichen.
(Versteigerung bei Vries in Amsterda m.) Vom
24. bis 27. Januar versteigert R W. P. de Vries in Amsterdam
alte Halndzeichnungen und Kupferstiche. Die Hand
zeichnungen, die aus Jdem Besitze des Fürsten von S o I m s-
B r a u n f a 11 s stammen, enthalten einige signierte oder durch
alte Aufschriften bestimmte Blätter von Meistern, die als Zeichner
selten Vorkommen. Von deutschen Namen wie:^Huber, Baidung,