Seite 158
Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 20
schaft seinerzeit diese Originalien übergeben lasse, um
dieser Regierung den unzweideutigsten Beweis zu geben,
dass man diese wichtigen Gegenstände vor allem Miss
brauch zu sichern gesucht habe.“ Mit der A. h. Ent-
schliessung vom 4. Dezember erfolgte unter Genehmi
gung der im Berichte unter Punkt 8 und 9 gestellten
Anträge die formelle Aufhebung des Münzamtes Salz
burg, an dessen Stelle ein Einlösungsamt belassen,
neben dem einige Zeit hindurch eine Scheidung fort
geführt werden sollte. Zum Leiter des nunmehrigen Ein
lösungsamtes wurde ' der bisherige Münzmeister Franz
von König, zum Einlösungskontroleur der bisherige
Münzwardein Heinrich Konrad Brandstätter —nach
mals Stadtkassier in Salzburg — ernannt. Die drei
Münzarbeiter, die zugleich bei der Goldscheidung Dienste
zu leisten hatten, verblieben bei dem Einlösungsamte.
In Befolgung der betreff der österreichischen Punzen
ergangenen Weisung hat das Einlösungsamt Salzburg
am 5. November 1810 die 16 Punzen in einem mit den
Privatsiegeln der Beamten verschlossenen Kistchen an
die unmittelbare Münzkommission in München über
sendet, wo sie auch — wie aus der Note der k. k. Hof
kammer ddto. Wien 11. Oktober 1816 hervorgeht —
einlangten.
Während das Kistchen in den Räumen der Mün
chener Münzkommission ruhte, 4obte in Europa der neu
entbrannte Krieg, bis Napoleons Macht am 18. Juni 1815
bei Waterloo zusammenbrach. Zufolge des in Gernäss-
heit der Beschlüsse des hierauf tagenden Wiener Kon
gresses am 14. April 1816 zu München zwischen Bayern
und Oesterreich geschlossenen Vertrages kam Salzburg
— allerdings bedeutend verkleinert — wieder an Oester
reich, an das das Land am 1. Mai 1816 feierlich über
geben wurde.
Durch diesen Regierungswechsel wurde die Frage
nach den Punzen wieder angeregt. In der Note vom
11. Oktober 1816 berichtet die k. k. Hofkammer nach
Darstellung des oben ausgeführten Sachverhaltes an die
geheime Hof- und Staatskanzlei, dass vom Hauptmünz
amte München eine Bestätigung des Empfanges der vom
Einlösungsamte Salzburg zwecks Uebermittlung an die
k. k. österr. Gesandtschaft übersendeten 16 Original-
Punzen nicht eingelangt seien. Um zu erfahren, was
seither aus diesen Punzen geworden sei, wird ersucht,
durch Vernehmung der damals bei der k. k. ö. Gesandt
schaft in München anwesend gewesenen Gesandtschafts
mitgliedern erheben zu wollen, ob die fraglichen Pun
zen von Bayern an die österreichische Gesandtschaft
wirklich ausgehändigt worden seien oder nicht, in welch
letzterem Falle es der Hof- und Staatskanzlei anheim
gestellt sei, ob beim königlich bayrischen Hofe im
diplomatischen Wege die nachträgliche Ausfolgung der
Punzen angestrebt werden oder ob es beim dermaligen
Stande der Angelegenheit sein Bewenden haben solle.
In Erledigung dieses Berichtes erhielt sodann der Ge
schäftsträger der k. k. Gesandtschaft am kgl. bayrischen
Hofe, Herr v. Weissenberg, am 28. Oktober 1816
die Weisung, beim kgl. bayrischen Ministerium hierüber
Erkundigungen einzuziehen und auf Aushändigung der
der dortigen Staatsverwaltung ganz unnützen Werkzeuge
anzutragen. Zufolge der von der österr. Gesandtschaft
in München am 15. November an das kgl. Ministerium
der auswärtigen Angelegenheiten gerichteten Note holte
dieses beim Ministerialdepartement für Finanzen Aus
künfte ein. Laut derselben berichtet die unmittelbare
Münzkommission am 12. Dezember, dass das Kistchen
mit den Punzen zur Abgabe bereitstehe und erbittet
sich den Auftrag, wohin diese für den a. h. Dienst
unbrauchbaren Gegenstände abgegeben werden sollen.
Das Finanzministerium wies hierauf am 20. Dezember
die unmittelbare Münzkommission an, das Kistchen, in
dem sich die — angeblich 1810 in Salzburg zurück
gebliebenen — österreichischen Punzen befinden, an das
Expeditionsamt des Ministerialdepartements für auswär
tige Angelegenheiten abzugeben.
Am 5. Jänner 1817 berichtet der Geschäftsträger
von Weissenberg, dass er weisungsgemäss die österr.
Münzpunzen reklamiert, dieselben nun mit Note des
geheimen Staats-und Konferenz-Ministers ddto. München
1. Jänner erhalten habe und im Laufe der einstehenden
Woche mit dem Postwagen an die geheime Hof- und
Staatskanzlei übersenden werde. Diese Uebersendung
ist, nachdem Weissenberg die sichere und schiedliche
Gelegenheitjder Verschickung durch die Post gewählt
hatte, laut eines weiteren Berichtes vom 14. Jänner
unter Beigabe der durch die postämtlichen Verordnungen
vorgeschriebenen Deklaration: „Ein kleines Kistchen ent
haltend k. k. österreichische : Münzstempel, bezeichnet
H. u. St. C. (Hof- und Staats-Kanzlei) Nr. 2, valor 60 fl.,
versiegelt mit dem Insiegel der österreichischen Ge
sandtschaft in München“ auch tatsächlich erfolgt. Am
31. Jänner 1817 verständigte die Hof- und Staatskanzlei
die k. lc. Hofkammer von dem Einlangen des Kistchens
zur beliebigen Eröffnung und weiteren Disposition. Laut
einer nachträglichen Bemerkung befand sich das Kist
chen in Händen des Legationsrates Freiherrn v. Bret-
feld und wurde dann dessen Uebernahme seitens des
damaligen Vorstandes des Hauptmünzamtes in Wien,
Hingenaus, bestätigt. Die 16 österreichischen Original
punzen sind also an das Wiener Münzamt gelangt. Da
selbst scheint man ihnen aber im Gegensätze zur Auffas
sung der bayr. Münzkommission und der k. k. Hofkammer
keine grosse Wichtigkeit beigelegt zu haben. Von ihrer
Uebernahme an fehlt jegliche Nachricht über ihre Ver
wendung oder Aufbewahrung. Nach der im Wiener
Münzamte bestehenden Vermutung wurden die Punzen
dortselbst verstaltet. Für die Richtigkeit dieser Vermu
tung spricht'der Umstand, dass sich dieselben im Münz-
amts-Museum nicht befinden und im Münzamte auch
keine auf sie bezughabenden Aufzeichnungen vorge
funden wurden. Allerdings stünde dieser Vorgang im
Widerspruche zu der urspt jnglichen Absicht der Hof
kammer, welche den Punzen eine so grosse Bedeutung
beimaß, dass sie zwecks ihrer Wiedererlangung die
Betretung des diplomatischen Weges anregte.
Welche Punzen in dem mehrerwähnten Kistchen
übersendet wurden, ob jene Punzen zu den 20, 6, 3, 1
und V s Kreuzerstempeln, die der Münzgraveur
Würth am 23. Mai 1806 dem Hauptmünzamte Wien
zur Versendung nach Salzburg übergeben hatte, 4 ) oder
später von den Salzburger Graveuren Josef Wenzel
Lauffenböck und Franz X. Matzenkopf an
gefertigte, dürfte eine offene Frage bleiben, weil der
Akt i laut Mitteilung des Archivs des Staatsamtes für
Finanzen, bei weichem nur eine Register-Eintragung
vom 31. August 1816 aufgefunden wurde, skartiert ist.
In dem Berichte über die Tätigkeit des Salzburger
Münzamtes während der französischen Okkupation B )
geschieht nur der Anfertigung von Buchstaben-Punzen
Erwähnung.
Nachdem die unter Aufbietung der Diplomatie und
der obersten Finanzstellen durchgeführte Uebersendung
der Punzen von Salzburg über München nach Wien
über 6 Jahre gewährt hatte, wurden die von Bayern
aus Höflichkeit dem österreichischen Kaiserhofe zuge
dachten Punzen vom kaiserlichen Münzamte, statt zur
weiteren Aufbewahrung mit :DankJentgegengenommen
zu werden, vertilgt, damit auch die diplomatischen
Verhandlungen um den Erfolg gebracht, deren Einleitung
sich somit als zwecklos erwies.
4 ) Mitteilungen der „Oesterr. Gesellschaft für Münz- und
Medaillenkunde“. XIII (1917).Nr. 10.
5 ) C. v. Ernst a. a, O. S. 18,