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Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. 20 
schaft seinerzeit diese Originalien übergeben lasse, um 
dieser Regierung den unzweideutigsten Beweis zu geben, 
dass man diese wichtigen Gegenstände vor allem Miss 
brauch zu sichern gesucht habe.“ Mit der A. h. Ent- 
schliessung vom 4. Dezember erfolgte unter Genehmi 
gung der im Berichte unter Punkt 8 und 9 gestellten 
Anträge die formelle Aufhebung des Münzamtes Salz 
burg, an dessen Stelle ein Einlösungsamt belassen, 
neben dem einige Zeit hindurch eine Scheidung fort 
geführt werden sollte. Zum Leiter des nunmehrigen Ein 
lösungsamtes wurde ' der bisherige Münzmeister Franz 
von König, zum Einlösungskontroleur der bisherige 
Münzwardein Heinrich Konrad Brandstätter —nach 
mals Stadtkassier in Salzburg — ernannt. Die drei 
Münzarbeiter, die zugleich bei der Goldscheidung Dienste 
zu leisten hatten, verblieben bei dem Einlösungsamte. 
In Befolgung der betreff der österreichischen Punzen 
ergangenen Weisung hat das Einlösungsamt Salzburg 
am 5. November 1810 die 16 Punzen in einem mit den 
Privatsiegeln der Beamten verschlossenen Kistchen an 
die unmittelbare Münzkommission in München über 
sendet, wo sie auch — wie aus der Note der k. k. Hof 
kammer ddto. Wien 11. Oktober 1816 hervorgeht — 
einlangten. 
Während das Kistchen in den Räumen der Mün 
chener Münzkommission ruhte, 4obte in Europa der neu 
entbrannte Krieg, bis Napoleons Macht am 18. Juni 1815 
bei Waterloo zusammenbrach. Zufolge des in Gernäss- 
heit der Beschlüsse des hierauf tagenden Wiener Kon 
gresses am 14. April 1816 zu München zwischen Bayern 
und Oesterreich geschlossenen Vertrages kam Salzburg 
— allerdings bedeutend verkleinert — wieder an Oester 
reich, an das das Land am 1. Mai 1816 feierlich über 
geben wurde. 
Durch diesen Regierungswechsel wurde die Frage 
nach den Punzen wieder angeregt. In der Note vom 
11. Oktober 1816 berichtet die k. k. Hofkammer nach 
Darstellung des oben ausgeführten Sachverhaltes an die 
geheime Hof- und Staatskanzlei, dass vom Hauptmünz 
amte München eine Bestätigung des Empfanges der vom 
Einlösungsamte Salzburg zwecks Uebermittlung an die 
k. k. österr. Gesandtschaft übersendeten 16 Original- 
Punzen nicht eingelangt seien. Um zu erfahren, was 
seither aus diesen Punzen geworden sei, wird ersucht, 
durch Vernehmung der damals bei der k. k. ö. Gesandt 
schaft in München anwesend gewesenen Gesandtschafts 
mitgliedern erheben zu wollen, ob die fraglichen Pun 
zen von Bayern an die österreichische Gesandtschaft 
wirklich ausgehändigt worden seien oder nicht, in welch 
letzterem Falle es der Hof- und Staatskanzlei anheim 
gestellt sei, ob beim königlich bayrischen Hofe im 
diplomatischen Wege die nachträgliche Ausfolgung der 
Punzen angestrebt werden oder ob es beim dermaligen 
Stande der Angelegenheit sein Bewenden haben solle. 
In Erledigung dieses Berichtes erhielt sodann der Ge 
schäftsträger der k. k. Gesandtschaft am kgl. bayrischen 
Hofe, Herr v. Weissenberg, am 28. Oktober 1816 
die Weisung, beim kgl. bayrischen Ministerium hierüber 
Erkundigungen einzuziehen und auf Aushändigung der 
der dortigen Staatsverwaltung ganz unnützen Werkzeuge 
anzutragen. Zufolge der von der österr. Gesandtschaft 
in München am 15. November an das kgl. Ministerium 
der auswärtigen Angelegenheiten gerichteten Note holte 
dieses beim Ministerialdepartement für Finanzen Aus 
künfte ein. Laut derselben berichtet die unmittelbare 
Münzkommission am 12. Dezember, dass das Kistchen 
mit den Punzen zur Abgabe bereitstehe und erbittet 
sich den Auftrag, wohin diese für den a. h. Dienst 
unbrauchbaren Gegenstände abgegeben werden sollen. 
Das Finanzministerium wies hierauf am 20. Dezember 
die unmittelbare Münzkommission an, das Kistchen, in 
dem sich die — angeblich 1810 in Salzburg zurück 
gebliebenen — österreichischen Punzen befinden, an das 
Expeditionsamt des Ministerialdepartements für auswär 
tige Angelegenheiten abzugeben. 
Am 5. Jänner 1817 berichtet der Geschäftsträger 
von Weissenberg, dass er weisungsgemäss die österr. 
Münzpunzen reklamiert, dieselben nun mit Note des 
geheimen Staats-und Konferenz-Ministers ddto. München 
1. Jänner erhalten habe und im Laufe der einstehenden 
Woche mit dem Postwagen an die geheime Hof- und 
Staatskanzlei übersenden werde. Diese Uebersendung 
ist, nachdem Weissenberg die sichere und schiedliche 
Gelegenheitjder Verschickung durch die Post gewählt 
hatte, laut eines weiteren Berichtes vom 14. Jänner 
unter Beigabe der durch die postämtlichen Verordnungen 
vorgeschriebenen Deklaration: „Ein kleines Kistchen ent 
haltend k. k. österreichische : Münzstempel, bezeichnet 
H. u. St. C. (Hof- und Staats-Kanzlei) Nr. 2, valor 60 fl., 
versiegelt mit dem Insiegel der österreichischen Ge 
sandtschaft in München“ auch tatsächlich erfolgt. Am 
31. Jänner 1817 verständigte die Hof- und Staatskanzlei 
die k. lc. Hofkammer von dem Einlangen des Kistchens 
zur beliebigen Eröffnung und weiteren Disposition. Laut 
einer nachträglichen Bemerkung befand sich das Kist 
chen in Händen des Legationsrates Freiherrn v. Bret- 
feld und wurde dann dessen Uebernahme seitens des 
damaligen Vorstandes des Hauptmünzamtes in Wien, 
Hingenaus, bestätigt. Die 16 österreichischen Original 
punzen sind also an das Wiener Münzamt gelangt. Da 
selbst scheint man ihnen aber im Gegensätze zur Auffas 
sung der bayr. Münzkommission und der k. k. Hofkammer 
keine grosse Wichtigkeit beigelegt zu haben. Von ihrer 
Uebernahme an fehlt jegliche Nachricht über ihre Ver 
wendung oder Aufbewahrung. Nach der im Wiener 
Münzamte bestehenden Vermutung wurden die Punzen 
dortselbst verstaltet. Für die Richtigkeit dieser Vermu 
tung spricht'der Umstand, dass sich dieselben im Münz- 
amts-Museum nicht befinden und im Münzamte auch 
keine auf sie bezughabenden Aufzeichnungen vorge 
funden wurden. Allerdings stünde dieser Vorgang im 
Widerspruche zu der urspt jnglichen Absicht der Hof 
kammer, welche den Punzen eine so grosse Bedeutung 
beimaß, dass sie zwecks ihrer Wiedererlangung die 
Betretung des diplomatischen Weges anregte. 
Welche Punzen in dem mehrerwähnten Kistchen 
übersendet wurden, ob jene Punzen zu den 20, 6, 3, 1 
und V s Kreuzerstempeln, die der Münzgraveur 
Würth am 23. Mai 1806 dem Hauptmünzamte Wien 
zur Versendung nach Salzburg übergeben hatte, 4 ) oder 
später von den Salzburger Graveuren Josef Wenzel 
Lauffenböck und Franz X. Matzenkopf an 
gefertigte, dürfte eine offene Frage bleiben, weil der 
Akt i laut Mitteilung des Archivs des Staatsamtes für 
Finanzen, bei weichem nur eine Register-Eintragung 
vom 31. August 1816 aufgefunden wurde, skartiert ist. 
In dem Berichte über die Tätigkeit des Salzburger 
Münzamtes während der französischen Okkupation B ) 
geschieht nur der Anfertigung von Buchstaben-Punzen 
Erwähnung. 
Nachdem die unter Aufbietung der Diplomatie und 
der obersten Finanzstellen durchgeführte Uebersendung 
der Punzen von Salzburg über München nach Wien 
über 6 Jahre gewährt hatte, wurden die von Bayern 
aus Höflichkeit dem österreichischen Kaiserhofe zuge 
dachten Punzen vom kaiserlichen Münzamte, statt zur 
weiteren Aufbewahrung mit :DankJentgegengenommen 
zu werden, vertilgt, damit auch die diplomatischen 
Verhandlungen um den Erfolg gebracht, deren Einleitung 
sich somit als zwecklos erwies. 
4 ) Mitteilungen der „Oesterr. Gesellschaft für Münz- und 
Medaillenkunde“. XIII (1917).Nr. 10. 
5 ) C. v. Ernst a. a, O. S. 18,
	        
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