nternationale Sammler-Zeitung
Seite 71
Nr. 9
V. KUNSTAUKTION 22. bis 24. Mai 1922.
Handzeichnungen alter Meister
vornehmlich der italienischen Schulen des 16. und
17. Jahrhunderts
aus dem Besitz Lord Amtierst of Hacktiey und
anderer engl. Aristokraten ca. 250 Nummern.
Kritischer Katalog und Vorwort von
Dr. Hermann Voß
Kustos am Kaiser Friedrich-Museum zu Berlin.
Kupferstiche, ? Radierungen, Holzschnitte
des *15.* bis 118. Jahrhunderts.
H a ns Goltz, Kunsthandlung,
2. Teil der Sammlung A ..., Paris, ca. 300Nummern.
Begutachtet und katalogisiert von
Dr. Ph. Henss.
Qualitäts-Graphik
des 19. und 20. Jahrhunderts
Von Daumier bis Kokoschka
Graphische Mappenwerke
und Kunstbücher
ca. 200 Nummern
Der reich illustrierte Katalog erscheint Mitte April
und kostet Mk. 30.—. Ohne Abbildungen Mk. 5.—
München, Briennerstraße Nr. 8.
der zahlreiche Figuren und Tiere enthält. Darunter in
einer Nische ist eine Szene abgebildet, auf der sich
mehrere nackte Gestalten Hand in Hand einer. Art
Quelle nähern, neben der eine weibliche Figur steht.
Auf der linken Seite ist die sitzende Figur eines be
kleideten bärtigen Mannes, der den rechten Arm aus
streckt. Das Bild wird wohl auf die Taufe zu deuten
seirr: Der Boden zeigt Mosaikbeiag von weissen und
schwarzen Steinen in vorzüglicher Erhaltung, dessen
Inschrift Licht auf den Besitzer der Grabstätte wirft.
Die Inschrift enthält die Namen: Aurelius Onesimus,
Aurelius Paperius, die Jungfrau Aurelia Prima und Aurelius
Felicissimus. Das Hypogäum wird danach von einem
reichen Christen im 1. oder spätestens 2. Jahrhundert
als Familienbegräbnis erbaut worden sein.
Steigt man vier weitere tiefe Stufen hinab, so
kommt man in einen anderen Raum, dessen Wände
ebenfalls mit Stuck belegt und: farbig ausgeschmückt
sind. Die Dekorationen der Bogenecken zeigen vorzüg
lich ausgeführte farbige Figuren. Rings um den unteren
Teil der Wände dieses Raumes liegen sechs Grab
nischen. Die Räume sind durch kreisrunde Löcher vor
züglich ventiliert. Die grösste Tiefe, die bis jetzt er
reicht ist, liegt 30 bis 40 Fuss unter der Erdoberfläche.
Einige der Bilder werden jetzt sorgfältig kopiert, um sie
festzuhalten, bevor sie vielleicht durch Zufuhr von Luft
beschädigt werden; die ganze Anlage wird photogra
phiert, und die Regierung tut alles, um diese wichtigen
Funde zu erhalten, die vielleicht noch bei weiteren
Nachforschungen vermehrt werden.
Der italienische Forscher Professor L a n c i a n i
hat sich eingehend über die Apostelbilder geäußert:
„Das Hypogäum", erklärte der Gelehrte, „das bei den
Ausgrabungen freigelegt wurde, zählt zweifellos zu den
bedeutsamsten archäologischen Funden unseresi Jahr
hunderts und es unterliegt auch nicht dem geringsten
Zweifel, daß die an der Wand des unterirdischen Ge
wölbes befindlichen Bilder die 12 Apostel darstellen.
Der unschätzbare Wert dieser Zeichnungen beruht auf
der Tatsache, daß die bildlichen Darstellungen der
Apostel, die wir bisher kannten, nicht über das 4. Jahr
hundert zurückreichen, während die jetzt aufgefundenen
mindestens 200 Jahre älter sind. Nach der An
sicht vieler meiner Kollegen sollen diese Bilder sogar
entstanden sein, als die Apostel noch am Leben waren;
meine persönliche Meinung geht dementgegen aber
dahin, daß der Künstler, der die Bilder malte, im 2. Jahr
hundert n. Chr. lebte. Ich werde in dieser Annahme
besonders durch den Umstand bestärkt, daß einige der
Grabsteine, die sich in dem Hypogäum befinden* den
Namen der Domitia Lucilla, der Mutter des Marc Aurel,
mit der Jahreszahl 137 zeigen. Abgesehen von dem
Wert, den den Bildern die Tatsache gibt, daß wir es
hier mit den ersten Darstellungen der Apostel zu tun
haben, beansprucht die Ausführung auch außerordent
liches kunstgeschichtliches Interesse, schon, deshalb,
weil sie den Beweis erbringt, daß die Malkunst in rö
mischer Zeit auf höherem Niveau stand, als man ge
meinhin anzunehmen geneigt ist. Die Gestalten sind
in großem Stil aufgefaßt und zeigen dabei ein hohes
Maß technischen Könnens. Die Drapierung ist vor
trefflich, die Haltung natürlich und ungezwungen, die
Köpfe sind scharf charakterisiert. Unter den Gestalten
der Apostel ragen die von Petrus und Pauli hervor; sie
sind auch vorzüglich erhalten. Sie nehmen unser Interesse
schon deshalb in hohem Grade in Anspruch, weil sie
uns an Stelle der überlieferten Typen, die wir sonst zu
sehen gewöhnt sind, Wirklichkeitsbilder von lebendiger
Anschaulichkeit vor Augen stellen. Auch wenn diese
Bilder nicht zu Lebzeiten der Apostel gemalt sind, so
kann sie nichtsdestoweniger ein Künstler geschaffen
haben, der in seiner Jugend noch Zeitgenossen der
Apostel gesehen und gesprochen hat. Jedenfalls aber
sind sie in einer Zeit entstanden, in der die Erinnerung
an die Apostel noch frisch war, denn jene starben um
die Mitte des 1. Jahrhunderts, während ihre Bilder
sLnerlich nicht später als in der ersten Hälfte des
2. Jahrhunderts gemalt sind.“
Gfironik.
BIBLIOPHILIE.
(Tagebücher aus der Goethezeit.) Der neueste
(23.) Katalog der Buchhandlung Rudolph Hönisch in Leipzig
enthält unter anderen Kostbarkeiten die Tagebücher von Johann
Stephan S c h Ii t z e und seiner Gattin Wilhelmine, die besonders
dadurch bedeutsam sind, daß .sie eine Unmenge von Material
über das literarische Leben Weimars zur Zeit Goethes ent
halten. Schütze hatte sich 1804 als Journalist in Weimar nieder
gelassen, wo er bald darauf mit Goethe, Schiller und anderen
literarischen Persönlichkeiten Weimars in Berührung trat. Die
Tagebücher gestatten noch manche literarische Ausbeute, Aus
dem Katalog möchten wir auch ein noch unveröffentlichtes ..
Manuskript von Lavater hervorheben, das sich „Einige
physiognomische Bemerkungen für Zeichner und Mahler“ betitelt
und 1797 datiert ist.
(Neudruck Menzelscher Hauptwerke.) Für alle
Menzel-Verehrer hat sich em Ereignis von Bedeutung vollzogen:
das Verlagsrecht von Kuglers „Geschichte Friedrichs des Großen"
ist samt den Menzeischen Holzstöcken in den Besitz von E. A. See
mann in Leipzig übergegangen, wo das unsterbliche Buch nun
in der Form und Schönheit der ersten Auflage erstehen wird.
Wie bekannt, ist der Kugler seit einem Menschenalter nicht
mehr in seiner ursprünglichen Form gedruckt worden, sondern