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MAK

Full text : Jahrgang 14 (1922) (9)

Seite  72

Internationale  Sammier-Zeitujng

nur  noch  in  sogenannten  Volksausgaben,  die  jetzt  aber  auch
schon  seit  längerer  Zeit  vergriffen  sind.  Glücklicherweise  sind
dabei  die  Originalstöcke  nicht  zur  Benützung  gekommen  und  in
unversehrter  Schönheit  erhalten  geblieben.  Auch  die  von  Menzel
gezeichneten  Stempel  für  den  Originaleinband  sind  noch  vorhanden. ­
  —  Das  gleiche  gilt  von  Menzels  seit  1  '56  nicht  mehr
gedruckter  „Heerschau  der  Soldaten  Friedrich  des  Großen”  (Text
von  E.  Lange),  deren  Stöcke  ebenfalls  an  E.  A.  Seemann  übergegangen ­
  sind  und  Wiederaufleben  werden.

BILDER.
(Asiatische  Meister.)  Der  Leipziger  Antiquar
W.  Hiersemann  hat  eine  hervorragende  Sammlung  chinesischer,
japanischer  und  tibetanischer  Gemälde  aus  Privatbesitz  erworben,
die  einen  Gesamtwert  von  über  Vj t  Million  Mark  repräsentieren.
Die  bedeutendsten  japanischen  Meister  des  18.  u.  19.  Jahrhunderts
sind  mit  hervorragenden  Kunstwerken  vertreten.  Das  hervorragendste ­
  Stück  der  Sammlung  ist  ein  Originalgemälde  des
chinesischen  Meisters  Ch’en  Hung-shou  (1559  bis  1652),
das  in  wunderbar  zarten  Farben  zwei  große  Chrysanthemen
darstellt,  hinter  denen  ein  chinesischer  Tulpenbaum  sichtbar
wird.  Dieses  Gemälde  ist  ein  Beispiel  ganz  großer  alter  Kunst,
wie  sie  nur  selten  auf  den  Markt  kommt.  Originalmalereien
dieses  chinesischen  Meisters  sind  überaus  selten.  Der  Wert  des
Gemäldes,  das  eine  Größe  von  109  :  32  cm  hat,  wird  auf
60.000  Mk.  geschätzt.

HANDSCHRIFTEN.
(Versteigerung  eines  kostbaren  Manuskriptes.)
Auf  einer  Versteigerung  in  Tours  brachte  ein  illuminiertes
Manuskript  vom  Ende  des  13.  Jahrhunderts  314.000  Francs.  Die
Handschrift  enthält  auf  36  Blättern  in  Folio  76  Darstellungen
(farbig,  mit  Gold  und  Silber)  aus  der  Apokalypse.  Auf  dem
Schutzblatt  besagt  eine  Eintragung  vom  Jahre  1469,  daß  der
Band  damals  vom  englischen  Edelmann  Robert  P  e  t  h  a  m  dem
Doktor  der  Theologie  Thomas  D  a  v  e  11  geschenkt  worden  ist.
Der  (restaurierte)  Einband  aus  Kalbsleder  stammt  aus  der  Mitte
des  16.  Jahrhunderts.
NUMISMATIK.
(Auktionen.)  J.  Schulman  in  Amsterdam  bereitet
die  Versteigerung  der  Sammlung  Dr.  Exei  Lagermann
(Stockholm)  vor.  Die  Sammlung  enthält  viele  Seltenheiten  an
Münzen  und  Medaillen,  namentlich  Dänemarks.  —  Bei  Cahn
in  Frankfurt  a.  M.  kommt  demnächst  ein  Teil  der  Sammlung  des
Prinzen  Ernst  Windischgrätz  (Wien)  zur  Versteigerung,
(Ein  H  u  n  g  e  r  t  a  1  e  r.)  Dieser  Tage  wurde  beim  Brunnengraben ­
  in  Bichlbruck  bei  Hammerau  in  Bayern  ein  Hungertaler ­
  aus  dem  Jahre  1817  ausgegraben.  Der  in  Bronze  gut  geprägte ­
  Taler  in  der  Größe  eines  alten  Fünfmarkstückes  zeigt
auf  der  Vorderseite  eine  Wage  mit  Anker  und  trägt  die  Aufschrift:
„Verzaget  nicht,  Gott  lebet  noch.  1816  u.  1817.  Ein  Maas  Bier
8V S  Kr.“  Auf  der  Rückseite  ist  eine  hungernde  Mutter  mit  ihren
Kindern  abgebildet  mit  der  Aufschrift:  „O,  gib  mir  Brod,  mich
hungert.“
PHILATELIE.
(Eine  Genueser  Gedenkbriefmarke.)  Die
italienische  Postdirektion  hat  beschlossen,  eine  Gedenkbriefmarke ­
  der  Genuakonferenz  herauszugeben.
(Neue  österreichische  Marken.)  In  der  ersten
Maihälfte  werden  mit  Rücksicht  auf  die  Erhöhung  aller  Posttarife
eine  Reihe  neuer  Werte  ausgegeben.  Es  kommen  neue  Briefmarken ­
  im  Werte  von  15,  20,  25,  30,  45,  75  und  500  Kronen
zur  Ausgabe.
(Eine  philatelistische  Neuheit)  wird  aus  Ham  bürg
angekündigt,  Dort  wird  beim  Postamt  I  die  American  Relief
Administration  Postkarten  mit  russischen  Freimarken  an
Empfänger  in  Deutschland  aufgegeben,  Diese  Postkarten  sind
ausnahmsweise  zur  Beförderung  zugelassen;  sie  tragen  neben
dem  Aufgabestempel  noch  den  besonderen  Aufdruck:  „Auf  Anordnung ­
  des  R.  P.  M.  nicht  mit  Nachgebühr  zu  belegen.“

VERSCHIEDENES.
(Freiligraths  Nachlaß.)  Durch  die  Bemühungen
des  Dortmunder  Bibliothekdirektors  Dr.  Schulz  und  einiger
Stadtverordneten  bleibt  der  Nachlaß  Ferdinand  Freiligraths,
der  an  einen  Frankfurter  Antiquar  gelangt  war,  der  Heimat  des
Dichters  erhalten.  Der  Nachlaß  umfaßt  etwa  500  gebundene
Werke,  140  geheftete  Bücher,  125  handschriftliche  Stücke,  60
Blätter  (Erstveröffentlichungen  in  Zeitschriften.)

Nr.  9

(Ausfuhr  von  Manuskripten,  Drucksachen  und
Dokumenten.)  Aus  B  u  d  a  p  e  s  t  wird  uns  geschrieben:  Im
Interesse  der  Erleichterung  des  Verfahrens  bei  der  Ausfuhr  von
Manuskripten,  Drucksachen  und  Dokumenten  hat  der  Kultusund
  Unterrichtsminister  angeordnet,  daß  Privatparteien  die  Erlaubnis ­
  zur  Ausfuhr  von  Drucksachen,  Manuskripten  und  Dokumenten ­
  der  Finanzminister  auf  Grund  der  Bescheinigung  der
Landes-Szecheni-Bibliothek  des  Nationalmuseums  erteilt.  Den
Buchhändlern  wird  diese  Erlaubnis  in  Bezug  auf  Noten,  sofern
sie  seit  dem  Jahre  1886  gedruckt  wurden,  und  in  bezug  auf
andere  Druckwerke,  sofern  sie  seit  dem  Jahre  1921  gedruckt
wurden,  auch  ohne  Bescheinigung  der  Szdcheny-Bibliothek  erteilt,
(Ein  Pfarrer  als  Maler.)  Die  „Grazer  Tagespost“
lenkt  die  Aufmerksamkeit  der  Künstler  und  Kunstfreunde  auf
einen  in  aller  Stille  bescheiden  wirkenden  steirischen  Künstler,
den  Pfarrer  Grasmugg  in  Mitterndorf  im  steirischen  Salzkammergut. ­
  Sein  Altarbild  „Christus  auf  dem  Oelberge“  in  der
Pfarrkirche  zu  Mitterndorf  zeigt  von  guter  Auffassung  und  großer
Liebe  zur  Kunst.  Manche  Partien  des  Bildes  sind  nachgerade
künstlerisch  wertvoll.

MUSEEN.
(D  erStreit  um  dieBilderMardes.)  Das  deutsche
Reichsgericht  hat  endgiltig  die  beiden  berühmten  Bilder  des
Malers  Hans  v.  Mare  es  „Die  römische  Vigna“  und  „Villa
Borghese“  der  staatlichen  Hamburger  Kunsthalle  zugesprachen.
  Sie  wurden  von  der  Nationalgalerie  in  Berlin  mit  der
Behauptung  in  Anspruch  genommen,  sie  habe  sie  im  Jahre  1902
von  Frau  Levy-Belling  aus  der  Fiedler’schen  Sammlung  gekauft ­
  und  sie  ihr  nur  bis  zu  ihrem  Tode  belassen.  Wenn  der
Direktor  der  Hamburger  Kunsthalle,  Prof.  Dr.  Pauli,  die  Bilder
1914  von  der  Kunsthandlung  Schall  und  Cassierer  erworben
habe,  so  habe  er  grob  fahrlässig  gehandelt,  denn  er  hätte  sich
vorher  um  die  Eigentumsverhältnisse  erkundigen  müssen.  Das
Reichsgericht  stellte  sich  mit  den  Vorinstanzen  (Landgericht  und
Oberlandesgericht  Hamburg)  auf  den  Standpunkt,  dass  Prof.
Pauli  alles  Erforderliche  getan  habe.  Er  habe  das  beste  und
erschöpfendste  Werk  über  Marees  von  Meyer-Graefe  zu  Rate
gezogen,  aus  dem  höchstens  hervorgehe,  dass  die  Bilder  vorübergehend ­
  einmal  leihweise  in  der  Nationalgalerie  gehangen
hätten,  weitere  Nachforschungen  hätte  er  nicht  anzustellen
brauchen.
(Das  Szegeder  Museum  als  Erbe.)  ln  ihrem  Palais
in  der  Ostrom-utca  in  Budapest  ist  vor  einigen  Tagen  die  verwitwete ­
  Gräfin  Andreas  Ladänyi-Niczky  geb.  Ilona  Zsöter
gestorben..  Ihr  erster  Gatte  war  Ministerialrat  Lukas  Enyedy,
der  ein  eifriger  Kunstsammler  gewesen  und  nach  dessen  Tode
verlautbart  worden  war,  daß  seine  reiche  Sammlung  nach  dem
Ableben  seiner  Gattin  dem  Szegeder  Museum  anheimfallen
werde.  Obwohl  bis  jetzt  das  Museum  keine  offizielle  Verständigung ­
  erhalten  hat,  ist  man  in  Szeged  doch  informiert,  daß  die
Sammlung  dahin  wandern  wird.  Die  Sammlung  soll  zahlreiche
besonders  kostbare  Bilder  enthalten.

VOM  KUNSTMARKT.
(Der  Plettenberg-Esterhazysche  Karton.)
Der  in  Nr.  6  beschriebene  Plettenberg-Esterhazysche  Karton  zu
Leonardo  da  Vincis  „Anna  Selbdritt“,  der  im  Budapester
Ernst-Museum  zur  Versteigerung  kam,  hat  kein  entsprechendes
Angebot  gefunden.  Er  ging  daher  an  den  Besitzer,  den  Grafen
Paul  Esterhazy  in  Budapest  zurück,  beziehungsweise  wurde
von  ihm  um  K  8,800,(XX)  zurückgekauft.
(Kupferstich-  Versteigerung  in  Berli  n,)  Die
dritte  Kupferstich-Versteigerung  in  diesem  Frühjahr  veranstaltet
die  Firma  Hollstein  &  Pupp  el  in  B  e  r  1  i  n  mit  der  am
22.  und  23.  Mai  stattfindenden  Versteigerung  XXI.  Der  mit
25  Abbildungen  ausgestattete  Katalog  enthält  vier  verschiedene
Abteilungen.  Die  im  ersten  Teil  aufgeführte  Chodowiecki-Sammlung
  enthält  fast  durchweg  Exemplare  von  prachtvoller
  Qualität,  darunter  die  großen  Seltenheiten  „Cabinet  d’  un
Peintre“,  „Die  Zelte  im  Tiergarten“,  „Die  Heimführung  der
Braut“,  außerdem  zahlreiche  Blätter  mit  den  prachtvollen  Einfällen. ­
  Daran  schließt  sich  eine  Abteilung  Lithographien  mit
hervorragenden  Arbeiten  von  D  a  u  m  i  e  r,  Gavarni,  Beaumont ­
  u.  A.,  zum  Teil  in  Farben.  Eine  wohl  selten  vorkommende
Sammlung  von  Karikaturen  bringt  die  dritte  Abteilung  mit
höchst  seltenen  Blättern  des  auch  in  Deutschland  sehr  geschätzten
Thomas  Rowlandson.  Diese  meist  in  prachtvollen  Farben
ausgeführten  Blätter  werden  .  mit  den  anderen  Karikaturen  von
Gillrey,  Cruikshank,  Hogarth  das  Hauptinteresse  der
Versteigerung  bilden.  In  der  letzten  Sitzung  kommt  noch  eine
Büchersammlung  zum  Verkauf,-die  sich  vorwiegend  aus
illustrierten  Ausgaben,  Prachtwerken  und  Kunsthandbüchern
zusammensetzt.
            
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