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Internationale Sammier-Zeitujng
nur noch in sogenannten Volksausgaben, die jetzt aber auch
schon seit längerer Zeit vergriffen sind. Glücklicherweise sind
dabei die Originalstöcke nicht zur Benützung gekommen und in
unversehrter Schönheit erhalten geblieben. Auch die von Menzel
gezeichneten Stempel für den Originaleinband sind noch vorhanden.
— Das gleiche gilt von Menzels seit 1 '56 nicht mehr
gedruckter „Heerschau der Soldaten Friedrich des Großen” (Text
von E. Lange), deren Stöcke ebenfalls an E. A. Seemann übergegangen
sind und Wiederaufleben werden.
BILDER.
(Asiatische Meister.) Der Leipziger Antiquar
W. Hiersemann hat eine hervorragende Sammlung chinesischer,
japanischer und tibetanischer Gemälde aus Privatbesitz erworben,
die einen Gesamtwert von über Vj t Million Mark repräsentieren.
Die bedeutendsten japanischen Meister des 18. u. 19. Jahrhunderts
sind mit hervorragenden Kunstwerken vertreten. Das hervorragendste
Stück der Sammlung ist ein Originalgemälde des
chinesischen Meisters Ch’en Hung-shou (1559 bis 1652),
das in wunderbar zarten Farben zwei große Chrysanthemen
darstellt, hinter denen ein chinesischer Tulpenbaum sichtbar
wird. Dieses Gemälde ist ein Beispiel ganz großer alter Kunst,
wie sie nur selten auf den Markt kommt. Originalmalereien
dieses chinesischen Meisters sind überaus selten. Der Wert des
Gemäldes, das eine Größe von 109 : 32 cm hat, wird auf
60.000 Mk. geschätzt.
HANDSCHRIFTEN.
(Versteigerung eines kostbaren Manuskriptes.)
Auf einer Versteigerung in Tours brachte ein illuminiertes
Manuskript vom Ende des 13. Jahrhunderts 314.000 Francs. Die
Handschrift enthält auf 36 Blättern in Folio 76 Darstellungen
(farbig, mit Gold und Silber) aus der Apokalypse. Auf dem
Schutzblatt besagt eine Eintragung vom Jahre 1469, daß der
Band damals vom englischen Edelmann Robert P e t h a m dem
Doktor der Theologie Thomas D a v e 11 geschenkt worden ist.
Der (restaurierte) Einband aus Kalbsleder stammt aus der Mitte
des 16. Jahrhunderts.
NUMISMATIK.
(Auktionen.) J. Schulman in Amsterdam bereitet
die Versteigerung der Sammlung Dr. Exei Lagermann
(Stockholm) vor. Die Sammlung enthält viele Seltenheiten an
Münzen und Medaillen, namentlich Dänemarks. — Bei Cahn
in Frankfurt a. M. kommt demnächst ein Teil der Sammlung des
Prinzen Ernst Windischgrätz (Wien) zur Versteigerung,
(Ein H u n g e r t a 1 e r.) Dieser Tage wurde beim Brunnengraben
in Bichlbruck bei Hammerau in Bayern ein Hungertaler
aus dem Jahre 1817 ausgegraben. Der in Bronze gut geprägte
Taler in der Größe eines alten Fünfmarkstückes zeigt
auf der Vorderseite eine Wage mit Anker und trägt die Aufschrift:
„Verzaget nicht, Gott lebet noch. 1816 u. 1817. Ein Maas Bier
8V S Kr.“ Auf der Rückseite ist eine hungernde Mutter mit ihren
Kindern abgebildet mit der Aufschrift: „O, gib mir Brod, mich
hungert.“
PHILATELIE.
(Eine Genueser Gedenkbriefmarke.) Die
italienische Postdirektion hat beschlossen, eine Gedenkbriefmarke
der Genuakonferenz herauszugeben.
(Neue österreichische Marken.) In der ersten
Maihälfte werden mit Rücksicht auf die Erhöhung aller Posttarife
eine Reihe neuer Werte ausgegeben. Es kommen neue Briefmarken
im Werte von 15, 20, 25, 30, 45, 75 und 500 Kronen
zur Ausgabe.
(Eine philatelistische Neuheit) wird aus Ham bürg
angekündigt, Dort wird beim Postamt I die American Relief
Administration Postkarten mit russischen Freimarken an
Empfänger in Deutschland aufgegeben, Diese Postkarten sind
ausnahmsweise zur Beförderung zugelassen; sie tragen neben
dem Aufgabestempel noch den besonderen Aufdruck: „Auf Anordnung
des R. P. M. nicht mit Nachgebühr zu belegen.“
VERSCHIEDENES.
(Freiligraths Nachlaß.) Durch die Bemühungen
des Dortmunder Bibliothekdirektors Dr. Schulz und einiger
Stadtverordneten bleibt der Nachlaß Ferdinand Freiligraths,
der an einen Frankfurter Antiquar gelangt war, der Heimat des
Dichters erhalten. Der Nachlaß umfaßt etwa 500 gebundene
Werke, 140 geheftete Bücher, 125 handschriftliche Stücke, 60
Blätter (Erstveröffentlichungen in Zeitschriften.)
Nr. 9
(Ausfuhr von Manuskripten, Drucksachen und
Dokumenten.) Aus B u d a p e s t wird uns geschrieben: Im
Interesse der Erleichterung des Verfahrens bei der Ausfuhr von
Manuskripten, Drucksachen und Dokumenten hat der Kultusund
Unterrichtsminister angeordnet, daß Privatparteien die Erlaubnis
zur Ausfuhr von Drucksachen, Manuskripten und Dokumenten
der Finanzminister auf Grund der Bescheinigung der
Landes-Szecheni-Bibliothek des Nationalmuseums erteilt. Den
Buchhändlern wird diese Erlaubnis in Bezug auf Noten, sofern
sie seit dem Jahre 1886 gedruckt wurden, und in bezug auf
andere Druckwerke, sofern sie seit dem Jahre 1921 gedruckt
wurden, auch ohne Bescheinigung der Szdcheny-Bibliothek erteilt,
(Ein Pfarrer als Maler.) Die „Grazer Tagespost“
lenkt die Aufmerksamkeit der Künstler und Kunstfreunde auf
einen in aller Stille bescheiden wirkenden steirischen Künstler,
den Pfarrer Grasmugg in Mitterndorf im steirischen Salzkammergut.
Sein Altarbild „Christus auf dem Oelberge“ in der
Pfarrkirche zu Mitterndorf zeigt von guter Auffassung und großer
Liebe zur Kunst. Manche Partien des Bildes sind nachgerade
künstlerisch wertvoll.
MUSEEN.
(D erStreit um dieBilderMardes.) Das deutsche
Reichsgericht hat endgiltig die beiden berühmten Bilder des
Malers Hans v. Mare es „Die römische Vigna“ und „Villa
Borghese“ der staatlichen Hamburger Kunsthalle zugesprachen.
Sie wurden von der Nationalgalerie in Berlin mit der
Behauptung in Anspruch genommen, sie habe sie im Jahre 1902
von Frau Levy-Belling aus der Fiedler’schen Sammlung gekauft
und sie ihr nur bis zu ihrem Tode belassen. Wenn der
Direktor der Hamburger Kunsthalle, Prof. Dr. Pauli, die Bilder
1914 von der Kunsthandlung Schall und Cassierer erworben
habe, so habe er grob fahrlässig gehandelt, denn er hätte sich
vorher um die Eigentumsverhältnisse erkundigen müssen. Das
Reichsgericht stellte sich mit den Vorinstanzen (Landgericht und
Oberlandesgericht Hamburg) auf den Standpunkt, dass Prof.
Pauli alles Erforderliche getan habe. Er habe das beste und
erschöpfendste Werk über Marees von Meyer-Graefe zu Rate
gezogen, aus dem höchstens hervorgehe, dass die Bilder vorübergehend
einmal leihweise in der Nationalgalerie gehangen
hätten, weitere Nachforschungen hätte er nicht anzustellen
brauchen.
(Das Szegeder Museum als Erbe.) ln ihrem Palais
in der Ostrom-utca in Budapest ist vor einigen Tagen die verwitwete
Gräfin Andreas Ladänyi-Niczky geb. Ilona Zsöter
gestorben.. Ihr erster Gatte war Ministerialrat Lukas Enyedy,
der ein eifriger Kunstsammler gewesen und nach dessen Tode
verlautbart worden war, daß seine reiche Sammlung nach dem
Ableben seiner Gattin dem Szegeder Museum anheimfallen
werde. Obwohl bis jetzt das Museum keine offizielle Verständigung
erhalten hat, ist man in Szeged doch informiert, daß die
Sammlung dahin wandern wird. Die Sammlung soll zahlreiche
besonders kostbare Bilder enthalten.
VOM KUNSTMARKT.
(Der Plettenberg-Esterhazysche Karton.)
Der in Nr. 6 beschriebene Plettenberg-Esterhazysche Karton zu
Leonardo da Vincis „Anna Selbdritt“, der im Budapester
Ernst-Museum zur Versteigerung kam, hat kein entsprechendes
Angebot gefunden. Er ging daher an den Besitzer, den Grafen
Paul Esterhazy in Budapest zurück, beziehungsweise wurde
von ihm um K 8,800,(XX) zurückgekauft.
(Kupferstich- Versteigerung in Berli n,) Die
dritte Kupferstich-Versteigerung in diesem Frühjahr veranstaltet
die Firma Hollstein & Pupp el in B e r 1 i n mit der am
22. und 23. Mai stattfindenden Versteigerung XXI. Der mit
25 Abbildungen ausgestattete Katalog enthält vier verschiedene
Abteilungen. Die im ersten Teil aufgeführte Chodowiecki-Sammlung
enthält fast durchweg Exemplare von prachtvoller
Qualität, darunter die großen Seltenheiten „Cabinet d’ un
Peintre“, „Die Zelte im Tiergarten“, „Die Heimführung der
Braut“, außerdem zahlreiche Blätter mit den prachtvollen Einfällen.
Daran schließt sich eine Abteilung Lithographien mit
hervorragenden Arbeiten von D a u m i e r, Gavarni, Beaumont
u. A., zum Teil in Farben. Eine wohl selten vorkommende
Sammlung von Karikaturen bringt die dritte Abteilung mit
höchst seltenen Blättern des auch in Deutschland sehr geschätzten
Thomas Rowlandson. Diese meist in prachtvollen Farben
ausgeführten Blätter werden . mit den anderen Karikaturen von
Gillrey, Cruikshank, Hogarth das Hauptinteresse der
Versteigerung bilden. In der letzten Sitzung kommt noch eine
Büchersammlung zum Verkauf,-die sich vorwiegend aus
illustrierten Ausgaben, Prachtwerken und Kunsthandbüchern
zusammensetzt.