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MAK

Full text : Jahrgang 15 (1923) (10)

Nr.  10

Internationale  Sammler-Zeitung

Seite  77

Ausgabe  des  „Götz“,  die  beiden  Drucke  der  ersten
Ausgabe  des  „Werther“  und  neben  zahlreichen  anderen
Raritäten  vor  allem  noch  eines  der  250  Exemplare  des
„Römischen  Carneval“.
ln  der  S  c  h  i  11  e  r  -  Sammlung  der  Bibliothek  findet
man  wieder  die  großen  Gesamtausgaben,  sowie  eine
vollständige  Reihe  der  Hauptwerke  in  ihren  ersten
Drucken.  Die  „Anthologie“  von  1782  ist  in  den  beiden
frühen  Ausgaben  da,  die  „Räuber“  in  den  drei  seltensten
Ausgaben:  der  ersten  anonymen,  die  das  „Motto  in
Tirannos“  noch  nicht  hat,  der  zweiten  in  beiden  Drucken,
kenntlich  an  dem  links  und  dem  rechts  aufsteigenden
Löwen.  Aus  der  Fülle  der  weiteren  Schiller-Raritäten
sei  nur  noch  der  Sonderdruck  des  „Venuswagen“  und
das  interessante  „Wirttembergische  Repertorium“,  die
erste  von  Schiller  herausgegebene  Zeitschrift,  hervorgehoben. ­

Die  Sammlung  der  romantischen  Literatur  ist  nicht
ganz  so  reich,  aber  sie  enthält  gleichfalls  die  größten
Kostbarkeiten.  Auch  das  19.  Jahrhundert  ist  mit  einigen
seltenen  Ausgaben  vertreten,  so  mit  dem  ersten  Druck
von  Grillparzers  „Sappho“,  von  Mörikes
„Gedichten“  und  der  ersten  Ausgabe  von  Kellers
„Grünem  Heinrich“.  Auch  hier  glänzt  die  Bibliothek  von
Ernst  Magnus  wieder  mit  einer  geschlossenen,  systematisch ­
  ausgebauten  Sammlung:  der  von  Heines
Schriften.  Das  „Buch  der  Lieder“  allein  ist  in  den  ersten
zehn  echten  Ausgaben  vorhanden,  vor  allem  aber  eine
Reihe  der  seltenen  französischen  Schriften.
Aus  der  großen  Masse  der  übrigen  Schätze  greifen
wir  schließlich  noch  heraus:  die  erste  Ausgabe  der

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Kunsthandlung
Georg  u.  Hermann  Fromme
Wien  I.,  Stallburggasse  Nr.  2.
Fernruf-Stelle:  8/  1983.
Gemälde
Moderner  Meister
18.  u.  19.  Jahrh.
Angebote  aus  Privatbesitz  erbeten.
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„Deutsche  Sagen“  der  Brüder  Grimm,  die  wegen  der
Konfiszierung  seltene  Originalausgabe  von  Gutzkows
„Wally“,  Varnhagens  „Rahel“,  in  beiden  Ausgaben,
die  vollständige  Reihe  der  Schriften  der  Goethe-Gesellschaft, ­
  Jakob  Gritnm’s  „Deutsche  Grammatik“,  wie
das  „Deutsche  Wörterbuch“  etc.  etc.  Im  übrigen  verweisen ­
  wir  auf  den  stattlichen  Katalog,  der  wegen
seiner  gründlichen  Literaturangaben  ein  treffliches  Nachschlagebuch
  für  den  Bibliophilen  bleiben  wird.

Gfironifi.

AUTOGRAPHEN.
(Auktion  in  Wien.)  Die  Seidelsche  Buchhandlung
in  Wien  bereitet  eine  Auktion  von  Autographen  vor,  die  im
Dorotheum  abgehalten  werden  wird  und  bei  der  wertvolle
Musikmanuskripte  von  J.  S.  Bach,  Beethoven,  Mendelssohn,
Schubert  und  Wagner,  sowie  Briefe  und  Schriftstücke  von  Goethe,
Eichendorff,  Napoleon  u.  a.  zur  Versteigerung  gelangen  werden.

BIBLIOPHILIE.
(Ein  Jubiläums-Neu  druck  der  Shakespeare-Folio.)
  Im  Anschluß  an  die  Feierlichkeiten,  die  dem  300.  Geburtstag ­
  der  ersten  Folioausgabe  der  Dramen  Shakespeares  gewidmet
sind,  erscheint  eine  Monumentalausgabe  dieser  ersten  Ausgabe
bei  dem  Londoner  Verleger  Ernst  B  e  n  n  unter  dem  Titel  „The
Players’  Shakespeare“.  Jedem  Drama  ist  ein  Band  gewidmet.
Die  ersten  beiden  Bände,  die  den  „Kaufmann  von  Venedig“
und  „Macbeth“  enthalten,  sind  erschienen,  und  zwar  sind  sie
aul  bestem  Hadernpapier  in  Stratford-Upon-Avon  gedruckt  und
mit  kostbaren  bunten  und  schwarzweißen  Bildern  geschmückt.
Jeder  Band  enthält  eine  eingehende  Einleitung  von  Granville-Barker.

(Schweizer  Bibliophilengeseilschaft.)  Die
junge  Gesellschaft  beabsichtigt,  als  zweite  und  dritte  Jahresgabe
(1923—1924)  den  Mitgliedern  den  Faksimiledruck  einer  Inkunabel
zu  überreichen,  die  zum  erstenmal  in  der  Schweiz  gedruckt
wurde.  Es  ist  dies  Jean  d’Arras,  Historie  de  Melusine,  Genfeve,
Adam  Steinschaber  1478.  Das  Werk  findet  sich  in  der  Schweiz
nicht  vor;  einzig  die  Landesbibliothek  Wolfenb  Uttel  besitzt
ein  vollständiges  Exemplar,  nachdem  das  Werk  faksimiliert  wird.

BILDER.
(Ein  Amerling-Werk.)  Der  Kunsthistoriker  Doktor
Günther  P  r  o  b  s  z  t  (Wien,  IV.,  Blechturmgasse  18)  ist  mit  einer
wissenschaftlichen  Arbeit  über  den  Maler  Friedrich  v.  Amerling ­
  beschäftigt  und  bittet  Besitzer  von  Werken  dieses  Künstlers ­
  oder  auf  ihn  bezügliche  Dokumente  um  Nachricht.
(Weimarer  Menzel-Verkauf.)  Der  eben  verstorbene ­
  Großherzog  von  Weimar  hat  kurz  vor  seinem  Tode  außer
mehreren  alten  Gemälden,  darunter  den  durch  die  Ausfuhrliste
geschützten  kleinen  Heiligenfiguren  Hans  M  e  m  1  i  n  g  s,  auch

ein  bedeutendes  Werk  neuerer  Kunst  aus  seinem  Besitze  verkauft. ­
  Es  ist  dies  das  Bild  „Nach  Schluß  des  Hoffestes“  von
Adolf  Menzel,  das  gleichfalls  im  „Verzeichnis  der  national  wertvollen ­
  Kunstwerke“  steht.  Während  die  alten  Bilder  in  den
Kunsthandel  kamen,  ist  der  Menzel  in  einer  Berliner  Privatsammlung
  sichergestellt  worden.

NUMISMATIK.
(Münzfund)  Im  „Solothurner  Tgbl.“  beschreibt  Prf.
Dr.  T  a  t  a  r  i  n  off  (Solothurn)  einen  neuen  Münzfund,  der  im
Herbste  v.  J.  im  B  a  1  s  t  h  a  I  gemacht  wurde.  An  Goldmünzen
wurden  vier  gefunden:  ein  Frankfurter  Goldgulden  des  Kaisers
Al  brecht  II.  (1438—1439),  ein  Goldgulden  des  rheinischen
Pfalzgrafen  Ludwig  III.  (1410—1436)  aus  dem  Hause  der
Wittelsbacher,  ein  Goldgulden  des  Kölner  ErzbischofsDi  etric  hII.
von  Mors  (1414—1436)  und  ein  Konventionsgulden  desselben
Münzherrn.  Diese  Goldgulden  haben  einen  Durchmesser  von
2,2—2,3  Zentimeter  und  wiegen  nicht  ganz  3,5  Gramm.  Unter
den  Silbermünzen  befinden  sich  19  Berner  Plapparte  aus  den
Jahren  1421—1480.  Zwischen  zwei  rohen  Kreisen  liest  man  auf
der  Vorderseite  die  Aufschrift:  Moneta  Bernensis.  Das  innere
Feld  zeigt  einen  nach  rechts  schreitenden  Bären,  darüber  den
Reichsadler.  Auf  der  Rückseite  steht  die  Inschrift:  Sanctus
Vincencius.  Im  inneren  Feld  ist  ein  gefiedertes,  aufrechtstehendes
Kreuz  angebracht  mit  kleinem,  rundem  Vierpass  in  der  Mitte,
in  welchem  sich  eine  Kugel  befindet.  Diese  Münzen  haben
einen  Durchmesser  von  2,35—2,65  Zentimeter  und  ein  Gewicht
von  1,43—2,39  Gramm.  Nicht  nur  Grösse  und  Gewicht  variieren,
sondern  auch  in  der  Prägung  sind  allerlei  Verschiedenartigkeiten
zu  bemerken,  woraus  Tatarinoff  mit  Recht  auf  eine  häufige
Emission  dieser  Münzen  schliesst.  Weiter  kamen  zum  Vorschein ­
  13  sog.  Fünfer  der  Stadt  Bern,  die  ähnlich  aussehen  wie
die  Plapparte,  nur  etwas  kleiner  sind.  Endlich  wurden  noch
fünf  Plapparte  der  Stadt  Basel  aus  der  ersten  Hälfte  d  es  15.
Jahrhunderts,  die  sehr  gut  erhalten  waren,  und  ein  sog.  Q  uart
des  Grafen  VIII.  von  Savoyen  (1391—1434)  gefunden.  Die  grösste
Wahrscheinlichkeit  spricht  dafür,  dass  der  Münzschatz  in  den
unruhigen  Zeiten  des  alten  Zürichkrieges  (1440—1450),  vielleicht
vor  der  Schlacht  bei  St.  Jakob,  von  einem  Balsthaler  vergraben
wurde.  Der  Staat  konnte  ihn  für  einen  relativ  billigen  Preis
erwerben.  Er  wird  im  neugegründeten  Museum  B  a  1  s  t  h  a  1
aufgestellt,  einige  Belegexemplare  wandern  in  die  städtische
Sammlung  in  Solothurn.
            
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