Nr. 11
Internationale Sammler-Zeitung
Seite 85
MEDAILLEN.
(Eine Major Davel-Medaille) mit aller Sorgfalt
geprägt in der bekannten Fabrik Huguenin Frercs, Le Lode,
ist zur Erinnerung an die waadtländische Nationalfeicr veraus
gabt worden. Unter den Auspizien der waadtländischcn Gesell
schaft für Geschichte und Archäologie schuf Bildhauer Milo
Martin in Perroy diese ansprechend einfache Schaumünze,
deren Ausführung in Bronze in zwei Größen (5 < und 28 Milli
meter) geschah. Der schlichte Avers zeigt Davel in Uniform
kniend, die Hände über dem Degenkorb gefaltet, den Blick
geradeaus gerichtet. Die Schrift im oberen Halbkreis nennt
seinen Namen. Der Revers trägt die hochherzigen Worte, die
der große Waadtländer vor der Exekution am 24. April 1723
sprach: „Je prie Dieu que ma mort vous soit utile et salutaire“,
und einen Hinweis auf das zweite Zentenarium.
PHILATELIE.
(Eine Briefmarke zu 5000 Mark.) Die deutsche
Reichspost gibt in diesen Tagen die neue Briefmarke im Werte
von 5000 Mark heraus. Sie hat blauen Grund und ist in breiter
Form in Kupferdruck auf weissem Waffelmusterpapier in Bogen
zu 50 Stück hergestellt. Auf einem Bande unter dem Bilde der
Wartburg steht in Bruchschrift Deutsches Reich. Oben liest
man rechts und links vom Turme der Burg 5000 Mark, eben
falls in Bruchschrift.
VERS CHI ED EN ES.
(Vom Wiener Dorotheu m.) Der Ministerrat hat die
Erlassung eines Statuts für das Dorotheum in Wien geneh
migt, mit welchem die Oberleitung und Ueberwachung der
Geschäftsführung der Anstalt einem Kuratorium übertragen wird.
Zum Präsidenten dieses Kuratoriums wurde von der Bundes
regierung der Finanzminister a. D. August S e g u r bestellt.
(D r. A 1 f r e d S p i t z e r f.) Von geschätzter Seite wird
uns geschrieben: „Vor zirka einem Monat ist in Wien der
Rechtsanwalt Dr. Alfred Spitzer gestorben. An der Bahre
des Verblichenen sprach der Präsident der Advokatenkammer
Dr. H a r p n e r; er pries in schwungvoller Rede die guten
Eigenschaften des dahingeschiedenen Berufskollegen und jeder
der mit dem Advokaten Dr. Spitzer in dessen Beruf zu tun
hatte, konnte den Worten nur aus ganzem Herzen zustimmen,
denn Spitzer war ein Mann, dem das Recht über Allem stand,
er war nicht nur der Anwalt, er war der Freund und Berater
seines Klienten. Von welcher Freisinnigkeit der Verstorbene war,
das konnte am besten beurteilen, der Gelegenheit hatte, ihn
als Sammler und Kunstfreund zu kennen. Er hatte die so seltene
Gabe das wirkliche Talent zu erkennen. Er hatte einen kleinen
Kreis von jungen aufstrebenden Künstlern um sich, die er an
eiferte und oft weit über seine verhältnismässig geringen Mittel
unterstützte. Wie selbstverständig Dr. Spitzer in seinem Urteil
war, mag folgender Fall beweisen: Als Slevogt in den
90iger Jahren in der Gartenbaugesellschaft seine Kollektiv
ausstellung hatte, gingen die meisten der Besucher unbefriedigt
und kopfschüttelnd fort. Unser Dr. Spitzer gehörte nicht zu
ihnen, er hatte die Grösse des Talentes erfaßt und all sein
Streben ging dahin, eines der Werke zu erwerben. Damals nicht
„bei Kasse“, borgte er sich das Geld und kaufte das Bild. Vor
zirka zwei Jahren war ein bedeutender Berliner Sammler, mit
dem er befreundet war, bei ihm und bot ihm für dieses Bild
von Slevogt einen übermäßig hohen Preis — doch vergeblich,
er mußte unverichteter Sache wieder fortgehen. Nach einigen
Wochen erhielt Dr. Spitzer von Slevogt einen Brief, in dem
der Künstler schrieb, es freue ihn, daß es doch noch Menschen
gebe, denen um Geld nicht alles feil sei. Ebenso gut wie die
Arbeiten der ganz modernen Künstler, wußte Dr. Spitzer die
Werke Pettenkofens, Jetteis u. a. zu beurteilen. Wie konnte
er sich an einer Naturstudie J. E. Schindlers erfreuen. Es war
ein Vergnügen, mit ihm Bilder anzusehen, seine Begeisterung
übertrug sich unwillkürlich auf seinen Begleiter — sie war eben
echt. Jeder, der Dr. Spitzer näher gekannt hat, wird ihm ein
liebevolles Angedenken bewahren.“
(Ultraviolette Strahlen im Dienste der Hand
schriftenforschung.) Aus Berlin wird uns gemeldet:
Die Preussische Staatsbibliothek hat ihrer mit der Hand
schriftenabteilung verbundenen photographischen Werkstatt eine
neue Einrichtung angegliedert, die dazu dient, nach dem vom
Professor Dr. K ö g e 1 in Karlsruhe (früher in Beuron) erfundenen
Verfahren, ausradierte Schriften mit ultravioletten
Strahlen des Spektrums wieder sichtbar zu machen und auf
photographischem Wege festzuhalten. Das Verfahren ist in
wissenschaftlicher Beziehung für das Lesen von sogenannten
reskribierten Handschriften oder Palimpsesten des Mittelalters
von besonderem Werte, kann aber auch in der geschichtlichen
Praxis zur Feststellung von Rasuren an Urkunden und Doku
menten wesentliche Dienste leisten.
ANTIKE
TAPISSERIEN
GOBELINS
VERDUREN
MUSEALE
TEPPICHE
Öffentliche Bibliothek Frankl
geöffnet von 9 bis G Uhr. Wien 1., Kohlmarkt 4
(Das graphische Kabinet I. B. Neumann,
Berlin, eröffnete am 18. Mai eine umfangreiche Erich-
Heckel-Ausstellung, in der ein Ueberblick über das
graphische Werk des Künstlers seit 1905 gegeben wird.
MUSEEN.
(Kostbares Kunstvermächtnis.) Nach dem
Tode des Mrs. Mond gelangt nun die wundervolle Kunst
sammlung, die Dr. Mond zusarnmengebracht hatte, in den Be
sitz der Londoner Nationalgalerie. Die Perle dieser
Sammlung ist die frühe „Kreuzigung“ Raffaels, die
1892 für 11.130 Pfd. Sterling aus der Sammlung Lord Dudleys
erworben wurde, heute aber ein Vielfaches dieses Preises
bringen würde; von höchster künstlerischer Bedeutung sind
sodann zwei Predellenstücke Botticellis, das „Wunder des
St. Zenobio“ darstellend, und eine farbenleuchtende „Flora“
Palma Vecchio s. Ausserdem enthält die Sammlung noch
Meisterwerke von Tizian, Tintoretto, Sodoma, Giovanni und
Gentile Bellini, Signorelli, Savaldo, Correggio, Boltraffio, Cri-
vclli u. a. Dies Kunstvermächtnis ist das reichste, das der
Londoner Nationalgalerie seit dem Turnervermächtnis 1856 zu
gegangen ist.
(Ein Millet-Museu m.) ln Barbizon ist jetzt das
Haus, das M i 11 e t jahrzehntelang am Rande des Waldes von
Fontainebleau bewohnt und wo er alle seine Hauptwerke gemalt
hat, von zwei Malern der Oeffcntlichkeit gestiftet worden. Dazu
sind Zeichnungen, Autographen, Palette und Pinsel, der Farben
kasten des Meisters in 'der Stiftung. Das Millet-Haus soll nun
in den alten Zustand versetzt werden und als Millet-Museum
geöffnet bleiben.
VOM KUNSTMARKT.
(Der Nachlass Röntgens.) Am 19. Juni und den
folgenden Tagen findet bei Hugo Helbing in München eine
Versteigerung statt, deren Bestände aus dem Nachlass des Ge
heimrats W. K. Röntgen, aus Münchner Privatbesitz und
anderen Beiträgen stammen. Wir finden da alte Gemälde,
Antiquitäten, darunter Möbel, Keramik, Metallarbeiten, Plastiken,
Einrichtungsgegenstände aller Art, Teppiche, ostasiatische Kunst
gewerbe etc. Sehr reichhaltig ist das neuere Kunstgewerbe
vertreten, worunter sich vor allem verschiedener Schmuck,
schöne Bestecke und grössere Gruppen von Glas und Keramik,