Seite 98
Inter nationale Sammler-Zeitung
Nr. 13
mein gefeierte M. Daffinger in Betracht. Die pekuniären
Verhältnisse hätten es Medvey erlaubt, zu dem
berühmten und meist beschäftigten Meister iff die Schule
zu gehen. In zweiter Linie wäre an E. Fetter zu
denken, der nur zwölf Jahre älter, als unser Medvey
war, aber schon einen guten Namen hatte, und mit der
damaligen kleinen polnischen Künstlergemeinde in Wien
iir enger Berührung stand. Insbesondere war er mit dem
Krakauer j. N. Giovacki eng befreundet, dessen
Miniaturporträt er malte und dem er auch sein eigenes
verehrte. Robert Th eer, auf den die Verfasser des
Lemberger Katalogs diesbezüglich verweisen zu müssen
glaubten, käme hier schon darum nicht in Betracht, weil
beide im gleiche n Alter standen. Wie dem auch sei,
war Wien die Mutterstadt seiner Kunst, nach ihrem
geistigen Vater zu forschen, soll aber den zünftigen
Kunstkritikern überlassen werden.
Der Aufenthalt Medvey’s irr Wien muß sich bis
zum Jahre 1840 erstreckt haben. Hierauf kehrte er nach
Lemberg zurück und übte dort seine Kunst mehr aus
Liebhaberei und Passion, als zu Erwerbszwecken, bis
er 1848 nach Paris ging, um die dortige Schule kennen
zu lernen. Nach einem Jahre heimgekehrt, heiratete er
in Lemberg 1849 — sein Vater starb mittlerweile und
da ihm aus dem Nachlasse nichts zurückblieb, weil er
seinen Teil schon zu Lebzeiten erhalten hatte — so
trat an ihn jetzt die Notwendigkeit heran, sich vom
Ertrage seiner Kunst fortzubringen. Mit dem J. 1850
beginnt denn ein neuer Abschnitt im Leben und Wirken
unseres Künstlers. Sei es, daß ihm als einem Lutheraner
das Arbeitsfeld in Lemberg zu eng geworden war, sei
es, daß er dem Drange seiner künstlerischen Ungebundenheit
Folge gab, oder daß ihm verlockende Angebote
aus Rußland gemacht wurden, genug an dem, er ging
unter Zurücklassung seiner Familie in Lernberg dorthin,
vorläufig wahrscheinlich um dort nur das Terrain zu
rekognoszieren, aber aus einem Jahre wurden zwei und
drei, endlich sogar fünfzehn, während welcher Zeit er
ein Nomadenleben führte, zwischen Odessa, Charkov,
Petersburg und Moskau pendelnd, und nur ab und
zu seine Familie in Lemberg besuchend, bis er 1866
mit der Absicht sich nunmehr in Lemberg dauernd
niederzulassen, dorthin zurückkehrte ; aber den Drängen
seiner Charkover Freunde nachgebendj entschloss er
sich, mit seiner Familie nach Charkov zu Ubersiedeln,
wo er auch am 15. Mai (a. St.) 1870 verstorben ist.
Das ist die gedrängte Lebensskizze unseres
Meisters, die ich den ausführlichen Mitteilungen der
einzigen, noch lebenden Tochter des Meisters, Frau
Mathilde verwitweten G o d e 1 ü c k in Riga verdanke.
Aus derselben, wird es uns nun verständlich, daß und
warum der Name unseres Künstlers bisher in die
westeuropäische Kunstliteratur nicht gedrungen ist; hat
doch Medvey seine reifste künstlerische Tätigkeit in
den äußersten Grenzmarken Europas entfaltet und dort
viele Dutzende von Werken zurückgelassen, — in
Kulturzentren, deren Relation und Verbindung mit dem
fernsten Osten viel reger war, als -mit dem Westen
Europas, wofür als charakteristisch gelten ihag, daß,
als Medvey etwa 1862 den russischen Thronfolger
Nikolaus malte, ihm dieser — chinesische
Malfarben : Karmin und weiß zum Geschenk machte.
Die mit ihren Kindern und pnkeln in Wien domizilierende
Frau Anna Medvey, Witwe nach dem da
1907 als Ober-Ingenieür verstorbenen Sohne des
Künstlers, August (II.) hörte aus dem Munde ihres
Gatten, daß sein Vater beim Kaiser Alexander II.
in großer Gunst gestanden sei und stets um ihn war,
bis ihm ein angebliches Liebesverhältnis mit einer
Favoritin des Zaren dessen Ungnade zuzog, weshalb
er Petersburg verlassen mußte.
Tatsache ist, daß Medvey sämtliche kaiserlichen
Kinder, die Großfürsten Nikolaus, Alexander (III.) und
Wladimir malte, was wohl erst um 1860 der Fall sein
konnte, weil Nikolaus 1845 geboren, schon „Papierrosen“
rauchte und damit dem Künstler aufwartete, also
wenigstens 18 Jahre alt sein mußte. Anderseits portraitierte
er aber auch, laut Angabe der Frau Mathilde
Godelück, Tochter des Künstlers, die Schwester des
Zaren, Marie und ihren ersten Gatten, den Herzog Max
Eugen von Leuchtenberg, der schon 1852 verstorben
ist, also noch vor 1852 gemalt werden konnte,
während Alexander II. erst 1855 den Thron bestieg, so
daß der Zeitpunkt und die Dauer des Aufenthaltes des
Künstlers am russischen Hof sich nicht genau feststellen
läßt. Sicher ist aber auch, daß Medvey, eine faszinirende
Persönlickeit von Geist, Bildung und feinen Umgangsformen
bei den Damen der Hofgesellschaft in großer
Gunst, ja eingestandener Maßen zu einer hochgestellten
Dame des Hofes in „besonders freundschaftlichem Verhältnisse“
gestanden ist, daß er vielleicht infolge dessen
mit dem Minister des kais. Hofes Grafen Adlerberg auf
schlechten Fuß war — und faktisch 1863 den Hof verlassen
hat, um nach Charkow zu übersiedeln.
Es kann somit die Geschichte mit der kaiserlichen
Favoritin nicht ohne einen realen Hintergrund gewesen
sein.
Nach der Mitteilung der Tochter des Künstlers,
ging er aber von Lemberg 1850 zuerst nach Odessa,
wo er die „gefeierte polnische (?) Schönheit“ Szwenk
o w s k a j a malte, wobei sein Atelier von der dortigen
adeligen Lebewelt förmlich umlagert war, um in ihre
beglückende Nähe zu kommen. Der Krimkrieg und die
Belagerung von Odessa veranlaßten Medvey 1852 zur
Flucht nach Moskau, wo er eine prominente Rolle in
der Gesellschaft spielte. (Schluß folgt.)
Ein Böfimerwafdmuseum.
Aus Lei tme ritz wird uns geschrieben:
Die langjährigen Bemühungen des Böhmerwald-Museums-Vereines
sind von schönstem Erfolge gekrönt;
am 8. Juli d. J. wird in O b e r p 1 a n, dem Geburtsorte
Adalbert Stifters, das Böhmerwald-Museum
eröffnet werden, das ein getreues Spiegelbild des Böhmerwaldes
und seiner Bewohner bieten soll. Dem Museumsverein
ist es gelungen, ein geräumiges, für Museumszwecke
vortrefflich geeignetes Gebäude zu erwerben,
an das sich eine große Parkanlage schließt.
Werden alle für -die Schönheit der Natur Fhnpfänglichen
in diesem großartigen Museumspark auf sonnigem Gelände
mit seinen prächtigen Stücken in- und ausländischer
Bäume, Sträucher und Pflanzen reichen Genuß
finden, so werden die Freunde der Heimat und heimatkundlicher
Betätigung in den Räumen des Museums
selbst, von denen die zwei größten mit Parkettboden
und einer wunderbaren Wandtäfelung aus Zirbenholz
ausgestattet sind, an den dort aufgestapelten Sehenswürdigkeiten
sich erbauen, unterrichten und belehren
können.
Das- Museum umfaßt eine naturhistorische, eine geschichtliche,
eine volkskundliche, eine wirtschaftliche
und eine Abteilung für Literatur, Kunst und Wissenschaft.
In der naturgeschic h. t liehen werden
Steine und Pflanzen des Böhmerwaldes, Beeren,