Nr. 13
internationale Sammier-zÜeitung
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in alle Winde zerstreut worden. Die Werke, unter denen eine
kostbare Reihe von Bronzearbeiten der italienischen Renaissance
hervorragten, wurden von dem Pöbel aus dem Haus entführt,
und waren seitdem verschollen doch mußte man annehmen,
daß die gestohlenen Sachen wieder einmal zum Vorschein kommen
würden. Das ist denn auch in letzter Zeit geschehen; von den
Bronzen sind die' meisten verlorenen Stücke aufgetaucht. Die
Eremitage in Petersburg hat neuerdings das Hauptstück, einen
herrlichen Türklopfer von dem Paduaner Meister Andreas B r i-
o s c o, genannt Riccio, erworben. Andere Stücke; aus der Samm
lung hat ein Kunstsammler in Helsinfors ankaufen können,
Graf P o u r t a 11 s selbst hat zwei große Figuren des Renais
sance-Meisters Sansovino zurückerhalten.
NUMISMATIK.
(Carusos Goldmünzensammlung.) Nach itali
enischen Zeitungsmeldungen kommt in Neapel demnächt
Carusos kostbare Goldmünzensammlung zur Versteigerung.
Die Sammlung enthält hunderte von Goldstüchen der römischen
Rupublik, Gedenkmünzen deutscher Prägung vom XVI. bis XVII.
Jahrhundert, französische Goldmedaillen usw.
VERSCHIEDENES.
(Fingerabdrücke zur Identifizierung strit
tiger Gemälde.) Eine amerikanische wissenschaftliche
Monatsschrift veröffentlicht einen interessanten Bericht über
eine heue von einem amerikanischen Kunstsachverständigen,
Mr. Artur Sowaal, entdeckte Methode, bei strittigen Gemälden,
die, wie dies häufig vorkommt, keine Signatur des Malers auf
weisen, die Herkunft des Bildes verläßlich zu bestimmen. Sowaal
hat festgestellt, daß an allen Gemälden, die er hierauf unter
suchte, die Fingerspuren der Maler deutlich erkennbar sind. Er
hat hat auf den Bildern alter italienischer Meister regelmäßig
deren Fingerabdrücke wiedergefunden. Auf Grund der Sowaal-
schen Sammlung von Fingerabdrücken einer Reihe italienischer
und anderer Künstler — eine Sammlung, die Sowaal unausgesetzt
erweitert — soll es nunmehr möglich sein, in strittigen Fällen
durch Untersuchung der in Frage kommenden Bilder in bezug
auf die vorhandenen Fingerabdrücke und durch Vergleichung mit
den bereits bestehenden Klischees zu bestimmen, wer der Maler
des Gemäldes war. Wie die erwähnte Zeitschrift berichtet,
wurde auf diese Weise nachgewiesen, daß ein Gemälde im Besitze
des Mr. George T. Pearsons in New-York, das sein Eigen
tümer als ein Bildnis von Gianpetrino gekauft hatte und
Als von diesem Meister gemalt betrachtete, bei näherer Unter
suchung nach der Methode Sowaals Fingerabdrücke von Leo
nardo da Vinci zeigte. Dieser Meister, der bekanntlich auch
ein Bildhauer war, malte mit der linken Hand und be
diente sich mitunter seines Daumens, um gewisse Schatten
auf seinen Gemälden zu markieren. In amerikanischen Kunst
kreisen bringt man diesem neuen System zur Identifizierung von
Gemälden in bezug auf deren Urheber erhebliches Interesse
entgegen, während anderseits viele kein rechtes Vertrauen zu
dieser Methode haben.
(Was ist ein Kunstwerk?) In der Zeitschrift „Die
Fahne“ beantwortet Richard E u r i n g e r diese Frage mit der
folgenden kleinen Geschichte: In einer Vorlesung über Urheber
recht hatte sich der bekannte Zivilrechtslehrer Prof. Kisch die
Aufgabe gestellt, uns den Begriff „Kunstwerk“ im rechtlichen
Sinne klarzulegen. Seiner Gewohnheit gemäß suchte der un-
gemein beliebte Lehrer eiu recht schlagendes Beispiel aus dem
Leben als Grundlage für die Definition. „Hören Sie“, sagte er
plötzlich, „meine Herren 1“ Ich kam einmal aus Holland, wo ich
mir eine alte wertvolle Porzellansuppenschüssel erstanden hatte,
über die Grenze. Der Zollbeamte sagte: „Kunstgegenstand.
Verzollen!“ Aber mein Herr, es ist eine Suppenschüssel für
den Hausgebrauch!“ „Das machen Sie mir nicht weis“, meinte
der Beamte, „sie hat doch ein Loch“. Nun hatte die Schüssel
tatsächlich, sonst gut erhalten, ein Loch, bei dem freilich jede
Suppe durchgelaufen wäre . . . Kein Einwand half. Ich mußte
wohl verzollen. „Aber warum ?“ fragte ich, „warum soll das
nun ein Kunstwerk sein?“ „Ein Gegenstand, der zu nichts zu
gebrauchen ist, ist ein Kunstwerk“, sagte der Beamte. — Meine
Herren, hier haben Sie die Definition!“
(Napoleonreliquien.) Anfangs Juli wird Sotheby
in London eine Auktion veranstalten, worin aus dem Nachlaß
von Douglas Sladen wertvolle Andenken an Napoleon ver
steigert werden sollen. Es handelt sich da z. B. um einige Aqua
relle von Denizil Ibbetson, die Napoleon darstellen; eines trägt
das Datum „St. Helena, Juli 1817“. Von Bedeutung sind ferner
ANTIKE
TAPISSERIEN
GOBELINS
VERDUREN
MUSEALE
TEPPICHE
Öffentliche Bibliothek Frankl
geöffnet von 9 bis 6 Uhr. Wien I., Kohlmarkt 4
die Papiere Sir Thomas Reade s, der einst Generaladjutant von
Hudson Lowe auf St. Helena war. Napoleon schien anfänglich
für Reade eingenommen zu sein, lehnte es aber später ab, ihn
zu empfangen. Von Reade liegen nun eigenhändige Notizen vor
über die verschiedenen Besuche, die er beim Kaiser machte, da
runter auch ein Bericht über ein Gespräch, das er mit ihm über
den Plan eines Einfalles in England hatte.
MUSEEN.
(Vom Kaiser Friedrich-Museum i n B e r 1 i n.)
In der Gemäldegalerie des Berliner Kaiser Friedrich-Museums
fanden zwei neuerworbene Bilder älterer deutscher Kunst ihren
Platz. Das eine Werk ist ein Porträt der Malerin Anna Doro
thea Therbusch. Dargestellt ist ein älterer Herr in seidenem
Schlafrock, der mit seiner großen, mit bunten Steinen besetzten
Schließe halb orientalischen Charakter hat. Aus venezianischem
Privatbesitz hal die Galerie kürzlich das kleine Gemälde einer
Venus mit Amor erwerben können, das offensichtlich die
Arbeit eines deutschen Künstlers aus dem Kreise der besonders
in ihren Stichen bekannten Gruppen der „Kleinmeister“ ist. Die
kleine Tafel zeigt die nackte Göttin auf einem Ruhebette
sitzend, wie sie ihrem Knaben einen Apfel reicht. Der Ent
stehungsort ist nach den Ausführungen Max J. Fr ie dl anders
in den „Berliner Museen" Nürnberg urn 1525 und die Stilform
die entseelte, verkleinerte, verzierlichte Kunst Dürers in ihrer
letzten Phase. Friedländer nennt mit Sicherheit auch den
Künstler, der die Berliner Tafel gemalt hat: es ist der aus
seinem Monogramm J. B. bekannte Kupferstecher, den Fried
länder für identisch mit Georg P e n c z, dem Schülers Dürers,
erklärt.
(Wiedereröffnung des Waffenmuseums im
Wiener Rathause,) Die Waffensammlung der Stadt Wien
ist wieder der öffentlichen Besichtigung zugänglich. Die inter
essante Sammlung war neun Jahre lang geschlossen. Zu Beginn
des Krieges waren die wertvollsten Objekte in Kisten verpackt
worden, dann mußten in der Kriegs- und Nachkriegszeit die
Räume für Kanzleizwecke verwendet werden. Die Waffensamm
lung bildet eine der bedeutendsten und eindruckvollstcn Abteil
ungen des Historischen Museums der Stadt Wien. Die dort auf
bewahrten Gegenstände umfassen einen Zeitraum von mehr als
400 Jahren.