Flugblätter für Gemäldekunde
Seite 11
Nr. 3
gemein großen Beifall erntete“ (nach Wurzbach). Gegen
Ende 1814 ließ er die „Orpheusharmonie“ öffentlich
hören und noch andere mechanische Musikwerke, wie
das „Panharmonicon“ und eine „Trompetenmaschine“
usw. Auch Leonhard Mälzel wurde, gleich seinem älteren
Bruder, wenn auch erst später, nämlich 1827, k. k. mu
sikalischer Hofkammermaschinist. 1816 produzierte er
sich als Klavierspieler „im Saale zur Aente in der
Schulerstraße“ (Nach Hormayr-Archiv 1830),
Später beschäftigte er sich auch mit dem Vertrieb
des J. N. Mälzel’schen Metronoms. Der angedeutete
Artikel in Hormayr’s Archiv von 1830 ist von F. H.
Böck verfaßt, der Leonhard Mälzel persönlich gekannt
zu haben scheint. Widmet er ihm doch einige Zeilen
in seinem bekannten Nachschlagebuch von 1821 (S. 385
und 417), wo es heißt, „Mälzel, Leonhard, Erfinder des
Orpheusharmonicon, Panharmonicon mit einer Tastatur
von fünf Oktaven. In der Leopoldstadt, Praterstraße
Nr. 520“ Möglicher Weise sind übrigens schon bei
Böckh die Erfindungen des J. N. Mälzel und seines
jüngeren Bruders durcheinander gemischt. Ich halte mich
deshalb von einer scharfen Trennung der Tätigkeit
beider Brüder fern, umso mehr, als fast alle alten Nen
nungen den Vornamen weise verschweigen. Welcher
der Brüder es nun sein mag, vielleicht waren sie auch
beide gemeinsam bei der Sache, so viel ist sicher, daß
es ein Mälzel’sches Kunst-Kabinet in Wien
zur Zeit des Wiener Kongresses gegeben hat. Ver
mutlich hat die Galerie des Hofstatuarius Müller (Deyrn)
zur Eröffnung einer solchen Kunstgalerie angeregt.
„Mälzeis“ Kunst-Kabinet war nämlich gleich derMüller-
schen Galerie mehr ein Panoptikum, als eine Kunst
sammlung. Dennoch enthielt sie einige beachtenswerte
Gemäld e. ln der Zeitschrift „Paris und Wien“ (Band V,
Jahrgang III, S. 363) von 1813 liest man: „Herr Mälzel,
bekannt als einer der vorzüglichsten Mechaniker, hat
seinen regen Sinn für Kunst und deren Verbreitung
ganz besonders dadurch gesprochen, daß er ein Kunst-
kabinet errichtete.“ Eröffnet wurde es durch eine Aus
stellung, in der an erster Stelle der mechanische Trom
peter angeführt wird. Es folgten das Panharmonicon und
die Messerschmidt’schen Charakterköpfe, ferner eine,
wie es heißt „sehr schöne“ Kopie nach Unterber-
ger’s Hebe und „eine optische Darstellung des Brandes
von Moskau von Scheyrer. Gewiß war das ein Guck
kastenbild. Dann folgte Anton Hi ekel.’s „Englische
Parlamentssitzung, als Pitt eine Rede hält“. „Noch be
findet sich in dem Kunstkabinet des Herrn Mälzel ein
Oelgetnälde von Annibal Caracci, welches um
1400 fl. W. W. ausgeboten wird.“ Das Bild zeigte drei
Figuren, einen Greis, in einer Rolle lesend, ferner einer
seits einen sitzenden Mann mit Erhobener Rechten,
anderseits eine „dritte Figur in gespannter Aufmerk
samkeit“.
Die Kopie oder Wiederholung nach U n t e r ber
ge r ’ s Hebe kam zu Kirchlehner und später zu Doktor
Wenzel König und zum Fürsten Schwarzenberg.
Anton Hickl’s Parlamentssitzung war schon vor
der Ausstellung bei Mälzel in Wien auch im benach
barten Baden zu sehen gewesen (vergi. Paul Tausig
„Die erste moderne Galerie Oesterreichs“, 1900). Sie ge
langte von Mälzel in kaiserlichen Besitz und als Geschenk
des Kaisers Franz Josef I. nach England. (Siehe den
Artikel : Kaiserliche Galerie, im Lexikon der Wiener
Gern.) In Baden war das Bild in Hunglinger’s Sammlung
gewesen.
JTeue Erwerbungen des SJluseums der ßitdenden EKünste
in ‘Budapest.
(Franzisko Herrera d. Ae. — Vaccaro.)
Von Dr. Gabriel von Terey, Budapest.
Ein englischer Kunstfreund, der nie in Ungarn ge
wesen, der aber innige Sympathien für dieses Land
hegt, machte unlängst der Galerie alter Meister des
Museums der bildenden Künste in Budapest zwei hoch
herzige Schenkungen. Dieser edle Spender heißt A. L.
Nicholson. In einem an mich gerichteten Briefe schreibt
er: „Unter den gebildeten Leuten Englands war immer
eine tiefe Achtung für die Kultur, die heroischen Tu
genden und die edlen Herzensqualitäten unserer alten
Freunde, des ungarischen Volkes. Jetzt, da die Nebel
des vergangenen unglücklichen Krieges sich verziehen,
schätze ich mich glücklich, durch eine kleine Gabe an
Ihr großes Museum aufs neue etwas von der Achtung
zu bezeugen, die wir Engländer für Ihr romantisches,
künstlerisches und freiheitsliebendes Land empfinden.“
Es war Herr Eugen Boross in Larchmond (New-York),
welcher geleitet von dem patriotischen Gefühle für seine
frühere Heimat (Ungarn) und von dem regen Interesse
für die Budapester Galerie alter Meister, die Aufmerk
samkeit des Mr. Micholson auf unser Museum lenkte.
Herr Boross ist selbst Sammler und besitzt eine präch
tige Galerie alter Meister, aus,, der er im verflossenen
Jahre dem Budapester Museum sechs ausgezeichnete
Werke verehrte. 1
*) Dasselbe Bild existiert in einem um fünf Jahre später
entstandenen zweiten Exemplar (Madrid, Sammlung Läzaro),
welches Herrera 1648 malte. (Abg. in A. L. Mayer’s Geschichte
der Spanischen Malerei, III, Auflage, Seite 304).
Die Schenkungen des Mr. Nicholson bedeuten eine
willkommene Bereicherung der alten |3alerie. In dem
„Heil. Josef mit dem Jesusknaben“ von Francisco de
Herrera d. Ae. (1576—1656) ist von dem ungezü
gelten Temperament dieses Sevillaners nicht viel zu
spüren, denn der Gesichtsausdruck des Josef atmet
Sanftmut und wohltuende Ruhe, vielleicht schon eine
leise Melancholie der Ahnung von dem Schicksal des
Kindes auf seinem Schoße, das, ahnungslos mit der
Dornenkrone spielend, verklärte Innigkeit umstrahlt. Josef
gemahnt in seinem Typus stark an Zurbaran auf dem
Bilde der Budapester Galerie „Die heil. Familie“. Der
leuchtende ockergelbe Mantel mit verhältnismässig an
tiken Gewandflächen dominiert und kontrastriert wohl
tuend zu dem kühleren Ton des graugrünen Gewandes.
Das Jesuskind, in leuchtend karriertem Gewände, mit
der hellblonden Hand, dem rosigen Gesicht und rötlich
gefärbten Fingerspitzen, verrät italienischen Einfluß. Die
weltentrückte Abgeschlossenheit der beiden Gestalten
wird durch den dunkelbewaldeten Hintergrund und die
Felseneinreihung unterstützt. Das Bild atmet die Spät
zeit des Meisters und trägt links unten die volle Sig
natur und die Jahreszahl 1643 2 .
Die zweite Schenkung des Mr. Nicholson ist von
dem neapolitanischen Künstler Andrea Vaccaro (1598
bis 1670). In Neapel, wo er das Licht der Welt er
blickte, wo er seine ganze künstlerische Tätigkeit ent
faltete und auch starb, können wir ihn am besten wür-