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MAK

Full text : Jahrgang 15 (1923) (14/15)

Seite  12

Flugblätter  für  Gemäldekunde

Nr.  3

digen,  denn  seine  Hauptwerke  zieren  die  dortige  Kirche.
Er  war  der  Schüler  des  tüchtigen  Girolamo  Imperato,
gelangte  aber,  wie  so  viele  unserer  Künstler,  bald  unter
den  Einfluß  des  Caravaggio.  Von  größter  und  entscheidendster ­
  Bedeutung  für  seine  weitere  Entwicklung  aber
war,  daß  er  in  Neapel  Gelegenheit  fand,  in  verschiedenen ­
  Palästen  eine  ganze  Reihe  von  Bildern  des  Guido
Reni  kennen  zu  lernen  —  der  Herzog  von  Rocca  besaß
etwa  60  Arbeiten  Renis.  So  ist  auch  zu  begreifen,  daß
Vaccaro  immer  mehr  und  mehr  in  den  Bann  der
Malweise  des  großen  Bolognesers  gelangte.
Mit  der  Erwerbung  der  fürstlich  Esterhazy’schen
Galerie  kam  eine  dreigestaltige  Komposition  Vaccaros
in  den  Besitz  der  damaligen  Nationalgaleriein  Budapest.
Es  ist  der  Moment  dargestellt,  in  dem  eine  Frau  sich
bemüht,  aus  dem  Leibe  des  hl.  Sebastian  einen  Pfeil
zu  ziehen,  während  eine  andere  den  Salbtiegel  bereithält, ­
  seine  Wunden  zu  salben.  Das  Bild  weist  stark
1  *

*)  Juan  Carreno  de  Micanda,  Santiago  di  Compostela  in
Maurenschlacht  (bez.  und  datiert  1660);  Alonso  Miguel  de  Tobar,
Der  hl.  Josef  mit  dem  Christuskind  (monogramiert);  Schiavone,
Christus  auf  dem  Wege  nach  Golgatha;  Seb.  Ricci,  Anbetung
der  Könige;  Nachfolger  des  Antonie  van  Dyck,  Bildnis  eines
Feldherrn  mit  einem  Knappen  und  Pferd;  John  Zoffany,  David
Garrick  und  Susanna  Maria  Cibber.  in  der  Rolle  von  Jaffier  und
Belvidera  in  Thomas  Otway’s  Trauerspiel  „Das  gerettete  Venedig“. ­
  (Reproduziert  in  Schabkunstmanier  von  James  Mac
Ardell,  London'1764).

schwarzbraune  Tiefen  auf,  nur  die  Luft  des  Hintergrundes ­
  ist  leuchtend  blau.  Der  fahlgraue  Ton  an  Kopf
und  Händen  des  Heiligen  und  dessen  grau-braune  Modellierung ­
  in  den  tiefen,  schwärzlichbraunen  Schatten
zeigt  in  erhöhtem  Masse  den  Einfluß  der  Kunst  Caravaggios
  auf  Vaccaro.  Wie  ganz  anders  das  Nicholsonsche
  Bild,  das  in  seiner  jubelnden  Farbenfülle  Renischen
  Geist  atmet.  Es  stellt  die  heil.  Gäcilie  musizierend
und  singend  dar.  Die  Heilige  in  leuchtendem  Inkarnat
der  Jugend  auf  Gesicht  und  Büste  hebt  sich  mit  ihrem
blauen  Gewand,  dem  roten  flatternden  Mantel,  den  eine
Goldschnur  zusammenhält,  ungemein  plastisch  von  dem
dunklen  Hintergründe  heraus.  Ihre  eleganten,  zugespitzten ­
  Finger  bewegen  sich  auf  den  Tasten  des  Musikinstrumentes ­
  und  dem  lieblich  geöffneten  Munde  entsteigen ­
  Töne  ebenso  himmelwärts  gerichtet,  wie  der
verzückte  Blick  der  emporblickenden  Augen.  Auch  der
pausbackige  Engel,  der  die  Musiknoten  hält,  atmet  Fülle
des  Lebens  und  der  Farben.  Das  Bild  trägt  links  unten
das  verschlungene  Monogramm  A.  V.  des  Künstlers.
So  bedeutet  die  hl.  Cäcilie  Vaccaros  eine  willkommene
Bereicherung  der  neapolitanischen  Gruppe  des  Museums, ­
  die  mit  Ausnahme  Luca  Giordanos,  nur  schwach
vertreten  ist.  Was  nun  den  Herrera  anlangt,  so  gehört
er  zu  jenen  schönen  Zufällen,  die  seit  den  Esterhazyschen
  Ankäufen  dazu  beigetragen  haben,  gerade  die  so
viel  bewunderte  spanische  Abteilung  des  Budapester
Museums  zu  vervollständigen.

SRundscfiau.

Wenig  bekannt  ist  die  Tatsache,  daß  unser  geschätzter
Wiener  Bildhauer  Emanuel  P  e  n  d  1  auch  selbst  Maler  ist,  nicht
nur  Malersvater,  ln  den  meisten  Kunstkreisen  kennt  man  als
Maler  nur  Erwin  Pendl,  nicht  Emanuel.  Der  Vater  Bildhauer
verfügt  aber,  wie  ich  wiederholt  bemerken  konnte,  über  eine
ungewöhnliche  Begabung  für  Malerei.  Ohne  für  dieses  Fach
schulmässig  ausgebildet  zu  sein,  malte  er  schon  1866  in  Venedig
sein  Eigenbildnis  in  überraschend  geschickter  Weise.  Bald  danach, ­
  als  der  junge  Bildhauer  etwa  zwanzig  Jahre  alt  war,  porträtierte ­
  er  wieder  in  gelungener  Weise  ein  junges  venezianisches
Mädchen.  Aus  späterer  Zeit  ist  mir  das  gelungene  lebensgroße
Brustbild  des  Bildhauers  Jakob  Glieber  bekannt  geworden,  das
Em.  Pendl  1877  gemalt  hat.  Es  ist  von  packender  Naturwahrheit ­
  und  merkwürdiger  Kraft  und  Kühnheit.  In  seinen  alten
Tagen  malt  der  Bildhauer  Pendl  neuerdings  mit  Glück  allerlei
Bildnisse  u.  a.  solche  auf  politiertem  Holz,  dessen  Maserung
mit  zur  künstlerischen  Wirkung  ausgenutzt  wird.  Ein  gelungenes
Beispiel  dieser  Art  ist  das  Brustbild  des  Kupferstechers  Thomas
Hrnczir.  Fr.
Für  die  B  e  r  n  i  n  i  -  Frage  ist  es  von  Bedeutung,  daß  Urkunden ­
  gefunden  worden  sind,  nach  denen  bisher  eine  Verwechslung ­
  Beminis  mit  Carlo  Pellegrini  anzunehmen  ist
u.  z.  in  Bezug  auf  das  große  Gemälde  im  Studio  del  Mosaico
des  Vatikans  („Cicerone“  1923,  S.  311.)
Bemalte  Leinwand  zu  dekorativen  Zwecken
ist  schon  früh  auch  in  Spanien  vorgekommen.  So  schreibt  1428
Gomez  von  Cibdä-Real,  der  Leibarzt  Königs  Juan  II.  in  einem
Brief  an  Breanda  de  luna  von  einem  prächtigen  Turnier,  bei
dem  man  vier  grosse  Holztürme  errichtet  hatte,  die  mit  bemalter
Leinwand  so  überzogen  waren,  daß  sie  aussahen  wie  Granitstein ­
  (nach  Dr.  J.  Compernaß  „Zur  Kulturgeschichte  Spaniens
im  15.  Jahrhundert“.  Frankfurter  Zeitung,  6.  April  1923.)
Welche  riesigen  Werte  bei  einer  Ausstellung  alter  Bilder
versichert  werden  müssen,  zeigt  die  kürzlich  beschlossene
Ausstellung  belgischerGemälde  imTuilleriengarten
  in  Paris.  Die  Werke,  die  aus  Belgien,  Oesterreich,
England  und  Spanien  geliehen  waren,  wurden  hoch  versichert.

Im  ganzen  betrug  die  Versicherungssumme  75  Millionen  Franks.
Davon  kamen  auf  die  Darstellungen  von  Adam  und  Eva  von
van  Eyck  allein  10  Millionen,  auf  einen  kleinen  Rubens
und  zwei  Breughels  aus  Wien  8  Millionen  Franks,  auf  den
großen  van  Dyck,  den  der  Earl  Spencer  aus  Althorp  hergegeben ­
  hatte,  12  Millionen,  auf  das  aus  dem  Brügger  St.  J  ohannes-Hospital
  geliehene  Diptychon  vonMemling  3  Millionen
Franks.
Ein  mehr  als  vierhundert  Jahre  altes  Bildnis  des  Grafen
von  Essex,  das  vor  drei  Monaten  der  Gräfin  Hereford  gestohlen ­
  worden  war,  ist  jetzt  unter  eigenartigen  Umständen
wieder  entdeckt  worden.  Im  Anschluß  an  einen  in  der  Nähe
von  Glasgow  verübten  Diebstahl  waren  zwei  Männer  in
Schottland  verhaftet  worden,  und  der  Polizei  gelang  es  annähernd ­
  den  Weg  aufzufinden,  den  diese  unerwünschten  Gäste
nach  dem  Verlassen  von  Ashford  Hall,  dem  Wohnsitz  der  Gräfin
Hereford,  eingeschlagen  hatten.  Die  Polizei  entschloss  sich  nun,
die  ganze  Umgebung  von  Middleton-on-the-Hill  zu  durchstöbern.
Unterstützt  von  Pächtern  und  Schülern  durchsuchten  die  Polizeimannschaften ­
  während  eines  Samstags  und  Sonntags  jede  Geländefalte, ­
  jede  Scheune,  kurz  jeden  Winkel,  der  das  gestohlene!'
Gut  hätte  bergen  können.  Als  nun  ermüdet  vom  langen  Suchen
die  Polizisten  am  Sonntag  abends  ihre  Nachforschungen  einstellen ­
  wollten,  entdeckte  eine  Pächterin,  als  sie  mit  einer  Heugabel ­
  in  einer  Hecke  herumstocherte,  einen  Gegenstand,  der  ihr
zuerst  als  abgenütztes  Linoleum  erschien;  es  war  das  wertvolle
Gemälde.  Nur  hatte  es  leider  in  diesem  eigenartigen  Versteck
arg  gelitten  und  viel  von  seinem  Wert  eingebüßt,  der  ursprünglich ­
  tausend  Pfund  Sterling  betragen  hatte.
Mödling.  Im  Schulhaus  in  der  Babenbergersträße  wird  jetzt
eine  kurz  dauernde  Ausstellung  von  alten  und  neuen
Mödlinger  Ansichten  abgehalten.  Die  Ausstellung  ist
sehenswert  und  enthält  neben  geschichtlich  wertvollem  Stoff
(ein  Plan  von  Mödling  aus  dem  Jahre  1781  ist  aus  Privatbesitz
beigestellt  worden)  auch  viele  künstlerisch  bedeutsame  Sachen.
Leider  erlauben  es  die  Zeitumstände  nicht,  ein  Verzeichnis
drucken  zu  lassen.  Fr.

*
—HS
            
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