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Flugblätter für Gemäldekunde
Nr. 3
digen, denn seine Hauptwerke zieren die dortige Kirche.
Er war der Schüler des tüchtigen Girolamo Imperato,
gelangte aber, wie so viele unserer Künstler, bald unter
den Einfluß des Caravaggio. Von größter und entscheidendster
Bedeutung für seine weitere Entwicklung aber
war, daß er in Neapel Gelegenheit fand, in verschiedenen
Palästen eine ganze Reihe von Bildern des Guido
Reni kennen zu lernen — der Herzog von Rocca besaß
etwa 60 Arbeiten Renis. So ist auch zu begreifen, daß
Vaccaro immer mehr und mehr in den Bann der
Malweise des großen Bolognesers gelangte.
Mit der Erwerbung der fürstlich Esterhazy’schen
Galerie kam eine dreigestaltige Komposition Vaccaros
in den Besitz der damaligen Nationalgaleriein Budapest.
Es ist der Moment dargestellt, in dem eine Frau sich
bemüht, aus dem Leibe des hl. Sebastian einen Pfeil
zu ziehen, während eine andere den Salbtiegel bereithält,
seine Wunden zu salben. Das Bild weist stark
1 *
*) Juan Carreno de Micanda, Santiago di Compostela in
Maurenschlacht (bez. und datiert 1660); Alonso Miguel de Tobar,
Der hl. Josef mit dem Christuskind (monogramiert); Schiavone,
Christus auf dem Wege nach Golgatha; Seb. Ricci, Anbetung
der Könige; Nachfolger des Antonie van Dyck, Bildnis eines
Feldherrn mit einem Knappen und Pferd; John Zoffany, David
Garrick und Susanna Maria Cibber. in der Rolle von Jaffier und
Belvidera in Thomas Otway’s Trauerspiel „Das gerettete Venedig“.
(Reproduziert in Schabkunstmanier von James Mac
Ardell, London'1764).
schwarzbraune Tiefen auf, nur die Luft des Hintergrundes
ist leuchtend blau. Der fahlgraue Ton an Kopf
und Händen des Heiligen und dessen grau-braune Modellierung
in den tiefen, schwärzlichbraunen Schatten
zeigt in erhöhtem Masse den Einfluß der Kunst Caravaggios
auf Vaccaro. Wie ganz anders das Nicholsonsche
Bild, das in seiner jubelnden Farbenfülle Renischen
Geist atmet. Es stellt die heil. Gäcilie musizierend
und singend dar. Die Heilige in leuchtendem Inkarnat
der Jugend auf Gesicht und Büste hebt sich mit ihrem
blauen Gewand, dem roten flatternden Mantel, den eine
Goldschnur zusammenhält, ungemein plastisch von dem
dunklen Hintergründe heraus. Ihre eleganten, zugespitzten
Finger bewegen sich auf den Tasten des Musikinstrumentes
und dem lieblich geöffneten Munde entsteigen
Töne ebenso himmelwärts gerichtet, wie der
verzückte Blick der emporblickenden Augen. Auch der
pausbackige Engel, der die Musiknoten hält, atmet Fülle
des Lebens und der Farben. Das Bild trägt links unten
das verschlungene Monogramm A. V. des Künstlers.
So bedeutet die hl. Cäcilie Vaccaros eine willkommene
Bereicherung der neapolitanischen Gruppe des Museums,
die mit Ausnahme Luca Giordanos, nur schwach
vertreten ist. Was nun den Herrera anlangt, so gehört
er zu jenen schönen Zufällen, die seit den Esterhazyschen
Ankäufen dazu beigetragen haben, gerade die so
viel bewunderte spanische Abteilung des Budapester
Museums zu vervollständigen.
SRundscfiau.
Wenig bekannt ist die Tatsache, daß unser geschätzter
Wiener Bildhauer Emanuel P e n d 1 auch selbst Maler ist, nicht
nur Malersvater, ln den meisten Kunstkreisen kennt man als
Maler nur Erwin Pendl, nicht Emanuel. Der Vater Bildhauer
verfügt aber, wie ich wiederholt bemerken konnte, über eine
ungewöhnliche Begabung für Malerei. Ohne für dieses Fach
schulmässig ausgebildet zu sein, malte er schon 1866 in Venedig
sein Eigenbildnis in überraschend geschickter Weise. Bald danach,
als der junge Bildhauer etwa zwanzig Jahre alt war, porträtierte
er wieder in gelungener Weise ein junges venezianisches
Mädchen. Aus späterer Zeit ist mir das gelungene lebensgroße
Brustbild des Bildhauers Jakob Glieber bekannt geworden, das
Em. Pendl 1877 gemalt hat. Es ist von packender Naturwahrheit
und merkwürdiger Kraft und Kühnheit. In seinen alten
Tagen malt der Bildhauer Pendl neuerdings mit Glück allerlei
Bildnisse u. a. solche auf politiertem Holz, dessen Maserung
mit zur künstlerischen Wirkung ausgenutzt wird. Ein gelungenes
Beispiel dieser Art ist das Brustbild des Kupferstechers Thomas
Hrnczir. Fr.
Für die B e r n i n i - Frage ist es von Bedeutung, daß Urkunden
gefunden worden sind, nach denen bisher eine Verwechslung
Beminis mit Carlo Pellegrini anzunehmen ist
u. z. in Bezug auf das große Gemälde im Studio del Mosaico
des Vatikans („Cicerone“ 1923, S. 311.)
Bemalte Leinwand zu dekorativen Zwecken
ist schon früh auch in Spanien vorgekommen. So schreibt 1428
Gomez von Cibdä-Real, der Leibarzt Königs Juan II. in einem
Brief an Breanda de luna von einem prächtigen Turnier, bei
dem man vier grosse Holztürme errichtet hatte, die mit bemalter
Leinwand so überzogen waren, daß sie aussahen wie Granitstein
(nach Dr. J. Compernaß „Zur Kulturgeschichte Spaniens
im 15. Jahrhundert“. Frankfurter Zeitung, 6. April 1923.)
Welche riesigen Werte bei einer Ausstellung alter Bilder
versichert werden müssen, zeigt die kürzlich beschlossene
Ausstellung belgischerGemälde imTuilleriengarten
in Paris. Die Werke, die aus Belgien, Oesterreich,
England und Spanien geliehen waren, wurden hoch versichert.
Im ganzen betrug die Versicherungssumme 75 Millionen Franks.
Davon kamen auf die Darstellungen von Adam und Eva von
van Eyck allein 10 Millionen, auf einen kleinen Rubens
und zwei Breughels aus Wien 8 Millionen Franks, auf den
großen van Dyck, den der Earl Spencer aus Althorp hergegeben
hatte, 12 Millionen, auf das aus dem Brügger St. J ohannes-Hospital
geliehene Diptychon vonMemling 3 Millionen
Franks.
Ein mehr als vierhundert Jahre altes Bildnis des Grafen
von Essex, das vor drei Monaten der Gräfin Hereford gestohlen
worden war, ist jetzt unter eigenartigen Umständen
wieder entdeckt worden. Im Anschluß an einen in der Nähe
von Glasgow verübten Diebstahl waren zwei Männer in
Schottland verhaftet worden, und der Polizei gelang es annähernd
den Weg aufzufinden, den diese unerwünschten Gäste
nach dem Verlassen von Ashford Hall, dem Wohnsitz der Gräfin
Hereford, eingeschlagen hatten. Die Polizei entschloss sich nun,
die ganze Umgebung von Middleton-on-the-Hill zu durchstöbern.
Unterstützt von Pächtern und Schülern durchsuchten die Polizeimannschaften
während eines Samstags und Sonntags jede Geländefalte,
jede Scheune, kurz jeden Winkel, der das gestohlene!'
Gut hätte bergen können. Als nun ermüdet vom langen Suchen
die Polizisten am Sonntag abends ihre Nachforschungen einstellen
wollten, entdeckte eine Pächterin, als sie mit einer Heugabel
in einer Hecke herumstocherte, einen Gegenstand, der ihr
zuerst als abgenütztes Linoleum erschien; es war das wertvolle
Gemälde. Nur hatte es leider in diesem eigenartigen Versteck
arg gelitten und viel von seinem Wert eingebüßt, der ursprünglich
tausend Pfund Sterling betragen hatte.
Mödling. Im Schulhaus in der Babenbergersträße wird jetzt
eine kurz dauernde Ausstellung von alten und neuen
Mödlinger Ansichten abgehalten. Die Ausstellung ist
sehenswert und enthält neben geschichtlich wertvollem Stoff
(ein Plan von Mödling aus dem Jahre 1781 ist aus Privatbesitz
beigestellt worden) auch viele künstlerisch bedeutsame Sachen.
Leider erlauben es die Zeitumstände nicht, ein Verzeichnis
drucken zu lassen. Fr.
*
—HS