MAK
Nr. 18/19 
Internationale Sammler-Zeitung Seite 133 
gtieder. — 7. Oktober, 10 Uhr : Zweite Kunstwanderung „Orien 
tierende Führung durch die Liechtensteingallerie“ unter Leitung 
des Obermedizinalrates Dr. Adolf Krön fei d. — 15. Oktober, 
7 Uhr abends im Wissenschaftlichen Klub, VI. Dreihufeisengasse 
Nr. 1 Vortrag mit Lichtbildern des Kunsthistorikers Univers. 
Dozenten Dr. Leo Grün stein: „F. H. Füger in seinen Be 
ziehungen zu Ungarn." Bei allen Veranstaltungen sind die Mit 
gliedskarten vorzuweisen. Neuanmelduhg von Mitgliedern unter 
Angabe der Beschäftigung an die Adresse des Kaffee Silier, 
(Wien I., Laureinserberg 4.) 
(Die Münchener Neue Sezession) hat in der Moder 
nen Galerie Thannhauser in München ihre diesjährige Gra 
phische Ausstellung eröffnet. Die Ausstellung enthält Aquarelle, 
Zeichnungen und Drucke. 
(Freilegung einer Römerkolonie bei Spa- 
lato.) In dem zur Stadtgemeinde Spa lato gehörigen serbo 
kroatischen Dorf Salona, das an der Stelle der alten Haupt 
stadt der römischen Kolonie Salonae steht, haben Dr. Ara 
mio und Dr. Karanon Grabungen unternommen, bei denen sie 
die Fundamente einer römischen Basilika aus dem sechsten 
Jahrhundert fanden. Das Mosaik des Bodenbelages ist noch un 
versehrt erhalten, obwohl Teile von den Bauern des Ortes ver 
schleppt wurden, die mit den bunten Steinen ihre Hütten schmück 
ten. Die Verwaltung des archäologischen Museums in Spalato 
ist nicht in der Lage, das Geld für weitere Ausgrabungen auf 
zubringen, und die Regierung in Belgrad hat den Antrag auf 
staatliche Unterstützung ablehnen müssen. Jetzt sind in Spalato 
dänische Archäologen eingetroffen, die die'Ausgrabungen in 
der Umgegend des römischen Amphitheaters und der großen 
Basilika, die zu den hervorragenden Resten der altrömischen 
Kolonie gehören, auf eigene Kosten unternehmen. Welche Schätze 
hier noch der Hebung harren, läßt der Umstand erwarten, daß 
bei der Niederlegung der Stadtmauern von Esseg in geringer 
Tiefe römische Goldmünzen gefunden wurden, die die Arbeiter 
zu hohem Preis verkauft haben. 
(Kunstverluste in Japan.) Wie der „Corriere della Sera“ 
erfährt, ist beim Erdbeben in Tokio die Sammlung europäischer 
Kunstwerke des Japaners Matsukata zerstört worden. Zu ihr 
gehörten u. a. mehrere Werke des italienischen Bildhauers 
Leonardo Bistolfi und zwei Gemälde Giovanni Segantinis, 
„Die Schafschur“ und das Durchwaten des Baches“. Matsukata 
hatte diese Bilder vor Jahren in Mailand gekauft. 
(Womit die Kinder der Pharaonen spielten.) 
Wie jedes bedeutsame geschichtliche Ereignis, hat auch die 
religiöse Umwälzung, die unter der Regierung Tutankhamens 
in Aegypten erfolgte, ihre Rückwirkung auf die Gestaltung des 
Kinderspielzeugs nicht verfehlt. Die Körper der Puppen aus 
jener Zeit sind nach Ausweis der gemachten Funde flach ge 
arbeitet und sorgsam mit allerhand symbolischen Verzierungen 
bemalt. Die hellen Farben dieser Malerei dürften den Kindern 
indessen mehr Spaß gemacht haben, als die Deutung der reli 
giösen Zeichen, die sie darstellten. Auf einer der Puppen sieht 
man die sauber ausgeführte Zeichnung eines Schweins, ein 
Zeichen, daß schon vor drei Jahrtausenden das Glücksschwein 
kein unbekannter Begriff war. Besondere Sorgfalt ist bei den 
altägyptischen Puppen der Anordnung des Kopfhaares gewidmet, 
das in der kunstvollen Weise des Kopfputzes der Pharaonen 
angeordnet ist. Die Puppen sind sehr dauerhaft gearbeitet und 
wurden, wie ihr Zustand beweist, in den Kinderstuben hart mit 
genommen. Der Körper endet nicht in Beinen, sondern läuft in 
einen löffelähnlichen Handgriff aus, der ein bequemes Handhaben 
der Puppe gestattete. Die aufgefundenen Muster schwanken in 
der Länge von zehn bis fünfzehn Zentimeter und zeigen die 
heute noch übliche Puppengröße. Die erste mit einem weichen 
Balg ausgestattete Puppe stammt aus der ägyptisch-römischen 
Zeit des dritten Jahrhunderts vor Christus. Sie wurde in Behnesch 
während der Ausgrabungen im Jahre 1896 gefunden. Der Kopf 
ist aus Leinwand gearbeitet, das Haar künstlich frisiert, doch 
fehlt der Puppe ein Arm und ein roter Wollappen kann als 
Zeichen dafür gelten, daß man damals schon Puppenkleider 
kannte. Aus derselben Zeit stammt das Bruchstück einer Puppe, 
deren leinerner Balg mit Papyrusschnitzeln ausgeStopft ist. ' 
Wiederholt wurden auch in den Gräbern hell bemalte, aus Lehm 
geknetete Bälle gefunden, deren Größe zwischen der einer 
Marmel und der eines Tennisballs schwankt. Sie lassen darauf 
schließen, daß die Knaben im alten Aegypten schon das Ball 
spiel kannten. Das beweisen auch die vielen mit blauer und 
grauer Glasur überzogenen Bälle, die man allenthalben gefunden 
hat, und ein Lederball, der genau die Teilung zeigt, wie unser 
heutiger Tennisball, und der beweist, daß wir nach dieser 
Richtung keinen wesentlichen Fortschritt gemacht haben. Im 
Museum von Leyden kann man sogar ein mechanisches Spiel 
zeug der Aegypter sehen. Es ist eine Puppe mit beweglichen 
Armen und Beinen, in Gestalt eines Mannes, der in einem vor 
ihm stehenden Trog Brotteig knetet. Die Bewegung der Arme 
wird durch Schnüre bewerkstelligt. Auf die gleiche Art werden 
auch die Kinnbacken eines dort befindlichen 15 Zentimeter großen 
Löwen bewegt, der seinen Rachen in recht naturgetreuer Weise 
aufreißt und schließt. 
ANTIKE 
TAPISSERIEN 
r- i 
GOBELINS 
VERDUREN 
MUSEALE 
TEPPICHE 
Öffentliche Bibliothek Frankl 
geöffnet von 9 bis 6 Uhr. Wien 1., Kohlmarkt 4 
MUSEEN. 
(Von den Berliner Museen.) Die Leitung der In 
disch-Asiatischen Abteilung des Berliner Museums für Völker 
kunde ist nunmehr dem Kustos dieser Abteilung, Professor Dr. 
Le Coq, übertragen worden. Gleichzeitig wurde der Direktor 
der üstasiatischen Abteilung, Prof. Dr. F. W. K. Müller, von 
der ihm mit übertragenen Leitung der Indischen Abteilung ent 
bunden. Le Coq, dem die Amtsbezeichnung Direktor beigelegt 
wurde, ist mit Grünwedel der Leiter der preußischen Turfan- 
Expeditionen und damit Begründer der großartigen zentral- 
asiatischen Sammlungen der Berliner Museen gewesen. 
(Das Kunstgewerbemuseum der Ostmark.) In dem 
alten Ordensschloß Rauschen bei Königsberg ist jetzt das 
Kunstgewerbemuseum der Ostmark untergebracht worden. Hier 
werden die Gemäldegalerie, das Kunstgewerbemuseum, das 
Prussia- und Ethnographische Museum vereinigt. Die Neuauf 
stellung der kunstgewerblichen Sammlungen stammt von Dr. 
Ernst Klar vom Berliner Schloßmuseum. Keramik ist darin reich 
vertreten. Von Interesse ist die Feststellung, daß in Königsberg 
eine Fabrik von Ehrenreich und Hunger um 1780 entstand, die 
Steingut verfertigte. Ehrenreich kam aus Stralsund. Gut ist in 
der Rauschener Sammlung besonders auch das Schmiedehand 
werk vertreten, das im Osten trefflich gepflegt worden ist. 
VOM KUNSTMARKT. 
(Kunstsammlung aus Schloß Feistritz.) Vom 26. bis 
28. November erfolgt in der Kunstabteilung des Wiener Doro- 
theums die Versteigerung der Freiherrlich Dietrich’schen 
Kunstsammlung aus Schloss Feistritz, von der vor allem die 
kostbaren alten Möbel hervorgehoben seien. Zwei Garnituren, 
von denen die eine aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts aus 
12 Sesseln, die andere aus dem 17. Jahrhundert aus 10 Stühlen 
und einem Diwan besteht, haben Sitz- und Lehnenpolster in 
reichster farbenprächtiger petit-pomt-Stickerei, figurale Szenen 
in grotesker, ornamentaler Umrahmung und sind infolge ihrer 
Vollzähligkeit von überaus großer Seltenheit. Ein Gobelin aus 
der Werkstatt des Jan van der Borght aus Brüssel um 1710 
mit der Darstellung einer kriegerischen Szene ist eine der schön 
sten Tapisserien, welche in der letzten Zeit auf den Markt 
kamen. Kostbare geschnittene Krystalldeckelpökale, darunter ein 
Unical aus der Potsdamer Glashütte, sowie 11 Gläser mit bun 
ten Darstellungen landschaftlicher und figuraler Art, signierte 
Arbeiten des Gottlob Mohn, verdienen besondere Erwähnung, so 
auch einige schöne Möbelstücke, ein intarsiertes Kabinet aus
	        
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