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Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. 3 
mälde, „Die Grablegung Christi“, gestohlen. Es handelt sieh um 
eine selten schöne Kopie des Bildes von Caravaggio, 
dessen Original sich im Vatikan befindet. 
(D i e E c h t h e i t von Dürers Zeichnungen zu 
den Münchener Aposteln.) Die Seemann’sche „Kunstchr.“ 
bringt eine wertvolle Disk ssion über die Frage der Echtheit 
der Zeichnungen, die zu den Köpfen von Dürers Apostel 
bildern in München vorhanden sind. Zwei dieser Zeichnungen, 
nämlich der Markus- und der Pauluskopf, die sich im Berliner 
Kupferstichkabinett befinden, liegen der Erörterung zugrunde. 
Geheimrat W ö 1 f f 1 i n hatte die auch von Voll aufgeworfene 
Frage nach der Echtheit verneint. Dr. Elfried Bock bringt nun 
eine eingehende Untersuchung der Blätter mit dem Resultat, daß 
es sich um eigenhändige Werkzeichnungen Dürers 
handelt, die aber durch eine f r emde Hand eine weiß gehöhte, 
wieder abblätternde Bearbeitung erfahren haben müssen. 
Eine Rolle spielt in dieser Frage auch das kleine Aederchen, 
das bei der Pauluszeichnung als gezackte Diagonale aus dem 
linken Augenwinkel im Augapfel nach rechts hinaufführt. Es ist 
auch auf dem Gemälde sichtbar; da ist es aber kein Aederchen, 
sondern ein alter Bruch in der Bildhaut. Im gleichen Heft nimmt 
auch Wölfflin nochmals das Wort, um seine früheren Aeußer- 
ungen berichtigend und ergänzend festzustellen, daß es sich um 
Zeichnungen größten Formats handelt, für die es in Dürers 
Werk keine Analogie gibt, die doch nur erste Entwürfe sind und 
wo mit einem Sinne für das Wirkungsganze gearbeitet ist, daß 
die Rücksicht auf die Naturform und auf das Dekorative in der 
Bildung der Linie stellenweise ganz aussetzt. Wölfflin verspricht, 
auf den Spätstil Dürers zurückzukommen und stellt hiemit sein 
Einvernehmen mit der offiziellen Dürer-Meinung fest. 
(Fund kostbarer Holzschnitte). Bei den Kata 
logisierungsarbeiten in der Sludienbibliothck zu Linz ergab 
die nähere Untersuchung des von Moder ergriffenen und des 
halb zur Ausbesserung beisotegelegten Einbandes des Codex 
Theodosianus, Basel, Ad. Petri 1528, daß die Deckelfüllung außer 
Fragmenten von Handschriften und Drucken vier kostbare 
Holzschnitte barg: ein Ecce homo, eine Marter des heil. 
Laurentius, das Wappen des Papstes Innozenz VIII., alle drei 
koloriert, und eine Anbetung der Hl. drei Könige, die die Kopf 
leiste eines Kalenders bildet. Dieser dürfte vor der Beschneidung 
durch den Buchbinder 36.5 X 26 cm groß gewesen sein, noch 
größer das Ecce homo, dessen Rückseite er vorstellt. Die An 
betung der Hl. drei Könige ist 24 cm lang und nicht ganz 
10 cm breit, die Marter des hl. Laurentius hat die Maße 24.7x 
17.2 cm, das päpstliche Wappen 40 •> 27 cm. Es handelt sich 
also um Blätter von beträchtlicher Größe. Die Erhaltung ist in 
Anbetracht ihrer Verwendung und ihres Alters gut. Sie stammen 
aus dem Ende des 15. Jahrhunderts. Dies erhellt schon 
aus der Art der Technik und wird durch andere Anhaltspunkte 
bestätigt. Das Wappen vor allem muß in die Zeit des Ponti 
fikates (1484-—92) fallen, der Kalender weist zwar keine Datie 
rung auf, ist aber, wie eine Berechnung ergibt, auf das Jahr 
1497 gedruckt. Was die Herkunft der Stücke anlangt, so würde 
man zunächst an Basel denken, woher eben Buch und Einband 
stammen, aber die Sprache des Kalenders (z. B. buschoff für 
Bischof) und die Hervorhebung der Heiligen Gereon und Kuni 
bert darin, weisen auf den Niederrhein, im besonderen in 
die Gegend von Köln. Es ist nicht verwunderlich, daß sie der 
Handelsverkehr soweit rheinaufwärts gebracht hat. Das päpst 
liche Wappen kann und wird indes in Basel hergestellt sein. 
Die Frage ist, ob der Kalender auf die Rückseite des 
Ecce Home gedruckt ist oder umgekehrt. Zweifellos ist das 
erstere der Fall; das läßt sich nämlich aus dem Lageverhältnis 
der Platten erkennen. Das Bild war also schon Makulatur, als 
man die leere Rückseite mit dem Kalender bedruckte. 
(Spaß muß sein!) Ein Berliner Blatt meldet mit ganz 
ernstem Gesicht, daß in dem ersten Hotel der Stadt eine neue 
Kunsthandlung mit einem Grundkapital von zwei Millionen 
500.000 Mark gegründet worden sei. Pince-sans-rire nennt man 
auf französisch sehr bildhaft solche trocknen Witzmacher. Es 
fehlt nur die Hinzufügung, ob das Kapital der neuen Aktien 
gesellschaft in einem ganzen Bild oder in einem Anteil an 
einem importanteren Werke angelegt ist, vielleicht einem Drittel 
von einem Jan Steen oder so etwas. Besonders würde diese 
Gründung den amerikanischen Gästen des Hauses imponieren, 
da das Kapital über 300 Dollar beträgt. Doch es handelt sich 
wohl nur um einen Spaß. 
MUSEEN. 
(Neuerwerbungen der Albertina.) Aus der Fülle 
der Blätter, die im vorigen Jahre hinzukamen, wären hervor 
zuheben : ein ganzer Stock von frühen französischen und deut 
schen Lithographien, ferner Blätter von Gericault, Delacroix, 
Miller, Merion, Wisthler. Von den zeitgenössischen Künstlern 
haben Liebermann, Corinth und Slevogt umfassende Vertretung 
gefunden, Munch und Nolde wurden' wesentlich ergänzt. Fer 
dinand Schmutzer hat einen großen Teil seiner seit 1914 ge 
schaffenen Werke der Albertina geschenkl. Auch in der 
Abteilung der Handzeichnungen wurde die Zeit seit 1800 plan 
gemäß ausgebaut. Dem mittlerweile nach den Bestimmungen 
des Abbaugesetzes in den Ruhestand getretenen Direktor Hofrat 
Dr. Meder gelang sozusagen vor Torschluß noch die Er 
werbung der Gil-Blas-Serie von Pettenkofen und einer 
Reihe von feinen Liebermanns aus allen Stadien seines 
Schaffens. Der neue Leiter des Instituts Professor Dr. Stier 
hat aus den Erträgnissen der Leipziger Doublettenauktion nebst 
erlesenen Graphiken eine Reihe exquisiter Zeichnungen mitge 
bracht, darunter solche von M i 11 e t, Fragonard, ein Blumen 
aquarell von Huysum, das zu den allerbesten des Künstlers 
gehört, eines der im Handel äußerst seltenen Aquarelle des Ber 
liner Malers Karl Blechen vom Anfang des 19. Jahrhunderts. 
Dazu kommt eine Serie von künstlerisch bedeutsamen Architek 
turen, meist Italiener des 17. und 18. Jahrhunderts, die den 
alten Bestand der Stoßschen Sammlung aus der Gründungszeit 
der Albertina wertvoll ergänzen, und für Wien wichtige Blätter, 
so die Fassade des Savoyschen Damenstiftes. 
(Das Museum der schönen Künste in Buda 
pest) hat von Herrn Eugen B o r o s s in Newyork, der erst 
vor einigen Monaten aus seiner.reichhaltigen Gemäldekollektion 
dem Budapester Museum Carrenos heiligen Jakobus von Com- 
postella zu Pferde, wie er die Mauren niederkämpft, geschenkt 
hat, ein Gemälde von Alfonso Miguel de Tobar (1678-1758) 
zum Geschenk erhalten. Tobar gehört zu der Gruppe der 
Murillo nahestehenden Künstler, seine Arbeiten werden heute 
noch mit denen Murillos verwechselt. Das ist ein charakteristi 
sches und signiertes Bild des Künstlers und stellt den heiligen 
Josef dar, der in den Armen das Christuskind hält. 
(Neuerwerbungen der Berliner Museen.) Den 
Sammlungen der Berliner Museen sind im letzten Monat eine 
ganze Reihe wertvoller Geschenke zugefallen. An erster Stelle 
genannt sei darunter eine Gabe von Kommerzienrat Jacques 
Mühsam für das Schloßmuseum, eine Berliner Porzellanvase, 
die für die Hochzeit der Königin Luise 1793 als „lampe nupliale“ 
angefertigt worden ist. Unter den als Geschenke ins Kupferstich 
kabinett gelangten Zeichnungen alter Meister steht an erster 
Stelle ein mit Fragezeichen Albrecht Dürer zugeschriebenes 
federgezeichnetes Blatt, ein Stilleben mit einer Kiste, einem 
Sack und Tintenfaß. Der Passauer Maler der Renaissancezeit, 
Wolf Huber, hat kaum etwas Schöneres gezeichnet wie die 
Verklärung Christi, die jetzt der Sammlung gestiftet worden ist. 
Von neueren Meistern kam ein bisher unbekannter und unbe 
schriebener Steindruck Menzels al§ Geschenk in das Kabinett, 
„Die letzte Stunde vom Hause Napoleon“. Blätter Lieber 
manns, Pechsteins, E. L. Kirchners wurden ferner der 
graphischen Sammlung gestiftet. 
(Reorganisation des Kölner Museums.) Der 
Kölner Museumsdirektor Professor Schaefer hatte Vorschläge 
ausgearbeitet, die, 1920 von der Kölner Stadtverwaltung ge 
nehmigt, das Kunstgewerbemuseum und die mittel 
alterliche Abteilung des Wallraf-Richartz -Museums 
seiner Leitung unterstellten, während für die neuere Abtei 
lung inzwischen Dr. Hans F. S e c k e r aus Danzig als Direktor 
berufen wurde. Da gegen die Schäferschen Pläne inzwischen 
aber Einwände laut wurden, berief die Stadtverwaltung Geheim 
rat F r i e d 1 ä n d e r vom Berliner Museum zu einer gutacht 
lichen Aeusserung, die sich in allen Punkten zugunsten der ur 
sprünglichen Pläne Schäfers aussprach. Die Stadtverwaltung 
hat sich infolgedessen den Vorschlägen Schäfers angeschlossen. 
Es ist damit zu rechnen, dass bis zum Frühjahr die neu auf 
gestellte Kölnische Abteilung durch eine ganze Anzahl bisher 
in den Depots vergrabener wertvoller Bilder bereichert und 
durch dazwischen eingereihte Bildwerke ergänzt, zum erstenmal 
ein ganz geschlossenes Bild von dem bedeutenden malerischen 
Schaffen Kölns im späten Mittelalter geben wird. 
VOM KUNSTMARKT. 
(AntiquitätenhandlungSchidlof&Fornach.) 
Herr Blasius F o r n a c h, der durch viele Jahre im Kunstauktions 
hause Leo Schidlof, I., Tuchlauben 8, als Prokurist tätig war, 
ist aus dem Auktionshause geschieden und hat unter der Firma 
„Schidlof & Fornach“, L, Krugerstraße 18, eine Antiqui 
tätenhandlung eröffnet. Die Firma besitzt ein reichhaltiges Lager 
von Gemälden alter und moderner Meister, erstklassigen Minia 
turen, Porzellanen, Glas, Möbeln, Teppichen, Vitrinenobjekten etc. 
(Interessante Aquarellporträts unter dem 
Hammer.) Bei der Februar-Versteigerung des Auktionshauses 
Glückselig&W ärndorfer, Wien, IV, Mühlgasse Nr 28— 
30, kommt neben sehr wertvollem Mobiliar der Erapire- 
z e i t eine Anzahl interessanter Aquarell-Porträts unter 
den Hammer. Wir finden da von Johann Ender eine junge 
Schönheit von ungewöhnlichem Reiz, von Albert The e r ein 
Porträt des Barons Reicher, von Schrotzberg ein Porträt 
o? r . Kaiserin Elisabeth, von Karl Göbel eine aquarellierte 
Bleistiftzeichnung, „Adelaide Ristori als Maria Stuart“ darstel 
lend, ferner Porträts von A n r e i t e r, Decker, F, L i e d e r
	        
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