Nr. 19
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Internationale Sammler-Zeitung
stimmten Räume nicht mehr, und so kann es denn Vorkommen,
daß selbst Gemälde der größten Meister unverkäuflich sind,
wenn sie durch ihr Format eine praktische Verwendung unmöglich
machen. Dies Schicksal erlitten kürzlich bei der Versteigerung
von Gemälden aus dem Besitze des Herzogs von Westminster
drei Riesenstücke von Rubens, die zunächst ein
großes Publikum angezogen hatten. Das eine dieser Bilder mißt
15 zu 17 Fuß, und die beiden anderen gaben ihm an Größe nur
wenig nach. Als schließlich für alle drei Werke nur 2300 Guineen
geboten wurden, zog man die Kolossalgemälde zurück.
NUMISMATIK.
(Wie ist das Papiergeld entstanden?) Inder
Bibliothek zu Heidelberg befindet sich eine alte Handschrift
von Antonio Agapida vom Jahre 1487 über die Eroberung
Granadas. In dieser Handschrift erzählt der Verfasser, daß der
Graf T e n d i 11 a bei der Belagerung der Festung Alhania im
Jahre 1484 kein Geld mehr besaß, seinen Soldaten den Sold
zahlen zu können. Als diese, darüber unzufrieden, zu murren
begannen, schrieb Tendilla verschiedene Nummern auf kleine
Stücke Papier, schrieb seinen Namen darunter und verteilte sie
anstatt der Löhnung an seine Kriegsleute. An das Volk jedoch
erließ er eine Weisung, diese Zettel anstatt des Geldes in Zahlung
zu nehmen und den Soldaten die geforderten Waren dafür
zu überlassen; wer dieser Weisung nicht nachkomme, solle mit
harter Strafe belegt werden. Natürlich kam dadurch, daß das
Papier seinen Besitzer öfters wechselte, dasselbe bald allgemein
in Umlauf, und der Chronist setzt hinzu, daß der Graf später,
„redlich und christlich“, sein Wort eingelöst habe. Daß war der
Uranfang des Papiergeldes, welche Idee dann aber sehr bald
von den Kaufleuten der damaligen Zeit verwertet wurde.
PHILATELIE.
(N e u h e i t e n.) Zum fünfzigjährigen Jubiläum des Weltpostvereines
werden neue deutsche Briefmarken mit dem Bildnis
des ersten Generalpostmeisters v. Stephan ausgegeben.
(Eine Markensammlung für den ehemaligen Erzherzog
Otto.) Aus Budapest wird uns gemeldet: Ungarische
Aristokraten ließen eine Markensammlung im Werte von einer
Milliarde zusammenstellen, die sie dem ältesten Sohn des verstorbenen
Kaisers Karl, dem ehemaligen Erzherzog Otto, zum
Geschenk machen wollen. Ein Teil der Sammlung wurde bei
der jüngsten philatelistischen Ausstellung in Budapest gezeigt.
Die Marken wurden auf Kartons angebracht, die mit Zeichnungen
des Professors Haranghy versehen sind. Das Album umfaßt
sämtliche ungarische Marken, beginnend mit den lithographischen
Marken aus dem Jahre 1871 bis zu den neuesten Marken der
Gegenwart.
VERSCHIEDENES.
(Ministerpräsident Herriot als Sammler.) Aus
Paris wird gemeldet: Der französische Ministerpräsident Herriot
ist als eifriger Sammler bekannt; er hat dafür die feine
Nase, und wenn er in eine fremde Hauptstadt kommt, ist sein
erstes, die offiziellen Vertreter des Landes besuchen, sein zweites,
nach den Antiquaren Umschau halten. In Moskau verfehlte er
einmal ein Diner, das ihm Tschitscherin angeboten hätte,
weil er mit einem Händler über eine Originalausgabe von
Diderot nicht einig werden konnte. Trotz der erdrückenden
Arbeit in London fand er doch noch Gelegenheit, in den Antiquariaten
herumzustöbern, wobei er aus leicht begreiflichen
Gründen allein sein wollte. Einmal kam er — zu spät, aber das
Gesicht voller Heiterkeit, zu einer Konferenz; er verließ sie
bereits wieder vor Schluß und jedermann fragte sich, was wohl
in den gewissenhaften und fleißigen Politiker gefahren sein
möge. Nach einer Stunde kam er wieder und vertraute seinem
Freunde Bergery an: er hatte irgendwo die Anklageschrift der
Mörderin Marats, Charlotte Corday, entdeckt und um 4000
Franken an sich gebracht. „Wenn sie jetzt nur wirklich echt ist!“
äußerte er besorgt. In Paris ließ er sie vom Archivar der Nationalbibliothek
begutachten und war außer sich vor Freude, als
dieser ihm die Authentizität bestätigte.
(Kunst- und Antiquitätenausstellung in
Innsbruck.) Aus Innsbruck wird uns berichtet: Im ersten
Stock des rückwärtgen Traktes der Hofburg, dem früheren Präsidiumssaal
und einem Vorraum, hat die Genossenschaft der
Antiquitätenhändler Tirols in sorgfältiger Auswahl eine Ausstellung
veranstaltet, die einen Begriff von der Reichhaltigkeit
und Vielfältigkeit des Innsbrucker Antiquitätenhandels geben
soll. Schon der Treppenaufgang ist mit Teppichen und Kunstgegenständen
geziert, im Hauptraum ist die Fülle der Ausstellungsobjekte
untergebracht. Neben kostbaren Teppichen,
alten Gemälden, Erzeugnissen der kirchlichen Kunst, gotischen
Heiligenstatuen, Paramentenarbeiten usw. sind besonders prachtvolle
Möbel in Barock- und Biedermeierstil vertreten, ln großen
Glasvitrinen sind Erzeugnisse der Goldschmiedekunst, des Graveurgewerbes
usw. ausgestellt; so hat die Firma Leop. Fuchs
eine besonders reiche Kollektion wertvoller Antiquitäten in Gold,
Silber und Elfenbein ausgestellt, eine andere Vitrine enthält
eine seltene Sammlung von Siegel- und Wappenprägestöcken
tirolischer und österreichischer Herkunft, die bis ins fünfzehnte
Jahrhundert zurückreicht und von der Firma Heinrich Brenn
stammt. Möbel und Antiquitäten haben die Firmen Gebrüder
Colli, Artur Mayr, Franz Konzert, Alois Rainer, Josef
Niederbacher, Krapf, Rudolf Hepperger, Frau
H i n t z e, [osef U1 w i n g, Gebr. Freiseisen, Arnold u. a.
ausgestellt. Teppiche sind von der Firma Weiser und Fohringer,
der Firma Rubner u. a. zur Schau gestellt. Um das
Zustandekommen und das Arrangement der Ausstellung, die
bis zum Schluß der Innsbrucker Herbstmesse öffentlich zugänglich
bleibt, hat sich der Vorstand der Genossenschaft der Antiquitätenhändler
Tirols, Herr Brenn, verdient gemacht. Der
Reinertrag der Ausstellung fällt dem Kriegswitwen- und Waisenfonds
zu.
(Die älteste Pieta.) Die Darstellung der Schmerzensmutter
mit dem toten Christus auf dem Schoß ist eine der ergreifendsten
Schöpfungen der mittelalterlichen Plastik, und die
kunstgeschichtliche Forschung, die sich in letzter Zeit besonders
eingehend mit diesem Motiv beschäftigte, hat festgestellt, daß
diese Gruppe von deutschen Meistern geschaffen und dann erst
von den Künstlern anderer Länder übernommen wurde. Aus
dem Geiste der deutschen Mystik ist diese Vorstellung entstanden.
Die früheste derartige Darstellung ist erst jetzt der
‘Forschung bekannt geworden, und zwar befindet sie sich in
den durch die Klausur geheiligten und deshalb nicht zugänglichen
Räumen der Benediktinerinnen-Abtei St. W a 1 b u r g in
Eichenstätt. Unberührt durch die Ereignisse der Zeit steht die
Gruppe aus Holz in der alten Originalverfassung noch heute da.
Auf einem Sockel steht die Thronbank, auf der Maria unbewegt
in starrer Hoheit sitzt; mit den beiden derben Händen hält sie
den knabenhaft kleinen Leichnam. Die Figur ist um oder kurz
nach 1300 entstanden und stammt aus dem bayrischen Nordschwaben,
also aus der weiteren Umgebung von Eichstätt.
Schwäbische, fränkische und bayrische Kunstübung sind in
diesem wundervollen Werk vereinigt, das zu den hervorragendsten
Denkmälern der altdeutschen Holzplastik gehört.
(NeueKunstamRhein.) Die Wallraf-Richartz-Gesellschaft
in Köln plant eine zwanglos erscheinende Folge von
Bänden unter dem Titel „Neue Kunst am Rhein“. Die Redaktion
der Bände übernimmt Direktor Dr. S e c k e r. Im ersten Band
werden ein Brief von Max Lieber mann, sowie Aufsätze des
Herausgebers und anderer Kunsthistoriker über das Bild „Der
Schützengraben“ von Otto D i x veröffentlicht, dessen Aufnahme
in den Kölner Kunstkreisen so sonderbaren Widerspruch gefunden
hat. Im kommenden Frühjahr erscheint der zweite Band
des „Wallraf-Richartz-Jahrbuches“, das sich inhaltlich auf die
ältere Kunst bis um 1870 beschränken wird. Die Schriftleitung
dieses Buches hat Dr. Walter C o h e n in Düsseldorf übernommen.
(Eine Sammlung von 4000 Menükarten.) In Belgrad
ist zurzeit eine Sammlung von Originalmenükarten zu
sehen, die ein gewisser Meizet, Buchhalter in einem Hotel in
Sarajewo, in fleißiger Arbeit zusammengetragen hat. Die Sammlung'enthält
Menükarten aus aller Herren Länder. Es befinden
sich darunter Speisefolgen des Kaisers von China, des Königs
Alexander von Serbien und eine von Napoleon III., die als besondere
Rarität gilt. Auch ein Menü vom Krönungsbankett des
Zaren Alexander III. von Rußland ist darunter, das schon deshalb
hochgeschätzt wird, weil seinerzeit für den Druck dieser
Menükarten allein an 2000 Goldmark ausgegeben worden sind.
Die Sammlung Meizet, die rund 4000 Einzelnummern enthält,
wurde vor dem Kriege auf 250.000 Mark geschätzt.
(Nietzsche a 1 s M u s i k e r.) Im Auftrag des Nietzsche-Archivs
gibt Dr. Georg G ö h 1 e r die musikalischen Werke Fr.
Nietzsches heraus. Als erster Band erscheinen die Bilder
für eine Singstimme mit Klavierbegleitung.
MUSEEN.
(Ein neues Museum in Kärnten.) Ein Museum
römischer und frühchristlicher Altertümer wurde in St. Peter
im Holz in Kärnten eröffnet. Es enthält die Ergebnisse von
Ausgrabungen, die seit 1910 unter Leitung Prof. R. Eggers
durchgeführt wurden. Dabei wurde eine einschiffige Friedhofsbasilika
aus dem 5. Jahrhundert bloßgelegt, die mit Vorhalle,
Umgang, Seitenkapellen und zwei Apsiden versehen war. Ein
wesentlich jüngeres Fußbodenmosaik bekundet dadurch, daß es
sich auf Tierdarstellungen beschränkt, den starken Einfluß der
östlichen bildnisfeindlichen Anschauungsweise.
(Wiedereröffnung desBochumer Museums.)
Infolge des Franzoseneinbruchs und der Beschlagnahme städtischer
Verwaltungsgebäude hatte auch die Gemäldegalerie in
Bochum schließen müssen. Jetzt sind die Gebäude wieder
frei, und die Galerie konnte unter Leitung von Dr. Reiche,
dem Museumsdirektor von Barmen, neu eröffnet werden.