Nr. 20
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Internationale Sammler-Zeitung
der Jahre 1914—1917 hat Vogel nahezu komplett zu
sammengebracht.
Von der Münzsammlung Vogel kommen zunächst
nur die Reihen von Pfalz, Württemberg und Italien und
etwas später Brandenburg und Braunschweig zur Ver
steigerung. Hier offenbart sich Vogels Vorliebe für das
Rarissimum. Stücke, wie der Taler Ludwig V. von der
Pfalz, der Statthaltertaler Friedrichs II., das Doppeltaler
klischee Wolfgangs von der Pfalz, der Dicktaler Ulrichs
von Württemberg, der Dicktaler von Mergentheim, die
Serie von Helfenstein, der Doppeltaler von Isny, der
Scudo der Margarethe von Foix, der vierfache Tecton
Philiberts von Savoyen, ferner die Taler Joachims I.
und II. von Brandenburg, der zehnfache Dukaten des
Walther von Plettenberg, der Braunschweiger dreifache
Taler Christians von Minden, alles das sind Stücke, wie
sie sich in deutschen Besitztümern nicht zum zweiten
mal finden.
GfironiR.
AUTOGRAPHEN.
(Nikischs NachlaßbeimLumpenhändler.) Im
„Drachen“ teilt J. Dietrich mit, daß ein Leipziger Bürger
einen großen Teil des Nachlasses von N i k i s c h beim Lumpen
händler erstand —, das Kilo für fünfzig Pfennige. Darunter
fanden sich Hefte mit eigenhändig geschriebenen Kompositionen
Nikischs, persönlich gewidmete und handschriftlich signierte
Partituren von P u c c i n i und Brahms, alte Photographien
aus Nikischs erster Zeit und ähnliches . . .
(Ein Manuskript Rollands in derNational-
b i b 1 i o t h c k.) Romain Rolland hat der Nationalbibliothek
in Wien das ganze Manuskript seines Romans „Clerambault“
mit der folgenden Widmung überreicht: „Eine freundliche Wid
mung an die Nationalbibliothek, die mir als Quelle unsterblicher
Musik und Menschlichkeit teuer ist — auch das Grausamste
konnte sie nicht zerstören.“ Außer diesem Widmungsblatt ent
hält der Titel das so charakteristische „L’un contre tous“ und
die Widmung an die Mutter des Autors, worauf in der engen,
überaus eigenartigen Schrift Rollands auf Oktavblättern der Text
des ganzen Buches folgt.
BIBLIOPHILIE.
(B ü c h e r-V ersteigerung.)In der Buchhandlung Ludwig
Röhrscheid in Bonn kommen am 16. und 17. Oktober alte
Bücher zur Versteigerung, die einen lebhaften Wetteifer der
Bibliophilen hervorrufen werden. Das Antiphonar, die Pergament
handschrift eines holländischen Miniaturisten aus der Kölner
Schule des 15. Jahrhunderts, und andere seltene Werke der kirch
lichen Buchkunst, der Nürnberger Theuerdank von 1517 mit
seinen Holzschnitten, eine Straßburger Passion von 1507, fran
zösische Werke des 18. und 19. Jahrhunderts und moderne
Graphik runden die Sammlung ab, in der auch eine Reihe von
Autogrammen nicht fehlen.
BILDER.
(Ein wichtiger Grecofund.) Don Francisco R o -
m a n, Bibliothekar in Toledo, hat einen für die Geschichte
Grecos wichtigen Fund gemacht. Es gelang ihm, in den
Archiven ein Verzeichnis der Werke des Künstlers aufzufinden.
Dieses Verzeichnis ist von Grccos Sohn aufgestellt und enthält
genaue Angaben über Titel, Umfang und Besteller von 200
Werken des grüßten Toledaners, außerdem den Katalog seiner
Büchcrsamrnlung.
NUMISMATIK.
(Die Münzen desOldenburgischen Fürsten
hauses.) Die Sammlungen des früheren Großherzogs von
Oldenburg, deren von Amsterdam aus erfolgende Auflösung
schon öfters die Oeffentlichkeit beschäftigt hat, nimmt nächstens
ihren Fortgang: eine Hallesche Münzhandlung kündigt für diesen
Herbst eine große Versteigerung von Goldmünzen, Medaillen,
von Oldenburger und Holsteiner Münzen aus dem Besitze des
Oldenburger Fürstenhauses an. Es sind hauptsächlich die Stücke,
die das Haus Oldenburg im Laufe der Jahrhunderte von seinen
Verwandten aus Schweden, Dänemark und Rußland geschenkt
bekam. Ein goldener Gnadenpfennig Gustav Adolf v. Schweden,
den er dem Grafen Anton Günther von Oldenburg verlieh,
emailliert und mit Diamanten besetzt, ist eine besondere Kost
barkeit. Unter den schwedischen Medaillen, die bis 40 Dukaten
das Stück schwer sind, stammen viele aus dem in Schweden
selbst gewonnenen Golde und fehlen sogar im königlichen
Münzkabinett in Stockholm. Eine erlesene dänische Medaille ist
das goldene Porträt König Friedrichs 111., das er 1565 auf seinen
Sieg über die Schweden auf der Astor-Heide prägen ließ. Zum
Teil noch schwerer sind die goldenen Medaillen aus Rußland.
Unter dem übrigen erwähnen wir eine große goldene Medaille
von 418 Gramm Gewicht, dieder alte Kaiser Wilhelm 1871 aus Anlaß
des Frankfurter Friedens dem damaligen Großherzog Nikolaus
Friedrich Peter von Oldenburg geschenkt hatte.
(D r. E d u a r d F i a 1 a f.) In P r a g ist am 7. Oktober
der bekannte Numismatiker Dr. Eduard Fiala im 69. Lebens
jahre gestorben. Fiala hinterläßt eine großartige Sammlung von
Münzen und Medaillen Böhmens und der anderen slavischen
Länder. Besonderes Interesse hatte er für die Gepräge der
Przemysliden, die in seiner Sammlung denn auch in einer unge
wöhnlichen Reichhaltigkeit anzutreffen sind.
(Das Notgeld von Herne.) Aus Herne wird uns
gemeldet: Der Stadt Herne sind bei der Einlösung ihres Not
geldes große Verluste entstanden, deren Höhe auf 119.000 Gold
mark geschätzt wird. In einer Erklärung der Stadtverwaltung
zu dieser Angelegenheit heißt es: Bei der Nachzählung des zum
30. September d. J. als letztem Einlösetag aufgerufenen Stadt
notgeldes hat sich herausgestellt, daß ein Betrag von 115.484
Goldmark mehr bei der Stadtkasse eingegangen ist, als ins
gesamt Notgeld durch Druck hergestellt und verausgabt wurde.
Zu diesem Betrag kommen noch kleinere Beträge, so daß sich
ein Gesamtfehlbetrag von 118.628 Goldmark ergibt.“«Das städtische
Rechnungsamt hat insgesamt 1,418.168 Goldmark in Druckauftrag
gegeben. Die Staatsanwaltschaft hat auf Grund einer besonderen
Anzeige die gerichtliche Untersuchung eingeleitet.
Es ist anzunehmen, daß bald eine restlose Aufklärung erfolgen
wird.
VERSCHIEDENES.
(Kunstpflege in Augsburg.) Augsburg läßt sich
nunmehr auch die Pflege der bildenden Kunst angelegen sein.
In großzügiger Weise hat sie die schöne, umfangreiche und
wertvolle R öh re r s c h e Sammlung in Unterschondorf er
worben, welche neben ägyptisch-syrischen und griechischen
Kunstgegenständen eine große Anzahl Zeichnungen, Gemälde
und Holzplastiken von Rokokomeistern, darunter verschiedene
Augsburger, umfaßt. Auch für die Pflege zeitgenössischer Kunst
wurde ein Etatposten heuer zum ersten Male ausgeworfen.
(Kokoschka-Austeilung in Wien.) Am 13. Oktober
eröffnete die Neue Galerie in Wien, I. Grünangergasse 1 —
als Ergänzung der im Juli d. J. an der gleichen Stelle gezeigten
graphischen Schau, eine Kollektivausstellung von Gemälden
Oskar Kokoschka aus den Jahren 1907—1915. Die meisten
der hier gezeigten Werke bilden das Material für die geplanten
großen Auslandsausstellungen Oskar Kokoschkas, deren erste im
Februar 1925 in Ne^w-Y^ork stattfindet.
(Ein D ü r e r - E r f o 1 g.) Im Kunstverein für Böhmen
(Rudolfinum) sind gegenwärtig gleichzeitig mit Radierungen der
bekanntesten modernen Künstler die wunderschönen Albertina-
Faksimile ausgestellt. Von der ausgestellten Graphik wurden bis
jetzt drei Stück verkauft. Albrecht Dürers Handzeichnung
„Junger Feldhase“ hat bereits den dreiundfünfzigsten Käufer ge
funden.
MUSEEN.
(Ein abgelehntes Geschenk.) Wie man uns aus
Köln meldet, ist die große künstlerische Stiftung des Herrn
von Garvens in Hannover, über die wir seinerzeit Mitteilung
machten, von der Kölner Stadtverwaltung abgelehnt worden.
Die berühmte, etwa neunzig wertvolle Stücke aufweisende
Gemäldesammlung, die der Besitzer unter im ganzen günstigen
Bedingungen der Stadt für das Wallraf-Richartz-Museum ange-
boten hatte, enthält unter anderem ausgezeichnete Bilder von
Nolde, Jawlensky, Delauney, Paula Modersohn, v. Chagall, Ko
koschka, Kirschner, Leger, Rousseau, Kandinsky, Munch, George
Groß, Campendonk, Braque, Schmidt-Rottluff, Ensor, Klee, Franz
Marc sowie eine Plastik von Archwenko. Mit der Annahme der
Sammlung hätte man dem Wallraf-Richartz-Museum eine geradezu
glänzende Erweiterung der modernen Abteilung verschafft. Für
die Ablehnung werden finanzielle Gründe angegeben — es
scheint jedoch zweifellos, daß die Stadt sich die hervorragende