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Nr. 20
Internationale Sammler-Zeitung
Seite 157
Sammlung aus Scheu vor der gefürchteten „modernen Kunst“
entgehen läßt.
VOM KUNSTMARKT.
(Das Auktionshaus Glückselig & Warn-
d o r f e r) veranstaltet in der Zeit vom 3. bis 5. November
eine sehr reichhaltige Versteigerung von Mobiliar des 17.—19.
Jahrhunderts, Bronzen, Keramik usw. Illustrierter Katalog 100.000
Kronen, nicht illustrierter auf Verlangen gratis beim Kunst
auktionshaus, Wien, IV., Mühlgasse 28—30.
(3. Versteigerung des Wiener Stadterwei
terungsfonds.) Die dritte Versteigerung des Wiener Stadt
erweiterungsfonds, die August Johannes Schelle ebenfalls in
den herrlichen Räumen der Neuen Hofburg durchführt, bringt
eine reiche Kollektion von Skulpturen des 16., 17. und 18.
Jahrhunderts, die vorwiegend aus Spanien, Oberösterreich und
Tirol stammen (ca 180 Nummern) und an dreihundert Metall
gegenstände, für die sich bei den vorangegangenen Auktionen
bekanntlich sehr großes Interesse gezeigt hat. Den eigentlichen
Charakter drücken der Auktion aber die vielen wertvollen Ob
jekte auf, die Wiener Privatbesitz diesmal beigesteuert hat. So
ziemlich alle Kunstgattungen sind vertreten. Da sind zunächst
die alten Gemälde, von denen wir das Porträt eines vor
nehmen Herrn von van der Heist, das Martyrium der heiligen
Apollonia von einem Corregio-Schüler und das Selbstporträt des
Malers Tischbein hervorheben möchten. Waldmüller ist
durch ein prächtiges Genrebild vertreten. Auf einen guten Alt
wiener Meister weist ein Blumenstilleben mit Krebs hin. Von
neueren Malern nennen wir eine Landschaft von Alfred Mail
lick, die „Burgfrau mit Hund“ von Schweninger, Meeres
bucht von Lindemann-Frammerl, „Wogendes Meer“
von Schuhknecht, Arbeiten von Normann, F. A. Brunner
und anderen. Aus dem Nachlaß Paul Webers ist eine „Ge
fleckte Kuh“ vorhanden. Den Bildern reiht sich eine Sammlung
von alten Musikinstrumenten an, unter denen ein echter
A m a t i hervorragt (Schätzungswert 75 Millionen Kronen). Die
Abteilungen Glas und Porzellan enthalten zumeist ausge
zeichnete moderne Arbeiten; älterer Provenienz ist ein Meißener
Tafelaufsatz (Fruchtkorb auf hohem baumartigem Ständer, um
den ein Herr und eine Dame in Rokokotracht das Haschen
spielen, einige Wiener Schalen und unter den Glasarbeiten ein
Service aus 33 Stücken, das um 1780 hergestellt worden sein
mag. Prächtig sind die japanischen Elfenbeinarbeiten, die
auch modern sind. Viel Beachtung werden gewiß die Bronzen
von Professor Moires finden, die den „Kuß“, „Sein, Werden
und Vergehen“, die „Werbung“, das „Licht“ u. a. symbolisieren.
Weiters bringt die Versteigerung eine Reihe reizender
Schmucksachen, darunter eine Brosche mit ungefähr 60
Brillanten und einem großen herzförmigen Smaragd, ein gol
denes Armband mit einem Brillanten von a ./ 4 Karat, umgeben
von 40 Rauten (Saphiren und Rubinen), Damenringe mit Bril
lanten, Saphiren, Smaragden etc. An Möbeln sind sechs kom
plette Zimmereinrichtungen da, ebensowenig fehlt es an Lustern,
Perserteppichen und sonstigen Einrichtungsstücken.
Den Schluß der Versteigerung bilden Bücher, unter denen
sich die christlichen Predigten des Simeon Mänhard, Augsburg
1629, die „Physiognomischen Fragmente“ von Lavater in der
ersten Ausgabe, Winterthur 1783, und ein Exemplar von Lausers
„Kunstchronik“ (1878—1892) befinden.
Die Besichtigung der Versteigerungsgegenstände findet
vom 23. bis 27. Oktober, die Versteigerung selbst vom 28. bis
31. Oktober statt.
(Münchener Auktionen.) Am 5. und 6. November
findet in der Galerie Hugo H e 1 b i n g in München eine Ver
steigerung von Antiquitäten, alten Möbeln und Bildern etc. aus
süddeutschem Adelsbesitz statt. Der Katalog beginnt mit einer
sehr hübschen geschlossenen Kollektion von Gläsern aus der
Empire- und Biedermeierzeit, die durch das schöne Werk von
Dr. Pazaurek neuerdings in den Mittelpunkt des Sammler
interesses gerückt sind. Daran schließen sich Gold- und Silber
uhren mit Emaillen, Anhänger, sehr feine Miniaturen von Ender,
Peter, Anetsberger u. a. m. Die Plastik weist verschiedene
Skulpturen in Holz und Bronze auf, darunter eine Madonna mit
Engeln aus der Riemerschneiderschule und italienische Bronzen
der Renaissance und des Barock. Bei den Textilien ist besonders
ein großer Gobelin zu erwähnen, wohl flämische Arbeit des
17. Jahrhunderts, darstellend eine mythologische Szene mit vielen
Figuren. Ein eingelegter holländischer Schrank mit Schubladen,
eine Louis XVI - Standuhr mit Plastik, verschiedene Armlehn
stühle aus derselben Epoche, zum Teil mit alten Bezügen,
hübsche Truhen fallen unter den Möbeln besonders ins Auge.
Verschiedene sehr gute Familienporträts und andere alte Bilder
vervollständigen den Eindruck der interessanten Kollektion.
Der Katalog mit acht Tafeln ist durch Hugo Helbing in München
zum Preise von M. 1.50 zu beziehen. Im Anschluß an diese
Auktion kommt eine weitere Sammlung von Antiquitäten aller
Art aus Münchner Privatbesitz am 6. und 7. November zur Ver
steigerung. Diese beginnt mit einer Reihe von Biedermeier-
Porzellan und -Krügen, daran schließen sich Metallarbeiten,
speziell Zinn, in mannigfachen Formen. Der Schwerpunkt liegt
in Schmuck und Gold- und Silberarbeiten, Anhängern, Ketten,
Geschnüren, die zum Teil von erheblichem volkskundlichem
Interesse sind. Uhren in mannigfacher Form schiiessen sich an,
ferner Gemmen und geschnittene Steine verschiedener Epochen
sowie eine interessante Sammlung von Siegelstempeln. Der
Katalog ist gegen Portoersatz ebenfalls von Hugo H e 1 b i n g
zu beziehen.
(Versteigerung der Davidsohnschen Samm
lungen.) In aller Erinnerung sind wohl die Versteigerungen
der Graphik aus dem Besitze Paul Davidsohns (Berlin),
die C. G. B o e r n e r in Leipzig durchgeführt hat. Nunmehr
kommen, wie uns aus Berlin mitgeteilt wird, aus Davidsohns
Besitz auch seine erlesene Miniatursammlungen mit
Namen wie C o s w a y und Füger auf den Markt, seine Oel-
gemälde, darunter ein van Dyck, ein Bildnis Fügers von
ungewöhnlicher Qualität, sein altes Porzellan, und seine
umfangreiche Sammlungs -Handbibliothek. Die Firma
Max Perl ist mit der Auflösung dieser Sammlungen betraut
worden. Der Katalog wird Ende Oktober erscheinen, die Auf
lösung selbst wird am 27. und 28. November stattfinden.
(Gemäldeauktion bei Math. Lempertz in
Köln.) Am 28. Oktober findet bei Math. Lempertz in
Köln eine interessante Gemäldeauktion statt. Aus baltischem
Schloßbesitz, sowie aus Beiträgen anderer Sammler hat die
Firma eine Kollektion von Werken neuzeitlicher und älterer
Meister zusammengestellt, etwa im Ganzen 200 Nummern,
unter denen das 19. Jahrhundert Düsseldorfs und Münchens den
qualitativen -Schwerpunkt bildet. Wir finden Hauptwerke von
Georg Oeder, A. Askeveld, A. von Wille, Friedrich Voltz, A.
Montemezzo, A. Flamm, Anton Burger, daneben Niederländer,
wie Willem Bodeman, Cornelis Springer, Jean Plateei, J. F.
Carabain. Unter den alten Bildern gibt es hauptsächlich Italiener
und Spanier des 17. Jahrhunderts, auch einige Holländer und
Vlamen: P. Meulener. Jacob de Wit de Jonge, Sebastian Vrancx,
J. J. de Roere. Der Katalog mit 8 Lichtdrucktafeln wird von
der Versteigerungsfirma versandt.
(Die Versteigerung der Ostasien-Samm
lung S p röß e r.) Die Versteigerung der Sammlung August
G. Sprößer, die vom 24. bis 26. Sept. bei Hugo Helbing
in Frankfurt a. M. stattfand, hatte ein außerordentlich gutes
Ergebnis. Nicht nur seitens der Frankfurter, sondern auch
seitens der auswärtigen Sammler und Liebhaber war die Be
teiligung ungemein lebhaft und das Interesse blieb bis zum
Ende der fast dreitägigen Auktion rege.
Nachstehend die bedeutenderen Preise in Go Id mark:
Keramik Nr. 1 Bauchiger Topf 3. J. v. Chr. 450, Nr. 3 Topf
3. J. 340, Nr. 5 Miniatur-Haus und Hof mit Treppe, Han-Zeit
300, Nr. 6 Miniatur-Kochherd, Han-Zeit 100 Nr. 7 Hügelurne,
Han-Zeit 500, Nr. 8 Kleine Trinkopferschale, Han-Zeit 210. Nr. 9
Kurze, bauchige Vase, Han-Zeit 200, Nr. 11 Desgl. 480, Nr. 16
Sitzender Dämon, Tang-Zeit 260, Nr. 18 Hohe Henkelkannc,
Tang-Zeit 1700, Nr. 19 Kleine Deckelvase, Tang-Zeit 1154,
Nr. 20 Gefäß in Form eines Ziehbrunnens, Tang- oder Sung-
Zeit 320, Nr. 31 Vase, Sung-Zeit 360, Nr. 32 Trinkschale, Sung-
Zeit. Nr. 34 Schale mit kurzem Rangfuß, Sung-Zeit 2000, Nr. 40
Schlanke Vase, Sung-Zeit 522, Nr. 31 Tragflaschl, Sung-Zeit
510, Nr. 48 Flache Schale, Sung-Zeit 460, Nr. 62 Tiefe Schale,
Sung-Zeit 820, Nr. 58 Große Kudenme in der Brennform, Sung-
Zeit 780, Nr. 58 Topf, Yüang-Zeit 520, Nr. 67 Vase, Yüang-Zeit
480, Nr. 69 Desgl. 800 Nr. 64 Großer Topf, Frühe Ming-Zeit
2600, Nr. 76 Stehende Dachfigur, Ming-Zeit 950, Nr. 81 Räucher
gefäß, Ming-Zeit 480, Nr. 82 Topf, Ming-Zeit um 1500 1600,
Nr. 108 Teetopf, Kien-Lung-Zeit 380, Nr. 136 Ingwertopf um
1800, 300.
Bronzen. Nr. 200 Zwei Radnaben, Nordchina, Chou-
Zeit 310, Nr. 213 Wassergefäß, Chou-Zeit 950, Nr. 217 Opfer
gefäß, Han-Zeit 1600, Nr. 218 Schlanke Vase, Han-Zeit 1100.
Nr. 223 Weinopfergefäß, Han-Zeit 900, Nr. 224 Desgl. 700,
Nr. 226 Opfergefäß für Korn, Han-Zeit 1100, Nr. 228 Opfergefäß,
Han-Zeit 780, Nr. 232 Spiegel, Han-Zeit 750, Nr. 252 Flötenvase,
Sung-Zeit 420, Nr. 257 Grose Vase, Yuan-Zeit 460.
Plastik. Nr. 322 Marmorstele, Tang-Zeit 200, Nr. 327
Kuan-Yin, um 1700 250; Frühe Jade. Nr. 331 Zwei Ringe,
Chu-Zeit 117, Nr. 364 Kleine Vase, Tang-Zeit 2200, Nr. 326
Kleiderschließe, Arbeit der Kien-Lung-Zeit im Han-Stil 250.
Kleinkunst. Nr. 373 Gefäß, Bergkristall, 17. J. 240,
Nr. 281 Petschaft, 18. J. 210, Nr. 336 Kleine Vase, 18. J. 250,
Nr. 445 Opiumpfeife, Elfenbein um 1800 140, Nr. 446a Elefanten
zug aus einem Elfenbeinstück geschnitzt 130.
Textilien. Nr. 457 Zwei kleine Decken 210, Nr. 467
Mandarinenmantel 185, Nr. 469 Frauengewand, grauer Damast
175, Nr. 473 Zwei Paar große Portierenflügel 370, Nr. 474
China-Teppich 150X80 cm. 220, Nr. 477 Großer China-Teppich
350X300, 1050, Nr. 478 Desgl. 345X230 cm., 1200.
Gemälde, Rollbilder, Handrollen u. a. Nr. 480
Weißer Falke auf Stange, Sung-Zeit 170, Nr. 481 Götterbild