Seite 84
Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 11
Exemplare versendet hat. Der ganze Rest der Auflage
liegt als unantastbares Inventarstiick in Goethes eigener
Bibliothek im Hause auf dem Frauenplan in Weimar.
Ein so schönes Exemplar von Johann Kaspar Lavaters
physignomischen Fragmenten, sowohl in der ersten
deutschen, wie in der französischen Ausgabe, wird so
bald nicht wiederkommen.
Die Zusammenstellung „Goethe in dienstlichen Ver
hältnissen" bringt zunächst eine Folge der auf den
Bergbau in Ilmenau bezüglichen Nachrichten, Erlässe,
Erklärungen Goethes, dann Einzelnes über die Kunst
anstalt in Weimar, Bibliotheksleitung und mineralogische
Sozietät in Jena. Besondere Beachtung verdient die
Rubrik „Goethe und die Freimaurerei". Wer sich für
seine Tätigkeit als Zeichner und Radierer interessiert,
findet hier die von ihm selbst radierten Titelblätter so
wohl in der ersten wie in der zweiten Ausgabe und
„Radierte Blätter nach Handzeichnungen von Goethe",
herausgegeben von C. A. Schwerdgeburth. An zwei
ganz verschiedenen Stellen des Katalogs zerstreut taucht
eine wenig bekannte Radierung Goethes auf, die durch
die Beziehung auf den berühmtesten Naturforscher seiner
Zeit besonderes Interesse gewinnt. Es sind die „Höhen
der alten und neuen Welt bildlich verglichen", Alexander
v. Humboldt gewidmet, die zuerst als Beilage der All
gemeinen Geographischen Ephemeriden, dann in einem
deutschen Sonderabdruck und in einer französischen,
in einigen Punkten abgeänderten Ausgabe vorhanden
sind, ln eine besondere Gruppe sind „Veröffentlichungen zu
Hoffesten und Feiern in Weimar" und .Goethefeiern und
Goethewürdigungen“ iu chronologischer Folge vereinigt.
An die Goethe-Sammlung reiht sich eine auser
lesene Schiller-Sammlung. Der „Versuch über den Zu
sammenhang der tierischen Natur des Menschen mit
seiner geistigen“, 1780 bei Cotta gedruckt, die Prü
fungsarbeit des Eleven Schiller ist die erste unter Schillers
Namen erschienene Abhandlung. Der von Schiller selbst
unterdrückte, anonym erschienene „Venuswagen“ in der
äußerst seltenen ersten Ausgabe eröffnet den Reigen
der selbständig erschienenen Gedichte Schillers: „Die
Anthologie auf das Jahr 1782“ ist sowohl in der ersten
wie in der Titelauflage von 1798 vorhanden. „Die
Räuber“ sind sowohl in der ersten Ausgabe, die schon
zu Schillers Lebzeiten so selten war, daß er sie selbst
nicht besaß, als in den beiden Ausgaben der zweiten
Auflage mit dem nach links und dem nach rechts auf
steigenden Löwen und in der Mannheimer Theater
ausgabe vertreten. An Zeitschriften ist das Schwäbische
Magazin von gelehrten Sachen auf das Jahr 1770—80,
die Rheinische „Thalia“ mit dem blauen Original
umschlag, die drei Bände der „Thalia" und die „Horen“
mit der Ankündigung und Aufforderung zur Mitarbeit
vorhanden.
Unter den Seltenheiten der Romantikerzeit verdient
ein schönes Exemplar der „Tröst-Einsamkeit" und des
von Kleist und A. H. Müller herausgegebenen
„Phöbus" noch besonders genannt zu werden.
Lessing, Hebbel, namentlich aber Heine
erscheinen gleichfalls mit recht ansehnlichen Sammlungen
von Erstdrucken. Ganz besonders aber bekundet die
Reihe der von E. T. A. H o ff m a n n - Ausgaben erlesenen
Spürsinn. Hier finden wir die anonymen Erstausgaben
des „Katers Murr" und des „Meisters Floh" in den von
Hoffmann entworfenen Einbänden und ein Widmungs
exemplar der „Prinzessin Brambilla" an Johanna Eunike.
Mit Allem, was dazwischen liegt, rundet sich der erste
Teil der Bibliothek Gottfried Eißlers zu einem lebens
vollen Bilde der klassischen und romantischen Periode
der deutschen Literatur ab.
Nicht vorübergehen konnte Eissler an den beiden
deutschen Philosophen, die Höhepunkt und Ausgang
einer Epoche bezeichnen. Kant und Schopenhauer
mit der seltenen Erstausgabe des ersten Teiles der
„Welt als Wille und Vorstellung", dessen Exemplare
zum großen Teil längst eingestampft waren, als dies
„Hauptwerk" nach Jahrzehnten die geistige Haltung
Europas zu beeinflußen begann.
Eine lange Reihe von Erstausgaben zeugt von Lieb
habereien auf dem Gebiete der Literatur der letzten drei
Menschenalter bis zu ihren modernsten Vertretern. An
zengruber, Grillparzer, von den Lebenden
Hofmannsthal und Schnitzler bilden beson
ders umfangreiche Gruppen einer auf Wiener Boden
erwachsenen Sammlung. Weiters wahllos herausgegriffen,
seien hier noch genannt etwa die frühen Werke Gerhart
Hauptmanns aus den achtziger Jahren, die Urfas-
sung von Kellers „Grünem Heinrich", die Reihe der
frühen Erzeugnisse Rilkes und Wedekinds aus
den neunziger Jahren und der Zeit um die Jahrhundert
wende.
Daß ein Sammler, der zugleich feinsinniger Kenner
des Kunstgewerbes war, die Buchkunst der letzten
beiden Jahrzehnte nicht unbeachtet lassen konnte, scheint
ebenso selbstverständlich, wie seine sorgfältige Wahl,
die spekulative Erzeugnisse einer Nachkriegskonjunktur
ausschloß. So finden wir hier, wieder herausgegriffen,
eine Reihe der Drucke der „Bremer Presse" und die
schönen frühen Büttenausgaben der Verse Georges in
der Ausstattung von Melchior Lechter. Auch aus der
Kunstliteratur, die für den Kenntnisreichen Rüstzeug be
deutete, ragt die Rejhe der seltenen Vorzugsausgaben.
So die Fürstenausgabe von Biermanns kostbarem Kata
log der Jahrhundert-Ausstellung in Darmstadt, die 14
Bände des Peintre Graveur von D e 1 t e i 1 in der Luxus
ausgabe auf Japan, das grundlegende, von Lippmann
und Meder herausgegebene Reproduktionswerk der
Handzeichnungen Dürers aus dem Besitz Lannas und
das monumentale Rembrandtwerk Hofstede de Groots.
Leischings schönes Tafelwerk über die Bildnisrniniatur
in Oesterreich, ferner Lembergers bilderreiche Publi
kationen über die großen Porzellanmanufakturen (Berlin,
Frankenthal, Kopenhagen, Ludwigsburg, Meißen, Nym
phenburg) lassen auf diesem Gebiete den Kenner von
europäischem Ruf heraustreten.
Endlich hat auch die wechselvolle Geschichte des
illustrierten Buches des 19. Jahrhunderts hier einen
zielbewußten Sammler ihrer richtunggebenden Erzeug
nisse gefunden. So bemerken wir die lithographischen
Frühwerke Senefelders, dessen Dürer-Reproduktionen
noch Goethe „mit vollen Backen" gelobt hat, Richter
und Pocci in größeren Gruppen und schon Vertreter
der Jahrhundertwende, die Engländer Beardsley und
Whistler, in Vorzugsdrucken.
Zum Schluß sei noch ganz kurz auf die umfang
reichen Reihen Luther und Richard Wagner hin
gewiesen.
c Oie frühere Eissler-ERuhtion.
Bei der Eißler-Auktion, die die Kunstauktions
häuser Glückselig und C. J. Wawra in W i e n
am 6. und 7. Mai durchgeführt haben (siehe Nr. 10
der „Internationalen Sammler-Zeitung“) erzielten weiters
in Schilling (ohne Aufschlag) :
Keramik.
Nr. 203 Zwei Zierteller, China 18. J. 35. Nr. 204 Tasse,
Böhmen, Mitte 19. J. 3. Nr. 205 Tasse mit Untertasse, Böhm.,
Mitte 19. J. 19. Nr. 206 Tasse mit Untertasse, Wien 1868 65.
Nr. 207 Tasse mit Untertasse, Wien 8i3 (?) 120. Nr. 208 Franz
Josef I. und Elisabeth, Wien 854 200. Nr. 209 Büste Josefs II.
modelliert von Grassi 400. Nr. 210 Madonna, Holzstempel, Nie
dermayer? 400. Nr. 211 Ovale Plakette, Engl. 18. J. 115. Nr. 212
Desgl. 130. Nr. 213 Porzellangruppe Wien um 1740, 210. Nr. 214
Frühstückservice, Wien 1837, 700. Nr. 215 Tasse mit Untertasse,