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Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. 11 
Exemplare versendet hat. Der ganze Rest der Auflage 
liegt als unantastbares Inventarstiick in Goethes eigener 
Bibliothek im Hause auf dem Frauenplan in Weimar. 
Ein so schönes Exemplar von Johann Kaspar Lavaters 
physignomischen Fragmenten, sowohl in der ersten 
deutschen, wie in der französischen Ausgabe, wird so 
bald nicht wiederkommen. 
Die Zusammenstellung „Goethe in dienstlichen Ver 
hältnissen" bringt zunächst eine Folge der auf den 
Bergbau in Ilmenau bezüglichen Nachrichten, Erlässe, 
Erklärungen Goethes, dann Einzelnes über die Kunst 
anstalt in Weimar, Bibliotheksleitung und mineralogische 
Sozietät in Jena. Besondere Beachtung verdient die 
Rubrik „Goethe und die Freimaurerei". Wer sich für 
seine Tätigkeit als Zeichner und Radierer interessiert, 
findet hier die von ihm selbst radierten Titelblätter so 
wohl in der ersten wie in der zweiten Ausgabe und 
„Radierte Blätter nach Handzeichnungen von Goethe", 
herausgegeben von C. A. Schwerdgeburth. An zwei 
ganz verschiedenen Stellen des Katalogs zerstreut taucht 
eine wenig bekannte Radierung Goethes auf, die durch 
die Beziehung auf den berühmtesten Naturforscher seiner 
Zeit besonderes Interesse gewinnt. Es sind die „Höhen 
der alten und neuen Welt bildlich verglichen", Alexander 
v. Humboldt gewidmet, die zuerst als Beilage der All 
gemeinen Geographischen Ephemeriden, dann in einem 
deutschen Sonderabdruck und in einer französischen, 
in einigen Punkten abgeänderten Ausgabe vorhanden 
sind, ln eine besondere Gruppe sind „Veröffentlichungen zu 
Hoffesten und Feiern in Weimar" und .Goethefeiern und 
Goethewürdigungen“ iu chronologischer Folge vereinigt. 
An die Goethe-Sammlung reiht sich eine auser 
lesene Schiller-Sammlung. Der „Versuch über den Zu 
sammenhang der tierischen Natur des Menschen mit 
seiner geistigen“, 1780 bei Cotta gedruckt, die Prü 
fungsarbeit des Eleven Schiller ist die erste unter Schillers 
Namen erschienene Abhandlung. Der von Schiller selbst 
unterdrückte, anonym erschienene „Venuswagen“ in der 
äußerst seltenen ersten Ausgabe eröffnet den Reigen 
der selbständig erschienenen Gedichte Schillers: „Die 
Anthologie auf das Jahr 1782“ ist sowohl in der ersten 
wie in der Titelauflage von 1798 vorhanden. „Die 
Räuber“ sind sowohl in der ersten Ausgabe, die schon 
zu Schillers Lebzeiten so selten war, daß er sie selbst 
nicht besaß, als in den beiden Ausgaben der zweiten 
Auflage mit dem nach links und dem nach rechts auf 
steigenden Löwen und in der Mannheimer Theater 
ausgabe vertreten. An Zeitschriften ist das Schwäbische 
Magazin von gelehrten Sachen auf das Jahr 1770—80, 
die Rheinische „Thalia“ mit dem blauen Original 
umschlag, die drei Bände der „Thalia" und die „Horen“ 
mit der Ankündigung und Aufforderung zur Mitarbeit 
vorhanden. 
Unter den Seltenheiten der Romantikerzeit verdient 
ein schönes Exemplar der „Tröst-Einsamkeit" und des 
von Kleist und A. H. Müller herausgegebenen 
„Phöbus" noch besonders genannt zu werden. 
Lessing, Hebbel, namentlich aber Heine 
erscheinen gleichfalls mit recht ansehnlichen Sammlungen 
von Erstdrucken. Ganz besonders aber bekundet die 
Reihe der von E. T. A. H o ff m a n n - Ausgaben erlesenen 
Spürsinn. Hier finden wir die anonymen Erstausgaben 
des „Katers Murr" und des „Meisters Floh" in den von 
Hoffmann entworfenen Einbänden und ein Widmungs 
exemplar der „Prinzessin Brambilla" an Johanna Eunike. 
Mit Allem, was dazwischen liegt, rundet sich der erste 
Teil der Bibliothek Gottfried Eißlers zu einem lebens 
vollen Bilde der klassischen und romantischen Periode 
der deutschen Literatur ab. 
Nicht vorübergehen konnte Eissler an den beiden 
deutschen Philosophen, die Höhepunkt und Ausgang 
einer Epoche bezeichnen. Kant und Schopenhauer 
mit der seltenen Erstausgabe des ersten Teiles der 
„Welt als Wille und Vorstellung", dessen Exemplare 
zum großen Teil längst eingestampft waren, als dies 
„Hauptwerk" nach Jahrzehnten die geistige Haltung 
Europas zu beeinflußen begann. 
Eine lange Reihe von Erstausgaben zeugt von Lieb 
habereien auf dem Gebiete der Literatur der letzten drei 
Menschenalter bis zu ihren modernsten Vertretern. An 
zengruber, Grillparzer, von den Lebenden 
Hofmannsthal und Schnitzler bilden beson 
ders umfangreiche Gruppen einer auf Wiener Boden 
erwachsenen Sammlung. Weiters wahllos herausgegriffen, 
seien hier noch genannt etwa die frühen Werke Gerhart 
Hauptmanns aus den achtziger Jahren, die Urfas- 
sung von Kellers „Grünem Heinrich", die Reihe der 
frühen Erzeugnisse Rilkes und Wedekinds aus 
den neunziger Jahren und der Zeit um die Jahrhundert 
wende. 
Daß ein Sammler, der zugleich feinsinniger Kenner 
des Kunstgewerbes war, die Buchkunst der letzten 
beiden Jahrzehnte nicht unbeachtet lassen konnte, scheint 
ebenso selbstverständlich, wie seine sorgfältige Wahl, 
die spekulative Erzeugnisse einer Nachkriegskonjunktur 
ausschloß. So finden wir hier, wieder herausgegriffen, 
eine Reihe der Drucke der „Bremer Presse" und die 
schönen frühen Büttenausgaben der Verse Georges in 
der Ausstattung von Melchior Lechter. Auch aus der 
Kunstliteratur, die für den Kenntnisreichen Rüstzeug be 
deutete, ragt die Rejhe der seltenen Vorzugsausgaben. 
So die Fürstenausgabe von Biermanns kostbarem Kata 
log der Jahrhundert-Ausstellung in Darmstadt, die 14 
Bände des Peintre Graveur von D e 1 t e i 1 in der Luxus 
ausgabe auf Japan, das grundlegende, von Lippmann 
und Meder herausgegebene Reproduktionswerk der 
Handzeichnungen Dürers aus dem Besitz Lannas und 
das monumentale Rembrandtwerk Hofstede de Groots. 
Leischings schönes Tafelwerk über die Bildnisrniniatur 
in Oesterreich, ferner Lembergers bilderreiche Publi 
kationen über die großen Porzellanmanufakturen (Berlin, 
Frankenthal, Kopenhagen, Ludwigsburg, Meißen, Nym 
phenburg) lassen auf diesem Gebiete den Kenner von 
europäischem Ruf heraustreten. 
Endlich hat auch die wechselvolle Geschichte des 
illustrierten Buches des 19. Jahrhunderts hier einen 
zielbewußten Sammler ihrer richtunggebenden Erzeug 
nisse gefunden. So bemerken wir die lithographischen 
Frühwerke Senefelders, dessen Dürer-Reproduktionen 
noch Goethe „mit vollen Backen" gelobt hat, Richter 
und Pocci in größeren Gruppen und schon Vertreter 
der Jahrhundertwende, die Engländer Beardsley und 
Whistler, in Vorzugsdrucken. 
Zum Schluß sei noch ganz kurz auf die umfang 
reichen Reihen Luther und Richard Wagner hin 
gewiesen. 
c Oie frühere Eissler-ERuhtion. 
Bei der Eißler-Auktion, die die Kunstauktions 
häuser Glückselig und C. J. Wawra in W i e n 
am 6. und 7. Mai durchgeführt haben (siehe Nr. 10 
der „Internationalen Sammler-Zeitung“) erzielten weiters 
in Schilling (ohne Aufschlag) : 
Keramik. 
Nr. 203 Zwei Zierteller, China 18. J. 35. Nr. 204 Tasse, 
Böhmen, Mitte 19. J. 3. Nr. 205 Tasse mit Untertasse, Böhm., 
Mitte 19. J. 19. Nr. 206 Tasse mit Untertasse, Wien 1868 65. 
Nr. 207 Tasse mit Untertasse, Wien 8i3 (?) 120. Nr. 208 Franz 
Josef I. und Elisabeth, Wien 854 200. Nr. 209 Büste Josefs II. 
modelliert von Grassi 400. Nr. 210 Madonna, Holzstempel, Nie 
dermayer? 400. Nr. 211 Ovale Plakette, Engl. 18. J. 115. Nr. 212 
Desgl. 130. Nr. 213 Porzellangruppe Wien um 1740, 210. Nr. 214 
Frühstückservice, Wien 1837, 700. Nr. 215 Tasse mit Untertasse,
	        
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