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MAK

Full text : Jahrgang 17 (1925) (16)

Seite  126

Internationale  Sammler-Zeitung

Nr.  16

authentische  Auskunft  geben  können.  Jedenfalls  ist  es  papier  nach  zwei  Jahrtausenden  ein  unschätzbares
interessant,  festzustellen,  wie  aus  wertlosem  Makulatur-  Kulturdokument  werden  kann.

Frager  Originafe.
‘Von  Siegine  SJtirsRy  —  Saufier,  S’rag.

Unter  den  Prager  Kunst-  und  Antiquitätenhändlern
habe  ich  manche  Originale  getroffen,  seltsame  Käuze,
denen  es  nicht  an  der  Wiege  vorgesungen  worden
war,  daß  sie  einst  in  den  höheren  Regionen  leben
werden,  wo  Kunst  und  Wissenschaft  zu  Hause  sind.
Ein  solches  Original  war  Kobitschek,  der  sich  vom
Schuster  zum  Kunsthändler  aufschwang  und  hier
Jahre  lang  ein  schönes  Geschäft  in  der  Bredauergasse
besaß,  bis  ihn  Kränklichkeit  zwang,  es  aufzugeben.  Sein
Nachfolger  war  ein  biederer  Landjude  von  urkomischer
und  urwüchsiger  Grobheit,  die  aber  vielleicht  nur  gekünstelt ­
  und  ein  Geschäftskniff  war;  seine  Kunden,
die  den  höchsten  Adelskreisen  angehörten,  lachten  sich
oft  den  Buckel  voll,  wenn  sie  in  seinem  Laden  waren.
Im  Laufe  der  Jahre  hat  sich  aber  diese  Urwüchsigkeit
stark  verflüchtigt.  —  Der  alte  G  i  r  e  t  z  lebte  als  jüdischer
Lehrer  in  einer  böhmischen  Landstadt,  wo  er  Gelegenheit ­
  hatte,  viele  alte  Folianten  aufzukaufen,  in  denen
er  emsig  las.  Mit  der  Zeit  entwickelte  er  sich  zum
richtigen  Bibliophilen  und  als  er  mit  seiner  zahlreichen
Familie  nach  Prag  übersiedelte,  gelang  es  ihm  mit  der
Zeit,  hier  als  Kunsthändler  festen  Fuß  zu  fassen.
Original  war  die  Metamorphose  Pacovskys,
des  Dienstmannes.  Von  jeher  interessierte  er  sich
lebhaft  für  die  jungen  Künstler  und  ihre  Arbeiten  und
sie  alle  pilgerten  gern  zu  ihm,  wenn  sie  Geld  brauchten.
Er  trat  dann  mit  ihnen  in  ein  Haustor,  prüfte  die
Arbeiten  mit  kritischen  Blicken  und  kaufte  die  besten
Stücke,  ohne  zu  knausern.  Als  er  dann  genug  Vorrat
hatte,  hing  er  den  Dienstmannskittel  an  den  Nagel  und
eröffnete  ein  Kunstgeschäft,  das  viele  Jahre  lang  florierte.
Nach  seinem  vor  mehreren  Jahren  erfolgten  Tode  hat
seine  Witwe  das  Geschäft  aufgelöst.  Die  Brüder
C  h  a  u  r  a,  die  ein  schönes  Antiquitätengeschäft  in  der
Hauptstraße  betreiben,  haben  es  nach  ihrem  Vater
übernommen,  der  als  Münzen-Sammler  begonnen

hatte  und  dem  seine  Münzensammlung  nicht  feil  war.
Zu  den  jüngsten  Kunsthändlern  zählt  Herr  K  u  b  e  c,
dessen  Laden  in  tadelloser  Ordnung  und  Reinlichkeit
prunkt.  Ich  fragte  ihn,  wer  ihm  alles  so  schön  in
Ordnung  halte  und  sorgfältig  abstaube  und  erfuhr,  daß
er  das  alles  ganz  allein  besorge.  Nachträglich  berichtete
man  mir,  daß  er  früher  herrschaftlicher  Kammerdiener ­
  gewesen  war  und  „daher  der  Ursprung  seiner
Geschicklichkeit."  Berner  in  der  Spalena  ulica
(Brenneto  Gasse)  war  früher  Vertreter  des  „Chic  Parisien“
und  lieferte  Modeblätter  und  Schnittmuster  und  wenn
ich  nicht  irre,  hat  er  diese  Vertretung  noch  beibehalten.
Goldberg  in  der  Niklasstraße  war  ursprünglich
Juwelier,  aber  manche  andere  Antiquitätenhändler  begannen ­
  als  schlichte  Trödler,  so  Je  11  in  eck  auf  der
Kleinseite  und  der  alte  Busch  aus  dem  Prager  Ghetto,
dessen  Töchter  das  Antiquitätengeschäft  mit  richtigem
Kunstverständnis  weiterführen.  Busch  war  ein  leibhaftiger
Onkel  von  Wilhelm  Busch,  dessen  Vater  war  als
junger  Bursche  nach  Deutschland  ausgewandert,  hatte
sich  dort  getauft  und  mit  einer  Reichsdeutschen  vermählt ­
  und  aus  dieser  Ehe  ist  der  größte  deutsche
Humorist  hervorgegangen.
Als  Kuriosum  sei  noch  erwähnt,  daß  in  der  Niklasstraße ­
  in  Prag  ein  Hausmeister  lebt,  der  ein  trefflicher
Kunstkenner  ist  und  auch  gelegentlich  sammelnden
Anfängern  gute  Ratschläge  gibt.  Dieser  Mann  war  früher
Kammerdiener  beim  alten  Baron  L  a  n  n  a,  der  ihn  von
einem  Museumsdirektor  einer  Provinzstadt  erbeten  hatte,
damit  er  ihm  seine  Sammlungen  in  Ordnung  halte.
Nach  dem  Tode  des  Herrn  von  Lanna  nahm  dieser
ehemalige  Museumsdiener  (ich  glaube  aus  Graz)  eine
Stelle  als  Hausmeister  an,  doch  dürfte  auch  er  mit  der
Zeit  an  einem  Museum  landen,  dem  er  wertvollere
Dienste  leisten  könnte,  als  er  sie  jetzt  als  Hausmeister
leisten  muß.

Scfifoß  Scfiwanfe.

Aus  Berlin  wird  uns  geschrieben:
Das  Schloß  Schwante  ist  vor  kurzem  durch
Verkauf  in  andere  Hände  übergegangen,  die  Auswertung
der  überaus  reichhaltigen  Einrichtung  wurde  der  Firma
Jac.  Hecht  übertragen.  Der  Hauptteil  des  Materials
gelangt  am  6.  Oktober  zur  Versteigerung.
Das  Schloß  wurde  im  Jahre  1922  durch  die  Firma
Bernheimer-München  eingerichtet,  und  zwar  im  wesentlichen ­
  nach  repräsentativ-dekorativen  Gesichtspunkten.
Es  ist  also  weniger  auf  strenge  Durchführung  bestimmter
Stile  oder  Häufung  von  Sammelgegenständen,  als  vielmehr ­
  auf  eine  durch  den  Raum  bedingte,  harmonisch
abgestimmte  Gesamtwirkung  Wert  gelegt  worden.  Dieser
Umstand  bringt  es  mit  sich,  daß  neben  antiken  Stücken
auch  neuere  Stilmöbel  zu  finden  sind.  Doch  haben  alle
Dinge  den  Vorzug  einer  hohen  Qualität  und  vollendeten
Zweckmäßigkeit,  sodaß  auf  jedem  Gebiete  hervorragendes ­
  und  besitzenswertes  Material  zn  Gebote  steht.
Neben  den  antiken  E  i  n  z  e  1  n  m  ö  b  e  1  n,  die
nach  Form  und  Erhaltung  recht  beachtenswert  sind

(Schränke  der  Renaissance,  des  Barock  und  Louis  XVI.,
italienischen  Renaissancetruhen,  Barockkomoden  usw.)
bilden  die  kompletten  Ameublements  und  Garnituren
den  wichtigsten  Bestandteil  der  Versteigerungsmasse.
Unter  ihnen  steht  der  Louis  XV.-S  a  1  o  n  mit  zwei
prächtigen  Kommoden  an  erster  Stelle.  Ihm  schließen
sich  an  die  B  i  b  1  i  o  t  h  e  k  im  Stil  der  florentinischen
Renaissance,  das  reichhaltige  Chippendale-Herrenzimmer, ­
  das  Prunk-Speisezimmer,  welches
einem  römischen  Renaissance-Modell  nachgebildet  ist,
das  japanische  Teezimmer  in  Lacktechnik
usw.'  Einzigartig  und  eine  Kuriosität  ersten  Ranges  ist
das  chinesische  Prunkschlafzimmer  aus
Blackwood.  Neben  diesen  vollständigen  Ameublements
sind  auch  Einzelmöbel,  Kommoden,  Stühle  und  speziell
Sessel  in  sehr  reicher  Auswahl  zu  finden.
Die  zahlreichen  Perserteppiche,  die  auch  in
großen  Formaten  vertreten  sind,  zeigen  fast  durchgängig
eine  erlesene  Qualität  und  Farbgebung.  Unter  den  Gemälden ­
  ist  eine  Folge  von  vier  Gvnredarstellungen
            
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