Nr. 16
Internationale Sammler-Zeitung
Seite 127
des Paolo M o r e 11 i (Rom 1695—1780) besonders bemerkenswert,
die der verstorbene Eduard von Grützner
seinerzeit aus Italien mitbrachte. Daneben finden sich
zwei typische Werke des Flamen Lambrechts, eine
Ruinenlandschaft von A g r i c o 1 a u. a. m. Große
Kirchenkronen, vielflammige Girandolen, Wandappliken,
Marmorbüsten und Fayencekrüge in größerer Anzahl
vervollständigen das Material der Versteigerung.
—- Aus fremdem Besitz sind einige hervorragende
Elfenbein-Miniaturen, vorwiegend Wiener
Künstler (E. Peter, Ciarot, Harding u. a.) und eine Reihe
Porzellane des 18. Jahrhunderts (Meißen,
Ansbach, St. Petersburg u. a.) beigegeben.
Der Katalog XI erscheint Mitte September.
Chronik.
BIBLIOPHILIE.
(Verkauf derMelker Gutenberg-Bibel nach
England.) Die 42zeilige Gutenberg-Bibel des Stiftes Melk
in Niederösterreich ist, wie wir hören, durch den Antiquar
Semmel im Auftrag des Bonner Antiquariats Röhrscheid
nach England verkauft worden. Die Ausgabe ist zwar etwas
beschnitten, aber vollkommen. In Deutschland war diese große
Kostbarkeit infolge der Wirtschaftsnot nicht unterzubringen.
BILDER.
(Ein Selbstporträt Raffaels.) Italienische und
deutsche Fachleute haben in gemeinsamer Arbeit jetzt ein schönes
jugendliches Selbstporträt Raffaels auf einem seiner berühmtesten
Freskogemälde, der „Austreibung des Heliodor“, in den Stanzen
des Vatikans feststellen können. Die Jünglingsgestalt in langem
Mantel in der Ecke links, neben den Trägern der päpstlichen
Sänfte ist es; sie hält ihr Barett und einen Brief mit Adresse
in der rechten Hand. Dieser Namen auf dem Blatt, er lautet:
Gian Pietro Fogliata, hat bisher irregeführt, indem man ihn für
den des Dargestellten hielt. Nun ist aber, wie der bekannte
Raffael-Biograph Professor Gronau in der neuesten Seemannschen
„Kunstchronik“ mitteilt, durch ein in mehrfacher
Hinsicht wichtiges Dokument, das Corrado Ricci im vatikanischen
Archiv auffand, Licht in die Sache gekommen. Es ist
das ein motu proprio des Papstes Julius II., datiert 4. Oktober
1509, worin dem „dilecto filio Raphael, Johannes de Urbino
scolari, pictori in palatio nostro“ (zu deutsch: unserem geliebten
Sohne Raffael, Schüler des Giovanni Santi von Urbino, als
Maler in unserem Palaste tätig“) das Amt eines Schreibers der
päpstlichen Briefe verliehen wird. Es handelt sich hier, meint
Gronau, um eine Sinekure, ein gutbezahltes leichtes Amt, ähnlich
wie Sebastiano del Piombo die Versiegelung der Breve
zu versehen hatte. Dieses Dokument nun ist das früheste, das
uns über Raffaels Tätigkeit im Vatikan Kunde gibt. Und zugleich
wird dadurch aufgeklärt, daß das Jünglingsbildnis auf
dem erwähnten Fresko, dessen Aehnlichkeit mit Raffaels Zügen
schon längst auffiel, tatsächlich den jungen Künstler darstellt;
es zeigt ihn in diesem Amt als päpstlicher scrittore dei brevi,
mit einem solchen Breve in der Hand. Auch die aparte Tracht
erklärt sich nun als Amtstracht. Dazu stimmt es, daß dieselbe
Figur im selben Kostüm auch auf einem Bild in der Akademie
von San Luca in Rom vorkommt.
(Monnet und die Bougival-Brücke.) In der
Vorrede zu dem von Robert de F 1 e r s bearbeiteten Katalog
der Pariser Versteigerung Gangnat kommt der bekannte französische
Lustspieldichter und Theaterkritiker auch auf einige
sonderbare Käuze, die im Pariser Kunsthandel früher ihr Wesen
trieben, zu sprechen. So erzählt de Flers von einem Sonderling,
der in der Nähe der Bouginal-Brücke wohnte und sich aus
Lokalpatriotismus in den Kopf gesetzt hatte, alle diese Brücke
darstellenden Gemälde in seiner Sammlung zu vereinigen. Allmählich
brachte er etwa hundert Bilder zusammen. Ein einziges
davon schätzte er wenig und gerade das war das beste. Es
trug nämlich die Signatur Claude Monnet. Der berühmte,
heute hoch bezahlte Hauptvertreter der französischen Impressionisten
selbst erzählte de Flers über dieses Bild die folgende
Anekdote, die ein scharfes Schlaglicht auf die wirtschaftlichen
Verhältnisse zur Zeit der Anfänge des Impressionismus wrrft.
„Ich habe nur ein einziges Mal die Bougival-Brücke gemalt“,
sagte Monnet, „es hält also nicht schwer, das in Rede stehende
Bild zu identifizieren. Ich hatte es für 100 Frank im Jahre 1868
einem Kunsthändler namens Martin verkauft. Da es diesem
aber sehr schwer wurde, die Summe in bar zu erlegen, so erklärte
ich mich nach langem Feilschen bereit, 50 Frank in bar
zu erhalten und für den Restbetrag ein kleines Bild aus seinem
Lager in Zahlung zu nehmen. Ich habe dieses Bild noch heute
und der Maler hat inzwischen einigen Ruf erworben. Es ist
niemand anderes als — Cdzannel“
PHILATELIE.
(Italienische Jubiläums marken.) Zum 25jähr.
Regierungsjubiläum des Königs Viktor Emanuel von
Italien sind zwei Gedenkmarken erschienen, das Brustbild des
Königs in grosser Generalsuniform darstellend. Die Marken sind
nach einem Gemälde von Parmeggiani von Rcpettali in Kupfer
gestochen worden. Der 60 Centesimi-Wert für den Inlandbrief
ist zinoberrot, der 1 Lire-Wert für Ausland indigoblau.
(FranzösischeAusstellungsmarken.)In Hochformat,
in zweifarbigem Buchdruck ausgeführt, ist anläßlich der
„Internationalen Schau dekorativer Kunst“ in Paris ein neuer
Wert zu 15 Centimes dunkelblaugrün und grün erschienen. Die
Zeichnung stellt einen stilisierten Seestern dar.
(Fälschungen.) Die dänischenVerechnungsmarken,
die zum Ueberdrucken der Ausgabe 85 bis. 95 gedient
haben, werden jetzt in Fälschungen auf den Markt gebracht.
Man benutzt dazu die billigen gebrauchten Verrechnungsmarken,
um sie mit falschem Aufdruck zu versehen. Wer mit
der Lupe nachsieht, wird bei den Fälschungen finden, daß der
Aufdruck auf dem Stempel liegt, statt untör ihm. — Große
Vorsicht ist auch vor den neuerdings in den Handel gelangenden
raffinierten Fälschungen der 8 0 Pfennig-Germania-M
ar k e mit Aufdruck „Sarre“ am Platze. Fast alles jetzt
davon in den Handel kommende Material ist falsch.
VERSCHIEDENES.
(Julius Z i m p e 1.) Mit dem Wiener Maler Julius
Z i m p e 1, der erst 29jährig einer Kopfgrippe erlag, ist ein hervorragendes
Talent erloschen. Er beherrschte alle graphischen
Techniken meisterhaft und seine rege Phantasie und der ihm
eigene kultivierte Geschmack befähigte ihn nicht nur zu Höchstleistungen
auf diesem, sondern auch auf dem umfangreichen
Gebiet des Kunstgewerbes und des Kunsthandwerkes. Vor etwa
anderthalb Jahren — er hatte damals gerade geheiratet —
wurde er als der berufenste Nachfolger Peches in führender
Stellung in die Wiener Werkstätte berufen, und zahlreiche bedeutsame
Entwürfe, besonders für Gläser und Stoffe, bewiesen,
daß er der rechte Mann auf diesem Platze war. Er betätigte
sich hier aber auch hervorragend auf dem ihm am m'eisten zusagenden
Gebiet, dem der Buchkunst, und eine Reihe sehr
origineller Einbände lenkte neuerdings die Aufmerksamkeit auf
ihn, nachdem er schon vor Jahren, durch die von ihm geschriebenen
und illustrierten Bücher, aber auch durch zahlreiche
Lithographien und Radierungen für Bücher die verdiente Beachtung
aller Kenner erworben hatte. Das erst dieser Tage
erschienene bibliographische Werk „Deutsche Pressen“ von
Julius Rodenberg führt die Zimpel-Bücher in einem eigenen
Abschnitt an, ein Beweis dafür, welche Bedeutung dem so jäh
seinem Schaffen entrissenen Künstler beigemessen wurde. Auch
als Maler fand er die verdiente Anerkennung, obwohl er sehr
selten ausstellte. Seinerzeit sah man Werke von ihm im Haus
der jungen Künstlerschaft, später mehrmals im „Hagenbund“
und in der „Kunstschau“, wo er ein gern gesehener Gast war.
(Christian - Bernhard -Rode-Ausstellung.)
Aus Berlin wird uns gemeldet: Anläßlich des 200. Geburtstages
des Berliner Malers Christian Bernhard Rode plant die
Akademie der Künste, deren einstiger Direktor er war, eine
Gedächtnisausstellung. Da sich die Hauptwerke des Künstlers
in Schlössern und Kirchen befinden, wird sich die Akademie
darauf beschränken, einige charakteristische Staffeleibilder, insbesondere
aber eine Auswahl aus Rodes Radierungen und Zeichnungen
vorzuführen, ferner die bisher ganz unbekannten, bei
der Neuordnung des Inventars der Akademie wieder ans Licht
gezogenen Kopien des Künstlers aus der Zeit seines Aufenthalts
in Venedig, die für die künstlerische Wesensart Rodes sehr
bezeichnend sind. Die Ausstellung wird im Herbst, Voraussicht-