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Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. 3 
rechtwinklig kreuzten, und Ruinen von Häusern und 
Magazinen; in letzteren fand man Knochen verschie 
dener Tiere, aus denen Gebrauchsgegenstände herge 
stellt wurden. 
Besonders interessant vom historischen Standpunkte 
sind die Ge 1 dstücke. Bei einigen erscheint der Stempel 
so frisch, als käme er eben aus der Münze, und sie 
stellen eine Geldserie dar, die die Zeit von Claudius 
(43 n. Chr.) bis Theodosius (388 n. Chr.) umfaßt. 
Unter den römischen Geldstücken befindet sich eine 
Silbermünze von Marc Anton aus dem Jahre 31 vor 
Chr., eine Kupfermünze von Augustus aus dem Jahre 
29 v. Chr. und ein vorzügliches Exemplar einer Silber 
münze des Tiberius aus dem Jahre 14 v. Chr. Die 
zahlreichen Geldstücke mit dem Bilde ersten Jahrhunderts 
daß Uriconium erst am Ende des aus dem Jahre 120 
bedeutend wurde. Sechs Münzen Vespasi ans zeigen, 
n. Chr. zeigen das Bild des Kaisers Hadrianus, der 
den Fiktenwall erbaute. Außerdem sind sieben Medaillen 
des Antonius Pius vorhanden, der die Mauern er 
richtete, die seinen Namen durch Schottland trugen, 
und vierzehn Münzen Konstantins des Großen. Auf 
den Münzen Konstantins erscheint zum ersten Male das 
christliche Monogramm. 
c Dießstähfe in Staatsarchiven. 
Ein Ankauf des preußischen Staatsarchivs führte 
jetzt zur Aufdeckung von Diebstählen, die seit vielen 
Jahren in zahlreichen Archiven verübt wurden. Es ergab 
sich, daß der angekaufte Gegenstand früher im Besitz 
des Haus-, Hof- und Staatsarchives in Wien gewesen 
war, und man wußte nicht, wie er in einen Versteiger 
ungskatalog hineingekommen sei. Das Staatsarchiv in 
Charlottenburg setzte sich mit Wien in Verbindung und 
nun wurde festgestellt, daß aus dem dortigen Archiv 
noch sehr viele andere Sachen, Autogramme usw., ver 
schwunden waren. Die weiteren Ermittlungen stellten 
fest, daß schon wiederholt Sachen aus Archiven in Ka 
talogen von Versteigern und Sammlern aufgeführt ge 
wesen waren. Die Spuren ihrer Herkunft führten end 
lich auf einen 56 Jahre alten, aus Köln a. Rh. gebür 
tigen Privatgelehrten Dr. Karl Hauck, einen in weiten 
Kreisen bekannten Sammler, der in der Halleschen 
Straße in Berlin wohnte, zusammen mit einem 33 Jahre 
alten früheren Zuschneider Karl Maria von Hohen- 
1 o c h e r, der sich jetzt auch „Privatgelehrter“ nennt. 
Man durchsuchte diese Wohnung und fand eine 
große Menge von Autogrammen, Briefen usw., die aus 
den verschiedensten Archiven stammen, u. a. Briefe von 
Friedrich dem Großen und Material aus dem 30jährigen 
Kriege, ferner Siegel von höchsten Persönlichkeiten, 
auch Autogramme von Dichtern, Musikern und anderen 
Künstlern. Das Material lag zum Teil gut geordnet, 
zum Teil aber auch ganz durcheinander da. Zu einigen 
Sachen hat Dr. Hauck auch kleinere Abhandlungen oder 
Erläuterungen geschrieben. Mehrere Archivsachver 
ständige werden geraume Zeit zu tun haben, alles zu 
ordnen und auf seine Herkunft zu prüfen. Dr. Hauck 
und sein Mitarbeiter wurden verhaftet. 
Auf Grund der Ermittlungen werden jetzt gründliche 
Nachprüfungen in allen Archiven vorgenommen werden, 
in denen Dr. Hauck beschäftigt gewesen ist, das war 
von 1894—1897 im General-Landesarchiv zu Karlsruhe, 
1897 im Reichsarchiv in München, 1899 im vatikanischen 
Archiv zu Rom, 1903 im Staatsarchiv zu Hannover, 
1905 im Staatsarchiv zu Detmold, 1917—1919 im K. K. 
Haus- und Staatsarchiv in Wien und 1920—1922 im 
Geheimen Staatsarchiv in Charlottenburg. Dr. Hauck 
bezeichnet als sein Lebenswerk eine Kulturgeschichte 
Deutschlands. Zu Studienzwecken für dieses Werk 
erhielt er überall Zutritt, so auch zu den Autogrammen 
usw. ln alles konnte er stets Einsicht nehmen. Wie er 
zugibt, hat er dieses Vertrauen schnöde mißbraucht. 
Er hat vieles heimlich eingesteckt und mitgenommen. 
Seine abnorme Veranlagung soll ihn seiner Be 
hauptung nach auf diese Diebstähle gebracht haben. 
Die Betrachtung gewisser Sachen, z. B. von Briefen 
Eduard VII. und die Versenkung in sie, habe in ihm 
die höchste Befriedigung ausgelöst. Daraus erklärt sich 
nun aber gerade nicht, daß der Gelehrte auch viele 
gestohlene Sachen gegen andere eingetauscht und für 
seine Tasche verkauft hat, wie er ebenfalls zugeben 
muß. Auf verschlungenen Wegen sind diese Kataloge 
in die verschiedensten Hände und Kataloge gekommen. 
Dr. Hauck scheint mit seinem Mitarbeiter im wesent 
lichen von diesem Handel gelebt zu haben. 
Qßronik. 
AUTOGRAPHEN. 
(Autographen-Verkauf in Hamburg.) Die Anti 
quariats-Abteilung der Buchhandlung L. Friederichsen & 
Co. in Hamburg bringt demnächst eine besonders wertvolle 
Autographen-Sammlung im Einzelverkauf auf den Markt. Der 
Katalog wird von Dr. Kurt Loewenfeld, dem Verfasser von 
„Contributions to the History of Science based on autograph 
documents“ und „Aus meiner Handschriftenmappe“ bearbeitet. 
BILDER. 
(Ein Rembrandtbild unter dem Hammer.) Das 
seltene Ereignis der Versteigerung eines Rembrandt-Bildes 
findet dieser Tage in London statt: im Auktionshause von 
C h r i s t i e kommt das Bild Saskia als Deborah zum Ausgebot, 
das aus dem Besitze des Lord Somerville stammt und das 
bei seinen Nachkommen auf dem Lande so lange unbekannt 
blieb, bis es erst jetzt bei Gelegenheit einer Nachlaßteilung 
nach London kam. Es handelt sich um ein großes, echt bezeich 
ntes, 1635 datiertes Hauptwerk des Meisters, eines der schön 
sten Bildnisse, das Rembrandt von der Frau seiner Jugend ge 
malt hat. Saskia sitzt am Tisch, den ein Foliant, ein Helm lind 
andere bekannte Inventarstücke von Rembrandts Atelier bedecken. 
Der stark sprechende Kopf, dessen Züge ja nicht schön waren, 
der aber seines fraulichen Reizes gewiß ist, hier noch mit einem 
Lorbeer-Kranze gekrönt, wendet sich voll dem Beschauer zu. 
Saskia trägt ein blaues Kleid, darüber einen prachtvollen gold 
gestickten Mantel als Prophetin, eine große Perlenkette und ein 
paar Staatsperlen auch in den Ohren, wie ja Rembrandt die 
Bildnisse seiner Frau mit allem auszustatten liebte, was nur ihre 
prächtige Erscheinung erhöhen konnte. 
(Ein Gemälde von Karel Fabritius.) Bei 
Christie in London kam ein Gemälde von Karel Fabri 
tius unter den Hammer. Dieser Name bedeutet für Kunst 
forschung ein noch sehr dunkles Kapitel. Man vermutet, daß 
dieser Meister um 1600 geboren wurde und konnte durch die 
spärliche Tradition feststellen, daß er 1654 bei der Explosion 
des Delfter Pulvermagazins ums Leben kam. Sein ruhmvolles 
Schaffen umfaßt 30 Jahre. Von ihm sind nicht mehr als ein 
Dutzend Bilder authentisch sichergestellt, von denen, nebenbei 
bemerkt, einige bis vor nicht allzu langer Zeit als Werke Rem 
brandts angesehen wurden. Das zuletzt versteigerte Ge 
mälde ist ein Bildnis eines jungen Mannes in braunem Gewand, 
Brustpanzer und schwarzer Kappe, ist vom Meister bezeichnet 
und mit der Jahreszahl 1654 (also eines der letzten Werke des 
Malers) versehen. Es befand sich bis nun im Besitz einer
	        
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