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MAK

Full text : Jahrgang 17 (1925) (4)

Seite  26

Internationale  Sammler-Zeitung

Nr.  4

weise  —  wie  bei  der  Liebesgruppe  Nr.  265  —  von
Meißen  beeinflußte  Bemalung  des  Nymphenburger  Porzellans ­
  wird  hier  ausgezeichnet ­
  veranschaulicht:  den
zarten  Farben  und  leichten
Mustern  der  Reifrock-  und
Komödienfiguren  steht  die
in  breiten  Flächen  stark  kontrastierende ­
  Bemalung  der
monumentaler  aufgefaßten
Figuren  aus  einer  Kreuzigung ­
  gegenüber.
Ueberhaupt  ist  die  Sammlung ­
  Darmstädter  eine  Fundgrube ­
  für  das  Studium  der
Porzellanmalerei.  Drei  Abteilungen ­
  sind  es  vor  allem,
die  in  dieser  Hinsicht  ganz
hervorragende  Leistungen
und  mannigfaltiges  Material
darbieten:  die  Erzeugnisse
von  Sevres  und  der  englischen ­
  Fabriken  mit  ihren
unnachahmlich  schwimmenden. ­
  Glasurfarben,  die  nur
auf  dem  Weichporzellan  erreichbar ­
  waren,  dann  die
erstaunlich  reiche  Sammlung
der  deutschen  Hausmalerei
mit  den  Werken  der  Bottengruber, ­
  Preußler,de  Drechsel,
Mayer-Preßnitz,  Aufenwerth  u.  a.,  schließlich  die  Figuren
und  Gefäße  aus  der  Blütezeit  Meißens  vor  der  Mitte  des
18.  Jahrhunderts.  Das  Reifrockfigiirchen
  ist  wohl  das  reichste,
aber  keineswegs  das  einzige  Meisterstück ­
  jener  funkelnden  Staffierung,
  die  Kaendler  seinen  Komödienfiguren ­
  und  Liebesgruppen
der  Barockzeit  zuteil  werden  ließ.
Was  Johann  Gregor  H  e  r  o  1  d  t
als  Leiter  der  Malerei  für  die
sächsische  Manufaktur  und  mittelbar ­
  durch  ihren  Einfluß  für  die
gesamte  europäische  Porzellanmalerei ­
  überhaupt  bedeutete,  dafür ­
  geben  die  Geschirre  vollgültiges
Zeugnis.  Wenn  es  möglich  ist,
eigenhändige  Arbeiten  Heroldts
nachzuweisen,  so  kommt  dafür
in  erster  Linie  der  Satz  von  fünf
Augustus-Rex-Vasen  in  Betracht,
deren  Chinesenbilder  in  vielen
Motiven  mit  dem  in  Leipziger
Privatbesitz  erhaltenen  Skizzenbuch ­
  Heroldts  übereinstimmen.
Für  die  noch  wenig  geklärte
Frage  nach  den  Mitarbeitern  Heroldts, ­
  den  ausführenden  Kräften
seines  Ateliers,  gibt  der  Katalog
der  Sammlung  Darmstädter  einen
wichtigen  und  höchst  erwünschten ­
  Beitrag.  Auf  Anraten  von  H.
H.  J  o  s  t  e  n,  dem  sachkundigen
Bearbeiter  der  Fayencen  und  der
Porzellanfabrik  von  Fulda,  ist  die
Bemalung  der  roten  Augustus-Rex-Vase,
  dem  bisher  nur  als
namhafter  Fayencemaler  bekannten ­
  Friedr.  Adam  v.  Löwenfinck  zugeschrieben  worden,
der  nachweislich  von  1726  bis  1736  als  Porzellanmaier
in  der  Meißener  Manufaktur  angestellt  war.  Seine  Tätig-Fig.

  2:  Maria  und  Johannes
von^Bustelli.  Nymphenburg  um  1755.

keit  fällt  also  in  das  Jahrzehnt  der  Arbeiten  für  das
von  August  dem  Starken  geplante  „Japanische  Palais“,
für  dessen  Ausstattung  wohl
die  meisten  der  damals  hergestellten ­
  Augustus-Rex-Vasen ­
  bestimmt  waren.  Die
Richtigkeit  der  Zuschreibung
wird  durch  die  ganz  augenfällige ­
  Uebereinstimmung  sowohl ­
  der  Küstenbilder  mit
figürlicher  Staffage  wie  des
die  Bildfelder  umrahmenden
Goldornaments  auf  (der  im
Katalog  abgebildeten)  Vase
mit  einer  von  Löwenfinck
bezeichneten  Fulder  Fayencevase ­
  in  Hamburger  Privatbesitz ­
  (Riesebieter,  Die  Deutschen ­
  Fayencen,  Abb.  438,
439)  durchaus  bestätigt.  Damit ­
  ist  eine  Handhabe  gewonnen, ­
  um  weitere  Porzellanmalereien ­
  aus  derFrühzeit
  Meißens  als  Arbeiten
Friedrich  von  Löwenfincks
zu  bestimmen;  es  handelt
sich  dabei  vornehmlich  wieder ­
  um  Strandbilder,  aber
nicht  nur  um  solche  allein.
Setzt  man  voraus,  daß  Löwenfinck ­
  nicht  nur  die  Reservenbilder ­
  der  Porzellanvase,  sondern  auch  das  Blumenornament ­
  am  Hals  der  Vase  gemalt  hat,  so  kann
auch  eine  Anzahl  der  schönsten
frühen  Augustus-Rex-Vasen  mit
Blütendekoration  mit  Sicherheit
für  Löwenfinck  beansprucht  werden, ­
  der  somit  in  die  erste  Reihe
der  deutschen  Porzellanmaler  eintritt.

Das  Wiener  Porzellan,  sowohl
der  Fabrik  Du  Paquiers  wie
der  Kaiserlichen  Manufaktur,  ist
in  der  Sammlung  Darmstädter
stärker  vertreten,  als  es  sonst  in
den  deutschen  Porzellansammlungen ­
  der  Fall  ist,  und  auch
hier  war  die  Auswahl  auf  das
Charakteristische  gerichtet  und  zugleich ­
  aufschlußreich  für  die  Kunstgeschichte. ­

Ganz  ähnlich  wie  Konrad
Linck  präsentiert  sich  in  der  Sammlung ­
  Darmstädter  auch  der  Höchster
Modellmeister  Melchior  mit
einer  zwar  beschränkten  Zahl
plastischer  Werke,  die  aber  die
besten  Seiten  seiner  liebenswürdigen ­
  Kunst,  auch  seine  Begabung
als  Porträtist,  sehr  vorteilhaft  darstellen. ­


Fig.  3:  Schneeball-Schale
mit  Wappen  des  Dauphins  von  Frankreich,
Meißen  um  1745.

Abbildungen.
Fig.  1:  Krinolinfigur  v.  Franz
Bustelli.
Fig.  2:  Maria  und  Johannes
von  Bustelli.
Fig.  3:  Schneeball-Schale  mit  Wappen.  Meißen
um  1745.
            
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