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Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 4
Die privaten Jiunstsammfungen SRgrams.
Von Dr. F. Deak, Agram.*
Das Sammeln von Kunstgegenständen war seit jeher
in den Kreisen der Aristokratie und Patrizierfamilien,
meistens aufs engste mit dem Ahnenkultus verbunden,
verbreitet. So war es auch bei uns stets der Fall. Alte
kroatische Adelsfamilien hatten unermeßliche Schätze an
Kunstgegenständen jeder Art, namentlich an Bildern,
Möbeln, verschiedenen Luxusgebrauchsgegenständen,
sowie diversen Services. Außerordentlich berühmt waren
beispielsweise die Kunstsammlungen der unglücklichen
Familien der Grafen Zrinjski und Markgrafen Fran-
kopan, die teils der österreichische Fiskus nach der
Enthauptung der letzten Sproßen dieser bekannten
kroatischen Adelsgeschlechter beschlagnahmte, teils die
österreichische Soldateska damals aus ihren prächtigen
Schlössern raubte. Aber auch andere längst ausgestor
bene kroatische adelige Familien besaßen dieser Art
Schätze in großer Menge, die durch Erbschaft auf viele
Familien, welche noch heute bestehen, übergingen. Die
gräflichen Familien DraSkövic, Pejaöevic,Jan-
k o v i c, 0 r § i c, K u 1 m e r, J e 1 a t i c, Bombelles
und viele andere, behüten noch heute auf ihren Be
sitzungen so manche kostbare Kunstsammlungen.
Auch in unserer Stadt bestehen viele solche, wenn
auch nicht große Kunstsammlungen, abseits vom groß
städtischen Trubel verborgen und oft auch schwer zu
gänglich, so daß sie sich der Kenntnis der breiten
Oeffentlichkeit entziehen, ln der oberen Stadt, der
ruhigen exklusiven Altstadt, wo einst in großer Zeit
kroatische Könige residierten und sich auch die kroa
tische Aristokratie meistens niederließ, findet man noch
heute fast in jedem solchen alten Haus oder Palais ver
schiedenartige Kunstgegenslände von oft großem Werte.
Es gibt jedoch nur wenige Sammlungen, die ge
schlossen dastehen und große künstlerische und histo
rische Werte repräsentieren. So ist die Kunstsammlung
des verstorbenen hochangesehenen Agramer Bürgers
und Großkaufmannes Feri Sollar eine der sehens
würdigsten in unserer Stadt. Prächtige Möbel aus ein
gelegten kostbaren Hölzern, aus der Zeit Ludwig XV.
und XVI., dann reizende Sachen aus echtem Sevres-
Porzellan, darunter zwei entzückende Kaminuhren, ein
wunderbarer Rokoko-Luster, sowie eine hübsche Ge
mäldesammlung von Werken einheimischer Künstler,
eine Anzahl von interessanten Stichen aus der Zeit des
Rokoko und des Barocks vervollständigen diese für
unsere heutigen Verhältnisse immerhin seltene Kunst
sammlung. Unter den Möbeln möge ein besonders wert
volles, alt-venezianisches Toilettetischchen aus seltenen
eingelegten orientalischen Hölzern hervorgehoben wer
den. Die kostbare Miniaturen- und Dosen-Sammlung
konnte leider wegen der Abwesenheit der derzeitigen
Besitzerin nicht besichtigt werden.
Eine hervorragende Stelle nimmt die Kunstsamm
lung des Herrn Erwin Weiß ein. Diese fachmännisch
geführte und eingerichtete Sammlung, — jedes Stück ist
numeriert und in einer eigenen Kartothek eingetragen,
— bietet jedem Kunstfreund und Sachverständigen eine
Fülle hochinteressanter, dabei oft ungemein seltener
Kunstgegenstände, welche vom Eigentümer mit großem
Fleiß und Verständnis durch zwei Dezennien gesammelt
wurden. Die Sammlung enthält 400 Nummern und be
steht aus Mobiliar, Porzellan, Bildern, Miniaturen, Bron
zen, Dosen, Gläsern, Uhren, Holzplastiken und Teppichen.
Unter den Möbeln erwähnen wir einen imposanten
*) Wir entnehmen diesen interessanten Aufsatz der Jubi-
läums-Nummer des „Zagreber Tagblatt“ vom 1. Februar 1925.
Bücherkasten aus Palisanderholz mit vergoldeten
Schnitzereien im Empire-Stil, welcher aus dem kaiser
lichen Schloß in Lainz stammt, dann eine herrlich ge
arbeitete Kommode aus Palisanderholz mit eingelegten
seltenen Hölzern im Stil Louis XV. (franz. Arbeit um
1750), ein Tabernakel aus Nußbaumholz eingelegt; im
Barockstil (Oesterreich 1780), einen reizenden franzö
sischen Damensekretär aus Mahagoni mit reichen Bronze
beschlägen in Empire, efnen wundervollen Louis XVI.-
Tisch aus seltenen Hölzern (italienische Arbeit) mit
Intarsien, der eine große Seltenheit ist und an eine
Arbeit im Louvre erinnert Schließlich verschiedene Fau
teuils in Gotik, Renaissance, Barock und Empire-Stil.
Eine seltene, wunderbare, reich eingelegte Standuhr von
Batterson (Ende des 17. Jahrhunderts), deren Echtheit
von der Uhrmacher-Zunft in London urkundlich bestä
tigt ist, ergänzt in harmonischer Weise die geschmack
voll und stilgerecht eingeordneten Möbel. Die Haupt
sehenswürdigkeit der Sammlung Erwin Weiß bildet die
überaus schöne und kostbare Porzellansammlung, welche
aus insgesamt 200 Stücken besteht, worunter die Por
zellanmanufakturen Sevres, Wien, Meissen, Nymphen
burg, Ludwigsburg, Frankenthal usw. vertreten sind.
Von der Tassen-Sammlung erwähnen wir einige erst
klassige Sevres-Tassen und eine Bonbonniere in reich
ster Ausführung, dann eine Serie Altwiener-Tassen der
Sorgenthal-Periode, mit reichem Golddekor bemalt,
hauptsächlich mit Szenen aus der Mythologie und alten
Ansichten von Wien. Unter diesen befinden sich auch
einige sehr seltene Tassen aus der frühesten Zeit der
Wiener Porzellanmanufaktur und aus der Maria Theresia-
Zeit. Es wäre noch speziell eine seltene Meißner-Tasse
mit dem Zeichen des Hausmalers Bottengruber (1730)
zu erwähnen, deren Gegenstück sich im österreichischen
Museum befindet. Dann ist noch eine schöne Anzahl
von Tellern aus obenerwähnten Manufakturen vorhanden,
die mit mythologischen Szenen bemalt sind, in der
Porzellanfiguren-Samtnlung ist hauptsächlich Wien mit
vielen seltenen Stücken, davon einige wahre Unika,
vertreten. Von den unbemalten wären die feinausge-
führten vier Weltteile-Gruppen (1744—1749, Wien, mit
eingedrucktem Bienenkorb), sowie eine seltene Callot-
Figur (Jupantschku Ferenz), deren ähnliches, jedoch
bemaltes Stück sich in der berühmten Karl Mayer-
Sammlung (Wien) befindet, ferner Chinesenfiguren, ver
schiedene Zier- und Liebesgruppen (in Krinoünentracht),
zu erwähnen. Von farbigen Porzellangruppen sind die
vier Jahreszeiten (Meißen) in einer Gruppe durch Putten
dargestellt und in Bronze montiert, dann verschiedene
Schäfer- und Kinderszenen (ebenfalls aus Meißen) her
vorzuheben. Aus der Wiener Porzellanmanufaktur sind
noch einige prächtige und seltene Liebesgruppen (da
runter Damen in Krinolinen), schließlich eine große
Anzahl von Kindergruppen und kleinen reizenden
Amouretten erwähnenswert. Jedenfalls wäre zu wünschen,
daß diese kostbare und schöne Porzellansammlung we
nigstens photographisch aufgenommen, auch weiteren
kunstverständigen Kreisen zugänglich sein würde.
Die Miniaturen-Sammlung, welche aus etwa dreißig
Stücken besteht, enthält reizende Werke, meistens der
Wiener Schule angehörend (Daffinger, Decker, Hummel,
Peter Saar, Schwager, Weichselbaum), namentlich ist
eine prächtige englische Miniatur von Zincke, den Sir
Robert Walpole, Earl of Oxford, darstellend, zu er
wähnen. Viele von diesen Miniaturen sind im berühmten
Werk von Leisching abgebildet. Unter den Oelgemälden
sind Meister wie Zorn, Lampi d. Ae., („Betende Schwe-