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Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 7
Oeil de perdri-Muster (Nr. 513) 10.800 Mark, für eine
eiförmige Teekanne mit vergoldetem Apfel als Knauf
(Nr. 510) 9000 und für die Konfektschale in Rose Pom
padour (Nr. 521) 10.850 Mark. Wir kommen auf die
interessante Auktion, die im ganzen 845.470 Mark er
gab, noch zurück.
Sxpertise-ßiiros.
Ein Vorschlag,
Von Dr. J. B. de Ia Faille (Bloemendaal, Holland.)
Stets größer wird die Verwirrung auf dem Gebiete
der Gutachtenabgabe für alte und moderne Gemälde
und für Kunstgegenstände. Schon zu lange dauert ein
Wirrzustand, der Verbesserung, ja umstürzende Verän
derung dringend heischt. Das Publikum verliert das
Vertrauen beim Kaufen von Kunstgegenständen, es ver
langt Zertifikate, Beweise der Herkunftsechtheit und
schriftliche Garantien. Früher kaufte man die Kunst um
der Kunst willen; man war selber Sachverständiger und
erwarb das, was man schön fand, ohne sich allzu sehr
um die mögliche Echtheit oder Zuschreibung zu be
kümmern. Das heutige Publikum ist verändert, jene, die
um der Schönheit und allein um ihretwillen kaufen,
sind Ausnahmen geworden, die Mehrzahl kauft aus
anderen Beweggründen. Man will in erster Linie für
sein Geld Ware haben, Gewißheit, daß ein altes Ge
mälde wirklich alt ist, daß ein Gemälde, welches man
als einen Rembrandt oder Hals kaufte, ein paar Jahre
später nicht wieder Bol oder Leyster genannt wird und
folglich hinsichtlich seines Geldwertes beträchtlich ge
sunken ist. Hiebei füge ich sogleich hinzu, daß es na
türlich niemals möglich ist, ein einigermaßen fragwür
diges Gemälde ein für allemal diesem oder jenem
Meister zuzuschreiben, sodaß eine spätere Aenderung in
der Zuschreibung vollkommen ausgeschlossen ist. Tief
gehendes Quellenstudium, die Entdeckungen in Archiven
und Notariatsaufzeichnungen, sowie der Fortschritt in
der Stilkritik, dies alles wird noch viele Ueberraschungen
mit sich bringen und die herrschenden Meinungen
ändern — wohl aber kann und muß das Publikum so
sehr als möglich beschirmt werden gegen Betrug, Ver
fälschung oder unkundige Belehrung. Den heutigen
Käufern alter oder moderner Kunst fehlt zumeist aus
begreiflichen Gründen die Zeit, sich in stilkritische Be
trachtungen zu vertiefen. Ob sie nun aber zu einem
Kunstgegenstand aus ästhetischen Ursachen, aus Ueber-
legungen spekulativer oder snobistischer Art, aus Be
dürfnis ihr Geld anzulegen, aus reiner Sammelwut hin
gezogen werden: — alle haben das Recht auf Belehrung,
so sie nach einer solchen verlangen. Diese Belehrung
muß nicht allein fachmännisch sein, doch zugleich mög
lichst unbestreitbar, das will sagen, sie muß durch Per
sonen gegeben werden, die moralisch verantwortlich
für ihre Erklärungen sind, sie muß nicht durch eine
Person, sondern durch Gruppen von Personen gegeben
werden, die allgemein anerkannte Spezialisten auf künst
lerischem Gebiete sind. Neben dem Kunstgelehrten, als
Theoretiker, muß der Händler stehen, der in der Praxis
seine Kenntnisse erworben hat. Die Praxis und das
Umgehen mit den Kunstgegenständen selbst ist der
allerbeste Lehrmeister. Aus Büchern kann man über
Kunst lesen; Kunst kennen lernen kann man allein durch
Betrachtung der Objekte selbst. Man kann ein vortreff
licher Kunstdozent sein, ohne ein gefälschtes Gemälde
erkennen zu können.
Wie ist es zu erreichen, daß der Unsicherheit ein
Ende gemacht wird, die beim Kunst kaufenden Publi
kum heutigen Tags in so hohem Maße herrscht? Durch
die Gründung von Expertise-Büros in jedem
Lande. Einern solchen Büro werden Angehörige des
betreffenden Landes in bestimmter Anzahl beitreten
müssen, die Spezialisten sind: a) ln alter Malerei, b)
In moderner Malerei, c) In Antiquitäten, d) In alter und
moderner graphischer Kunst, e) In Bildhaukunst.
Jede Abteilung gibt für die ihr zur Untersuchung
und Begutachtung eingesandten Gegenstände ein At
test ab, das durch alle Sachverständigen der betref
fenden Abteilungen bestätigt wird. Das Zertifikat wird
numeriert und registriert. In jedem Sachverständigen
büro können allein Angehörige des betreffenden Landes
Mitglied sein. Jedes Land besitzt genügend Sachver
ständige, um seine eigene einheimische Kunst beurteilen
zu können. Diese können allerdings Adviseure ernennen,
die moralisch mitverantwortlich sind. Als Adviseurs
können nur international anerkannte Größen in Betracht,
wie z. B. Max F r i e d 1 ä n d e r für die niederländische
und flämische Kunst des Mittelalters. Es muß unmöglich
gemacht werden, daß für niederländische Kunst Zertifikate
durch deutsche Restauratoren oder Akademieprofessoren
abgegeben werden. Dies gilt für jedes Land. In der
Schweiz oder in den Niederlanden müßte
das Zentralbüro gegründet werden, wo alle Duplikate der
abgegebenen Zertifikate und Photographien gesammelt
werden. Dieses Büro wäre also dann als das Zentral-
Anfragebüro zu betrachten. Für jedes Zertifikat wäre
eine feste (niedrige) Summe zu entrichten, ganz unab
hängig von dem Ergebnis der Untersuchung und der
Zuschreibung. Damit wird es dann zugleich unmöglich
gemacht, daß man für ein Zertifikat von Vermeer
mehr zu bezahlen hat, als für die Bescheinigung über
irgend einen Meister dritten Ranges. Mit diesen Ein
nahmen wären die Unkosten des Büros zu decken. Die
Experten empfangen eine Vergütung allein für Reise-
und Aufenthaltskosten und für ihren Zeitaufwand; im
übrigen verrichten sie ihre Arbeit ehrenhalber. Nur am
Ende des Jahres, wenn nach Abzug der Betriebsunkosten
ein Einnahmenüberschuß vorhanden ist, kann ihnen für
ihre geleisteten Dienste ein bestimmter Betrag ausge
zahlt werden. Die Unterausschüsse können als tech
nische Adviseure auch geschickte Restauratoren von
Möbeln oder Gemälden dem Büro angliedern. Auktions
veranstalter müssen in ihren Katalogen Zertifikate ver
melden, die das Büro eventuell ausgestellt hat. Händler
werden, wenn das Publikum bei seinen Ankäufen die
Zertifikate des Büros fordert, gerne diese Echtheits
bescheinigungen vorlegen.
Die Zeit ist überreif Es muß etwas geschehen.
Wenn in jedem Lande, wo man die Notwendigkeit fühlt,
ein Büro errichtet wird, kann man das unterminierte
Vertrauen beim Publikum wieder hersteilen. Das Pub
likum muß nicht allein die Sicherheit haben, daß es
keine Fälschungen kauft, es muß auch beschirmt werden
gegen die Unwissenheit und Leichtfertigkeit derjenigen,
die sich häufig als Kunstexperten ausgeben, ohne wirk
lich kunsterfahren im genauesten Wortsinne zu sein.
Auch die Künstler selbst müssen endlich in Schutz ge
nommen werden gegen ihre Verfälscher, die immer mehr
überhandnehmen.