Nr. 11
Seite 85
Internationale Sammler-Zeitung
ßeo GFatt’s GflacFitaß.
Vielleicht wird der 7. Juni dieses Jahres für
Prag ein Meilenstein in der Geschichte des Kunst
marktes sein. An diesem Datum öffnet ein neues
Kunstauktionshaus seine Pforten und der Besitzer
desselben, der in der Tschechoslowakei bekannte
Kunsthändler Heinrich S 1 a t n e r, der auch für uns
kein hoino novus ist, dürfte seinen Unternehmungs
geist mit einem vollen Erfolge gekrönt sehen. Es ist
ihm entschieden ein ganz großer Fang geglückt, denn
den Nachlaß Leo F a 1 l’s zu versteigern ist sicherlich
ein bedeutendes Ereignis.
Leo Fall, der in der Vollkraft seiner Jahre durch
eine tückische Krankheit, deren Keime er sich auf
seiner Südamerika-Tourne geholt hatte, dahingerafft
wurde, war ein ganz großer Musiker. Seine „Madame
Pompadour“ dürfte einst zu den klassischen Operet
ten zählen und gibt es wohl kein Fleckchen auf der
Erde, wo man die Weisen dieses feinsinnigen
Musikers nicht hören könnte. Er, der durch die
Dollarprinzessin zum Dollarprinzen wurde, hatte
selbstredend auch für andere schöne Künste größtes
Interesse und feinsinnigstes Verständnis. Kein Wunder
also, daß Leo Fall im Laufe der Jahre kleine Schätze
zu einer Sammlung vereinigte, welche noch durch
andere Stücke aus ganz hervorragendem Privatbesitz
bereichert wird.
Es gab fast nichts, was Meister Fall nicht ge
sammelt hätte. Glas, Porzellan, Teppiche, alte Möbel,
Antiquitäten und selbstverständlich in ganz beson
derem Maße Gemälde. Bilder aller Epochen und
Schulen waren ihm vielleicht ganz besonders am
Herzen gelegen. Die alten Meister sind denn auch
durch die besten Namen vertreten und das 19. Jahr
hundert weist auch die' ersten und besten Meister
dieser Zeit auf. Als geborenem Olmützer ist es nicht
zu verwundern, daß Leo Fall auch den tschechischen
Meistern Liebe und Interesse entgegenbrachte.
Mehr will ich über die Sammlung selbst nicht
schreiben und lieber noch einige Worte dem Kataloge
widmen. Dieser ist mit verschwenderischer Pracht
ausgestattet. Herr Slatner hat weder Mühe noch
Kosten gescheut, um, ich möchte fast sagen, ein
bibliophiles Werk dem Publikum zu bieten. Als Ver
fasser des Kataloges zeichnen Dr. F. X. H a r 1 a s,
Direktor des Museums der Stadt Prag und Dr. E. W.
Brau n, Direktor des Landesmuseums in Troppau.
Als Experten der alten Gemälde figurierten Dr. H o f-
stede de G r o o t, Hofrat Dr. Glück, Dr. F r i m-
m e 1, Dr. S u i d a und Dr. Bald a ß, also Namen, die
eine seriöse und gewissenhafte Ausarbeitung des
Kataloges gewährleisten.
Zum Schlüsse sei noch der Auktionsräumc ge
dacht, die den vollendeten Rahmen zum Ganzen bilden
und wird die Stadt Prag Herrn Slatner, der von
seinem Bruder Otto und dem fachkundigen Professor
Müller bestens beraten ist, sicherlich einst
dafür dankbar sein können, wenn sie zu den Städten
zählen wird, die auf dem Weltmärkte des Kunst-
handcls eine erste Rolle spielen.
Richard Schmal (Wien).
2)/e Giufdion Georg Gellt.
Die Versteigerung des ersten Teiles der Viennensia-
Sammlung Georg E c k 1 durch das Antiquariat Doktor
Ignaz Schwarz nahm bei zahlreicher Beteiligung von
Interessenten aus den Bundesländern und dem deut
schen Reich einen flotten Verlauf. Zum erstenmal in
der Geschichte des Auktionswesens mag es bei dieser
Auktion vorgekommen sein, daß eine Dame die Ver
steigerung leitete: aber Frau Dr. S c h w a rz, die Witwe
und Erbin des Dr. Ignaz Schwarz, war nur im An
fang etwas befangen, mit einer überraschenden Schnel
ligkeit gewann sie die volle Sicherheit und je mehr
die Auktion fortschritt, desto weniger dachte man da
ran, daß eine Frau in einer neuen, bisher ungewohnten
Rolle debütiere.
Die Versteigerung nahm bei der großen Reich
haltigkeit des Materials — es waren an 15t 0 Nummern
zu bewältigen — fünf Nachmittage in Anspruch, aber
das Interesse hielt ungeschwächt bis zum Schlüsse an.
Am heißesten umstritten waren die Blätter und Bilder
der Sammlung. Der Rekordpreis von 2000 S ist für
Bäuerles „Theaterzeitung" zu buchen. Ersteher war
überraschenderweise kein Wiener, sondern der Heidel
berger Antiquar Ernst Carlebach, der sich auch
sonst durch große Ankäufe bemerkbar machte. Neben
ihm trat die Stadt Wien als Hauptkäuferin auf. Sie er
stand eine Reihe seltener Stücke, so die von Bäuerle
herausgegebene „Gallerie drolliger und interessanter
Scenen der Wiener Bühnen", die „Theatralische Bilder-
gallerie", die „Scenen classischer Darstellungen auf den
k. k. Hoftheatern" und vieles andere, das man in der
Stadtbibliothek bisher vermißte. Bei den „Goetheana"
trat der bekannte Goethe-Forscher Kippenberg in
Aktion, der sich manche interessante Rarität sicherte,
die „bei Kippenberg" bis nun fehlte.
Nachstehend die wichtigsten Preise der Auktion:
Nr. S
12. Wiennrischer Opernkalender 190
20. Taschenbuch vorn Th. in d. Leopoldstadt, 15. J. 120
23. Taschenbuch deutscher Bühnenkünstler 60
28. Wiener Theateralmanach auf 1803 250
29. Wiener Theateralmanach von Rimrich, 5 Bände 210
59. Hadatsch, Launen des Schicksals 55
106. Haagen, Gallerie von Teutschen Schauspielern 145
127. Teuber, Geschichte des Prager Theaters 85
193. Die Theater Wiens, 4. Bde 150
194. Wiener Theaterzeitung v. A. Bäuerle, 65 Bde 2000
195. Bilderbeigaben zur Wiener Theaterzcitung 1450
361. Hanswurst der musik. Seifensieder 50
481. J. Müller, Der Ball 115
485. Nestroy, Lumpacivagabundus 2. A. 42
486. Ders., Zu ebener Erde 1. A. 45
487. Ders., Die verhängnisvolle Faschingsnacht 20
488. Ders., Talisman l.A. 15
489. Desgi. broch. 17
490. Ders., Das Mädel aus der Vorstadt 1. A. 10
491. Dasselbe broch. 8
492. Ders., Der Zerrissene 1. A. 12
493. Ders., Glück, Mißbrauch etz. 17
494. Ders., Der Unbedeutende 1. A. 15
495. Ders., Dasselbe broch. 22
496. Ders., Unverhofft mit St. von Schoeller 10
497. Ders., Freiheit in Krähwinkel 16
551. Sbarra, II pomo d’oro 55
555. Schikaneder, Die Zauberflötte LA. 60
561. Schiller, Wallenstein 1. A. 120
563. Schink, Marionettentheater 190
622. Weise, Bäuerischer Machiavellus 45
655.-57. Burgtheater, Theaterzettel 100
687a. Theaterzettel 100
708. Nissen, Mozart-Biographie 80
812. Vaterl. Künstlerverein 250
854. Sammlung kom. Theatergesänge 760
858. Schubert, Gretchen am Spinnrade 250
900. Th. Krones, Autograph 7. Z. 100
901. Nestroy, Wechsel 100
928. Carl, Carl als Tanzmeister Pauxel 100