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Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 17
Frühling 1899 kam er zu Doktor P e y r o n in Sankt
Remy. Es scheint, daß er sich mit Doktor Peyron
nicht so gut verstand, wie mit mir. Auch in St. Remy
hat van Gogh gearbeitet — einige seiner schönsten
Leinwände sind dort entstanden. Er ließ sie in einer
Ecke stehen oder bot sie den Kranken an, die sie
nicht haben wollten. Eines Tages verschlang er seine
Farben in einem Wahnsinnsanfall. Man gab ihm
Gegengift. Der Winter war schrecklich für ihn, er
konnte es in der Anstalt nicht mehr aushalten. Das
Geschrei der Irren erregte und ängstigte ihn. Sein
Bruder Theo veranlaßte ihn im Mai 1896 nach Auverssur-oise
zu übersiedeln, wo er ihn der Fürsorge des
Doktor Gachet empfahl, der sich in freundschaftlichster
Weise seiner annahm. Am 28. Juli wurde
Doktor Gachet zu van Gogh gerufen. Vincent hatte
sich, während er auf dem Land malte, eine Kugel in
die rechte Seite geschossen, war aber noch zu Fuß
in sein Gasthaus zurückgekehrt, wo man ihn auf dem
Bett liegend vorfand.
„Ich habe mich verpatzt, Doktor Gachet, nicht
wahr?“
Der Doktor tröstete ihn und Vincent bat ihn um
seine Pfeife.
Am 29. Juli verschied er, siebenunddreißig Jahre
alt. Auf dem kleinen Friedhof von Auvers-sur-oise
liegt er begraben, neben ihm sein Bruder Theo, der
ihm ein halbes Jahr später in den Tod folgte.
Doktor Rey schwieg. Ich gab ihm tief ergriffen
die Hand und dankte ihm ohne Worte für die unvergeßliche
Stunde, die er mir gütigst schenkte.
*Die SfnRunadetsammtung Jiurt c ÜDotff.
Die Zahl der deutschen Bibliophilen, die bedeutendere
Inkunabelnsammlungen angelegt haben, ist
nicht so groß, wie man es in einem Lande erwarten
sollte, in dem die Buchdruckerkunst erfunden wurde
und dessen Bürger den größten Teil der im XV. Jahrhundert
gedruckten Bücher hergestellt haben. Wohl
enthalten die im 15. bis 18. Jahrhundert zusammengebrachten
fürstlichen und standesherrlichen Büchereien
bedeutende Inkunabelnschätze, und auch Büchersammler
des 19. Jahrhunderts haben ihren Bibliotheken hie
und da einzelne Wiegendrucke einverleibt, jedoch
sind systematisch angelegte Inkunabelnsammlungen
in Deutschland nicht häufig. Nachdem im Anfang des
19. Jahrhunderts die süddeutschen Klosterbüchereien
aufgelöst worden waren, infolgedessen in den öffentlichen
Bibliotheken große Mengen von Inkunabeln
vereinigt wurden und viele derselben dann als Dubletten
auf den Markt kamen, haben die englischen
öffentlichen Bibliotheken und Privatsammler den
größten Teil dieser Bestände in sich aufgenommen.
Bei der bedeutenden Dublettenversteigerung der Münchener
Hofbibliothek im Jahre 1858 durch Fidelis
B u t s c h in Augsburg gingen die wertvollsten Stücke
nach Frankreich und Rußland. Der einzige deutsche
Sammler, der diese außerordentlichen Gelegenheiten
in größerem Umfange ausnutzte, war der Frankfurter
Arzt Johann G. B. F. Kloss (1787—1864), der in
jenen Jahren eine Sammlung von 4633 Inkunabeln
und Frühdrucken des 16. Jahrhunderts zusammenbrachte.
Als diese im Jahre 1835 in London versteigert
wurde, ging ein großer Teil derselben in den Besitz
eines anderen Frankfurter Sammlers, des Bankiers
Philipp Heinrich Moritz Alexander von B e t hmann
(1811—77), über, der später auch Stücke aus
einer kleineren Inkunabeln-Bibliothek, der des württembergischen
Justizministers Paul Friedrich Theodor
Eugen Freiherrn von Maucler (1783—1859) in
Oberherrlingen erwarb, während andere Teile der
Mauclerschen Sammlung heute noch in Frankfurter
Privatbesitz verwahrt werden. Die Bethmannsche
Sammlung erbte der Baron Hugo von Bethmann
in Paris, der sie systematisch ausbaute und auf 810
Nummern brachte. Sie kam nach seinem Tode durch
Versteigerungen in den Jahren 1923 und 1924 zur
Auflösung. Erst in den 70er Jahren wurde eine zweite
wirklich bedeutende Inkunabelnsammlung in Deutschland
begründet, und zwar durch den Dresdener
Schneider Johann Heinrich Klemm (1819—86).
Klemm war der erste, der seine Sammlung wirklich
planmäßig anlegte. Er war bestrebt, möglichst viele
Drucke der Frühzeit und möglichst zahlreiche Beispiele
von verschiedenartigen Druckern und Druckorten
zusammenzubringen. Er hat auch einen ausführlichen,
nach Druckern und Druckorten angeordneten
Katalog seines „bibliographischen Museums“
veröffentlicht, der zwar nicht mehr auf der Höhe der
wissenschaftlichen Forschung steht, jedoch durch
seine zahlreichen Anmerkungen auch jetzt noch für
den Inkunabelnsammler wertvoll ist. In seinem letzten
Lebensjahr verkaufte er seine ungefähr 900 Wiegendrucke
enthaltende Bibliothek der sächsischen Regierung,
die sie dem eben neu gegründeten Deutschen
Buchgewerbe-Museum in Leipzig überwies.
Erst nach dem Kriege ist in Deutschland wieder
eine Inkunabelnsammlung gebildet worden, die durch
ihren Umfang und ihre Bedeutung mit den Sammlungen
Kloss und Klemm verglichen werden kann. Der
bekannte Müchener Verleger Kurt W o 1 f f hat schon
als junger Mann Bücher gesammelt. Seine bedeutende
Bibliothek von Erstdrucken deutscher Literatur wurde
1912 durch die Firma Joseph B ae r & Co. in Frankfurt
versteigert, da Wolff damals seine Büchersammlung
nach einer anderen Richtung hin ausdehnen
wollte. Nach dem Friedensschluß hat er sich in hervorragendem
Maße dem Sammeln von Inkunabeln
zugewandt und er war bestrebt, alle Stücke, die wegen
ihres Inhaltes, wegen ihrer drucktechnischen oder
künstlerischen Bedeutung von Wert waren, zu erwerben.
Der Verkauf der Sammlung Bethmann und der
Umstand, daß einige deutsche Bibliotheken in der Inflationsperiode
sich genötigt sahen, einen Teil ihrer
Inkunabelndubletten zu verkaufen, kamen ihm in dieser
Hinsicht sehr entgegen und es ist ihm gelungen,
durch zahlreiche Ankäufe im In- und Ausland eine
Sammlung von über 3000 verschiedenen Drucken des
XV. und frühen XVI. Jahrhunderts zusammenzubringen.
Der Teil der Bibliothek, der jetzt ebenfalls bei
Baer zur Versteigerung kommt, enthält 830 Wiegendrucke,
die mit wenig Ausnahmen ganz v o 11 s t ä n -
d i g sind. Viele davon sind in ihren ursprünglichen
alten, zum Teil sehr schönen, Klostereinbänden
erhalten, und einige haben hervorragenden
Miniaturenschmuck. Die Sammlung enthält Beispiele
von 66 verschiedenen Druckorten,
was umso bemerkenswerter ist, als keiner der in den
letzten Jahren erschienenen Inkunabelnkataloge mehr
als 50 verschiedene Druckorte aufwies, und es ist jedem
Inkunabelnsammler bekannt, wie schwer es ist,
Drucke von jenen kleinen Pressen zu erhalten, deren
Erzeugnisse nur zur Verbreitung in einem engen Bezirk
bestimmt waren und deshalb in sehr beschränkter