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MAK

Full text : Jahrgang 18 (1926) (21)

Seite  168

Internationale  Sammler-Zeitung

Nr.  21

lien  und  Deutschland  zu  hoher  Beliebtheit  gelangte
und  mit  großer  Kunst  erzeugt  wurde.  Die  Suche
nach  Tonwerten  mußte  der  grellen  Buntheit,  wie  sie
das  Mittelalter  liebte,  abträglich  sein.  Infolgedessen
verdüsterte  sich  im  Laufe  des  17.  Jahrhunderts  die
Farbenskala  der  Gemälde  und  der  Rahmen  mußte,
sollte  er  seinem  abschließenden  und  isolierenden
Zweck  nachkommen,  früher  oder  später  bei  der  grüßten ­
  Unfarbigkeit,  d.  h.  bei  der  schwarzen  Farbe  anlangen. ­
  Weitaus  die  Mehrzahl  aller  alten  Holländerrahmen ­
  zeigt  diese  überaus  neutrale  Farbe.  Man  hat
damals  mit  unendlich  wechselnden  Variationen  eine
Unsumme  von  Typen  hergestellt,  die  bei  gleichbleibenden ­
  Einzelmotiven  große  Abwechslung  zeigten.  Vor
allem  gibt  es  sozusagen  konvexe  oder  sozusagen  konkave ­
  Rahmenbildungen.  Bei  den  ersten  Profilen,  die
sich  vor  allem  für  kleine  Gemälde  eignen,  wird  das
Gemälde  durch  das  Emporheben  von  der  Wand  gleichsam ­
  dem  Auge  näher  gebracht.  Innerhalb  der  Stärke
des  Rahmens  ist  dort  das  Gemälde  um  einige  Zentimeter ­
  oder  Millimeter  vor  die  Wandfläche  gerückt.
Der  zweite  Typus  kann  natürlich  das  Bild  selbst  nicht
in  die  Wand  versenken,  jedoch  bietet  er  durch  das
charakteristische  Grundmotiv  einer  tiefen  Kehle,  um
die  der  Rahmen  seine  einzelnen  Elemente  aufbaut,  die
Möglichkeit,  optisch  das  Gemälde  gleichsam  in  die
Wand  zu  versenken.  Es  wird  uns  die  Genußmöglichkeit ­
  geschaffen  gleichsam  durch  ein  tiefes  Fenster  in
eine  Landschaft,  in  einen  Raum  hinaus  zu  blicken.
Daneben  hat  sich  von  Italien  aus  eine  andere
Form  fast  allgemein  eingebürgert,  die  im  Grunde  genommen ­
  ein  uraltes  Ornamentmotiv  neu  auffrischt,
das  schon  in  der  Spätgotik  sehr  zur  Geltung  kam.  Es
ist  ein  spiralförmiges  Band,  das  sich  um  eine  fadendünne ­
  Achse  windet.  Man  hat  dieses  Band  im  17.  Jahrhundert ­
  als  eine  Blattwelle  gedeutet,  die  in  ihrem  Hin
und  Her  im  scheinbaren  Zickzack  das  Bildfeld  umläuft ­
  und  durch  einen  Mittelwert  zwischen  Komposition ­
  und  Auflösung  angenehm  unbestimmt  ist.  Das
18.  Jahrhundert  hat  neben  einer  Fülle  der  kapriziösesten ­
  Rahmenbildungen,  die  zum  Teile  ihren  Ursprung ­
  aus  der  gleichzeitigen  Stuckkunst  nicht  verleugnen ­
  wollen,  auch  einige  sachliche,  handfeste  und
immer  wieder  verwendbare  Typen  erfunden.  Die  populärste ­
  und  Hauptkombination  ist  eine  Einschränkung
des  alten  Holländerrahmens  auf  ein  paar  schwarze
Parallelprofile,  die  an  der  Innenseite  durch  ein  Goldleistchen
  entweder  als  Stab-  oder  Blattwelle  gebildet,
an  das  Bild  grenzen.  Wiederum  uralte  Motive  der
Architektur  sind  verwendet.
Es  erübrigt  sich  die  Wandlungen  im  Stile  des
Louis  Seize  zu  schildern,  das  in  seinem  Drange  zu
antikischen  Bildungen,  auch  Motive  des  Florentiner
Manierismus,  wie  Kannelüren  und  runde  Nabelscheibchen ­
  über  einem  Quadrat  besonders  liebt.  Es  bedürfte ­
  einer  umfänglichen  Darstellung  mit  zahlreichen
Illustrationen  all  diese  Wendungen  und  Sprünge  eines
durchgehenden  Entwicklungsgedankens  aufzuzeigen.
Es  ist  merkwürdig,  jeder  unter  uns  findet  es  zur  Aus-2)/e

  Ergebnisse  der
Paul  C  a  s  s  i  r  e  r  und  Hugo  H  e  1  b  i  n  g  haben  am
26.  Oktober  in  B  e  r  1  i  n  Handzeichnungn  von  Oskar
Kokoschka  versteigert,  die  aus  einer  bekannten
Berliner  Sammlung  stammten.  Die  Auktion  war  deshalb ­
  von  Bedeutung,  weil  sie  die  erste  wirklich  große
war,  die  sowohl  dem  Umfange,  wie  dem  Wert  der  einzelnen ­
  Stücke  nach  die  Zeichnungen  des  nun  in  aller
Welt  anerkannten,  noch  immer  jungen  Oesterreichers

Schmückung  und  Verschönerung  seiner  eigenen  Person ­
  selbstverständlich,  sagen  wir  den  Friseur  oder  die
Modistin  aufzusuchen.  Die  Rahmung  der  Bilder  ist  bis
vor  ganz  kurzem  mit  der  größten  Gedanken-  und
Herzlosigkeit  durchgeführt  worden  und  erst  die  vollendete ­
  Umrahmung  der  Akademiegalerie  und  die  begonnene ­
  des  Hofmuseums  hat  gezeigt,  wie  sehr  jedes
Bild  sowohl  in  Farbe,  Modellierung  und  Größe  tausendfach ­
  abgestufter  Bedingtheit  bedarf.  Wir  wollen
uns  einen  grotesken  Gedanken  vergegenwärtigen,  der
aber  als  Beispiel  überaus  plastisch  wirkt.  Wenn  in  den
Zeiten  der  Monarchie  der  dienstführende  Feldwebel
den  Rekruten  die  Uniformen  austeilte,  so  gab  es  ein
recht  groteskes  Bild,  wie  sehr  unpassend  all  die
ärarischen  Monturen  wirkten.  Hier  zu  groß,  dort  zu
klein,  im  ganzen  eine  Erscheinung,  die  am  ehesten
noch  in  ein  Witzblatt  hätte  passen  können.  Mit  den
Rahmen  ist  es  ebenso.  Im  Laufe  des  19.  Jahrhunderts
ist  eine  Flut  von  grauenhaft  maschinell  erzeugten
Rahmen  zustandegekommen.  Jener  Reiz,  der  die  aus
-  freier  Hand  gezogene  Linie  von  dem  Linealstrich
unterscheiden  läßt,  beruht  auch  als  Unterschied  edlen
Handwerks  von  der  Maschinenweise  bei  dem  alten
Bilderrahmen  auf  diesem  Umstande.  Aber  auch  die
Auswahl  aus  einer  vorhandenen  Menge  von  Rahmen
selbst  erfordert  eine  gewisse  Umsicht  und  es  läßt  sich
denken,  daß  trotz  edelstem  Rahmen  an  und  für  sich
und  schönstem  Bilde  eine  arge  Mißheirat  herauskommen ­
  kann.  Es  bedarf  längerer  Uebung  und  ausreichender ­
  Erfahrung  hier  immer  das  Richtige  zu  treffen.
Wir  verfügen  aber  auch  Gott  sei  Dank  in  W  i  e  n  über
Leute,  die  darin  Bescheid  wissen  und  deren  vorzüglicher ­
  Geschmack  manchen  irrenden  Privatmann  den
Weg  zur  vollendeten  Einrahmung  eines  Gemäldes,
einer  Zeichnung,  oder  eines  graphischen  Werkes
weisen  kann.  Die  Menge  der  alten  Rahmen  ist  bereits
im  Aussterben  begriffen,  da  die  Künstler  seit  Generationen ­
  nach  solchen  fahnden.  Da  nicht  jeder  dieser
alten  Rahmen  paßt,  muß  ständig  ein  großer  Vorrat
gehalten  werden,  aus  dem  man  von  Fall  zu  Fall
schöpft.  Da  die  alten  Rahmen  zum  Schlüsse  auf  dem
Wege  jahrhundertlanger  Erfahrung  die  glücklichste
Möglichkeit  einer  Umgrenzung  des  Bildfeldes  gezeigt
haben,  so  ist  gewiß  auch  erlaubt  in  freier  Variation
auf  diese  Modelle  zurückzugreifen,  um  etwa  den  Eindruck ­
  zu  erzielen,  den  der  alte  Künstler  gewollt  hat.
Auch  hier  wieder  bedarf  es  geübten  Rates  und  einer
geschickten  Hand,  um  Einwandfreies  zu  erzeugen.
Wir  verfügen  in  Wien  über  solche  Möglichkeiten  und
ich  möchte  nur  vielleicht  auf  die  prominenteste  Firma
auf  diesem  Gebiete  hinweisen,  die  sich  hierin  mit  den
geschicktesten  Rahmenerzeugern  auch  in  anderen
Städten  wie  München,  Paris  etc.  vorteilhaft  messen
kann,  die  Firma  Stiassny  &  Plobner.
Ersprießlich  für  die  Sammler  ist  in  dieser  Hinsicht ­
  der  Besuch  der  Galerien,  die  mehr  als  jede  theoretische ­
  Eröterung  sinnfällig  den  Nutzen  und  die  Schönheit ­
  wohlüberlegter  Rahmung  zumal  mit  schönen
alten  Rahmen  zeigen  können.

EKokoschka-ERuktion.
brachte.  Was  sich  vor  einem  Jahr  bei  einer  Versteigerung ­
  von  Arbeiten  Kokoschkas  in  Berlin  gezeigt  hatte,
trat  nun  nicht  mehr  zutage:  nur  ein  Viertel  der  76
Handzeichnungen  wurde  zurückgezogen.  Das  ist  ein
sehr  schöner  Erfolg  und  daß  es  überhaupt  unverkaufte ­
  Blätter  gab,  hängt  lediglich  mit  den  allgemeinen ­
  Verhältnissen  auf  dem  Markt  zusammen.  Die
Zeiten,  wo  man  das  Geld  hinauswarf,  ohne  es  anzu-
            
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