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MAK

Full text : Jahrgang 18 (1926) (22/23)

Nr.  22/28

1  nternationale  Sammler-Zeitung

Seite  183

Sm  [Heim  eines  SHunstfieöfiaßers.

Aus  Charlottenburg  wird  uns  geschrieben.
Infolge  seiner  Versetzung  ins  Ausland  entschloß  sich
der  Besitzer  der  Villa  Berlin  W,  10,  Hohenzollernstraße  23,  die
Gesamteinrichtung  derselben  mit  den  Spezial-Kunst-Sammlungen
  durch  das  Kunst-Auktions-Haus  Jac.  Hecht  versteigern ­
  zu  lassen.
Man  darf  ohne  Uebertreibung  sagen,  daß  seit  langem
keine  Kunstschau  in  dieser  Art  geboten  wurde.  Wohl  kommen
Sammlungen  mit  bedeutendem  Namen  und  großen  Qualitäten
unter  den  Hammer;  sie  aber  mußten  der  Geschlossenheit  entbehren, ­
  da  sie  in  fremden  Sälen  aufgestapelt,  nur  mehr  ein
Zeugnis  gaben  von  der  Kennerschaft  ihres  Sammlers,  nicht
aber  von  der  schöpferischen  Ausgestaltung  seines  Heimes.
Hier  aber  wird  offenbar  die  Kultur  und  die  Feinsinnigkeit
  eines  Kosmopoliten,  der  weltbereisend,  Köstlichkeit  auf
Köstlichkeit  häufend,'sich  ein  Heim  geschaffen  hat,  das  bewundertes ­
  Zentrum  der  Berliner  Gesellschaft  gewesen  ist.
Das  einzige  Heine-Porträt  von  Frangois  L  a  y  -
n  a  u  d,  über  den  Kunsthandel  nach  Schweden  gelangt,  wurde
für  diese  Stätte  mit  großen  Summen  zurückerworben.  Das
Bild  zeigt  des  Dichters  Antlitz  in  ungewohnter  Barttracht  von
Melancholie  umdämmert.  Der  Heine-Literatur  ist  die  Begegnung ­
  des  Dichters  mit  dem  Maler  Laynaud  in  Italien  zu
einer  Zeit  bekannt,  da  sich  Heine  wegen  Mißhelligkeiten  mit
den  dortigen  Barbieren  einen  Bart  wachsen  ließ.  Laynauds
Arbeit  verdient  nicht  nur  in  kulturhistorischer  Hinsicht  größte
Beachtung.  Konzeption  und  Technik  verraten  den  Meister
großen  Ranges.
Zu  nennen  sind  ferner  vorzüglich  durchgeführte  Werke
von  Chr.  v.  d.  Lamen,  Jacob  Duck,  Boudewyns,  B.  G.
C  u  y  p,  M  i  r  o  u,  teilweise  mit  Gutachten,  neben  schönen,  französischen ­
  Pastell-Porträts  des  18.  Jahrhunderts,  sowie  einer
„Büßenden  Magdalena"  von  Fr.  Furino  (mit  Gutachten  von
Bode).
Die  neueren  Meister  sind  mit  Gemälden  und  Handzeichnungen ­
  von  Menzel,  FI  o  s  e  m  a  n  n,  Hugo  Kauffmann,
F  r  i  e  d  1  ä  n  d  e  r,  S  k  a  r  b  i  n  a  etc.  vertreten.  Russische,  polnische ­

  und  lettische  Künstler  sind  in  Werken  von  P  i  lieh ­
  o  w  s  k  i,  Purwitt,  Rosenthal  u.  a.  vorhanden.
Unter  den  Möbeln  befinden  sich  verschiedene  antike
Prachtstücke  der  italienischen  und  spanischen  Renaissance,  sowie ­
  Barocksessel  mit  antiken  Point-Bezügen.  Die  kompletten
Zimmer  (Bibliothek-,  Herren-,  Damen-,  Wohn-,  Schlaf-,  Ankleide-, ­
  Konferenz-,  Frühstücks-  und  andere  Zimmer)  sind  in
verschiedensten,  sehr  geschmackvollen  Stilarten  eingerichtet.
Das  Speisezimmer  des  1.  Stockes  wurde  in  Anlehnung  an  das
Original  im  Schlosse  Sanssouci  angefertigt.  Die  Flügel  in  den
Musik-  und  Empfangs-Salons  sind  Berdux-  und  Steinway-Fabrikate.
  Die  Verdure  über  dem  Dielen-Kamin  ist  flandrischen ­
  Ursprungs.  Dem  Charakter  der  einzelnen  Räume  entsprechend ­
  sind  die  Perser-Teppiche  (Fcrrachan,  Jaraghan,
Hamedan,  Täbris-Kabistan,  Saruk,  Sultan),  unter  denen  sich
auch  manches  antike  Stück  befindet,  in  reicher  Fülle  verteilt.
Die  kleinen  Kunst-Spezial-Sammlungen  von  Dosen  und
Uhren  aus  Gold,  Silber,  Email,  Porzellan  etc.  sind  in  Vitrinen
kunstvoll  ausgestellt.  Ebenso  die  schönen  Miniaturen,  von
denen  Meister,  wie  Jan  Augustin,  Kriehuber,
A.  Theer,  Eibl,  Engelhardt  besonders  hervorgehoben
werden  müssen.  Ostasiatischer  und  russischer  Kleinkunst
(Holz  und  Elfenbein)  soll  neben  den  antiken  Stoffen  und  Brokaten ­
  Erwähnung  getan  werden.  Der  Reichhaltigkeit  des
übrigen  Materials  entsprechend  sind  silberne  Service,  Geschirre, ­
  Bestecke,  für  48  Personen,  komplett  vorhanden.  Ferner ­
  schwere  silberne  Prunktafelgeräte  und  silberne  Kamin-Zierstücke.
  Die  antiken  und  modernen  Luxusservice  und  Einzelstiieke
  aus  Porzellan  entstammen  ebenso  deutschen  Manufakturen ­
  (Meißen,  Höchst,  Ludwigsburg  ctc.)  wie  edelstem
französischen  Material  (Sevres,  Limoges  etc.).  Die  Gebrauchsservices ­
  sind  von  Kopenhagen,  Ginori,  Berlin  u.  a.  gefertigt.
Die  große  Bibliothek  enthält  wohlerhaltene  Erstausgaben ­
  und  Luxusdrucke  deutscher  und  französischer  Autoren.
Der  reich  illustrierte  Katalog  XXXI  versucht,  dem  Charakter ­
  und  der  Fülle  des  Materials  gerecht  zu  werden,  das  am
besten  an  Ort  und  Stelle  gewürdigt  werden  kann.

!Der  vierte  [Feit  der  Sammlung  c (S)arnecfi.

Am  18.  November  hat  das  Kunstauktionshaus
Leo  S  c  h  i  d  1  o  f  in  Wien  den  vierten  (letzten)
Teil  der  Miniaturensammlung  W  a  r  n  e  ck  versteigert.
Damit  ist  nun  die  berühmte  Sammlung  vollends  aufgelöst. ­
  Es  war  nur  natürlich,  daß  diese  Auktion  Liebhaber ­
  aus  aller  Herren  Länder  nach  Wien  zog,  die
denn  auch  die  hervorragendsten  Stücke  erwarben.  Die
Preise  waren  demgemäß  sehr  gute.  Der  signierte
Hall  brachte  7500,  der  L  i  o  t  a  r  d  7000,  der  T  e  rr
  o  u  x  4000  S.  Im  ganzen  ergab  die  kleine  Kollektion
58.125  bezw.  mit  dem  22%igen  Aufschlag  7  0.9  12
Schilling.
Die  Einzelpreise  sind  (in  Schilling):
Buchminiaturen.
1  Deutsche  Schule  des  15.  J.  Zwei  Seiten  eines  deutschen

Missales  200
3  Franz.  Schule  des  15.  J.  Hl.  Martin  von  Tours,
segnend  160
4  Italienische  Schule  des  13.  J.  Kaiser  sitzend,  in  der
Linken  ein  Buch  haltend  HO
Dosen.
6  Dose  aus  blondem  Schildpatt  mit  zweifarbigem  Gold  260
7  Desgl.  320
8  Dose  aus  Perlmutter  mit  Goldmontierung  1500
Miniaturen  und  Emails.
10  Besserer,  Landschaft  im  Vordergründe  die
Versuchung  Christi  630
11  Adrian  Brouwer,  Der  Muschelverkäufer  600
12  C  o  o  p  e  r,  Bildnis  des  Dudley,  Viscount  Dorchester  1300
13  C  o  u  r  t  o  i  s,  Bildnis  einer  Dame  in  gelbem  Pelzmantel ­
  1800
14  Ders.,  Dame  in  weißem  Umhang  550
16  Ders.,  Dame  in  dekolletiertem  rosa  Kleid  1500
17  Ducreux  zugeschr.,  Herr  in  grauem  Rock  und
Spitzenjabot  280
18  F  e  r  r  i  e  r  e,  Dame  in  weißem  Kieid  und  blauem
Kopfputz  700

19  Frangois,  Mann  in  dunklem  Wams,  angeblich
Moliere  1300
20  Ders.,  Mann  in  dunkler  Kleidung  mit  weißem
Umlegkragen  700
21  Goya  zugeschr.,  Zwei  figuralc  Skizzen  900
22  G  r  a  v  e  I  o  t,  Das  Liebespaar  160
23  Hai  1,  Jüngerer  Mann  in  lila  Rock  mit
Spitzenjabot  7500
24  Hall  zugeschr.,  Jüngerer  Mann  in  grünem  Rock  950
25  Schule  des  Frans  Hals,  Knabe  in  dunklem  Wams  480
26  H  i  11  i  a  r  d,  Bärtiger  Mann  in  schwarzem  Wams  3200
27  Höefnagel,  Bethsabe  im  Bade  650
28  Hoskins  zugeschr.,  Dame  in  reicher  schwarzer
Kleidung  300
29  H  u  r  t  e  r,  Dame  in  dekolletiertem  Kleid  mit  rotem
Umhang  2200
30  Largilliere  zugeschr.,  Dame  in  hellem,  goldgestickten ­
  Kleid  mit  blauem  Mantel  220
32  Le  Bel,  Herr  in  blauem  Rocke,  Dame  in  weißem
Kleid  und  Kind  1000
34  L  i  o  t  a  r  d,  Junger  Mann  in  blauem  Rock  7000
36  L  o  n  g  h  i,  Selbstporträt  des  Künstlers  in  blauem
Rock  1000
37  M  o  r,  Herr  in  dunklem  Wams  mit  weißer
Halskrause  1900
38  Mussard,  Dame  in  blauem  Kleid,  einen  Fächer  in
den  Händen  90
40  Net  sc  her,  Junger  Mann  in  schwarzem  Wams
und  Spitzenjabot  2000
41  Ders.,  Junger  Edelmann  in  schwarzem  Wams  650
42  O  r  t,  Das  Picknick  am  Schloßteich  350
43  Ders.,  Die  Schafschur  450
44  Pot,  Gelehrter  in  schwarzem  Mantel  1800
45  R  a  b  e  1,  Gabriele  d’Estrees,  Favoritin  v.  Heinrich  IV.  2000
46  Roslin,  Herr  in  rotem  Rock  750
47  Slingeland,  Mann  in  blauem  Ueberwurf  und
weißer  Halsbinde  1000
49  Terroux,  Selbstbildnis  der  Künstlerin  in
blauem  Kleid  4000
51  V  o  i  s,  Offizier  in  braunem  Rock  320
52  W  e  y  1  e  r,  Mann  in  lila  Rock  mit  Spitzenjabot  2800
53  Englische  Schule  17.  J.  Herr  in  dunklem  Wams,
Dame  in  schwarzem  Kleid  150
            
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