Zentralblatt für Sammler, Liebhaber und Kunstfreunde,
Herausgeber: Norbert Ehrlich.
18. Jahrgang. Wien, 15. Februar 1926. Nr. 4.
Der QrapfURer
Von Br. “Bruno
Was A. F. Seligmann einmal über den Maler
Konrad gesagt hatte, das gilt ebenso auch für den
Graphiker Konrad: „Eine interessante Erscheinung.
Sehr geschickt, vielleicht zu geschickt". Wie dieser
Künstler, der am 15. Juli 1869 in Sarvar (Komitat Eisen
burg) geboren wurde, als Maler früh eine selbständige
Art entwickelt hat, die seine Bilder sofort erkennen
läßt, so ist er auch als Graphiker bald eigene Wege
gegangen. Während er aber als Maler einst tüchtige
Führer gehabt hatte, Simon Holosy und Joh. Herterich
in München, Paul Schad-Rossa in Graz, war er auf
dem Gebiet der Graphik, der er sich vor fünf Jahren
zugewandt hatte, eigentlich ohne Führung, wenn man
von der dürftigen Unterweisung, die er als Lithographen
lehrling kurz Zeit in seiner Jugend erhalten hatte, ab
sieht. Bis heute liegen rund fünfundzwanzig Platten
vor, die sich auf die Jahre 1921 bis 1923 verteilen,
etliche schon zerstört, so daß Sammler sich umsehen
müssen, um die ersten Blätter von ihm noch zu er
halten. Dazu sind von den weichen Zinkplatten immer
nur wenig Drucke erschienen. Da die Zahl der Freunde
seiner Blätter stetig zunimmt, folgt ein Verzeichnis
seiner Drucke, deren Vertrieb die bekannte Grazer
Kunsthandlung Meyerhoff übernommen hat.
1. Der Philosoph (1921). Tiefgeneigter Kopf
eines alten bärtigen Mannes in reiner Profilansicht.
Blick nach rechts. — Radierung auf Zink. In einer sehr
tiefen Aetzung durchgeführt. Hintergrund tonig. Platte
zerstört. Nach dem Druck gemessen: 140 mm hoch,
100 mm breit. Nur ungefähr 15 Drucke sind vorhanden.
Die Vorstudie (Kohlezeichnung auf Tonpapier) befindet
sich in der Sammlung des Künstlers.
2. Alte Frau, Weiberstudie (1921). Etwas
geneigter Kopf in reiner Profilstellung mit hoher Frisur.
Blick nach links abwärts. Radierung auf Zink. In einer
sehr tiefen Aetzung durchgeführt. Hintergrund reiner
Plattenton, rechts mehrere durchgeätzte Punkte. Platte
zerstört. Nach dem Druck gemessen: 140 mm hoch,
100 mm breit. Stark verkleinert reproduziert unter
„Weiberstudie" im 2. Heft der „Grazer Kunst u. Mode",
1912, Seite 32. Das Modell war eine Frau aus dem
Volke. Nur 10 bis 12 Drucke überhaupt vorhanden.
Platte 1 und 2 als Gegenstücke gedacht.
3. BlickvomGrazerRathau sturm (1921).
Blick über die Dächer der Häuser des Hauptplatze^
auf die Franziskanerkirche. Im Hintergrund rechts dtf:
Defa ^Konrad.
Binder (Qraz),
Barmherzigenkirche. Die Dächer wenig mit Schnee
bedeckt. Radierungen auf Zink. Zwei Aetzungen (Flach-
und Tiefätzung). Platte vernichtet. Nach dem Druck
gemessen 191 mm'hoch, 150 mm breit. Nur ungefähr
20 Drucke sind hergestellt worden. Verkleinert ab
gebildet in der „Rundschau" Nr. 28 (1924) Seite 4
Verlag Armeemarinehaus, Berlin NW. 7.
4. Altgraz (1921). Einblick in einen Hof eines
alten Hauses. Links im Vordergrund ein Brunnen, da
hinter ein Gitter mit einem gemauerten Eingangspfeiler.
Der größte Teil des Hofes liegt im Schatten. Das ein
stöckige Haus mit dem weit vorspringenden Dachstuhl
hat im 1. Stock einen offenen Holzgang. Aus dem
Hauswinkel ragt ein schmaler Rauchfang empor. Ra
dierung auf Zink. Platte: 176 mm hoch, 130 mm breit.
5. Der Hunger (1921). Schräg gestellter Kna
benkopf im Profil nach links. Der Junge schiebt gierig
einen Bissen in den weit geöffneten Mund. Platte ab
geschliffen. Nach dem Druck gemessen: 170 mm hoch,
150 mm breit. Radierung auf Zink. In einer Aetzung
durchgeführt. Die Abzüge, nur in einer Anzahl von
ungefähr 6 Stücke vorhanden, wurden auf Tondruck,
der mit einer Steinplatte hergestellt war, gedruckt. Die
Studie (eine Kohlezeichnung) in der Sammlung des
Künstlers.
6. Der Mandlkeller in Graz (1922). Durch
gang des Hauses Hauptplatz, rechts und links hohe
alte Mauerwände, im Hintergrund ein Teil der
Kuppel und die Turmspitze der Franziskanerkirche. Ra
dierung auf Zink, ln einer Aetzung durchgeführt. Platte
abgeschliffen. Nach dem Druck, der den Vermerk
„Probedruck" trägt, gemessen: 160 mm hoch, 110 mm
breit. Nur 10 bis 12 Drucke vorhanden.
7. DerKapa unplatzin Graz (1922). Durch
blick zwischen die engen Häuser, die Stützbogen ver
binden. Radierung auf Zink. In einer Aetzung durch
geführt. Platte: 160 mm hoch, 110 mm breit.
8. Graz (1922). Blick vom ehemaligen Nikolai-
(heute Grieskai) auf die Albrechtsbrücke. Dahinter die
Häuser am Franz Josefskai und kälbernem Viertel, vom
Turm der Franziskanerkirche überragt. Im Hintergrund
die breite Silhouette des Grazer Schloßberges mit dem
Uhrturm, der Stallbastei mit der Kuppel des Lieslturms.
^^äfjeru^ng auf Zink. Zwei Aetzungen (Tief- und Flach-
3Jzung). , Dieses Blatt ist auch dreifarbig erschienen.
• ( Platte: 127 mm hoch, 190 mm breit.