Nr. 9
Internationale Sathmler-Zeitung
Seite 71
(Eine unbekannte Handzeich n.u n g v o n
Scheffel.) Eine bisher unveröffentlichte Hand
zeichnung des Heidelberger Schlosses von Joseph Victor
von Scheffel verzeichnet das soeben erschienene anti
quarische Verzeichnis Nr. 341 von Ernst Carlebach in
Heidelberg. Die in dem Katalog abgebildete Zeichnung
ist signiert und datiert 1845. Im Nachlasse Scheffels (zirka
380 Zeichnungen) befindet sich nicht 'ein einziges Blatt von
Heidelberg. Wo der Dichter literarisch arbeitete, ruhte sein
Zeichenstift. Daher ist das Ausgebot ein Unikum. Auch die
erste Strophe von „Alt-Heidelberg“ in des Dichters eigener
Handschrift wird gleichzeitig ausgeböten. Das Autograph ist
in Originalgröße im Kataiog nachgebildet. Ebenso ein-Stamm
buchblatt von Scheffels Vater aus einem Studentenstammbuch
von Mitgliedern des Korps Suevia von 1816 und 1817. Die
Werke Scheffels sind in Erstausgaben ebenfalls in dem inter
essanten, mit neun Abbildungen versehenen, 177 Nummern
umfassenden Kataloge angeführt, desgleichen eine ganze
Reihe. Scheffelliteratur und Schriften, Bilder von bcheffel-
stiitten und Scheffels Freunden.
(Josef W i n t er s t e i n.) Von befreundeter Seite wird
uns unter Bezugnahme auf den in letzter Nummer gebrachten
Nachruf noch mitgeteilt: Herr M. F. Abel e s, der Gründer
der gleichnamigen Firma, war es, der die Tüchtigkeit des
damals sehr jungen Winterstein erkannte und Veranlassung
war, daß dieser nach Wien kam und bei ihm in die Lehre
eintrat. Dieses Haus dürfte das erste gewesen sein, das die
Erzeugung von Rahmen und den Export von Bildern in
Schwung brachte. Der junge Winterstein war ein guter
Schüler, sein Wirkungskreis wurde ihm sehr bald zu eng
und das Bedürfnis, sich frei und voll betätigen zu können,
machte ihn schon nach wenigen Jahren flügge.
(Besitzstreit um ein wertvolles italieni
sches Gemäld e.) Aus Budapest wird uns geschrieben:
Die hiesige italienische Gesandtschaft hatte vor Wochen dem
ungarischen Ministerium des Innern mitgeteilt, zwei junge
Leute hätten der Gesandtschaft ein Gemälde von hohem Kunst-
werte, einen „Christus am Kreuze“, zum Kaufe angeboten,
ohne anzugeben, in welchem Besitze sich das Bild befände.
Die Gesandtschaft stellte nach dem offiziellen Verzeichnisse
fesi, daß das Gemälde zu den erbeuteten Kunstdenk
mälern gehört; es hat früher als Altarbild eine italienische
Kirche geschmückt. Das ungarische Ministerium traf die
nötigen Verfügungen, und nach langen Recherchen konnten
Budapester Defektives das Bild in Sopron entdecken. Der
derzeitige Besitzer wies nach, daß er es vor Jahren um einen
hohen Preis käuflich erworben habe; es sei daher ohne sein
Wissen und ohne seine Zustimmung der Gesandtschaft zum
Kaufe angeboten worden. Derzeit befinde es Sich bei Ver
wandten des Besitzers in Budapest, deren genaue Adresse
er auch angab. Wenn er es zurückgeben müsse, so verlange
er natürlich Schadenersatz. Anderseits besteht aber auch die
italienische Gesandtschaft auf ihrem Rechte. Man sieht der
Entscheidung dieses Besitzstreites mit begreiflichem Inter
esse entgegen.
(Die Stradivarigeige der Recamier.) Der Vio-
linvirtuos Mischa E 1 m a n hat von der Pariser Händlerfirma
Carress a und Francais um den Preis von 50.000 Dollar
eine Stradivarigeige aus dem Jahre 1817 gekauft, die seinerzeit
vom französischen Minister Barras der Madame Recamier
geschenkt worden war. Diese verkaufte das Instrument 1804 an
den Marschall Comte M o I i t o r, aus dessen Besitz es auf mehr
fachen Irrwegen zu der Pariser Händlerfirma gelangte. Mischa
Elman glaubt in dem Instrument eine der drei besten Geigen
der Welt zu besitzen. Er nennt noch ein zweites Instrument des
großen Geigenmachers von Cremona sein eigen, das jedoch dem
neuerworbenen an Güte nachsteht, da es 1735 gebaut wurde,
als der Meister schon 90 Jahre alt und fast erblindet war. Als
die beiden anderen berühmtesten Violinen der Welt bezeichnete
Mischa Elman das „M e s s i a s“ genannte Instrument in der
H i 1 I s’schen Sammlung in London und die Bettsvioline
in einer amerikanischen Sammlung, beides indes nur Museums
stücke, auf denen nie gespielt wird, während er seine Stradivari
aus dem Jahre 1717 schon itn kommenden Herbst in Konzerten
erklingen lassen will.
MUSEEN.
(Ein neues Museum in Verona.) Vor einigen
Tagen wurde in Verona, in der dortigen Fortezza, ein
neues städtisches Museum eröffnet. Der , Festakt ging mit
besonderer Feierlichkeit vor sich; der König von Italien war
dabei anwesend.
(Das Spielzeugmuseum in Moskau.) In
Moskau ist vor kurzem ein einzigartiges Museum errichtet
Galerie Fromme
Inhaber Hermann Fromme. ä
WIEN, I.
Stallburggasse 4. :: Telephon 78.035. ||
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im Mai ff
abzuhaltende Gemälde-
Versteigerung übernimmt die jj
Galerie Fromme noch Elinzeltseiträge §|
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worden. Es ist dies das „Museum der Kinderspielzeuge“, ln
Rußland war das Spielzeug von jeher ein künstlerisches
Produkt der Bauernarbeit. Die russischen Bauernspielzeuge
sind durchwegs originelle Kunstwerke; was übrigens durch
die Tatsache bestätigt wird, daß diese Art russischer Heim
kunst auch im Ausland, besonders in der Spielzeugindustrie,
großen Anklang findet. Im Moskauer Museum sind ungefähr
zehntausend verschiedene Gegenstände ausgestellt. Man
kann dort die Spielzeuge der aristokratischen Kinder aus den
Vierzigerjahren des vorigen Jahrhunderts bewundern. Es
sind ganze Puppenzimmer mit feinen Möbeln und kostbaren
Einrichtungen, in denen reizende Puppen in schönen Krino-
linekleidern auf kostbaren Sesseln ruhen. Daneben kann man
aber auch einfache Bauernspielzeuge, Puppen aus Stroh,
Lappen und Wolle, sehen. Ein Gang durch das Museum
vermittelt eine Vorstellung von der Entwicklung der russi
schen bäuerlichen Heimkunst und ist eine aufschlußreiche
Schau der Entwicklung russischer Kultur.
(Ein Holbein für das Ne w-Y orker Musen m.)
Das Metropolitan-Museum in N e w - Y o r k hat jetzt ein klei
nes Meisterwerk Hans H o 1 b e i n s des Jüngeren erworben,
die Bildnisminiatur von Thomas Wriotheslei, erstem Earl von
Southampton. Die Miniatur war im Besitze dieser englischen
Familie geblieben, bis sie von Sir Francis Cook erwornen
wurde. Der Entwurf Holbeins dazu kam mit der Sammlung
F 1 a m e n a in den Louvre. Wriotheslei gehörte zu den er
folgreichsten Politikern unter der Regierung von Holbeins
Gönner, dem König Heinrich VIII. von England.
(Vom Kunsthändler zum Museumsdirek-
t o r.) Die Wallace-Collection, die berühmte Londoner Gale
rie, hat jetzt einen neuen Leiter erhalten; vom Premier
minister wurde dazu Sir Joseph D uveen ernannt. Da die
Wallace-Coliection in ihrem Bestände ja abgeschlossen ist, be
deutet die Ernennung Duveens eine Ehrung des englischen
Kunsthändlers.
VOM KUNSTMARKT.
(Wiens älteste Kunsthandlung), die seit 1770
bestellende Firma A r t a r i ä & Co., welche schon im alten
Wien Gemälde- und Graphik-Auktionen durchgeführt hat,
erhielt neuerlich die für Veranstaltung von Auktionen jetzt
erforderliche Konzession. Sie will sich nunmehr auch auf
diesem Gebiete des Kunsthandels wieder betätigen und ins
besondre auch ihre Auslandsbeziehungen in der Richtung
der rationellen Verwertung von Sammlungen internationaler
Bedeutung einsetzen. Die Hauptgebiete der Kunsthandlung
Artaria sind bekanntlich seit jeher alte Gemälde, die Alt-
Wiener .Meister, alte Zeichnungen und Stiche, sowie Graphik
im weitesten Sinne.
(Auktionshaus Glückselig in Wien.) Am
4. und 5. Mai kommt im Auktionshaus Glückselig eine
Kollektion mittelalterlicher Bildwerke zur Ver
steigerung, die eine so bedeutende Anzahl hervorragender
Plastiken vereinigt, wie sie in den letzten Jahren kaum auf
den Auktionsmarkt gekommen ist. Die Sammlung umschließt
deutsche, französische und italienische Plastiken des 13. bis
16. Jahrhunderts und enthält Meisterwerke in Holz, Stein
und Terrakotta, von denen einzelne in der Aussteilang für
christliche Kunst in der Sezession zu sehen waren. Der von
Dr. Kieslinger verfaßte und mit einem Vorwort ver
sehene Katalog enthält Abbildungen aller Objekte und in der,
in einer beschiänkten Auflage erscheinenden Sonderausgabe